Kurzgeschichten-Wettbewerb - MAGIE

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Welche Geschichten sind eure Favoriten? (Abgabe mehrerer Stimmen möglich!!)

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Stimmen insgesamt : 22

Kurzgeschichten-Wettbewerb - MAGIE

Beitrag von Akeem am Fr 02 Jun 2017, 20:15

Edit: 04.07.2017
Abgaben:

  1. Sicherheit

  2. Schmetterlingseffekt

  3. Im Wald der Hexe

  4. Streetlife

  5. Der Fluch der Selbstsucht

  6. Amelie





Heyo Heyo,

es ist vollbracht und es ist entschieden. Nachdem sich ja doch noch auf meine zweite Anfrage ein paar gemeldet haben, gibt es Hoffnung und einen weiteren Versuch für einen kleinen Kurzgeschichten-Wettbewerb hier bei uns im Forum! Yeah!


Die Regeln sind ganz einfach:
Ihr erstellt in dem vorgegebenen Zeitraum eine Kurzgeschichte, die irgendetwas mit dem vorgegebenen Oberthema zu tun hat und lasst sie mir zukommen. Ob nun über PM oder Skype, oder per Mail, ist völlig gleich, Hauptsache sie ist rechtzeitig da.

Anschließend werde ich alle Geschichten lesen und ein kleines Review dazu schreiben, was ich dann zusammen mit den Geschichten veröffentlichen werde. Danach haben alle im Forum die Möglichkeit ihren Gewinner per Voting zu küren. Also super einfach!


Hier nun die wichtigsten Fakten:
Das Thema ist MAGIE.
Wie ihr dieses Thema interpretiert ist völlig euch überlassen. Also lasst eurer Fantasie freien Lauf!

Die Geschichte ist bis zum 30.06.2017 23:59 Uhr einzureichen. Eine Maximal- oder Mindestlänge gibt es nicht!



Dann mal ans Werk, Leute! Viel Spaß


Zuletzt von Akeem am Do 06 Jul 2017, 13:55 bearbeitet; insgesamt 3-mal bearbeitet
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Re: Kurzgeschichten-Wettbewerb - MAGIE

Beitrag von Akeem am Di 04 Jul 2017, 22:37

Leute Leute, es ist geschehen! Wir haben es tatsächlich geschafft einen Wettbewerb abzuschließen und das sogar mit einer ordentlichen Anzahl von Abgaben. Ich danke wirklich jedem, der mitgemacht hat und möchte euch und alle anderen gerne dazu einladen, die Einsendungen zu lesen, für eure Favoriten zu voten und vielleicht auch noch das eine oder andere zusätzliche Feedback hier zu lassen.

Das Voting wird 7 Tage andauern, also bis zum 11.07.2017 (etwa 22:30) Danach wird hoffentlich ein Gewinner feststehen! Das Voting ist anonym und auch die Namen der Autoren werden nicht vor dem Ende des Votings veröffentlicht, da wirklich nur das Werk an sich bewertet werden soll. Ich bitte auch alle Teilnehmer vorher nicht zu verraten, wer genau welche Geschichte abgegeben hat. ;)

Ich werde nun alle Geschichten hier posten und dazu den Kommentar der Jury darunter schreiben. Der Jury Kommentar ist als Feedback zu sehen, aber auch als allgemeines Review. Wenn jemand Feedback zum Feedback geben möchte, sei er auch gerne dazu eingeladen. Und ja, wenn ihr Fehler im Feedback findet, ist die Ironie für mich nicht zu übersehen ;D

Gerne könnt ihr auch allgemein Feedback zum Wettbewerb geben und auch gerne Ideen für einen möglichen Preis dalassen. Bisher habe ich leider nämlich noch keine Idee, was derjenige dort bekommen könnte. Aber hey, ich hab ja noch eine Woche, I guess ;D

Abgaben:

  1. Sicherheit

  2. Schmetterlingseffekt

  3. Im Wald der Hexe

  4. Streetlife

  5. Der Fluch der Selbstsucht

  6. Amelie



Zuletzt von Akeem am Di 04 Jul 2017, 22:48 bearbeitet; insgesamt 1-mal bearbeitet
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Re: Kurzgeschichten-Wettbewerb - MAGIE

Beitrag von Akeem am Di 04 Jul 2017, 22:38

Sicherheit:

Sicherheit
 
Die Türen öffnen sich mit dem gewohnten, leisen Geräusch. Es ist, als würden sich die Tore zur Außenwelt wieder öffnen und die Geräusche zu mir durchdringen lassen. Innerhalb des Krankenhauses war es totenstill. Wie immer. Man hat das Gefühl, dass der eigene Atem lauter ist, als die Umwelt. Ich habe es schon immer gehasst.
Ich ziehe mir die Kapuze über den Kopf und verstaue die Hände in den Jackentaschen. Tief und bedrohlich schweben dunkle Wolken über mich hinweg. Der Vorplatz des Krankenhauses ist beinah leer. Nur ein paar wenige Menschen hasten entweder hinein oder hinaus. Sie alle haben davor Angst, dass es bald zu regnen beginnt. Die Frage, die sich mir stellt: ich auch?
Ein Lächeln schleicht sich mir auf die Lippen. Immerhin zerbreche ich mir über solche Sachen den Kopf. Und nicht darüber, was der Arzt sagt. Warum sollte ich auch? Es gibt viel mehr Dinge, über die man sich Sorgen machen muss. Mit schweren Schrittes stampfe ich über den Hof. Will so schnell wie möglich zur Bahn. Laut der Uhr im Krankenhaus sollte sie in ein paar Minuten fahren. Wenn ich Glück habe, bin ich pünktlich. Wenn nicht, muss ich eben warten.
An mir zieht die Parkbegrünung vorbei. Neben dem gepflasterten Hof stehen lauter bunte Blumen und Bäume. Bestimmt damit man kein so ein beklemmendes Gefühl hat, wenn man das Haus betritt. Doch es ist wirkungslos, wenn einem hinter den Türen nur ein steriles Weiß erwartet. Ich liebe weder die Natur noch die Technik. Aber wenn ich mich entscheiden müsste, finde ich die Natur schöner. Wenn man daran denkt, wie schön ein Wald sein kann und was er einem alles geben kann. Es wird noch Jahre dauern bis die Technik soweit ist.
Ich grummle, als ich den ersten Tropfen auf der Nase spüre und ziehe die Kapuze tiefer ins Gesicht. Natürlich fängt es jetzt an zu regnen. Ich beschleunige meine Schritte. Hoffe inständig, dass ich nicht zu spät bin. Zum Glück ist die Haltestelle der Straßenbahn gleich in der Nähe. Ich biege ab, kann sie sogar schon sehen. Ein siegessicheres Lächeln spiegelt sich auf meinen Lippen. Das sofort erlischt. Erschrocken drehe ich mich um und sehe die gelbe Bahn heranfahren. Mutlos lasse ich die Schultern sinken. Ich könnte es vielleicht schaffen, wenn ich rennen würde. Doch das Risiko wollte ich nicht eingehen.
Also bleibt mir nichts anderes übrig als zuzusehen, wie die Bahn an der Haltestelle hält, Leute ein und aussteigen und dann fährt. Kurz darauf treffe ich auch ein. Stelle mich unter das Glasdach und starrte auf die Schienen vor mir. So ein Mist aber auch. Die Anzeige bestätigt meine Vermutung. 15 Minuten warten.
Das rhythmische Tropfen des Regelns auf dem Dach verdichtet sich zu einem 
Trommeln. Lässt es beinah schon aggressiv wirken. Innerhalb von Sekunden war die Welt unter Wasser gesetzt. Die wenigen Menschen, die noch unterwegs waren, spannten ihre Schirme auf. Doch auch die grellen Farben erhellten die Welt nicht. Es sah einfach grau aus.

Auf der Straße gegenüber wechselte der Werbebanner. Es zeigte ein kleines Kind mit großen Augen. Verletzt und abgemagert. Eines der vielen Bilder, die in letzter Zeit für den Flüchtlingsschwung warben. Ich hatte mich nie sonderlich dafür interessiert. Solange sie mein eigenes Leben nicht irgendwie beeinträchtigten, war es mir egal, was sie machten. Und dennoch war es in aller Munde.
Die 'Fremden'. Es waren keine normalen Flüchtlinge. Eigentlich weiß keiner etwas Genaues über sie. Nur, dass sie jetzt hier, in unserer Stadt, waren. Irgendwo am Rand sollte etwas für sie erbaut worden sein. Doch es waren nur Gerüchte. Merkwürdig gekleidete Menschen. Erzählte man sich. Sollen wohl aus dem asiatischen Raum kommen. Manche meinen, dass sie von den Russen wären. Andere behaupteten, dass sie von Island kommen sollten. Ich dachte, dass die Zeit der Gerüchte und Tratschweibern vorbei wäre, doch damit hat man mir nur das Gegenteil bewiesen. Kriegsflüchtlinge, sagte eine Nachbarin von mir. Sie würden wohl verjagt worden sein. Die andere hatte sich eingemischt und gleich ihre Variante erzählt. Es sei eine neue Religion, welche im eigenen Land unerwünscht wäre.
Ich konnte zu so etwas nur den Kopf schütteln. Man wird sehen, was passiert, wenn es soweit ist. Wer weiß überhaupt, ob sie wirklich kommen oder schon da sind? Es ist alles so ungewiss. Und hatte mit Sicherheit keinen Einfluss auf mein alltägliches leben. Meistens machte man sich ja ein Kopf über nichts. All die Dinge, die man entscheiden muss und darüber grübelt, sind in Wahrheit unbedeutend. Es ändert wenig an dem eigenen Leben. Gar nichts an dem Leben der Nachbarn und noch weniger an der Welt. Ergo ist alles, was wir tun, bedeutungslos.
Mein Blick schweift erneut zu der Anzeigetafel. 10 Minen noch. Heute will die Zeit wirklich nicht vergehen. Mittlerweile ist die Straße menschenleer. Keiner traut sich bei so einem Wetter raus. Das Geräusch des Regens beginnt melancholisch zu werden. Es verleitet mich dazu, die Augen zu schließen. Man hört nichts. Erst, nur den Regen. Dann ein Vogel. Wie er irgendwo herumflattert. Ein Auto fährt vorbei. Durch eine Pfütze, lässt das Wasser aufspritzen. Ein paar Füße stapft durch sanfte Pfützen. Ich öffnete die Augen. Wahrscheinlich nur um zu sehen, wer sich jetzt zu mir gesellt.
Der Anblick, der sich mir bietet verwirrt mich.
Neben mir steht ein Mädchen. Kleiner als ich. Nur mit einem Umhang und einer Kapuze bekleidet. Jene hat sie, wie ich, ins Gesicht gezogen. Darunter kommen schwarze Haare zum Vorschein. Blasse Haut. Große, hellbraune Augen. Der Umhang geht ihr bis zu den Knien. Ab da ziert eine schwarze Hose ihre Beine. Als würde ihre Kleidung nicht schon genug auffallend sein, hat der Umhang dunkle, goldene Muster, die sich fein darüberlegen. Mit jeder Bewegung schimmern sie, als würden sie sich bewegen.
Gebannt sehe ich sie an. Kann nicht anders. Ihre Erscheinung ist einfach zu fremd. Sie nickt mir zu. Langsam und mit Bedacht. Kein Ausdruck liegt auf ihrem Gesicht. Als würde sie keine Emotionen haben. Sie dreht sich zu der Wand, auf der der Plan der Stadt hängt. Eine Minute sieht sie darauf, scheint immer wieder die verschiedenen Linien durchzugehen. Dann wendet sie sich zu mir. Erschrocken sehe ich auf. Mir war gar nicht bewusst, dass ich sie die gesamte Zeit über angeschaut habe. Ich wollte schon ertappt wegsehen, als sie den Finger auf einen Punkt legte, der die Haltestellen darstellte. Sie legte den Kopf schief. Hatte sie eine Frage?
Vorsichtig stellte ich mich neben sie. Sie wollte also an den Rand? Ich überlegte kurz und tippte dann auf unsere Haltestelle. „Hier sind wir.“, versuchte ich zu erklären. „Sie müssen die Linie 4 nehmen und bei der Haltestelle Ottern-Platz auf die Linie 7 umsteigen.“ Zur Verdeutlichung fuhr ich mit den Fingern die Linie nach.
Schweigend sah sie mich an. Und ich zurück. Wartete auf irgendeine Antwort. Auf eine Emotion, die zeigt, dass sie es verstanden hatte. Doch die bekam ich nicht. Sie drehte sich einfach um und wartete auf die Bahn. Seufzend tat ich es ihr gleich. Ein merkwürdiges Mädchen. Nur ein paar Minuten später traf die Bahn ein. Ich trat an die Türe und als wäre sie ein Hund, folgte sie mir, stellte sich neben mich. Nachdem die Leute ausgestiegen waren, trat ich ein, setzte mich auf einen der freien Plätze. Das Mädchen, wie sollte es anders sein, blieb an meiner Seite stehen.
Bei der ersten Kurve der Bahn, taumelte sie kurz, ehe sie etwas zum Festhalten fand. War das ihre erste Fahrt? Ich sah sie an und deutete auf den Platz gegenüber. Ihr Blick schweifte von mir, zu dem Sitz und dann wieder stur geradeaus. Ich schüttelte den Kopf.
Mit jeder Haltestelle leerte sich die Bahn. Es gab kaum Leute, die zustiegen. Am Ende war jedes Gespräch verstummt und es herrschte eine Ähnliche Atmosphäre wie im Krankenhaus. Es war fast eine Erleichterung, als das Klingeln kam und die Haltestelle durchgegeben wurde. Ottern-Platz. Ich drehte mich halb um, wollte ihr deuten, dass es ihre Haltestelle war. Und zeigte mit den Fingern die Nummer 7. „Linie 7 bis zur Endstation.“, erklärte ich noch einmal. Diesmal verbeugte sie sich leicht, oder war das ein Nicken? Was dann geschah war mehr als gruselig.
Sie hob ihre Hand, streckte Zeige- und Mittelfinger aus und berührte meine Stirn. Die Berührung war so sanft, dass ich sie kaum spürte. Doch jene Stelle kribbelte warm. Ihre Augen zuckten leicht. Verwirrt und wie erstarrt sah ich sie an, verstand nicht, was sie da tat. Doch ich ließ es geschehen. Und im nächsten Augenblick war sie weg. Die Türen schlossen sich und die Bahn fuhr weiter.
Dies war meine erste Begegnung mit den Fremden.
 
Die nächsten zwei Wochen vergingen wie im Flug. Die Begegnung des Mädchens behielt ich für mich, jedoch wollte sie nicht aus meinem Kopf weichen. Ihre Art war merkwürdig faszinierend. Zu gern würde ich sie wiedersehen. Einfach nur, um mich weiter über sie zu wundern.
Doch in den letzten paar Tagen erstarb der Gedanke. Den Kopf in die Hände gelegt, die Ellenbogen auf die Knie gestützt. Das Zimmer ist abgedunkelt. Jedes Zimmer meiner Wohnung ist abgedunkelt. Ich sollte einkaufen gehen. Doch ich kann mich nicht dazu motivieren. Die Arbeit musste ich aufgeben. Meine Familie hat schon länger nichts von mir gehört, obwohl ich meine kleine Schwester liebe. Sicher machen sie sich bald Sorgen, wenn ich mich nicht melde.
Ich fahre mir durch die Haare. Seufze. Fühle mich kraftlos. Es hat noch nie jemanden etwas gebracht, vor seinen Problemen wegzulaufen. Und dennoch fällt es mir so unheimlich schwer. Ich stehe auf, drehe meine Runden in dem kleinen Zimmer. Vier Schritte vor, zwei zur Seite und wieder vier Schritte. Ich habe Bewegung schon immer geliebt. Ich sollte einfach raus. Selbst wenn ich dann immer noch nicht einkaufen geh, habe ich immerhin etwas getan. Besser als hier zu sitzen und zu jammern.
Fest entschlossen greife ich nach meiner Jacke. Nur wenig später schnallt die Türe hinter mir ins Schloss und ich steige die Treppen hinab. Es ist ein schöner Tag. Nicht zu warm und nicht zu kalt. Ein sanfter Wind weht und insgeheim hoffe ich, dass er mir die Sorgen davon weht. All die negativen Gedanken, die einen so bedrücken und nie von der Seite weichen. Ich hole tief Luft. Es riecht nach den Blumen des Gartens auf der anderen Seite. Lavendel, wenn ich mich nicht irre. Meine Gedanken sollte ich für einen Moment vergessen. Ich habe noch genug Zeit mich daran aufzuhängen.
Mein Weg führt mich zu Haltestelle. Irgendwie führt mich mein weg immer hier entlang. Planlos sehe ich auf die Karte. Ich könnte ins Stadtzentrum. In den Park in der Nähe oder... Mein Blick schweift auf den letzten Punkt ganz links. Auf die Haltestelle hat sie gezeigt. Ob sie dort wohnt? Ich lächle leicht und komme mir plötzlich vor, wie ein Stalker.
Es dauert etwas über eine Stunde als ich an der Haltestelle ankam. Recht verlassen, inmitten von lauer Bäumen und ungepflegten Pflasterstein. Ich war hier noch nie. Mein Herz schlägt freudig mal wieder etwas Neues zu entdecken. Ich verlasse die Straße und komme mir plötzlich vor wie auf einem Dorf auf dem Land. Es ist alles ungewöhnlich ruhig. Den Lärm innerhalb der Stadt kann man nicht hören. Keine Autos, die ständig umherfahren. Keine Jugendlichen, die einen immerzu anmachen.
Ich vergrabe meine Hände wieder in den Taschen und atme tief durch. Es war eine gute Entscheidung hier her zu kommen. Nur selten kreuzten Leute meinen Weg. Höflich grüßten sie mich und ich zurück. Die Stille brachte etwas mit sich, was ich erst einige Straßen weiter merkte. Die Hektik hatte ich in der Stadt zurückgelassen. Hier schien Zeit keine Bedeutung zu haben. Ich blieb stehen und sah in den kunstvoll gestalteten Garten neben mir.
„Junge, junge.“ Überrascht sah ich auf und entdeckte eine etwas ältere Frau auf dem Rasen. Über ihren Händen trug sie Handschuhe und hielt eine Gießkanne. Ich nickte höflich. „Dass ich hier nochmal ein fremdes Gesicht erblicke hätte ich auch nicht mehr gedacht“, lachte sie und kippte die Gießkanne. Wasser quoll auf die Blumen. Ich blieb einen Moment stehen und dachte über ihre Worte nach.
„Warum denn nicht?“, fragte ich und ging auf das Gespräch ein.
Das Lächeln der Frau wurde breiter. „Du liest wohl nicht oft die Nachrichten.“ Das stimmte sogar. Neugierig, was sie wohl meinte, lauschte auf aufmerksam. Die Frau richtete sich auf und deutete mit dem Finger in eine Richtung. „Dahinten haben die Gebäude für die Fremden gebaut.“ Ich folgte dem Blick, obwohl es nichts half. Durch die Häuser kann ich nicht schauen. „Seitdem das bekannt geworden ist und die ersten auf den Straßen gesichtet worden sind, trauen sich keine Leute mehr her. Es gehen die wildesten Gerüchte rum. Einige sind deshalb sogar weggezogen.“ Verständlich. Wer will in der Nähe von gruseligen Menschen leben, die man nicht kennt? Gut, ich habe keine Ahnung von ihnen. Doch ich kann mir vorstellen, wie beängstigend es ist, wenn man Kinder hat.
„Ich jedenfalls halte nichts davon.“ Sagt die Dame und wendet sich wieder ihren Blumen zu. „Immer wenn sie hier vorbei laufen grüße ich sie. Manche nicken mir zu, andere nicht. Aber sie haben ja noch niemanden verletzt und auch keinen Schaden angerichtet, wo man beweisen kann, dass sie es waren. Und solange das so bleibt, ist es doch in Ordnung wenn sie hier sind.“
Ich schweige einen Moment. „Haben sie keine Angst?“, frage ich schließlich.
„Ach was!“, antwortet sie und winkt mit der Hand ab. „Ich wohne hier zwar nicht alleine, doch mein Mann ist genau so alt wie ich. Wenn hier jemand kommt, hat er sicherlich ein leichtes Spiel.“ Ich ziehe die Augenbrauen zusammen. Das ist sicherlich kein Argument, weshalb sie keine Angst hat. Sie bemerkt es wohl und ergänzt ihre Rede. „Sie sehen friedlich aus. Manchmal sehe ich sie, vor sie vor Gärten stehen und sie Blumen ansehen. Oder auf den Wiesen und mit der Hand über die Blume streichen. Glaubst du wirklich, böse Menschen würden so etwas tun?“ Sie schüttelte erneut den Kopf. „Zwar reden sie kein Wort, ich manchmal habe ich vor unseren Jugendlichen mehr Angst.“
Der Satz gab mir zu denken. Anscheinend teilten sie Meinungen mehr, als ich dachte. Die einen würden sie als Monster sehen, die anderen als Naturliebhaber. Welche der beiden Versionen stimmt?
Nach ein paar weiteren Sätzen verabschiedete ich mich und machte mich auf den Rückweg. Für heute war ich genug unterwegs.
 
Immer wieder ging ich dorthin. Alle paar Tage machte ich einen Ausflug um meine Gedanken zu vergessen. Vielleicht hatte ich dort einen Ort gefunden, wo ich einen Ruhepol hatte. Wo man tief durchatmen kann und jeglichen Stress vergisst. Ehe man zurück in den Alltag geht.
Jedoch habe ich die Gegend gemieden, die mir die alte Frau gezeigt hatte. Hin und wieder spielte ich mit dem Gedanken dorthin zu gehen, doch ich tat es nie. Vielleicht aus Angst, was ich dort entdecken könnte. Auf der anderen Seite waren es nur Menschen.
Auch heute habe ich vor, wieder hinzugehen. Mittlerweile bin ich mit der alten Dame sogar recht gut befreundet. Jedes Mal wenn ich in der Nähe bin, komme ich auf eine Tasse Tee vorbei und wir tauschen Geschichten aus. Ich steh bei der Haltestelle am Krankenhaus und sehne mich schon danach, wieder sinnlos durch die Straßen zu laufen. Besonders nach den Arztterminen in letzter Zeit wünsche ich mir eine Auszeit. Ich kann nur hoffen, dass der Vorort seinen Charme nicht verliert.
Neben mir stellt sich eine weitere Person. Ich sehe nur mit halben Blick auf und nicke zur Begrüßung. Wie ich es mir im Vorort angewöhnt habe. Die Hände der Person heben sich und zeigen mir die Zahl 7. Sieben? Sollte das ein Sche- Meine Augen weiten sich. Schlagartig sehe ich auf und in die Seelenspiegel, die ich das letzte Mal vor gut drei Wochen gesehen habe. Die Fremde.
Ich lache schief. Sie hat sich an die Linie 7 erinnert. Obwohl ihr Gesicht genauso emotionslos ist, wie beim letzten Mal, wirkt es weich. Weich und freundlich. „Hallo.“, grüße ich sie. Sie lässt ihre Hände sinken. Keine Reaktion. „Lange nicht gesehen.“ Ich weiß nicht, wieso ich ein Gespräch anfange. Schließlich habe ich noch nie ein Wort von ihr gehört. Oder sonst eine Reaktion abgesehen von dem Nötigsten. Ob sie mich überhaupt versteht?
Sie nickt leicht. „Hast du dich hier inzwischen eingelebt?“ Sie wippt mit dem Kopf von der einen Seite zur anderen. Ist das ein 'ein wenig'? Ich sehe sie an, sie sieht zurück. „Wieso warst du in der Stadt?“, frage ich neugierig und merke erst im Nachhinein wie dreist die Frage war. Sie wühlt kurz unter ihrem Mantel, ehe sie ihre Hand herausstreckt und mir damit etwas entgegenhält. Eine kleine Tüte voller Süßigkeiten.
„Süßigkeiten?“, frage ich lachend. Damit hätte ich nicht gerechnet. Sie legt sich den Zeigefinger auf den Mund. „Ist das ein Geheimnis?“ Sie nickt. Ich schüttle lachend den Kopf. „Ich behalte es für mich. Keine Sorge.“ Ihr Arm streckt sich wieder aus, zeigt in eine Richtung. Einen Moment muss ich überlegen was sie damit meint. „Meinst du das Krankenhaus?“ Sie nickt, zeigt auf mich. „Ob ich da war?“ Sie nickt wieder.
„Gut erkannt. Ich bin so etwas wie ein Stammkunde geworden.“ Keine Reaktion. Nur ein paar Sekunden später fährt die Bahn ein. Zusammen steigen wir ein. Ich setzte mich auf einen freien Platz, deutete ihr es gleich zu tun, doch sie blieb provokant stehen. Kurz sah ich sie an und entschloss mich dann ebenfalls aufzustehen.
Es war leichter als gedacht ein Gespräch mit ihr zu führen. Und dass sie unsere Sprache schon so gut verstehen konnte war ein Wunder. Nur... wieso sprach sie nicht? Gehörte es sich für ihr Land nicht?
An der Haltestelle Ottern-Platz stiegen wir aus. Warteten gemeinsam auf die Nummer sieben während sich meine Begleitung immer wieder ein Gummibärchen in den Mund schob. Wir waren nicht die einzigen, die auf die Bahn warteten. Und sie bemerkte es sicherlich auch, dass wir angestarrt wurden. Ich sah mich um. Jedes Mal warfen die Leute ihre Köpfe in die andere Richtung. Doch sobald ich wieder wegsah, spürte ich die nagenden Blicke. Ihr schien es nichts auszumachen. Sie sah weiter grade aus.
Die Bahn fuhr ein. Sie war sogar recht voll, sodass wir uns in eine Ecke drücken mussten. Doch die Leute um uns herum nahmen noch ein Schritt Abstand. Es war traurig zu sehen. Wie Voreingenommen die Leute sind. Am liebsten hätte ich sie angeschrien, wieso sie das taten. Sie war auch nur ein Mensch. Nur weil sie nicht von hier ist, sollte man sie nicht gleichbehandeln als hätte sie eine ansteckende Krankheit.
Mit jeder Station wurde die Bahn leerer und mein Atem ging leichter. Schon allein der Gedanke, dass man nicht mehr angestarrt wurde, war befreiend. Schlussendlich hielt sie und wir stiegen aus. Es war bereits später Nachmittag geworden. Der Himmel färbe sich schon langsam rötlich. Ohne zu zögern verließ sie die Straße und machte sich zielsicher auf den Weg. Ich weiß nicht, was mich in diesem Moment ritt, aber ich folgte ihr. Schweigend liefen wir nebeneinander. Wahrscheinlich waren die Gummibärchen leer. Sie hat schon seit einiger Zeit keine mehr gegessen.
Ich weiß nicht, wieso ich das tat. Wieso folgte ich ihr? Wieso ließ sie es zu? Ich wusste keine Antwort und mit jedem Schritt, den ich tat, tauchen mehr und mehr Fragen auf. Keine davon, wurde beantwortet. Wir streiften durch die Straßen. Begegneten keinen Einwohner. Und sie führte mich mit stetigem Schritt in die Richtung, die mir die alte Dame vor einer Woche gezeigt hatte.
Die Abstände zwischen den Häusern wurden immer größer, bis wir schließlich das letzte erreichten. Ab hier gab es nur noch Wiese, Felder und Bäume. Und hinter den Bäumen ein paar merkwürdige Gebäude. Kies knirschte unter unseren Füßen. Ich bemerkte erst jetzt, dass der Asphalt aufhörte und es einen mehr provisorischen Weg zu den Gebäuden gab. Stolpernd holte ich die paar Meter auf und machte dabei einen Heidenlärm. Während sie elfenhaft und erstaunlich leise darüber glitt.
Sobald wir den letzten Baum passiert hatten, bot sich mir der volle Anblick. Sprachlos blieb ich stehen.
Gut, was hatte ich erwartet? Sie war so geheimnisvoll und undurchschaubar. Ich dachte sie hätten ein mysteriöses Gebäude. Voller Kleinigkeiten, die man bestaunen könnte. Details, aus anderen Kulturen. Doch vor mir befanden sich drei hässliche Betonklötze. Es erinnerte mich eher an drei Container, die hintereinander aufgestellt sind. Nur nicht so breit. Am Kopfende eines Jeden Containers eine Türe. Da sollten sie wohnen? Da passten nicht einmal zwei Menschen nebeneinander hinein.
Obwohl diese Gebäude lächerlich waren, breitete sich eine Gänsehaut auf meinen Armen aus. Irgendetwas gruseliges ging hier vor sich. Das Mädchen näherte sich der Türe. Blieb davorstehen und drehte sich zu mir um. Sollte ich ihr folgen?
Ich schluckte schwer. Mein Herz schlug mir bis zum Hals. Jeder Schritt ging ungewöhnlich schwer. Ich hatte nicht die leiseste Ahnung was dort drin sein mochte, aber ich wollte es wissen. Und so trieb mich die Neugier immer näher hin.
Bevor ich eintraf, verschwand sie in der Türe. Ich konnte gerade noch eintreten, ehe jene hinter mir zufiel und ich in tiefste Finsternis gesunken war. Zweifel stiegen in mir auf. Was tat ich hier? Ich sollte weg. Meine Urinstinkte verleiteten mich zur Flucht. Ich wollte meine Hände ausstrecken und die Türklinke suchen, als vor mir die Lichter angingen.
Es war eher ein sanftes, glühen. Golden, wie ein Sonnenuntergang, doch nur ganz schwach. Gerade mal so stark, dass ich die Konturen des Mädchens erkennen konnte. Wie sie vor mir stand und sich halb zu mir umgedreht hatte. Die goldenen Muster auf ihrem Umhang schimmerten heller als zuvor. Sie ging ein paar Meter weiter und wurde mit jedem Schritt kleiner. Eine Treppe? Vorsichtig tastete ich mich vor. In dem Licht konnte ich die Stufen kaum sehen. Sollte ich ihr tatsächlich folgen? Wer weiß, was mich dort erwartet? Aber gut, was sollte schon passieren? Dass dir Massenmörder sind und mich umbringen? Ich lächelte schief. Eigentlich hatte ich keinen Grund ihr nicht zu folgen.
Ich fühlte mich wie Alice. Folgte dem Kaninchen in das dunkle Loch...
 
Mit jedem Schritt konnte ich mehr sehen. Meine Augen gewöhnten sich an die Dunkelheit. Stufe um Stufe stiegen wir hinab. Es schien kein Ende zu nehmen. Echos hallten von den Wänden wieder. Die Dunkelheit umschlang mich. Es fühlte sich an, als würde sie mir die Luft zum Atmen nehmen. Das Licht war zwar da. Doch es war immer nur so hell, dass man nicht stolpern konnte. Immer noch wanderten genug Schatten umher.
Und erst jetzt viel mir auf, dass es keine Licht Quelle gab. Anfangs habe ich gedacht, dass die Lampen irgendwo versteckt in den Wänden eingelassen waren. Doch da war nichts. Wo kam das Licht her?
„Sag mal...“, fing ich an und stoppte erschrocken. Meine Stimme war lauter als gedacht. Das Mädchen wirbelte herum und legte den Zeigefinger auf den Mund und schüttelte den Kopf. Wortlos drehte sie sich um und lief weiter. Ich fühlte mich unwohl. Bekam keine Antworten. Folgte ihr irgendwo hin unter die Erde. Ich könnte zwar umdrehen, doch den gesamten weg alleine hoch? Niemals.
Mit der Zeit änderte sich die Farbe des Lichtes. Es wäre mir nicht aufgefallen, würde ich mich nicht an den Sonnenuntergang erinnern. Ich weiß genau, dass mich das Licht oben, am Eingang an einen Sonnenuntergang erinnerte. Hier jedoch war es ein kaltes blaugrün geworden. Ich schluckte schwer. Das alles hier wurde immer merkwürdiger.
 
Schweigend folgte ich ihr wieder. Die Wände wurden rau. Statt den ausgemessenen 90° Winkeln und den glatt geschliffenen Wänden, sah es jetzt eher so aus, als wären sie aus Stein geschlagen worden. Uneben und hier uns da stand ein Stein hervor. Selbst bei den Stufen fehlte mal ein Stück. Man musste wirklich aufpassen wohin man trat. Doch das Mädchen schienen den Stolperfallen wie im Schlaf auszuweichen. Als würde sie die Treppe wie in und auswendig kennen.
Ich übersprang die nächsten paar Stufen. Wollte einfach näher bei ihr sein. Wer weiß, was es hier sonst noch alles gibt? Ich habe das Gefühl, dass ich mit jedem Schritt auf etwas zulaufen würde, dass ich nicht sehen sollte. Es änderte zwar nichts, näher bei ihr zu sein, aber es gab mir ein Gefühl von Sicherheit.
Kurz darauf endete die Treppe. Doch das war auch das einzige, was sich änderte. Vor uns lag ein langer Gang. Genauso wortlos bestritten wir ihn. Über unseren Köpfen bildeten sich Nebelschleier. Und es schien, als würde das Licht von ihnen kommen. Ich schüttelte den Kopf. Verdrängte den Gedanken wie das möglich ist und folgte ihr weiter.
Es roch nach Wasser und Moos. Ich war noch nie in eine Höhle gewesen und konnte nicht beurteilen, ob das normal ist, doch kurz darauf sah ich tatsächlich Moos an den Wänden. Und in den schwachen Licht wirkt es... mysteriöser.
Der Gang wurde breiter und begann sich schwach zu biegen. Die Nebelschleier bildeten sich nun auch hin und wieder auf dem Boden. Sie schienen heller zu leuchten als zuvor. Ich kann nicht sagen woher, aber ich hatte das Gefühl, dass wir bald ankommen würden.
Mein Gefühl täuschte mich nicht. Das Mädchen wurde langsamer, drehte sich zu mir um, als würde sie sich versichern wollen, dass ich noch da bin, und schritt dann weiter. Ich konnte Wasser hören. Irgendwo plätscherte es beruhigend. Hier unten gab es Wasser? Ich wunderte mich über Wasser, aber nicht über seltsam leuchtenden Nebel. Über mich selbst lachend schüttelte ich den Kopf.
Das Mädchen blieb stehen und senkte den Kopf. Ich sah an ihr vorbei und erstarrte. Vor uns lag ein Raum. Ich konnte nicht viel sehen, doch da plätscherte Wasser aus den Felsen, floss in einem kleinen Bach irgendwohin. Neben dem Wasser gab es Pflanzen. Unter der Erde! Und sie leuchteten. Unwillkürlich musste ich an Avatar denken. Den Film wo in der Dunkelheit auch alles so schön leuchtete. Und obwohl es eine gewisse Ähnlichkeit hatte, war es doch etwas ganz anderes.
Eine Person sprang nicht mein Sichtfeld. Sie trug dieselbe Kleidung wie das Mädchen, schien sichtlich aufgewühlt und verärgert zu sein. Wütend starrte er mich an. Laut dem Blick würde ich wohl nicht mehr lange leben. Dann sah er auf das Mädchen. Sie hob den Kopf. Und die beiden sahen sich nur in die Augen. Lange. Und je länger sie sich ansahen, desto ruhiger wurde er. Aus seiner Verärgerung wurde Verwirrung.
Wieder sah er mich an. Und ich realisierte, dass er Sorge in seinem Blick hatte. Bei ihm konnte ich schon viel mehr Emotionen sehen als bei dem Mädchen. Er war um einiges älter, schien um die 50 zu sein. Hatte eine machtvolle Ausstrahlung. Wer er wohl sein muss? Ihr Vater? Ein Anführer? Er kam auf mich zu, blieb vor mir stehen. Langsam und bestimmt hob er die Hand und legte mir den Daumen auf die Stirn. Mit einem Blick, den ich nicht deuten konnte, sah er wieder das Mädchen an, stampfte dann weg.
Sie drehte sich zu mir und sah mir direkt in die Augen. Mir rutschte das Herz in die Hose, als ich sah, wie sich ihre Mundwinkel für nur einen Moment nach oben zuckten. Sie lächelte! Es fühlte sich an, als würde mein Herz in dem Moment gefrieren. Hunderte Eissplitter wurden in meine Arterien drückt und verursachten ein Kribbeln in meinem Körper. Doch der Moment war schneller vorbei als mir lieb war und ich wieder in das selbe, ausdruckslose Gesicht sah, das ich kennengelernt habe.
Sie drehte sich um und schritt in den Raum hinein. Pflanzen, die mich mit den großen Blättern an einen Dschungel erinnerten säumten den Weg. Das Wasser des kleinen Wasserfalls floss genüsslich neben uns her. Dort, wo es den Weg kreuzte, gab es eine kleine steinerne Brücke.
Und überall leuchtete es. Der Nebel über unseren Köpfen, die Pflanzen, das Wasser. Wo war ich hier gelandet? Ist das immer noch dieselbe Welt, die ich kenne?
Von dem einen Raum, wanderten wir in den nächsten. Und ich traf immer mehr Fremde. Mit einigem Abstand folgten sie uns. Ich wollte das Mädchen schon fragen, was das sollte. Aber sie würde mich sicherlich nur wieder zurückweisen. Genau wie auf der Treppe. Also behielt ich meine Fragen für mich und folgte ihr weiter in die Tiefen der Höhle.
Immer mehr Wasser von verschiedenen Quellen sammelten sich in dem Bach. Immer mehr verschiedene Pflanzen konnte ich sehen. Manche kommen mir fast bekannt vor, andere würde ich nie wieder beschreiben können. Schließlich gelangten wir in einen größeren Raum als alle vorherigen. Wasser aus verschiedenen Quellen an der Wand sprudelte heraus und vereinte sich mit dem Bach zu einem Teich in der Mitte. Innerhalb des Teiches befand sich ein Felsen. Wesentlich größer als ich. Auf dem Felsen leuchteten einzelne Steine in einem sanften grün.
Verblüfft blieb ich stehen. Mit offenen Mund sah ich das Schauspiel an. Ich fand keine Worte dafür. Aber ich war begeistert. Das hier konnte doch wohl kaum ein Flüchtlingsheim sein.
 
Das Mädchen verneigte sich in Richtung des Felsens. Verwirrt sah ich mich um und die anderen, die uns folgten, taten es ihr gleich. Verwirrter, als noch nie in meinem Leben zuvor, tat ich es einfach auch. Es konnte ja nichts schaden.
Als ich das nächste Mal aufsah, thronte etwas auf dem Felsen. Ein schlanker Fuchs. Leuchtend grün, halb durchsichtig. Es sah aus wie ein Geist. Für mich war das zu viel. Das musste ein Traum sein! Bestimmt hat mir ein Arzt irgendein Narkosemittel gegeben und ich liege eigentlich in einem Krankenhausbett.
Der Fuchs bewegte sich, zuckte mit dem Schweif und starrte mit seinen durchdringenden Augen meine Begleitung an. Es dauerte wieder etwas. Als würden sie eine Konversation führen, die ich nicht mitbekomme. Auf einmal macht der Fuchs einen Schritt nach vorne. Läuft nicht auf dem Felsen weiter, sondern schwebt auf direktem Wege vor mich.
Es blieb nur eine Armlänge vor mir stehen. Ich hätte es berühren können. Eigentlich würde ich lachen, Witze darübermachen, wegrennen. Angst haben, verwirrt sein. Doch wenn es mich so anschaut fühlte ich nichts als ruhe.
Und ganz plötzlich beginnt etwas in meinem Kopf zu sprechen. Ich erschrecke mich nicht einmal davor. Es ist einfach da.
Es sind Worte, die ich nicht verstehe. Eine Sprache, die ich nicht kenne. Und dennoch sind mir ein paar Dinge ganz bewusst. Der Fuchs redet mit mir. Er spricht in meinen Gedanken. Und ich kann ihn verstehen.
 
Es ist verboten Fremde hier her zu bringen. Spricht der Fuchs. Ich vermute, dass er damit das Mädchen und mich meint. Normal würde ich daran denken, dass es ein Fehler war und ob wir nun eine Strafe bekommen. Doch ich habe keinen Gedanken daran verschwendet. Eher bin ich voller Zuversicht. Dieser Fuchs vor mir löst eine ungewohnte Ruhe und Geborgenheit aus. Als wären alle meine Probleme unwichtig. Dennoch hat sie es getan. Fährt er fort.
Der Fuchs schweigt einige Sekunden. Du hast viele Fragen. Es ist nicht mal eine Vermutung. Es ist eine Feststellung. Als ob er weiß, was in mir drin vor sich geht. Wie du erkannt hast sind diese Menschen hier keine Flüchtlinge. Sie sind eher Reisende. Alle paar Jahrzehnte müssen wir einen neuen Ort finden. Ein Ort, wo wir sicher sind. Fürs erste. Diese Menschen haben die Aufgabe über einen Schatz zu wachen. Und wie es mit Schätzen ist, möchte sie immer jemand anders haben. Ich nickte. Das war einleuchtend. Obwohl ich immer noch nicht verstand wieso es eine unterirdische Höhle gab und was für ein Schatz das sein sollte. Fangen wir mit der Frage an, was das für ein Schatz ist. Konnte der Fuchs Gedanken lesen? Genau. So kommunizieren wir. Verblüffend. Auch wenn ich mir immer noch nicht sicher bin, ob es real ist, ist es verdammt faszinierend so was zu erleben. Der Schatz befindet sich vor dir. Die Steine sind ein Heiligtum. Seit Anbeginn der Erde gab es Kristalle die für das Leben verantwortlich sind. Sie sind dafür notwendig, dass die Erde erblühen kann. Dass es Luft zum Atmen gibt. Lass Pflanzen wachsen und Menschen geboren werden können. Die Energie, die sie ausgibt, ist das Leben selbst. Im Laufe der Zeit wurden jedoch solche Kristalle aus Habgier zerstört. Die Folgen waren die Verbrennung der Erde – wodurch die Dinosaurier ausgestorben sind – oder die Eiszeit.
Die Folgen davon sind einfach. Es gibt nicht mehr genug Kristalle um den Planeten am Leben zu erhalten. Die restlichen Kristalle müssen alle Jahrhunderte oder Jahrtausende den Standort wechseln um jedes Stück der Erde mit Leben zu versorgen.
Dieser Kristall – der Fuchs drehte sich zu dem Felsen um - wurde von den Menschen zerstört. Wir können von Glück reden, dass die einzelnen Splitter noch funktionieren. Die Regierungen der Länder in denen wir uns aufhalten wissen von uns. Je mehr Personen von uns wissen, desto gefährlicher wird es. Dieses Land hat uns unterstützt und tarnt uns als Flüchtlinge. Am Ende sind wir jedoch nichts weiter als Beschützer der Kristalle.
Malious Entscheidung dich her zu führen war demnach riskant und dumm. Ich zuckte zusammen. Jedoch war einer deiner Vorfahren ein Beschützer. Wir helfen dir. Helfen? Wie sollten sie mir helfen?
Du stirbst.
Mit offenen Mund blieb ich stehen. Ich konnte nichts sagen. Nichts denken. Dass man diese Worte so hart aussprechen würde, hätte ich nicht gedacht. Doch es war die Tatsache. Eine Tatsache, mit der ich versuchte, mich seit einigen Wochen abzufinden. Ich sterbe. Woher weiß der Fuchs das?
Als Beschützer ist man ständig in der Nähe des Kristalls und nimmt mehr der Energie auf. Man kann durch Berührungen den Gesundheitsstatus einer Person feststellen. Manche können sogar leichte Verletzungen heilen. Jedoch kann niemand eine im Sterben liegende Person retten. Ein Stich durchzuckte mein Herz. Nicht retten? Man kann mich nicht retten. Niemand. Jetzt war mir auch bewusst, wieso Maliou, das Mädchen, sich so verhalten hat, als sie meine Stirn berührte. Und der Mann auch. Ich sterbe. Sie wussten es. Ich presse meine Lippen zusammen.
Der Fuchs schweigt mich an. Es gibt ein Gen, dass alle Beschützer haben. Das Gen liegt auch in dir. Wenn du möchtest, können wir es aktivieren. „Was soll mir das helfen?!“, rufe ich verzweifelt. Erschrocken zucke ich zusammen. Seit ich durch die Türe getreten bin hat niemand ein Ton gesagt. Hier hat noch nie jemand gesprochen. Außer mir jetzt. Ich schüttle den Kopf. Das ist mir grade herzlich egal. „Ich sterbe.“, sage ich diesmal leiser. „Du hast es doch selbst gesagt. Niemand kann eine im Sterben liegende Person retten.“
Das Mädchen tritt einen Schritt näher und legt mir behutsam die Hand auf die Schulter. Wieso hat sie mich überhaupt hergebracht, wenn sie weiß, dass ich nicht gerettet werden kann? Weil sie weiß, dass es eine Möglichkeit gibt. Ich lasse meinen Blick gesenkt. Wieso bin ich hier? Wenn ich das Gen in dir aktiviere kannst du mithilfe des Kristalls die Krankheit so weit zurückdrängen, dass sie ungefährlich wird. Du bist nicht gerettet. Du wirst es auch nie sein. Aber es wird nicht Lebensbedrohlich.
Ich sehe auf. Soll das ein Scherz sein? Der Fuchs schweigt mich an. Mithilfe eines magischen Kristalls soll mein Herz gerettet werden können? In einer dunklen Höhle wo es leuchtendes Wasser und Pflanzen gibt. Ich schnaube. Drehe mich im Kreis. Werfe die Hände in die Luft. „Klar!“, rufe ich. Bin irgendwo am Rande der Verzweiflung und einen Schritt weiter. Das ist ein verdammt schlechter Scherz. Und ein verdammt schlechter Traum! „Mach es!“, keife ich den Fuchs an. „Heile mich, oh, großer Gott des Lebens!“ Ich bin kurz davor in Tränen auszubrechen. Ich sollte mich eigentlich damit abfinden zu sterben. Und nicht auf ein Kristall hoffen. Der seine Energie auf mich überträgt.
Ich sinke auf alle Vieren. „Ich weiß nicht, was mit euch allen abgeht. Aber ihr solltet aufhören das Gras zu rauchen.“
Um mich herum herrschte schweigen. Ich hörte wie einige Leute auf mich zugingen. Doch ich war am Ende meiner Kräfte noch weiter wütend zu sein. Ich wollte nur noch allein sein. Zurück in meine dunkle Wohnung. Zu meinem Alltag. Meinen unwichtigen Problemen. Mich darüber aufregen, dass ich die Bahn verpasse. Und mir nicht so einen Schwachsinn anhören. Selbst die Ärzte sagen doch, dass eine Operation äußerst schwierig wird. Wie sollen sie mir dann helfen.
Ich beiße meine Zähne aufeinander, dass es knirscht, schließe die Augen und bete, dass dieser Traum aufhört.
 
Ich öffne die Augen. Es fühlt sich an, als wäre ich in der Waschmaschine mit gewaschen worden. Kraftlos. Alles dreht sich. Stöhnend fasse ich mir an den Kopf. Es war verdammt hell. Mein Körper fühlt sich taub und pelzig an. Und doch schaffe ich es den Kopf von links nach rechts zu bewegen. Das Krankenhaus? Was suche ich hier? War der ganze Mist etwa doch nur ein Traum?
Ich könnte heulen. Bin ich etwa schon so verzweifelt, dass sich mein Unterbewusstsein so etwas ausdenkt?
Mit Mühe drücke ich auf den roten Knopf der Schwesternklingel. Kurz darauf kam eine blonde Dame zu mir rein. Die Haare zu einem strengen Zopf gebunden, blaue Kleidung die ich nur allzu gut kenne. „Guten Tag.“ grüßt sie mich. „Wie fühlen sie sich?“
Ich will nicht auf die Frage antworten. Ich fühl mich beschissen. Vielleicht sogar etwas mehr. Stattdessen fahre ich mir mit der Hand übers Gesicht. Ich hätte nie gedacht, dass ich so etwas fragen würde aber: „Was ist passiert?“
Die Schwester nickt nur verständnisvoll und nimmt mein Handgelenk um mein Puls zu messen. Sie lässt sich mit der Antwort Zeit. „Das, was ich weiß,“, beginnt sie quälend langsam. „Ist nur, dass sie bewusstlos gefunden wurden. Ohnmächtig am Rand der Stadt.“ Sie weicht meinem Blick aus und lässt von meinem Handgelenk ab. Ich nicke langsam. Die Schwester schreibt sich irgendwas auf und wirft mir ein halbherziges Lächeln zu. „Ich hol sofort den Arzt, ja?“ Nur wenige Minuten später ging die Türe wieder auf und der Arzt trat in Begleitung der Blonden ins Zimmer. Nach den üblichen Floskeln setzte sich der Arzt hin.
„Wir haben einige Tests gemacht. Zwar sind wir uns noch nicht ganz sicher und müssen genauere Untersuchungen machen, jedoch scheint es so, als wäre die Atherosklerose nicht mehr lebensgefährlich. Zwar nicht komplett weg, allerdings sind sie in einer dich recht guten Verfassung.“

Den Rest blendete ich aus. Nicht mehr Lebensbedrohlich? Ich würde überleben? Wie ist das möglich? Es war doch nur ein dummer Traum... Ich legte ein Arm über die Augen. Das kann nicht wahr sein. Das kann einfach nicht wahr sein.

Jury meint:
Kurz heruntergebrochen geht es in „Sicherheit“ um einen kranken, jungen Mann, der von einer magischen Entität von seiner Krankheit geheilt wird. Im Austausch dafür, verpflichtet er sich, ihnen zu helfen. So oder so ähnlich lauten viele Plots in diesem Genre und auch in diesem Wettbewerb haben sich viele andere Autoren diese Prämisse und in irgendeiner Weise verwendet.
Rein von der Erzählweise her, beginnt die Geschichte stark. Es wird direkt in wenigen Sätzen ein gewisses Mysterium aufgebaut. Zunächst ist nicht klar, warum der Protagonist genau im Krankenhaus war. Auch das fremde Mädchen, das er trifft, trägt ihren Teil dazu bei, um die Welt und das Mysterium, das sie und den Protagonisten umgibt, auszubauen. Die für mich wohl beste Passagen sind die ersten Begegnungen der beiden Hauptfiguren, die dann schließlich bis zur großen Auflösung führen.
Hier allerdings verliert die Geschichte etwas an Fahrt. Persönlich hätte ich mir gewünscht, dass einiges weniger ausführlich aufgedeckt werden würde. Das aufgebaute Mysterium setzt letzten Endes eine Erwartungshaltung, die durch die Auflösung nicht ganz erfüllt werden konnte. Ich persönlich hätte mir gewünscht, es wäre etwas vager geblieben. Etwas mehr deutliche Erläuterungen und etwas mehr Symbolismus hätten die Auflösung sicher bedeutsamer erscheinen lassen und zu Interpretationen eingeladen.
Auch der kleine „Twist“ am Ende, dass er tatsächlich geheilt wurde und plötzlich in seinem Bett aufwachte, kam dann nicht mehr überraschend. Vor allem nicht, da er bereits wenige Sätze vorher genauso vom Protagonisten selbst angekündigt wurde.  Bis dahin war die Geschichte erzählerisch auf hohem Niveau. In einer zweiten Überarbeitung würde ich empfehlen, das Ende etwas ausbessern.
Nichtsdestotrotz bleibt der größte Pluspunkt eindeutig die Welt, in der sie spielt und der Ideenreichtum, den der Autor hier präsentiert. Er schreckt nicht davor zurück brisante Themen wie Flüchtlingskrise oder Fremdenhass aufzugreifen und schildert so eine realistische Welt mit einem magischen Twist. Der Protagonist ist der einzige, der es schafft die Hürde der „Angst vor dem Fremden“ zu überwinden und wird letzten Endes dafür belohnt. Mir gefällt gerade, dass später herauskommt, dass auch er ein bestimmtes Gen mit den Fremden gemein hat, das wohl potentiell jeder in sich tragen konnte. Die Grenzen von Herkunft verschwimmen und man selbst weiß gar nicht mehr genau, von dem man eigentlich abstammt. Eine elegante Art um zu zeigen, dass wir im Grunde doch alle von einem einzigen Ursprung kommen und uns mehr ähneln, als dass wir uns unterscheiden… Selbst wenn die anderen eine magische Gott-Entität sind. 
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Re: Kurzgeschichten-Wettbewerb - MAGIE

Beitrag von Akeem am Di 04 Jul 2017, 22:40

Schmetterlingseffekt:

Schmetterlingseffekt
 

Er betrachtete seine Zutatenliste. "Bauchhaut eines Drachen, Riesenknochen, Schwarzhorn-Haar, Greifessenz… und jetzt… Rosenöl und Blut einer Jungfrau…", murmelte er und stellte die zwei Phiolen zu einem Haufen Bündeln und einem Glas mit bernsteinbraunen Augen. Er hatte die Seele. Er hatte fast alle Zutaten… Er sah zurück auf das Buch. "Ein reines Herz", las er laut. Wo sollte er denn ein reines Herz herbekommen? Sich aus dem Hexer Hut zaubern? Schwachsinn. Hieß wohl zurück in die Außenwelt. Murrend verließ er seine Hütte und prüfte dabei noch einmal die Runen der Schutzbarriere… Es waren genug mächtige Wesen hinter ihm her. Er hatte das Buch von Aristeas. Und all seine Zutaten waren von mächtigen Wesen. Nur das Beste vom Besten. Wie viele Hexer, Götter und Kreaturen waren wohl hinter ihm her und lechzten nach seinem Kopf? Genug. 
Er zog sich die Kapuze seines Umhangs tiefer ins Gesicht und wechselte auf einen nahen Wanderer Pfad. Ein reines Herz? Was konnte das bedeuten? Er sah sich aufmerksam um. Keines der Lebewesen hätte ein Herz, das stark genug wäre… Geschweige denn rein. Oder konnte man das Herz eines Eichhörnchens wirklich als rein bezeichnen? Vielleicht sollte er einfach ein Einhorn jagen gehen… Die Schwarzhornjagd erwies sich schwerer als gedacht… Aber Schwarzhörner waren auch gefährlicher als ihre bekannteren Artgenossen. Er schauderte. Er sollte aufhören daran zu denken, wie das Schwarzhorn ihm fast ein Körperteil abgebissen hätte… Ein weiterer Schauer lief dem Hexer den Rücken hinab. 
Ehe er sich versah, fand er sich auch schon in der Menschenstadt wieder. Wie sehr er diesen Ort doch hasste. Dumme, zurückgebliebene Menschen, der Gestank von Urin, Kot und Pferd auf den Straßen… ein wahrlich ekelerregender Ort… Aber vielleicht war mit reinem Herzen das Herz einer Jungfrau gemeint? Unauffällig ließ er den Blick über die jungen Frauen auf der Straße gleiten. Blutopfer wären es genug gewesen… aber reine Herzen? Nie und nimmer. "Ah!", kommt es von einer quietschigen Stimme. Er blieb stehen und blickte auf das kleine Mädchen hinab. Er hatte sie wohl nicht gesehen. Er wollte eben seinen Mund öffnen, da lächelte sie und stand von dem staubigen Boden auf. "V-Verzeiht. Ich habe Euch nicht gesehen." Er runzelte die Stirn etwas. "Ich habe doch dich übersehen. Wieso entschuldigst du dich?" "… Ich finde, dass es so eben freundlicher ist." Ihr Lächeln war so zuckersüß, dass ihm schon wieder schlecht wurde. "… Was ist deiner Meinung nach ein reines Wesen", kommt es ihm ohne zu überlegen. Wieso fragte er ein unwissendes kleines Mädchen?! Verwirrt sah sie ihn an. "… Engel!" Engel. Kein guter Gedanke. Engel liebten den Kampf mit den Dämonen. Sie waren Wölfe in Schafspelze. "… Möglichst nicht Engel." Sie verschränkte die Arme vor der Brust und bewegte nachdenklich den Kopf hin und her. "… Dann weiß ich es nicht." Na toll. Das hatte nur seine kostbare Zeit verschwendet. Er stieß ein Grummeln aus und schritt an ihr vorbei, weiter durch die Stadt. Wenige Minuten später blieb er stehen und drehte sich um. Sie war ihm gefolgt. "I-Ihr habt etwas fallen lassen!" Sie hielt ihm das Amulett hin. Sofort schnappte er es und betrachtete den Kristall in der Fassung. "… Wieso hast du ihn nicht verkauft? Du in deiner zerlumpten Kleidung könntest das Geld brauchen." "So schön wie es ist, ist es bestimmt etwas Wichtiges. Und es gehört nicht mir." … Das war die Lösung. Ein reines Herz. Das unschuldige Herz eines Kindes. Was gab es reineres? Normalerweise verstieß es gegen seine Prinzipien ein Kind zu verletzen… Aber er hatte Pferdehaar ausgerissen, einen Drachenbauch gehäutet, und verdammt nochmal einer Jungfrau ihr Blut gestohlen! Wieso sollte er jetzt auf einmal seinen Prinzipien wieder treu werden? "… Hör zu, Mädchen… dafür danke ich dir sehr." Soweit war es noch nicht einmal gelogen. "… Wie wäre es, wenn ich dir als Dank etwas zu essen kaufe?" "W-Was?! W-Was zu essen? Brot?" "Von mir aus auch Fleisch oder Käse. Oder Früchte. Was du dir wünschst." Ihr Blick wanderte kurz zu Boden. "… Suppe." Das überraschte ihn. Wo sollte er jetzt am Markt Suppe herbekommen? "Sicher?" Sie nickte entschlossen. Na toll. "… Dann werde ich dir meine selbstgemachte Pilzsuppe kochen." Ihre Augen funkelten vor Freude und sie klammerte sich glücklich an sein Bein. Na toll.

Sie verbrachten die nächsten zwei Stunden mit dem Sammeln von Pilzen. Das Mädchen war unglaublich neugierig. Und interessiert. Sie hatte ihm genau zugehört und nur die ungiftigen Pilze gesammelt. Der Hexer war wahrlich beeindruckt. Und so machten sie sich auf den Rückweg. Ein Rascheln im Gebüsch ließ das kleine Mädchen hochschrecken. "Das war nichts, keine Sorge", sprach der Hexer seufzend, doch sie starrte wie gebannt auf das Gebüsch, die Angst ins Gesicht geschrieben. Der Hexer seufzte erneut und nahm ihre Hand, führte sie weiter in die Richtung seiner Hütte. Er legte seinen Umhang ab und beobachtete, wie sie neugierig alles ansah. Aber nichts anfasste. Ein braves Mädchen. "Ihr seid ein Magier!", staunte sie begeistert, als sie ins Buch blickte. "Magier ist ein zu freundliches Wort", erwähnte er. Das Buch des Aristeas war wertvoll, aber ein kleines Mädchen konnte nicht einmal lesen. Sie konnte keine Gefahr werden. "Komm. Willst du mir kochen helfen?" Sofort eilte sie an seine Seite und half ihm dabei die Pilze zu waschen und klein zu schneiden. Der Hexer konnte es kaum glauben… aber das Kochen machte ihm Spaß. Das Ergebnis war sogar besser als erwartet. Zumindest dem Mädchen schmeckte die Suppe sehr. Kaum war die Nacht eingebrochen, war das Mädchen müde und schlief fast auf dem Tisch ein. Zögernd nahm der Hexer sie hoch und trug sie nach draußen, um sie ins Gras zu legen. Er musste gestehen, dass der Tag schön gewesen war. Es war so lange her gewesen, jemanden zum Lächeln zu bringen. Jemanden glücklich zu machen. Jemand, der ihn nicht wegen seiner Kräfte jagte. Es war seltsam... aber nach den wenigen Stunden wusste er, dass ihr Herz womöglich das reinste Herz war, das er je finden könnte... Es war das Beste. Für seinen Zauber brauchte er das. Er sprach einen Zauber. Er brauchte das Herz schlagend... also musste er diesen Zauber aussprechen, um ihr das Herz direkt zu entnehmen. Er legte seine Hände auf ihre Brust und zögerte. Wieso zögerte er? "Magier...?" Er schrak auf, als er mitbekam, dass das Mädchen wieder wach war. "... Was...?" "Sei ruhig. Du bist naiv. Denkst du wirklich, dass ich das ohne Hintergedanken getan habe? Alles was ich will ist dein Herz." "... In Ordnung." Verwundert sah er sie an. "... Ihr habt einen Grund dafür... Es ist in Ordnung..." "Ich versuche dich zu töten. Dir dein Leben zu nehmen! Du solltest mich hassen!" Sie lächelte ihn an, anstatt zu antworten. Er zog seine Hände zurück und stolperte von ihr weg. Sie stand langsam auf. "... Wieso? Wieso wollt Ihr das tun?" "... Ich möchte jemanden toten wieder zurückholen. Verstehst du?! Ich will dich opfern!" "... Tote kommen nie mehr zurück. Nicht einmal mit Magie... Aber ich bin nicht böse auf Euch. Ich... bin dankbar für die schöne Zeit. Es war sehr lustig." Wieso lächelte sie ihn an? Wieso schenkte sie ihm diese Güte und Freundlichkeit?! Er sank auf die Knie. Wie könnte er ihr auch nur ein Haar krümmen...? Sie schritt auf ihn zu und umarmte ihn. "... Irgendwann wird alles wieder gut." Was war er für ein Dummkopf. Er hatte es immer gewusst. Den Tod konnte man nicht besiegen. Man musste weiter gehen... Und trotzdem belehrte ihn ein kleines Kind! "Verzeih mir... Bitte, verzeih mir", kam es wimmernd von ihm. Aber bei wem entschuldigte er sich? Bei dem Mädchen, das ihm sanft durchs Haar strich? Bei seiner Geliebten, der er nie eine Familie schenken konnte? Bei sich selbst, weil er so blind gewesen war? Bei wem?

"Und hiermit erkläre ich dich... zu meinem Lehrling!", lachte er. "Du solltest das doch ernst nehmen!", schmollte sie. Er konnte nicht anders als weiter lachen. Das Mädchen sah in ihrer Hexenkluft komisch aus. Es war einfach übergroß und schleifte am Boden. Ihr Hexen Hut verdeckte fast ihre Augen. Auch das Kristallamulett der Hexen schien etwas fehl um ihren Hals. Sie hatte eine Gabe der Ruhe und Güte. Als wäre ihre Magie ein Spiegel ihrer Gefühle. Doch vor allem hatte sie die Gabe die Herzen anderer zu wärmen. Als würde sie diese Aura ganz natürlich umgeben. Er tätschelte lachend ihren Kopf, während sie ein spielerische Schmolllipe zog, schließlich aber selber anfing zu lachen.


Jury meint:
Ähnlich wie in anderen Geschichten in diesem Wettbewerb, geht es in „Schmetterlingseffekt“ um eine magische und eine nicht-magische Figur, die sich begegnen und einander helfen. Allerdings sind hier die Rollen vertauscht. Bei dem Protagonisten handelt es sich um den zynischen Archetypen von einem Mann ohne Moral, der versucht ein naives Mädchen auszunutzen, aber schließlich ihrer reinen Art verfällt und ein besserer Mensch wird.
Die Geschichte bleibt von Anfang bis Ende sehr klassisch und ist auch ebenso klassisch erzählt worden. Auf großartige erzählerische Kniffe, wie das zurückhalten gewisser Informationen, sodass der Leser zusammen mit einem Charakter gewisse Sachverhalte herausfindet, wird verzichtet, sondern sich rein auf den Kern der Geschichte konzentriert. Im Grunde fühlt sich die Geschichte an wie das Ende einer langen Reise, von dem man den Anfang noch nicht erlebt hat. Es gibt hier viel Potential für weitere Geschichten, vor allem mit dem Ende, das wie eindeutig ein Set-Up für weitere Geschichten zu sein scheint.

Vielleicht wäre es wirklich keine schlechte Idee in weiteren Geschichten die beiden Charaktere, ihre Motive und ihre Psyche tiefer zu erforschen. Ich bin mir sicher, dass sie beide noch einiges voneinander lernen können.
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Re: Kurzgeschichten-Wettbewerb - MAGIE

Beitrag von Akeem am Di 04 Jul 2017, 22:41

Im Wald der Hexe:

Im Wald der Hexe
 
"Haltet ein, junge Krieger! Dieser Wald ist gefährlich!", ruft die Wache. Sie lachen und denken nicht daran ihre Pferde zu zügeln. Panisch wirft er sich auf den Boden, woraufhin die Pferde über ihn drüber springen und in den Wald preschen.  
Als sie nach ein paar Stunden Ritt kein Opfer zum Ausrauben gefunden haben, beschließen sie ein Lager zu errichten. Sie brechen Äste von den Bäumen und machen sich auf die Jagd. Eine Familie von Bibern fällt ihnen zum Opfer. Die Eltern werden getötet, die Kleinen nehmen sie auch mit zum Feuer. "An denen ist nichts dran, die können wir nicht futtern", meint der eine. "Das Fell wird uns auch nichts einbringen", stimmt ein anderer hinzu.  "Sie sind für uns total nutzlos", fasst der letzte zusammen. Da sie keinen Nutzen in den Tieren sehen, beschließen sie die Jungen als Zeitvertreib zu nutzen. Die Banditen lachen, während die Biber verzweifelte Laute von sich geben als ihnen langsam alle Knochen gebrochen werden.


Das Mädchen bricht keuchend auf die Knie, presst aber sogleich ihre Hände auf ihren Mund und lauscht… Nichts. Sie hat ihre Entführer abgehängt. Sie wünscht sich aus dem Wald, zurück nach Hause… Aber weiß nicht einmal wo sie ist. Sie ringt nach Atem und kämpft sich wieder auf die Beine. Das Schluchzen hängt in ihrem Hals und gegen die Tränen kann sie kaum mehr kämpfen. Sie will unbedingt nach Hause, vermisst ihre Eltern sehr. 
Sie geht eine Zeit lang durch den Wald, bis sie Stimmen hört. Es sind nicht die Stimmen der Entführer. Hoffnung lodert in ihr auf, dass die Fremden ihr helfen. Sie stolpert in die Richtung und findet sich an einem Lager der Männer wieder. "Nanu? Wo kommst du denn her, Kleine?" Sie will lächeln und antworten, sieht aber dann die kleinen Biber in ihren Händen, die sich nicht mehr regen. Ehe ihre Füße sie hätten fliehen lassen können, wird sie schon gepackt und mit Lederriemen gefesselt. "Ich dachte wir machen hier keine Beute… Aber ein kleines Mädchen bringt auf dem Schwarzmarkt viel", spricht einer. "Und dann noch so eine hübsche kleine Maus", erwidert ein anderer.

Nach der kalten Nacht genießen die Männer die Wärme der Sonne, die zwischen den Blättern zu ihnen fällt. Der Bandit schreitet zu dem Mädchen. "Geht es dir gut? Du hast dich hoffentlich nicht erkältet. Krank bringst du uns nichts und gesund pflegen könnte sich nicht lohnen." In ihren Augen funkeln sowohl Hass als auch Angst, ganz nach seinem Gefallen.
Das Lager war schnell aufgeräumt. Wie ein Stück Fleisch werfen sie das Mädchen auf den Rücken seines Pferdes und sie reiten weiter. 
"He! Warte mal!", ruft einer wenig später. Seufzend zügelt der Bandit sein Pferd und wollte ihn anschnauzen, was es denn zu warten gab, sieht aber dann, dass der Dritte im Bunde fehlt. "Wo ist er denn hin…?" "Er war gerade noch hinter uns…" Der andere schluckt. "Vielleicht war das hier keine gute Idee." Der Bandit runzelt die Stirn und gibt dem Mädchen einen Klaps. "Wir haben die hier. Alleine deswegen zahlt sich das aus. Es wird ihm schon gut gehen, reiten wir weiter." Er wendet sich zurück nach vorne und reitet weiter.
"Also ich weiß nicht wie es dir geht, aber ich könnte was zwischen die Zähne vertragen." Es kommt keine Antwort. Genervt blickt er zurück zu seinem Freund und zügelt sofort sein Pferd. Er ist weg. Seit wann? Ein kalter Schauer läuft seinen Rücken hinab und er sieht zu dem Mädchen, die vor Angst zittert. Er gibt ihr einen weiteren Klaps auf den Hintern. "Bleibt mehr für mich. Du wirst Gold wert sein, Kleine."
Das Mädchen wimmert verzweifelt, so sehr fürchtet sie sich und sehnt sich nach Hause. Der Bandit zügelt prompt sein Pferd, das sich aufbäumt. Die Frau, die plötzlich auf dem Weg steht, bewegt sich kein Stück. "Weib! Bist du von Sinnen?! Was fällt dir ein-?!" Wieder eine Handbewegung. "… Ihr habt doch die Warnung gehört, junger Mann. Dieser Wald ist sehr gefährlich. Nicht alle die hineingeraten, verlassen ihn auch wieder." Panisch steigt er vom Pferd, will davon laufen doch kann ihrer Magie nicht entkommen. Wenige Meter entfernt bricht er zusammen und sein Körper zerfällt, lässt nur die Knochen übrig. Sie zieht ihren Dolch und befreit das Pferd von Sattel und Zügel, wendet sich dann dem ängstlichen Mädchen. Sie bringt kein Wort heraus, weint nur aus Angst und versucht wie ein Wurm davon zu kriechen. Die Frau ergreift sanft ihre Schulter, setzt den Dolch an und durchschneidet das Leder. Sie hebt das überraschte Ding auf den Rücken des Pferdes und tippt dem Pferd auf die Stirn. "Was…", entkommt es aus dem Mund des Kindes. "Es bringt dich sicher nach Hause, mein Kind." Beruhigend streicht sie der Kleinen über den Kopf, tippt aber dann ihr auf die Stirn. Während ihre Erinnerungen an die Geschehnisse langsam schwinden, schafft sie es noch etwas zu sagen. 
Die Frau steht noch eine Weile auf dem Weg, selbst als das Mädchen den Wald verlassen hat. Sie hebt den Schädel des Banditen auf und betrachtet ihn. "… Ich verdiene keinen Dank."


Jury meint:
„Im Wald der Hexe“ ist ein besonderer Fall in diesem Wettbewerb, da es sich nicht um eine dramatische Geschichte handelt, sondern mehr um ein kurzes Schauermärchen, das man einander am Lagerfeuer einer Jugendfreizeit erzählen würde.
Die Geschichte ist schnell erzählt: Eine Gruppe von Banditen wird von einer Hexe getötet. Die Prämisse des Geisterwaldes ist sehr klassisch und auch die Art und Weise, wie es erzählt wird, kann man so bezeichnen. Es beginnt mit der Einführung der Bösewichte und dann dem Auftreten der wirklichen Protagonistin. Was den Figuren jedoch etwas fehlt, ist wirklicher Charakter. Sie wirken noch mehr wie Rohdiamanten. Ideen für Charaktere, die jedoch noch nicht ganz ausgereift sind. So entsteht auch in den wenigen Dialogen kein echtes Gefühl für die Figuren, sondern sie werden nur auf ihre Funktion innerhalb der Geschichte heruntergebrochen.

Der teilweise Märchenhafte Schreibstil gegen Ende der Geschichte, die das Verschwinden der Banditen beschreibt, stimmt mich jedoch positiv. Mit einer weiteren Bearbeitung, in der mehr Wert auf Charakterisierung (und selbst wenn sie nur Cartoonhaft wäre), würde hier sicher ein wunderbar schauriges Märchen entstehen können.
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Re: Kurzgeschichten-Wettbewerb - MAGIE

Beitrag von Akeem am Di 04 Jul 2017, 22:42

Streetlife:

Streetlife
 
Irgendwelche Leute (höchstwahrscheinlich Psychologen) hatten einmal, beziehungsweise bestimmt öfter als einmal, festgelegt, dass der Mensch eine bestimmte Anzahl an Grundbedürfnissen hatte.
Luft, Lebensmittel und ein warmes Bett zum Schlafen (am besten regengeschützt) bildeten dabei das breite Fundament, auf dem wie bei einer Pyramide Sicherheit, Liebe, Anerkennung und persönliche Entfaltung thronten und in ihrer Wichtigkeit in den Vordergrund rückten, sobald das Fundament abgesichert war.
 
Orbán Benedict Willard fragte sich manchmal, ob zu Punkt vier und fünf (Anerkennung und persönliche Entfaltung) auch das Auf-andere-Leute-herabschauen gehörte.
Warum fühlte man sich selbst besser, wenn man sich über Menschen lustig machte, die mit Punkt eins der Grundbedürfnisse Probleme hatten? Die fast jeden Tag die gleichen Klamotten trugen und denen die Zähne ausfielen? Die ihren Körper nur pflegten, wenn sie ihn anderen Leuten präsentierten?
Menschen wie ihn?
 
Zugegeben, er hatte noch all seine Zähne, da war seine Mutter sehr konsequent gewesen und überhaupt, Süßigkeiten gab es oft mehr für die anderen Kinder als für ihn, aber das andere traf schon irgendwie zu. Er war gerade damit beschäftigt sich für seine Arbeit auf der Straße vorzubereiten und während er seine langen Haare zu entzauseln versuchte, dachte er ständig über seine Grundbedürfnisse nach und wie ihn andere Leute wahrnahmen.
War er für sie nichts weiter als ein Objekt? Etwas mit dem man sich kurz, um sich zu unterhalten, beschäftigte und dann links liegen ließ und auf gar keinen Fall bezahlte? Aufgebracht klatschte er sich Öl aufs Gesicht und die sichtbaren Stellen seiner Haut und spielte in Gedanken Gespräche durch die so nie stattgefunden hatten und bestimmt auch nie stattfinden würden, aber es war ein langwieriger Prozess sein Gesicht zu bemalen und in der Zeit konnte er nichts weiter tun als nachdenken und sich in Rage pinseln.
 
In seine Stiefel trat er als hätten sie ihn auf offener Straße Schwanzlutscher genannt und er müsste ihnen in seinem verletzten maskulinen Stolz zeigen, wer hier die Hosen anhatte und außerdem ihren Kumpels neben der Tür demonstrieren, dass mit ihm nicht zu spaßen war.
‘Was bilden sich meine Kunden eigentlich ein? ’, fragte sich Orbán als er seine Ausrüstung packte und das Haus verließ.
‘Dass sie einfach mit ihren Smartphones in meinem Gesicht rumwedeln können, um dann hinterher zu sagen, sie hätten kein Geld? Frechheit! ’ Im Bus hielten die anderen Passagiere Abstand, oder starrten offen in sein bemaltes Gesicht. Als er ein junges Mädchen direkt ansah drehte sie verlegen den Kopf weg und ignorierte ihn.
‘Wie immer’, dachte er sich und schaute an sich runter. Er fand sein Kostüm gut, wenn auch etwas eng. Aber schwitzen würde er so bestimmt nicht.
Hatten die Leute keine Lust ihn zu bezahlen, weil sich beim Geldtransfer ihre Finger berühren könnten und sie Angst hatten sich etwas einzufangen? Als ob sie das brauchten! So wie er konnte man nicht einfach werden, man wurde so geboren. Er stand wenigstens zu seiner Identität! Nicht so wie die! Diese Poser! Diese Sauwätze!
 
An seiner üblichen Straßenecke angekommen bereitete sich Orbán darauf vor stundenlang an einer Stelle zu stehen und zu warten. Er hatte etwas zu Essen und genug Wasser in seiner Tasche dabei, sein restliches Kostüm zog er vor Ort an. Außerdem hatte er ein schönes Tuch mit dem er seinen Standort etwas aufwerten wollte. Nachdem alles zu seiner Zufriedenstellung aufgebaut und hergerichtet war dachte er sich noch: ‘Denen werde ich nicht die Gelegenheit geben auf mich herabzusehen’, stieg auf seine Kiste, nahm seine Pose ein und bewegte sich nicht mehr.




“Was ist denn ein Whyzard?”
 
Orbán bewegte sich nicht und warf dem jungen Mann in der Sonnenbrille nur einen vielsagenden Blick zu, den er langsam zu seinem Geldkoffer wandern ließ. die Kumpel des Jungen kicherten verhalten und mit einem weltmüden Seufzen warf er eine(!) Münze in den Koffer neben dem Pappschild, auf dem sich Orbán als Whyzard vorstellte.
 
“Ich danke ihnen für die Spende, werter Herr!”, sagte Orbán mit einem Lächeln und zupfte an der breiten Krempe seines großen Spitzhuts der auf fast jeder freien Fläche einen Stern abgebildet hatte.
 
“Ein Whyzard ist ein Zauberer oder eine Hexe mit ungewöhnlichen Fähigkeiten, die für den normalen Hausgebrauch nicht geeignet sind und auch einem jungen Helden nicht helfen könnten den großen Bösen zu besiegen.”
Die drei Kerle schauten ihn skeptisch an (zumindest vermutete er das aufgrund der hochgezogenen Augenbrauen, die über den Rand der Sonnenbrille ragten) und verschränkten die Arme.
 
“Ein Beispiel!” Der Whyzard holte ein kleines Fläschchen aus der Tasche, in dem knapp fünfzig Milliliter einer blauen Flüssigkeit herum schwappten.
“Dieses Mittel macht einen braun. Aber nur dort wo man die Tinktur angewandt hat. 50 Cent pro Flasche.”
Seine Bräunungscreme kam nicht besonders bei den Typen an und sie unterhielten sich schon leise darüber ihr Geld zurück zu verlangen, als würde er sie auf die Distanz nicht hören. ‘Denken die ich bin schwerhörig? Ich habe die Ohren eines Fennek Fuchses! ’, dachte er genervt und wie ein kompetenter Lokführer bewahrte er seine Gesichtsmuskeln vor dem Entgleisen. ‘Hm, apropos. ’
 
“Statt einer Münze hinter eurem Ohr hervor zu zaubern lässt ein Whyzard sie dahinter verschwinden!” Er schob dem mittleren Typen ein Cent Stück unter das Cappy, obwohl es mit größeren Münzen normalerweise besserging, aber sie waren ihm zu knauserig als dass er ihnen noch in ihren Finanzen helfen wollte.
“Ja”, sagte einer der Kerle während er den Kopf seines Freundes nach dem kleinen Metallstück absuchte. “Geld verschwinden lassen kann Dave auch ganz gut.” Er lachte lauter als seine Freunde.
 
“Und wirft man diesen Zettel in die Waschmaschine bekommt man eine einzelne Socke zurück. Aber keine die man gerade vermisst.”
Das fanden sie lustig genug, um zwei Exemplare zu kaufen und einer sagte sogar, dass das doch ganz nützlich war.
“Ach ja?”, fragte Orbán und wedelte seine Hand herum als würde er versuchen einen Krebs abzuschütteln, der mit seinen Scheren an seinem Finger hing. Wie aus dem nichts hatte er plötzlich ein weiteres Stück Papier in der Hand und ließ es langsam von links nach rechts wandern.
“Was haltet ihr dann hiervon? Die Zauber eines Whyzard sind nie nützlich. Dieser lässt euer Handy verschwinden! Man spricht einfach die Worte auf dem Zettel und verbrennt ihn anschließend.”
Die Reaktionen auf diesen Zauber waren gemischt und, zugegeben, er war nicht gerade ein Bestseller. Aber er bot ihn unbeliebten Kunden immer wieder an, in der Hoffnung einer würde ihn kaufen.
 
“Und was bringt das?” Der junge Mann hatte die Sonnenbrille abgenommen und sah nun regelrecht verärgert aus.
“Nichts! Ganz in der Tradition der Whyzards. Aber als Scherz ist es ganz lustig.”





Als ihn die drei Typen verließen war Orbán ziemlich froh und um einen Handy-verschwinde-Zauber leichter. Über den Rest des Tages verteilt verdiente er eigentlich ganz gut und verkaufte einige Dinge mit dem gewissen Whyzard Touch (eine Topfpflanze die mit den Wurzeln nach oben aus dem Topf ragte), doch das meiste schien er aus Mitleid zu bekommen ohne dafür etwas vorführen oder abgeben zu müssen. Den Leuten reichte es wenn sich die lebende Statue kurz verbeugte und danach wieder für Stunden erstarrte.
Eigentlich war es doch gar kein schlechter Beruf. Und wenn er so überlegte, hatte er mehr persönliche Entfaltung und Anerkennung als Essen, also baute er seine Pyramide sozusagen von der Spitze aus. Auf dem Kopf.
Und als er am Ende des Tages die Tür seiner Wohnung aufschloss dachte er daran wie sehr einen Kopf stehende Pyramide zu ihm passte und war wieder etwas zufriedener mit sich und der Welt.
 
Orbán warf seinen Krempel in die Ecke und streckte sich, wobei sein Rücken klang wie frisches Popcorn. Er konnte es kaum erwarten zu duschen und aus den Klamotten zu kommen, denn obwohl er sich schon am Ende seiner Schicht in einer Toilette umgezogen hatte, war er noch immer bemalt.
 
In seiner Hosentasche klingelte es und er antwortete nebenbei, als er den Kühlschrank nach einem passablen Abendessen durchsuchte.
 
“Hallo?”
“ Hey… Sind sie nicht der Opa, der uns den Zauber verkauft hat?”
“Äh, nein.”
Er legte auf.
 

Mist, vielleicht wurde er doch langsam senil.

Jury meint:
„Streetlife“ ist ein weiterer interessanter Fall in der Sammlung von Kurzgeschichten. Bei den Schilderungen des Alltags eines „Whyzards“ handelt es sich nämlich um eine lupenreine Komödie. Und zwar eine wirklich gute noch dazu. Das Konzept der Whyzards als Zauberer, die nur sinnlose Zauber wirken können, halte ich für sehr einfallsreich und unglaublich amüsant. Allgemein ist das Beste an dieser Geschichte eindeutig die Welt und steht in einem schönen Kontrast zu klassischen magischen Welten.
Der Schreibstil zeigt für mich einige sehr gute Ansätze. Wiederholende Motive wie die Bedürfnis-Pyramide werden für spätere Running-Gags benutzt und die teilweise etwas konfusen Schilderungen der Ereignisse, bilden die Psyche des „Helden“ sehr gut ab. Die ersten dreiviertel dieser Geschichte sind witzig, charmant und teilweise leicht poetisch, doch im letzten Viertel, indem normalerweise der Plot der Geschichte wirklich an Fahrt aufnehmen sollte, endet die Geschichte mit einem weiteren Gag.
An sich ist das nicht weiter schlimm, aber irgendwie auch etwas Schade. Die Welt und der Charakter des Orban bietet sehr viel mehr Potential, als das, was hier wirklich gezeigt wurde. Wenn ich mir nur eines wünschen könnte, dann wäre es mehr Plot für den nutzlosen Whyzard Orban.
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Re: Kurzgeschichten-Wettbewerb - MAGIE

Beitrag von Akeem am Di 04 Jul 2017, 22:44

Der Fluch der Selbstsucht:

Der Fluch der Selbstsucht
 
Es war einmal, lange vor unserer Zeit, ein Land so schön wie man es sich kaum vorstellen konnte. Der Boden war fruchtbar, die Ernten ertragreich, die Wälder und Wiesen saftig grün – voller Leben. Die Flüsse und Seen waren gespeist von kristallklarem Wasser und gesäumt von kleinen Dörfern und Städten. Über alle dem, am Fuße des höchsten Berges, thronte die Hauptstadt, gebaut aus weißem Marmor, beschützt von unzähligen Wachen.
Der Herrscher über dieses Land war der König, ein gütiger Mann, geliebt von allen Bürgern und gleichermaßen geachtet von seinen Nachbarn. Ein gerechter Herrscher, wie ihn noch kein Land vor ihm gesehen hatte und doch, war ihm kein langes Leben beschert und er verstarb kurz nach der Volljährigkeit seines ersten Sohnes. Das ganze Volk trauerte um seinen geliebten König, in der dunklen Vorahnung des Chaos.
Kaum bestieg der neue König den Thron, versank das Land in Dunkelheit und Krieg. Er war ein grausamer Mann, geprägt von Gier, Wut, Ignoranz und Hass. Das Volk fürchtete ihn wie niemanden zuvor, nahm er sich doch alles wonach es ihm verlangte – junge Frauen, Gold, Macht. An das Wohlergehen seines Volkes dachte er nie und schon bald herrschten Armut und Krankheit über das Land – die einstige Schönheit verblasste zusehends.
Der Hass des Volkes auf den König stieg, doch niemand wagte etwas zu unternehmen. Der letzte beherzte Mann der es versuchte, ein alter Berater des Königs, wurde gnadenlos hingerichtet. In aller Öffentlichkeit ließ der König ihm die Haut bei lebendigem Leib vom Fleisch ziehen und verbluten. Seine Frau und Kinder waren gezwungen zuzusehen, ehe man sie auf dem Scheiterhaufen verbrannte.
Seither wagte keiner mehr den Versuch etwas gegen den grausamen König zu unternehmen. Alle beteten und hofften, er würde einer Krankheit erliegen. Sie lebten in ständiger Furcht vor den Launen des Königs – doch niemand schien sich ihrem Leid annehmen zu wollen, ihnen zur Seite zu stehen.
Doch dem war nicht so. Eine alte Zauberin, welche hoch oben in den Bergen lebte, hörte von dem Leid der Menschen und beschloss ihnen mit ihrer Magie zur Seite zu stehen und den König zu bezwingen. Sie erschien ihn in einem Traum und versuchte ihn mit Vernunft zur Besserung zu bewegen, doch der Mann ignorierte die Warnung der Zauberin und änderte sein Verhalten nicht.
Gezwungen von dem Tun des Königs, verließ die alte Zauberin ihr Heim und reiste zur Hauptstadt um dem König persönlich Einhalt zu gebieten. Man gewährt ihr keinen Einlass, doch davon ließ sich die Zauberin nicht abhalten und erschien in den Privatgemächern des Königs.
Dieser war sichtlich erbost über den unangemeldeten Besuch und rief bereits nach den Wachen, als die Zauberin ihn verstummen ließ. Sie hatte genug gesehen um zu wissen, dass bei diesem Mann Worte keine Wirkung mehr zeigen würden. Daher verfluchte sie ihn zur Unsterblichkeit. Nur er selbst konnte sich das Leben nehmen und jeder würde unter seiner Berührung zu Staub zerfallen. Auch gab sie ihm das Aussehen eines Entstellten, unzählige Narben zierten seinen Körper, sein Gesicht völlig zerstört. Selbst die Stimme nahm sie ihm und verschwand mit den Worten: „Solltet ihr euch je bessern und Dankbarkeit zeigen, so werde ich Euch von dem Fluch befreien.“
Trotz der offensichtlichen Worte und der Magie der Zauberin, glaubte der Mann ihr kein Wort. Für ihn war sie nur ein altes dummes Weib, dessen Worte nichts galten. Lieber wollte er sich der jungen Frau in seinem Schlafzimmer widmen, als weiter den unnützen Worten Beachtung zu schenken.
Er betrat den Raum und sah zu der Schönheit, welche völlig unbekleidet auf seinem Bett kauerte. Als sie seine Schritte vernahm, blickte die junge Frau zu ihm und ein entsetzter Schrei entwich ihrer Kehle – ihren Blick starr auf sein entstelltes Gesicht gerichtet. Sie zitterte am ganzen Leib und sprang auf, versuchte zu flüchten vor dem Monster, welches das Schlafzimmer betreten hatte.
Der König war keinesfalls gewillt sie gehen zu lassen, verstand der doch noch immer nicht, dass die Worte der Zauberin wahr geworden waren. Grob packte er die junge Frau an der Schulter und wollte sie bereits anschreien, doch kein Wort verließ seine Kehle.
Voller Entsetzen ließ er die junge Frau los und starrte in den nächsten Spiegel den er finden konnte. Heraus blickte ein wahres Monster, entstellt und hässlich wie die Nacht – kein schöner junger Mann mit blondem Haar und blauen Augen.
Blind vor Wut wandte er sich zu der jungen Frau um, doch diese lag bereits am Boden und er musste zusehen wie sich ihre Haut langsam auflöste und zu Asche zerfiel. So erging es auch dem Fleisch, den Haaren – einfach allem an der Frau. Sie löste sich förmlich zu Staub auf und da wurde er sich den Worten der Zauberin wieder bewusst. Sie hatte ihn verflucht.
Angelockt von dem Schreckensschrei der jungen Frau kamen Wachen in den Raum gestürmt und als sie den entstellten König erblickten, griffen sie ihn an. Sie erkannten den Mann vor ihnen nicht mehr und da man ihm die Stimme genommen hatte, konnte er es den Wachen auch nicht sagen.
Rasend vor Gefühlen flüchtete des König mit schweren Verletzungen aus dem Schloss. Doch schon als er den nahen Wald erreicht hatte, waren diese wieder verheilt. Der Fluch verhöhnte ihn, so konnte er doch nicht durch die Hand anderer sterben, nur durch seine eigene.
Die ganze Nacht lief der Verfluchte, bis er schließlich erschöpft mitten im Wald zusammen brach und erst Stunden später wiedererwachte. Er verstand die Welt nicht mehr, hatte die Zauberin doch Wahrheit gesprochen und nun war er verflucht. Wütend auf die Zauberin, raffte er sich auf und zog durch den Wald, die Schuld allen gebend, nur nicht sich selbst.
Wochen zogen ins Land, Monate, und er fand nirgends Zuflucht. Aus jedem Dorf wurde er verjagt, von allen gemieden und dazu verdammt allein im Wald zu schlafen. Anfangs hatte er sich noch gerecht und alle Menschen die ihn abwiesen zu Asche zerfallen lassen, doch irgendwann war er dessen leid und die Einsamkeit klammerte sich an ihn – die Anblicke der Toten verfolgten ihn bis in seine Träume.
Immer mehr versank der ehemalige König in seinem Selbstmitleid und schließlich ertrug er es nicht länger. Mitten im Wald auf einer kleinen Lichtung erstach er sich. Er konnte so nicht mehr weiterleben, in dieser verfluchten, für ihn ungerechten Welt. Der Mann spürte wie das Blut über seine Brust rann und schließlich umfing ihn die erwartete Dunkelheit.
Stechender Schmerz war das nächste, was er verspürte, als er langsam wieder zu sich kam. Schnell bemerkte er, dass er keinesfalls tot war, sondern auf einem Bett lag in einer kleinen Hütte. Orientierungslos sah er sich um und erblickte eine junge schöne Frau.
„Ohr ihr seid wach, wie geht es euch?“, fragte sie, sobald sie sein Erwachen bemerkt hatte. Sie schien aus ärmlichen Verhältnissen zu kommen und allein zu wohnen, zumindest konnte er von seinem Lager aus keine weiteren Häuser durch das Fenster sehen.
Der König wollte ihr antworten, doch kein Laut kam über seine Kehle und sie verstand sofort. Mit einem milden Lächeln reichte sie ihm etwas zu trinken und half ihm es zu sich zu nehmen. Er war noch immer sehr geschwächt von der eigens zugefügten Verletzung und das wusste sie genau.
Widerwillig ließ der König sich helfen und verfluchte innerlich das junge Ding, was ihm das Leben gerettet hatte. Schließlich wollte er sterben und sie hatte es ihm vereitelt – wie vermochte er nicht zu sagen, konnte sie ihn doch nicht berühren ohne zu Asche zu zerfallen.
Nachdem sie ihren Patienten etwas zu trinken gegeben hatte, holte sie ein wenig Suppe für ihn und half ihm auch dabei. Danach begann sie sich seine verbundene Wunde noch einmal an zu sehen. Dabei berührte sie ihn auch.
In der Erwartung, die Frau jeden Moment zu Asche zerfallen zu sehen, sah er sie an. Doch nichts passierte. Sie konnte ihn berührten ohne dass ihr etwas geschah, sie blieb von seinem Fluch verschont.
Voller Erstaunen beobachtete er die junge Frau bei ihrer Tätigkeit und blieb liegen. Noch immer tat ihm alles weh und konnte sich kaum rühren. Doch das Wissen jemanden gefunden zu haben, der ihn berührten konnte, versetze ihn geradezu in euphorische Stimmung und er vergaß völlig, dass er sich hatte das Leben nehmen wollen.
Die nächsten Tage verstrichen und er fühlte sich von Tag zu Tag kräftiger, was der Hilfe der jungen Frau zu verdanken war. Sie umsorgte ihn liebevoll und begann dem jungen Mann immer besser zu gefallen. Er wollte sie für sich haben, war sie doch die Einzige die er berühren konnte.
Schließlich war es soweit und er konnte sich wieder erheben. Zufrieden streckte er sich und lief ein wenig im Haus auf und ab, während er darauf wartete, dass die junge Frau heimkehren würde.
Lange musste er nicht warten und sie betrat die Hütte. Im Arm hatte sie einen Korb voller Kräuter und Nahrungsmittel, welche sie wohl für die nächsten Tage brauchen würde. Als sie bemerkte, dass er stand, begannen ihre Augen zu strahlen. Sie freute sich aufrichtig das es ihm besser ging und stellte ihren Korb ab.
„Schön, dass es euch wieder bessergeht. Überanstrengt Euch aber bitte noch nicht.“, meinte sie mit einem sanften Lächeln, ehe sie sich daran machte den Korb aus zu packen. Er nutze dies um hinter sie zu treten und ihre Handgelenke zu packen, dann drehte er sie zu sich herum und presste seinen Mund auf ihre Lippen.
Erschrocken starrte ihn die junge Frau an und versuchte sich aus seinem Griff zu winden. Doch er war zu stark für sie und nicht gewillt von seinem Ziel ab zu lassen. Schon lange hatte er keine Frau mehr gehabt und es verlangte ihm nach ihr. Daher war er nicht gewillt auf ihr Einverständnis zu warten oder es sich gar zu erarbeiten.
Der König riss ihr förmlich die Kleider vom Leib und warf sie auf das Bett. Schnell war auch seine Kleidung am Boden und er über ihr. Grob packte er zu und ließ sie nicht entkommen, während er sich nahm wonach es ihm verlangte. Auf das Flehen und die erstickten Schreie der jungen Frau unter ihm hörte er nicht. Er war getrieben davon sein Verlangen zu erfüllen und nahm dafür die Tränen seiner Retterin billigend in Kauf.
Als er fertig war mit ihr verließ er das Bett und zog sich an. Dabei fiel sein Blick auf die zusammen gerollte junge Frau, deren Körper von den Tränen und dem Geschluchzte geschüttelt wurde. Sie lag in mitten eines großen Blutflecks, welcher das Laken rot gefärbt hatte.
Plötzlich krampfte sich sein Herz zusammen, es war so als würde eine eisige Hand es umschließen und er bekam keine Luft. Fluchtartig verließ er das Haus und stürmte zum nahen Fluss, von dem sie ihm erzählt hatte. Der König spritze sich das kalte Wasser ins Gesicht und sank am Fluss in sich zusammen. Seine Wunde schmerzte noch, war sie doch durch seine Rücksichtslosigkeit wieder aufgerissen.
Es dauerte eine Weile ehe er sich wieder beruhigt hatte und das Gefühl von Schmerz und Kälte aus seiner Brust verschwunden war. Langsam richtete er sich wieder auf und ging zurück zur Hütte. Schließlich konnte er die junge Frau nicht entkommen lassen. Sie gehörte nun ihm und seinem Verlangen.
Der König betrat die Hütte und fand zu seiner Zufriedenheit die junge Frau noch immer auf dem Bett liegend vor. Als er jedoch näher kam bemerkte er ihre Blässe und die deutlich größere Blutlache. Entsetzt packte er sie, doch es kam keine Reaktion. Ihr Körper hing schlaff in seinen Händen – sie war tot.
Fassungslos ließ er sie zurück auf das Lager fallen. Sie war seine einzige Chance gewesen wieder ein Leben nach seinem Geschmack zu führen, doch nun war sie ihm genommen. Blind vor Wut und Verzweiflung stürmte er aus dem Haus. Ohne zu sehen wo er hin lief rannte er durch den Wald. Zu spät bemerkte er die Schlucht, welche sich vor ihm auftat. Ohne jegliche Chance auf Rettung fiel er und am Boden wurde sein Körper von einem der scharfkantigen Steine durchbohrt, während das Leben aus seinem Körper floss. Letztlich war er nun doch von seinem Leiden erlöst und hatte nichts gelernt, denn in seinem letzten Atemzug verfluchte er die junge Frau, welche es gewagt hatte ihm seine Chance zu verwehren.

Bitterlich enttäuscht wandte sich die Zauberin von ihrer magischen Kristallkugel ab und verließ den dunklen Raum. Sie hatte geglaubt ihn retten zu können, geglaubt etwas Gutes in ihm gesehen zu haben – doch sie hatte sich geirrt. Seine Selbstsucht kannte keine Grenzen und er war verloren. Er hatte ihre letzte Gabe mit Füßen getreten, der in seinem Herzen aufkeimenden Zuneigung keine Chance gegeben und nun hatte er sein Schicksal zu tragen. Er würde keine Ruhe finden in der Totenwelt, dafür würde die Zauberin sorgen.

Jury meint:
„Der Fluch der Selbstsucht“ erzählt von einem König, der sein Volk tyrannisiert von dafür von einer Magierin betraft wird. Ähnlich wie in anderen Geschichten geht es also darum, wie eine magische Person einer „normalen“ Person hilft. Allerdings tut die Zauberin es hier auf eine recht unkonventionelle Art. Sie bestraft den König, indem sie ihn in ein Monster verwandelt, aber ihm gleichzeitig unfassbare Kräfte gibt und ihm endloses Leben schenkt. Er erhält also unbegrenzte Macht im Austausch durch soziale Isolation, die er nur überwinden kann, wenn er trotz dieser Isolation zu einem besseren Menschen wird.
Was genau der König alles mit dieser Macht angestellt hat, bevor ihm die Einsamkeit eingeholt hat, wird nicht genau beleuchtet. Stattdessen wird sich nur auf die letzte Begegnung, vor seinem unvermeidbaren Tod, konzentriert.
Details sind es auch, was der Geschichte allgemein etwas fehlt. Dabei meine ich nicht unbedingt landschaftliche Beschreibungen, sondern eine persönlichere Note, die Gedanken und Gefühle der Charaktere näher beschreiben. So bleibt man die ganze Geschichte über relativ weit weg, von dem Wechselbad der Gefühle, das sich in dem König abgespielt haben musste und bekommt nur ab und zu ein paar Happen geliefert, bleibt aber am Ende hungrig. Die teilweise Geschichtsbuchartigen Beschreibungen lassen wenig Platz für Poesie und malen ein kaltes, distanziertes Bild.
Ich hätte mir insgesamt eine Perspektive gewünscht, die näher am Charakter ist. Vor allem, als die Geschichte mit dem Treffen der jungen Frau, besonders an Mystery und Spannung gewinnt. Ein paar gefühlvolle Szenen zwischen den beiden, die dann durch das bestialische Verhalten des Königs, der sich offenbar niemals ändern wird, zerstört wird, hätte die Wucht dieses Verrates viel stärker gemacht.
Gerade weil der Schreibstil an sich so vielversprechend ist und der nette Twist, dass das Mädchen offenbar die Zauberin war/ von ihr geschickt wurde, um den König zu testen, der Geschichte einen runden Abschluss gibt, würde ich mir für das nächste Mal einfach nur eine persönlichere Note wünschen.
 
PS: Vergleicht man „Schmetterlingseffekt“ und „Der Fluch der Selbstsucht“, findet man übrigens einen interessanten Unterschied. Die Prämisse der beiden Geschichten ist im Grunde dieselbe, nur dass die Rollen vertauscht sind. Aber die Aussage ist eine völlig andere. Während „Schmetterlingseffekt“ der Meinung ist, dass Menschen, egal wie zynisch und ohne Moral sie auch sind, sich jederzeit zum Besseren ändern könnten, scheint diese Geschichte darzustellen, dass sich einige Menschen niemals ändern werden, egal was die Konsequenzen daraus sind.
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Re: Kurzgeschichten-Wettbewerb - MAGIE

Beitrag von Akeem am Di 04 Jul 2017, 22:46

Amelie:

Amelie

Mein Zimmer ist dunkel. So dunkel, dass ich nicht einmal meine Hand vor Augen sehen kann. Ich strecke sie in die Luft, fuchtle damit umher aber das einzige, was ich ausmachen kann ist der Windstoß. Ich habe die Rollläden unten, den ganzen Tag, die ganze Woche. Das Tageslicht erblicke ich eigentlich nur, wenn ich nach draußen gehe. Oder wenn ich nach unten gehe um etwas zu essen. Die meiste Zeit allerdings verbringe ich hier oben, liege in meinem Bett, stelle mir selbst Fragen die ich nicht beantworten kann, frage mich Dinge, welche nie herausgefunden werden können. Abends weine ich, bis in die Nacht hinein. Jeden Abend. Mein Herz blutet, es wurde zerrissen, zertrümmert, zerschlagen und zerquetscht. Dann wieder zusammengeflickt, aufeinandergetürmt, festgehalten. Nur um erneut zu zerbrechen. Wieder und wieder. Bis der Schmerz so groß war, dass er nicht nur meinen ganzen Körper, sondern auch meine komplette Seele befiel.

Warum ich? Warum passiert sowas überhaupt irgendeinem Menschen? Warum werden wir zerstört, so lange bis wir selbst es nicht mehr schaffen aufzustehen? Das Einzige, was mein vor Blut tropfendes Herz noch betäuben kann, ist anderer Schmerz.

Langsam gleite ich mit meiner Hand an das Nachttischchen, welches direkt neben meinem Bett steht. Ich knipse die Lampe darauf an. Es ist ein orangener Salzstein. Mein Zimmer wird in dumpfes Licht getaucht. Ich streiche mir die feuchten Haare aus dem Gesicht, versuche meine von den Tränen verklebten Augen zu öffnen, nur um sehen zu können wo sie liegt.
Ich schnappe sie mir, setze mich auf und lege die Beine übereinander. Mir ist bewusst, dass es nicht richtig ist. Es wird mir immer und immer wieder gesagt. Aber niemand versteht mich, niemand kann mir helfen. Ich schlucke, so schwer das es sich anfühlt als hätte ich einen Stein im Hals. Meine Finger zittern, ich lege meine Arme auf die Oberschenkel und starre sie an.
Sie sind hässlich. Verunstaltet. So wie ich es bin. Ich bin ein Wrack. Nichts mehr. Nichts wert.
Tränen bahnen sich ihren Weg über meine Wangen hinweg, kullern bis an mein Kinn, tropfen hinunter auf die Narben, machen mir klar das diese nie wieder verschwinden werden. Aber ich kann es nicht stoppen. Ohne zu zögern lasse ich meine Hand mit der Klinge erneut über die Stellen gleiten. Langsam und immer tiefer. Ein Zischen entrinnt meinen Lippen, der Schmerz ist Leid und gleichzeitig das einzige was mir das Gefühl gibt alles vergessen zu können. Ich sehe zu wie das Blut aus meiner Haut quillt, wie es langsam über meinen Arm läuft und kurz davor ist, auf mein Lacken zu tropfen. Ich halte meine Hand darunter und betrachte die einzelnen Tropfen, wie sie darauf aufschlagen und in kleine Teile zerbrechen, wie auch ich in kleine Teile zerbrochen bin.
Ich zerbreche immer mehr.

Mein Handy vibriert einige Male, aber ich reagiere nicht. Es ist kaum zu glauben, aber Freunde habe ich. Ebenso habe ich eine Mutter die sich um mich kümmert, einen kleinen Bruder und einen Hund. Aber all das hilft mir nichts. Niemand, keiner von ihnen kann mich verstehen. Niemand wird mich je verstehen können.

Die Vibration verwandelt sich in ein Klingeln. Es ist Emma. Ich öffne eine Tür des Schränkchens, zücke einen Verband und wickle ihn um meine neue Wunde. Dann nehme ich mein Handy ans Ohr.
„Ja?“
„Du weißt, dass ich draußen auf dich warte.“
„Du wartest auf mich?“, frage ich.
„Ja… wir wollten doch heute auf diesen Mittelaltermarkt außerhalb der Stadt“, ihre Stimme ist ein wenig enttäuscht, auch wenn sie es gewohnt ist das ich sie oft vergesse.
„Oh! Entschuldige, ich beeile mich. Klingel doch einfach, meine Ma‘ wird dir schon aufmachen“, sie legt auf, ich stehe auf.
Das Klingeln hallt durchs ganze Haus und ich kann die Begrüßungszeremonie der beiden bis in mein Zimmer hören. Ich gehe an den Spiegel, man sieht mir deutlich an das ich geweint habe, also schmiere ich mir etwas Make-Up ins Gesicht, bis es besser ist. Dann schlüpfe ich aus meinem Schlafanzug, hinein in einen schwarzen Pullover und eine dunkle Jeans. Ich binde mir die Haare zu einem Zopf und schnappe mir meine Tasche, inklusive Handy. Danach gehe ich langsam die Treppe hinunter.
„Du siehst echt scheiße aus“, meint Emma. Ich grinse sie etwas gezwungen an. Meine Mutter steht nur schweigend neben ihr. Wir beide gehen aus der Haustür und verabschieden uns höflich.
„Wie geht’s?“, will Emma wissen.
Ich zucke mit den Schultern. „Gut, wie immer halt. Und dir?“, frage ich rein rhetorisch. Irgendwie ist dieser Small-Talk nichts für mich.
„Sehr gut, gestern habe ich mich mit Justin getroffen“, beginnt sie zu erzählen. Es ist mir gar nicht möglich weitere Fragen zu stellen. Sie spricht von ganz allein.

Nachdem sie mir ihre Geschichte, von ihrem vermutlich neuem Freund ausgiebig erzählt hatte, trudeln wir auch schon auf den Markt zu.
„Ich habe gehört es soll dort eine Magierin geben“, stammelt sie erstaunt vor sich hin. Ich ziehe die Augenbrauen zusammen.

„So etwas wie Magie gibt es nicht“, meine ich.
Emma schüttelt nur den Kopf. „Es ist eine Art Wahrsagerin. Sie kann es allein mit ihren Gedanken. Anscheinend soll ihr irgendein gewisses Amulett diese Magie verleihe.“

Ich schnaube laut aus. „Wir werden ja sehen wie magisch die wirklich ist“, ich grummle leise.
Es ist ziemlich viel los hier, Menschenmassen sind wirklich etwas, dass ich ganz und gar nicht leiden kann. Ich fühle mich dann immer noch unwohler als sowieso schon. Zuerst holen wir uns etwas zu essen, Emma spricht immerzu mit Fremden, während ich nur danebenstehe und darauf warte weiter zu gehen. Ich frage mich wieso sie es so toll findet, sie wird diese Leute doch sowieso nie wiedersehen, also wieso überhaupt mit ihnen sprechen?
Anschließend trinken wir etwas Honigmet, der einzige Grund weshalb ich überhaupt mit hierhergekommen bin. Dieser süße, schmackhafte Honigmet ist das einzig Wahre. Es ist wie das Gebräu des Lebens. Für einen kurzen, wirklich kurzen Augenblick wärmt es mich von Innen auf.
Immer und immer wieder muss ich mir von Emmas Bekanntschaften anhören, dass ich doch mal mehr reden und etwas lächeln könne. Warum sollte ich für euch lächeln und mit euch reden, wenn ich es nicht einmal für meine Familie tue? Irgendwie verstehen diese Fremden nicht, dass ich sie nicht leiden kann. Und dafür muss ich sie nicht einmal wirklich kennen.
„Sie nur, da ist sie!“, ich drehe meinen Kopf in die Richtung, in welche Emma gespannt zeigt. Sie deutet auf ein kleines Zelt, es ist rot-schwarz gestreift und über dem Eingang steht ein Schild mit dem Namen der Magierin: Esmeralda. Welch‘ klischeehafter Name.

Ich verdrehe die Augen.
„Na los, lass uns hingehen“, meine blonde Freundin packt mich am Arm und zerrt mich über den steinigen Kiesboden des Platzes hinweg.
Dann stehen wir vor dem Zelt. Es riecht nach Räucherstäbchen, Lavendel.
„Lass dir was vorhersagen“, stiftet sie mich an. Ich ziehe die Augenbrauen zusammen und sehe sie grimmig an, sie wollte doch hier her.
„Hop!“, mit einem kräftigen Stoß schiebt sie mich ins Zelt.

Es ist fast so dunkel hier wie in meinem Zimmer. 
„Schließ den Eingang“, die Stimme der Frau ist alt und zerbrechlich. Dennoch gehorche ich ihr und schließe den Eingang des Zeltes. Nun fühlt es sich an, als sei ich ihre Gefangene. Sie zündet eine kleine Kerze an, die direkt vor ihr auf einem Tisch steht. Endlich kann ich etwas sehen.
Mein Herz pulsiert und ich spüre eine seltsame Übelkeit in meinem Magen. Die Haare der Frau sind lang und glatt, sie sind dunkel und bestückt mit feinen Perlenketten. „Setz dich mein Kind“, ich sehe auf den Boden, auf welchem ein kleines Sitzkissen zu erkennen ist. Sofort gehorche ich und setze mich der Frau gegenüber. Als sie spricht, kann ich sehen, dass ihre Zähne vergoldet sind. Es entfacht einen Schauder in mir, der sich bis in meine Zehenspitzen bahnt.
„Du möchtest also etwas über deine Zukunft wissen?“, sie fragt als sei es nicht selbstverständlich, dass ich genau deshalb hergekommen bin. Ich nicke ohne ein Wort.
Seltsamerweise ist mein Respekt gegenüber dieser Frau so groß, dass ich mich nicht einmal traue richtig zu atmen. Schwungvoll nimmt sie meinen Arm und legt diesen unsanft vor sich auf den Tisch. Dann reißt sie meinen Ärmel samt Verband nach oben und zischt.
„Diese Narben, sie heißen nichts Gutes“, mit bemitleidendem Blick starren mich ihre dunkelbraunen Augen an, als könne sie mir direkt in die Seele sehen.
„Einer dieser Schnitte scheint frisch zu sein“, mit ihrem Zeigefinger gleitet sie sanft über die frische Wunde.
Dann zischt sie erneut und haucht sanft in die Luft. „Ich werde dir sagen, was dich erwartet, aber es wird nicht schön sein“, sie legt einen kleinen Beutel auf den Tisch, den Inhalt könnte ich nur erraten. Langsam schiebt sie ihn in meine Richtung.
„Deine Zeichen zeigen mir den Tod in all seinen Farben. Es sieht nicht gut aus für dich, mein Kind. Das Leben scheint ein Spiel zu spielen, in welchem es dich nicht mehr zu brauchen mag. Denn es sind nur die kühnen, die einen Sieg bringen können. Und das Leben möchte nicht verlieren. Du, meine Liebe, bist für das Leben eine Niederlage“, ihre Worte pressen sich in meine Lunge wie Beton. Ich kann nicht atmen, kann mich nicht bewegen, nicht einmal denken.
„Nimm diesen Beutel an dich, er wird dich retten können“, sie zeigt auf den purpurroten Beutel, aber ich schüttle nur den Kopf, wieso sagt sie solche Dinge? „Ohne ihn wirst du sterben“

Ich stehe auf, ich kann nicht anders, ich muss hier raus.
„Ohne ihn wirst du sterben!“

Ich schluchze laut, haste zum Ausgang, sehe nicht zurück.
„DU WIRST STERBEN!“

Tränen rasen über mein Gesicht, ich weine, schluchze so laut ich kann und falle aus dem Zelt direkt auf den Boden.
„Amelie? Was ist los? Wieso weinst du?“, Emma kommt auf mich zu gestürmt.
„Das war deine Idee!“, ich sehe sie an, stehe auf und dann renne ich los. Ich renne so schnell ich kann, soweit ich kann.
Wieso tut man mir so etwas an? Als hätte ich es nicht schon schwer genug, wieso wird es immer schwerer, immer schwerer?

Die Bäume um mich herum verschwimmen und bilden ein einziges, düsteres Grün. Dann lande ich auf dicht besetzten Gehwegen, ramme mich an den Leuten vorbei und lasse ihre aufgeblasenen Beschwerden einfach an mir abprallen.
Ich spüre ein Stechen in meinem Herzen, was diese Frau gesagt hat war zu viel für mich. Auch wenn ich oft darüber nachgedacht habe mir das Leben zu nehmen, noch nie hat mir jemand solche Worte so direkt ins Gesicht gesagt.
Kurz bevor ich vor meiner Haustüre stehe halte ich Inne und starre das große Einfamilienhaus vor mir an. Hier hat alles angefangen. Ob es hier auch enden soll? Hat diese Frau vielleicht Recht gehabt, werde ich sterben? Sterbe ich durch meine eigene Hand, weil ich all den Schmerz nicht mehr aushalten kann?
Mit dem Handrücken wische ich mir angestrengt über die Augen und dann trotte ich langsam hinauf auf mein Zimmer. Es ist gerade keiner da, außer meinem Hund. Er schläft tief und fest.
Mit leisen Schritten gehe ich nach oben und ohne groß nach zu denken, trotte ich erst zum Arzneischrank und dann ins Bad. Ich fühle mich plötzlich so seltsam leer. Eine Tablette und ein warmes Bad werden mir schon helfen.
Während das Wasser hinein in die Wanne plätschert, sitze ich am Wannenrand und lasse meine Hand auf der Oberfläche gleiten. Mein Handy klingelt einige Male, ich vermute es ist Emma, ich gehe nicht ran. Als ich mich ausziehe betrachte ich kurz die neue Wunde an meinem Arm.
Ich drücke darauf herum, so fest das es weh tut, aber ich verziehe nicht eine Miene.
Mit Leichtigkeit lasse ich mich dann schlussendlich ins Wasser fallen, als die Wanne komplett gefüllt ist. Meine Hand umschlingt die kleine, weiße Dose mit den Tabletten, ich nehme eine heraus und schlucke sie runter. Dann rutsche ich seufzend weiter ins Wasser hinein.

Was sollte das alles nur? Als ginge es mir nicht schon beschissen genug.
Leise summe ich eines meiner Lieblingslieder vor mich hin, schließe die Augen und lasse das Geschehene noch einmal Revuepassieren. 

Erst als es draußen zu Dämmern beginnt steige ich aus der Wanne.
Mir ist eingefallen, dass ich noch mit unserem Hund gehen sollte, ehe meine Mutter von der Arbeit zurückkommt. Sie arbeitet im Krankenhaus, weshalb es nicht unüblich ist, dass sie vor 22 Uhr nicht zuhause ist. Ich steige lustlos in meine Kleider, trockne meine Haare nicht, sondern binde sie in einem Knäul hinten zusammen.
„Hektor!“, rufe ich, während ich so langsam die Treppe hinuntergehe, wie noch nie. Er steht schon erwartungsvoll vor der Tür. Schnell die Leine angelegt gehen wir auch schon los.

Fünf außenstehende Anrufe von Emma. Ich stecke das Handy in meine Tasche. Vielleicht melde ich mich in ein paar Tagen.
Die Straßen sind leer, es ist nicht mehr so viel los wie gegen Mittag, dennoch entscheide ich mich dafür, den Waldweg zu nehmen. Es ist eben einfach ruhiger dort. Und er ist nicht allzu weit von unserem Haus entfernt.
Ich atme die frische Luft der Abenddämmerung ein, meistens gehe ich die gleiche Strecke. Sie führt erst über ein Feld hinweg, dann über einen Waldweg durch den Wald hindurch und ich lande schlussendlich zwei Blocks weit von unserem Haus entfernt am Waldrand. Von dort aus wären es dann nur noch zehn Minuten zu mir nachhause.
Seit einigen Monaten ist das Feld mit Weizen angesät. Er geht mir schon bis zu den Knien. Also muss ich um das Feld herumgehen, damit ich nichts kaputt mache.

Ein leises Geräusch ertönt, gerade dann als ich den ersten Fuß in Richtung Waldweg setze. Ich sehe Hektor an, dieser aber scheint nichts mitbekommen zu haben, also gehe ich einfach weiter.
Als ich jedoch erneut etwas höre, halte ich kurz Inne.
„Hallo?“
Nichts.
Mein Atem wird ganz ruhig, ich habe das Gefühl das selbst mein Herzschlag zu laut ist.


Dann höre ich es wieder. Ein leises murmeln? Nein, ein Summen. Das Summen eines Liedes.
Ich schlucke schwer und greife die Leine so fest ich kann.
„Hallo, ist da jemand?“
Als Antwort bekomme ich nur das Summen. Ich spüre wie meine Hände zu schwitzen beginnen.
„Wenn da jemand ist, zeig dich!“
Das Summen verstummt. Ich bleibe noch eine kurze Zeit stehen, bis ich es schaffe die Angst in mir herunter zu schlucken und tief durch zu atmen. Als ich Hektor ansehe, starre ich nur in seine süßen, rehbraunen Augen. Welche erwartungsvoll weitergehen möchten.
Ich hebe meinen Blick, doch als ich in Richtung Waldweg sehe, friere ich urplötzlich ein. Es ist mir nicht möglich mich zu bewegen, zu atmen oder gar auch nur zu zittern. Stur haftet mein Blick auf ihr. Ein Mädchen. Sie trägt ein hellblaues, langes Kleid. Ihre Haare sind dunkelbraun und ihr Blick direkt auf mich gerichtet. Dann höre ich es wieder, dieses Summen des Liedes.
Ich kann den Blick nicht von ihr wenden, die Angst lähmt mich, sie breitet sich in mir aus, durchquert jeden einzelnen meiner Nerven. 
Wer ist sie? Was will sie von mir? Ich höre wie ein leises winseln von Hektor ertönt und ohne, dass ich etwas dagegen tun kann, reißt er sich von der Leine. Es ist mir nicht möglich ihm zu folgen, als sei ich in ihrem Bann.
„Komm mit mir“, sie winkt mich zu sich und auch wenn ich es nicht möchte, meine Beine bewegen sich direkt in ihre Richtung.
Hört auf.
Lasst das!
„Folge mir“, je näher ich komme, desto unheimlicher wird es. Der Wald ist plötzlich dunkler, als ich ihn in Erinnerung hatte. Die Bäume sind höher und sie bilden erschreckende Gestalten.
Das Gesicht des Mädchens verzieht keine Miene, ihre Lippen sind gerade, die Augen direkt auf meine gerichtet. Ich möchte sie berühren, um zu sehen ob sie echt ist, doch kurz bevor ich bei ihr bin, dreht sie sich in Richtung Waldinneres.
„Ich will da nicht rein“, flüstere ich leise.
Aber ich kann nicht anders. Es ist als würde mich die Neugierde treiben, direkt in die Arme des Mädchens hinein.
„Komm mit mir“, ihre Stimme ist ein Hauch von Eis. Wenn sie spricht gefriert jede meiner Adern.
Je weiter wir in den Wald gehen, desto kälter wird es mir. Die langen Haare des Mädchens wippen sanft mit ihren Schritten hin und her. Das Kleid war vermutlich einmal ein schönes Kleid, aber jetzt ist es dreckig und unten an den Enden total verfranzt.
Ich möchte sie fragen wo hin wir gehen, aber ich schaffe es nicht meine Lippen zu bewegen.
Mit halb geöffnetem Mund folge ich ihr.
Auf einmal entfernen wir uns vom eigentlichen Waldweg und gehen direkt durch das Gestrüpp. Ich schiebe die Äste bei Seite, sie sind eiskalt. Der Boden unter meinen Füßen wird immer weicher, bis ich spüre, dass er zu Matsch wird. Meine Schuhe sinken immer tiefer. Erst jetzt bemerke ich, dass das Mädchen vor mir gar keine Schuhe trägt. Vielleicht bin ich verrückt geworden und sie ist nur eine Einbildung meiner Fantasie.
„Amelie, komm mit mir“, mir wird schlecht, mein Magen zieht sich zusammen und ich bekomme das Gefühl nicht los, mich übergeben zu müssen.
Warum kennt sie meinen Namen?
Der Ast eines niedrig gelegenen Baumes streift mein Gesicht, ich schließe kurzzeitig die Augen und als ich sie wieder öffne, sehe ich, dass wir nicht mehr nur in den Tiefen des Waldgestrüpps sind.
„Folge mir“, vor uns ist ein kleiner Teich zu erkennen, es dürfte keine zehn Minuten dauern ihn zu umgehen. Mir ist nie bewusst gewesen, dass es einen solchen Teich in unserem Wald gibt.
Das dunkelhaarige Mädchen steht am Wasserrand und mit jedem Schritt den ich auf sie zugehe, macht sie einen Schritt hinein ins Wasser.
So lange, bis auch ich kurz vor dem Wasser stehe und sie schon bis zu den Knien darin versunken ist. Instinktiv ziehe ich meine Schuhe aus. Das Mädchen streckt mir ihre Hand entgegen.
„Komm mit mir“, ihre Worte werden immer sanfter.
Ich setze den ersten Fuß ins Wasser. Es ist erstaunlich warm. Mit langsamen Schritten gehe ich auf sie zu, ich möchte sie fragen wer sie ist, aber sie taucht immer weiter ins Wasser ein.
Und ohne zu zögern folge ich. So lange bis sie untergeht. Ich gehe mit ihr. Das Wasser um uns herum wird tiefblau, sie sinkt immer weiter nach unten, wie tief ist dieser Teich wohl?
Ich merke, dass sie sinkt wie ein Stein, immer weiter und weiter.
Es ist mir kaum möglich ihr hinterher zu kommen. Ihre blauen Augen starren mich steht’s an.
Und dann mit einem Mal verzieht sich ihr Gesichtsausdruck, sie scheint keine Luft mehr zu haben. Sie ertrinkt!
Schlagartig reißt sie eine Hand in meine Richtung, ich schwimme ihr nach so schnell ich kann, aber sie sinkt noch viel schneller. Ich höre wie mein Herzschlag pulsiert, laut in meinen Ohren.
Dann, als ich nah genug bin, strecke ich auch meine Hand aus, direkt in ihre Richtung.
Sie versucht danach zu greifen, aber es klappt nicht.
Ich schwimme noch ein Stück auf sie zu, immer tiefer nach unten. Daraufhin schafft sie es endlich und unser beider Hände berühren sich das erste Mal. Ein schwerer Schauder läuft mir über den Rücken und gerade als ich sie nach oben ziehen möchte, sehe ich es.
Wie sich ihr Gesicht erneut verändert.
Wie sich ihre Augenbrauen zusammenziehen, die Augen etwas schließen und wie ihr Mund sich zu einem Lächeln formt, dass mir zeigt wer sie wirklich ist.
Mit all ihrer Kraft reißt sie mich nach unten. Ich versuche mich zu wehren, strample hin und her, aber das einzige was ich kann ist ihr tief in die Augen schauen. Wie sich der unschuldige Blick in den eines Mörders verwandelt hat. So gut ich kann versuche ich mich aus ihrem Griff zu befreien, aber je mehr ich es versuche, desto fester wird er.
Ich schreie, schreie so laut ich kann, brülle mir das Herz aus dem Leib, bis es weh tut, bis meine Luft endgültig zu Nichte geht.
Ihr Griff zerquetscht meine Haut, quetscht meine Knochen zusammen, als könne sie einzig und allein mit einer Hand all meine Knochen brechen. Ich will mich losreißen, will weg hier, bitte und flehe gedanklich um Hilfe, aber wer, wer soll mir nur helfen können?
Und als ich das letzte Bisschen meiner Luft herausgeschrien habe, sehe ich noch einmal hinunter zu ihr. Sehe zu wie sie mich bis an den Boden des Teiches zieht, wie sie mich anlächelt mit dem Blick einer Verrückten, einer Mörderin, sie wird mich nicht gehen lassen.
Ich spüre wie mich all meine Kräfte langsam verlassen. Meine Glieder werden locker, ich wehre mich nicht mehr, mein Mund öffnet sich sanft, meine Augen wollen sich schließen.
Ich starre sie an.
Das Mädchen.
Und erst kurz bevor all mein Leben aus mir fließt erkenne ich sie wirklich.
In all ihrer Wahrheit.
Sie ist ich.

Stark sind sie, wie sie unter meine Arme greifen, mich nach oben ziehen und dann sanft zu Boden gleiten lassen. Die Arme eines Mannes, den ich nicht kenne. Ich höre ein leises Schluchzen, es hallt in meinen Ohren.
Mama? Will ich sagen, aber ich schaffe es nicht meine Lippen zu bewegen.
Mama weinst du? Ich kann meine Augen nicht öffnen, kann mich nicht regen, keines meiner Glieder.
„Seit wann ist ihre Tochter suizidgefährdet?“, die Stimme des Mannes, der mich zu Boden gelegt hatte, ertönt direkt neben meinen Augen. Ich spüre wie er an mir herumtastet. Er fühlt meinen Puls, erst am Arm, dann am Hals.
Meine Mutter antwortet nicht, stattdessen wird ihr Schluchzen lauter, immer lauter. Es brennt sich in meinen Kopf, brennt sich in mein Herz und ich merke wie sich das brennen durch meinen ganzen Körper zieht. Erst jetzt bemerke ich, dass ich nicht auf dem Waldboden liege, niemand hat mich aus dem Teich gerettet nein.
Ich spüre Fliesen unter meinem Körper.
„Wissen sie wie viele Tabletten sie genommen haben könnte?“, der Mann öffnet meinen Mund, meine Augenlider, aber selbst als er diese öffnet, kann ich ihn nicht sehen. Ich erkenne nur einen hellen strahl, vermutlich der einer kleinen Taschenlampe.
„Es müssen viele gewesen sein, ich habe die Dose erst neu gekauft“, ein kurzes Schnauben ertönt von ihm.
Wer ist dieser Mann?
„Was hat sie dort in ihrer Hand?“, möchte er wissen.
Sie beide schweigen.
Erst jetzt merke ich, dass meine rechte Hand komplett geschlossen ist.
Sie bildet eine Faust.
Ich spüre, dass sie etwas beinhaltet.
Der Mann öffnet sie sanft.
„Was ist das für ein Säckchen?“, ohne zu wissen was er da aus meiner Hand geholt hat, ist mir bewusst welche Farbe es hat.
Es ist purpurrot.


Jury meint:
Das Hauptthema der Geschichte „Amelie“ wird schon in den ersten Sätzen deutlich: Depressionen. Und die Titelheldin leidet unter dieser Krankheit im Endstadium. Sie zeigt alle typischen Symptome: Sie verschanzt sich in ihrem Zimmer, hat mit Selbsthass zu kämpfen und befasst sich mit der scheinbaren Sinnlosigkeit ihrer Existenz. Wir treffen sie an einem Punkt in ihrem Leben, in dem sie ihrem Zustand schon völlig verfallen ist. Die Narben an ihren Armen lassen auf sogar selbstzerstörendes Verhalten schließen und auch die Kommentare, die sie immer wieder sich selbst gegenüber erwähnt, zeichnen ein düsteres Bild.
Es ist ein dunkles, schweres Gefühl, dass sich durch die gesamte Geschichte zieht… Und einen direkt mit runterzieht. Es ist eindeutig, dass wir als Leser tief in dem Kopf von Amelie sitzen und ihre schweren Gedanken uns genauso mitnehmen sollen, wie sie selbst. Teilweise scheint es sogar etwas übertrieben dramatisch, was aber hinsichtlich der Thematik und der Ich-Perspektive durchaus passend wird. Als Leser nimmt es etwas an Fahrt, etwas an guter Stimmung, aber es ist offensichtlich, dass der Autor nicht wollte, dass man hier mit guter Laune herausgeht. Man soll vielleicht sogar ein Stück weit die Protagonistin so sehr hassen, wie sie es selbst tut.
Die Geschichte ist sehr klassisch erzählt und nimmt ihren magischen Twist erst nach etwa zwei Drittel der Geschichte. Ab diesem Zeitpunkt verwischen die wahrgenommene Realität von Amelie und der wahren Realität immer mehr. Das erzeugt eine gewisse Spannung und baut ein Mysterium auf, das später ordentlich aufgelöst wird, auch wenn nicht jede Frage vollkommen beantwortet wird.
Die Geschichte widmet sich einem allgemein sehr schwierigen Thema und versucht die Gedankenwelt einer betroffenen Person zu erklären, sofern so etwas überhaupt wirklich möglich ist. Es gelingt dem Autor dabei wirklich sehr gut, die verzerrte Sicht einer depressiven Person auf das eigene Bild darzustellen. Vor allem als sie mit der Wahrsagerin spricht, hat man als geneigter Leser zunächst das Gefühl, sie würde maßlos übertreiben, aber genau solche Situationen sind es, welche die Diskrepanz zwischen Realität und wahrgenommener Realität ausmacht.

Mit dem Twist am Ende der Geschichte gewinnt es noch einmal an Bedeutung, denn obwohl sie den Beutel nie mitgenommen hat, hält sie ihn in der Hand, weswegen anzunehmen ist, dass die Wahrsagerin vermutlich die Manifestierung ihrer Depression ist, die ihr einen Tod durch die eigene Hand vorhergesagt hat. Dass der Beutel sie nicht retten konnte, war ihr schon da klar und obwohl sie ihn am Ende doch hatte, konnte sie sich selbst nicht retten… Oder doch? Wer weiß das schon, das Ende lädt zu Interpretation ein. Und dabei geht es nicht nur um die Frage, ob Amelie überlebt oder nicht.
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Re: Kurzgeschichten-Wettbewerb - MAGIE

Beitrag von Resquiat_in_Pesto am Mo 10 Jul 2017, 15:17

Vorneweg sage ich erstmal zu allen Autoren, dass, wenn ich etwas nicht anspreche, es mir gefallen hat oder ich zumindest kein Problem damit habe. Also wenn euch meine Kritik sehr negativ vorkommt, dann deswegen weil sie komplett negativ ist.


Sicherheit
Ich weiß nicht durch welche Kontrollen Sicherheit gegangen ist, aber bei dieser Geschichte scheint ein Betaleser gefehlt zu haben. Der Einstieg in die Geschichte war verwirrend, da ich zumindest immer versucht habe mir vorzustellen wo sich die Person befindet und Beschreibungen von Innen und Außen so vermischt waren, dass ich den Überblick verloren habe. Die vielen kurzen Sätze in verschiedenen Zeitformen waren auch nicht hilfreich.
Auch lag der Fokus sehr auf dem Laufen. Die ganze Geschichte lang geht der Hauptcharakter vom Krankenhaus zum Bahnhof oder zurück oder läuft in der Stadt rum oder durch einen dunklen Tunnel. Das war leider nicht sehr interessant und bevor ich mich wegen dem Treffen mit dem Mädchen freuen konnte (da ich dachte die Geschichte geht endlich los) spaziert er wieder durch die Gegend.
Schade war besonders, dass bei kritischen Momenten durch Rechtschreib-/Schludrigkeitsfehler die dramatische Spannung unterbrochen wurde, schließlich war der ganze große Spaziergang davor der Aufbau, der auf die große Offenbarung mit dem Fuchs hingearbeitet hat. Ich habe auch nach wiederholtem Durchlesen meines Beitrags Fehler nicht gesehen, die von Shiagur sofort entdeckt wurden, darum wäre mein Vorschlag fürs nächste Mal eine Person deines Vertrauens, die für dich vor dem Abschicken über den Text liest und mit Kritik nicht zögerlich ist (was man vielleicht tun würde um deine Gefühle zu schonen).
Ansonsten war es ein sehr interessanter Ansatz von dem ich mehr lesen würde, solange es um die Zauberer und nicht ums Spazierengehen geht.


Schmetterlingseffekt
Ich weiß nicht wirklich was ich zu dieser Geschichte schreiben soll. Jemand opfert sich um eine andere Person zu retten, wir sind auf jeden Fall bei einem Fantasy Magier und es gibt ein Happy Ending?
Was mir persönlich gefehlt hat waren… Informationen zu den Figuren, die eine persönliche Bindung etabliert hätten. Weil, was weiß ich über sie? Das eine ist ein Mann, er kann zaubern und hat jemanden verloren. Das andere ist ein Mädchen, das anscheinend Spaß daran hat Pilze zu sammeln. Und das war es schon irgendwie.
Ich weiß, dass es eine Kurzgeschichte ist, aber sie hatten noch nicht mal Namen. Das macht es irgendwie schwierig diese Figuren als tatsächliche Menschen zu sehen. Keine Ahnung. Es war kurz und süß, aber vielleicht hätte die Geschichte besser in einer etwas längeren Version erzählt werden können, um den Figuren Zeit zu geben sich zu entwickeln.
Eine leere Zeile für einen Zeitsprung zu nehmen war auch kein besonders guter visueller Hinweis darauf, dass etwas Neues kommt. Der Wechsel zwischen “Heulend am Boden liegen” und “Glücklich, weil Lehrling” war etwas abrupt.


Im Wald der Hexe
Anders als bei Schmetterlingseffekt kann ich bei dieser Geschichte genau sagen, was mich daran stört. Sie war mir eindeutig zu kurz. Der Fokus liegt auf den bösen Jungs, die nicht wissen wie viel Geld sie mit Hüten aus Biberfell machen können und generell sehr oberflächliche und uninteressante Übeltäter sind.
Die Idee mit dem Mädchen ist gut, da sie weniger über die bereits eingeführten Personen weiß als die Leser und somit ahnungslos in eine gefährliche Situation läuft, aber leider ist die Szene etwas zu schnell vorbei um wirklich Spannung aufzubauen. Auch das Verschwinden der Personen und das Auftauchen der Hexe wird so schnell runtergebrochen, dass man nicht wirklich Zeit hat auf die jeweilige Situation zu reagieren.
Hier ist auch ein bisschen das Problem mit den nicht vorhandenen Namen bzw. die Beschreibung von zwei Personen mit dem selben Geschlecht, das am Ende etwas verwirrend ist. Ich habe erst beim zweiten Lesen verstanden, dass nicht die Hexe noch etwas sagt, sondern das Mädchen (Danke?). Ohne den Dank des Mädchens haben die Abschlussworte der Hexe irgendwie wie in den leeren Raum hinein gesprochen gewirkt und nicht wie eine Antwort. Und wie groß ist die Hexe, dass sie ein Mädchen auf ein Pferd setzen und ihr dann noch auf die Stirn tippen kann?


Streetlife
Streetlife war eindeutig eine eher merkwürdige Geschichte, die in der ersten Hälfte nur den Hauptcharakter beschreibt. Das allerdings nicht besonders gut, da ich mir aus der Beschreibung kein Bild von ihm machen konnte, außer “männlich und hat lange Haare”. Vielleicht wäre die vage gehaltene Beschreibung der Person und ihres Jobs mit der Inkludierung der Kleidung besser gewesen, oder wenn es eine Frau wäre, denn die Parallelen zwischen Straßenkünstlern und Bordsteinschwalben (die hier wohl das Ziel waren) kommen nicht ganz rüber.
Der Autor hatte anscheinen auch keine besseren Ideen für unnütze Zauber als eine umgedrehte Topfpflanze (sowas kann man auch ohne Magie hinbekommen) und hätte sich da vielleicht noch etwas überlegen können.
Das Ende ist auch eindeutig zu schnell da und wieder vorbei, denn man kann nicht wirklich erkennen, dass es sich um das Handy einer anderen Person handelt, das in seiner Tasche aufgetaucht ist. Hier wäre eine Überarbeitung ganz sinnvoll gewesen, weil momentan kommt es mir so vor, als wäre die Geschichte in zwei Tagen runtergeschrieben und dann vergessen worden.
Btw, bei der Stelle mit der Münze ist “besserging” zusammen geschrieben. Bei einem so kurzen Text hätte man das doch sehen müssen.


Der Fluch der Selbstsucht
Klassischer Ansatz wie in “die Schöne und das Biest”, nur wird hier der Widerling am Ende der Geschichte nicht erlöst.
Ich fand die Geschichte recht gut, nur war mir die Hauptperson etwas zu dämlich. Der König hat nicht gespürt, dass sein Gesicht umstrukturiert wurde? Ich muss auch zugeben, dass ich nicht wusste in wessen Blut die junge Frau jetzt liegt, da der König ja noch Verletzungen hatte, die durch die Ehestandsbewegungen wieder geöffnet wurden und er nicht wirklich mit dem Kopf auf sie reagiert hat und hinterher immer noch nur an Sex gedacht hat. Ich dachte es wäre relativ alles okay mit der Frau. Wenn dabei gestanden hätte, dass das Blut an ihrem Oberschenkel klebt oder er es sich vom beteiligten Körperteil wischt hätte ich es wohl sofort verstanden.
Und ist auf spitze Stein fallen wirklich Selbstmord? Wäre irgendwie amüsant gewesen, wenn ihn das nicht getötet hätte und er für längere Zeit dort hätte hängen müssen.


Amelie
Wie der Titel schon andeutet geht es in dieser Geschichte um eine Person mit einem Namen und einem Problem.
Ich weiß nicht wirklich was ich zu Amelie schreiben soll, weil es mir zugegeben am Besten gefallen hat. Der Aufbau war gut, die Wende mit der Wahrsagerin in den mystischen Raum und der Twist mit dem Beutel am Ende waren gut ausgeführt und in der Länge okay.
Das Thema Depression und Selbstverletzung war irgendwie einerseits sehr persönlich und andererseits habe ich mir immer Fragen gestellt, die mit der Geschichte nichts zu tun hatten und auch wirklich das einzige waren, das mich an der Geschichte gestört hat.

Haben Freunde und Familie wirklich nichts gemerkt? Hat sie, dafür dass es bei ihren inneren Gedanken relativ wenig um das Verstecken des eigenen Zustands ging, wirklich alle so gut täuschen können? Kein Blutfleck auf der Bettwäsche, der den anderen aufgefallen ist? Irgendwie ist das Thema so geladen, dass zumindest ich immer darüber nachdenken muss. Magie und Gruselkinder? Mir doch egal, wenn man über die seelische Verfassung und Auffassungsgabe fiktiver Personen spekulieren kann.
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Re: Kurzgeschichten-Wettbewerb - MAGIE

Beitrag von Akeem am Di 11 Jul 2017, 23:00

Es ist vollbracht! Es ist vollbracht! 
Der Wettbewerb wurde tatsächlich erfolgreich beendet. Ich bedanke mich bei allen Teilnehmern, sowie allen Lesern, die sich die Zeit genommen haben, die Geschichten zu lesen und ihren Favoriten ein paar Stimmen dar zu lassen! 


Insgesamt wurden 22 Stimmen abgegeben, die folgendes Bild ergeben haben:


1. Amelie von @Sanara mit 8 Stimmen 
2. Sicherheit von @Chiyo Yume mit 4 Stimmen
2. Streetlife von @Resquiat_in_Pesto mit 4 Stimmen
3. Schmetterlingseffekt von @Saddy-chin mit 3 Stimmen
4. Der Fluch der Selbstsucht von @Sakyo mit 2 Stimmen
5. Im Wald der Hexe von von @Kyouya mit 1 Stimmen


Als besondere Belohnung für alle Gewinner und Teilnehmer haben wir uns überlegt, dass ihr alle euch einen Rang, also  einen Titel unter eurem Benutzernamen, auswählen könnt (falls ihr nicht schon einen habt).
Außerdem könnt ihr eure Ränge anschließend mit folgenden, sehr sehr coolen Abzeichen verzieren, welche die gute @Mithras für euch erstellt hat:




Je nachdem welche Platzierung ihr erreicht habt, wird das jeweilige Abzeichen für euch angezeigt. Von links nach rechts ist es:
1. Abzeichen für alle Teilnehmer
2. Abzeichen für 3. Platz
3. Abzeichen für 2. Platz
4. Abzeichen für 1. Platz


Wenn ihr eure Profile zukünftig mit diesen Abzeichen zieren wollt, sagt mir bescheid und ich richte es dann für euch ein! 


Herzlichen Glückwunsch an alle Gewinner und vielen Dank für die Teilnahme an alle anderen! Bis zum nächsten Mal... Wenn ihr denn wollt.

Das wäre meine nächste Frage an euch: Wollen wir wieder mehr Wettbewerbe machen? Und in welchen Zeitabständen würdet ihr die gerne sehen wollen?
Wenn wir weitere machen, würde ich als Anreiz sagen, es gibt jedes Mal so schöne Abzeichen zu gewinnen, die man dann sozusagen sammeln kann und die dann auch nebeneinander im Profil angezeigt werden. Habt ihr überhaupt Interesse an so etwas?
Außerdem wäre ganz interessant, wenn ihr einen Wettbewerb wollt, was wären für euch gute Intervalle dafür?
Nur Kurzgeschichten-Wettbewerbe oder auch andere? z.B. Gedichte oder Zeichenwettbewerbe wären möglich! Was für Interessen habt ihr so?

Schreibt auch so etwas hier herein. Ich bin halt wirklich positiv überrascht, wie gut das doch dieses Mal funktioniert hat und vielleicht sollten wir dieses Momentum nicht verschwenden!

PS: Pesto hat zu ihrer Geschichte übrigens noch ein Bildchen gezaubert, das ich euch nicht vorenthalten möchte (nachdem ich es erstmal wieder vergessen hatte, soooorrrry!). 
Der gute Orban:


Zuletzt von Akeem am Mi 12 Jul 2017, 13:41 bearbeitet; insgesamt 1-mal bearbeitet
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Re: Kurzgeschichten-Wettbewerb - MAGIE

Beitrag von Resquiat_in_Pesto am Mi 12 Jul 2017, 13:13

Abzeichen! Wohoo!! Glückwunsch an Sanara und alle Teilnehmer, minus mich.

Wie bei Deviantart und so, nette Idee. Wie viele Abzeichen passen auf das Profil?

Also ich hätte schon Interesse an Wettbewerben teilzunehmen, wenn mir das Thema gefällt. Selbst Gedichte (die mir nicht wirklich liegen) würde ich ausprobieren, schließlich lernt man nie aus.

Auf Animexx gab es immer vor Weihnachten die Wichtelaktion, bei der sich die Teilnehmer gegenseitig Bilder gemalt haben und erst zur Bescherung wussten was sie von wem bekommen. Der Start war immer unterschiedlich, aber Abgabe war immer Dezember, darum konnte man sich darauf gut einstellen.

Einmal im Jahr würde ich zumindest ganz okay finden, dann belastet es auch den jeweiligen Organisator nicht zu sehr, oder?

Ich muss ja zugeben, dass ich auf so etwas ähnliches irgendwie Lust habe. Ich würde es auch selbst auf die Beine stellen. Man schreibt eine kurze Liste mit Dingen die man nicht */mag und ein anderes Mitglied schreibt oder malt etwas dazu. Keine Ahnung wie das hier ankommen würde, aber najooo...

Abgabe mehrerer Stimmen möglich? Üps. Voll übersehen.
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Re: Kurzgeschichten-Wettbewerb - MAGIE

Beitrag von Akeem am Mi 12 Jul 2017, 13:47

Ich hab hier leider recht begrenzte Möglichkeiten mit der Foren-Software, deswegen werden die Abzeichen derzeit "nur" als Rang-Icons verwendet. Ich würde die dann einfach jedes Mal updaten und dann in Reihen untereinander machen. Zumindest solange mir keine bessere Alternative einfällt.
Die Abzeichen werden dann im Profil, aber auch bei jedem Post unterhalb des Namens angezeigt. Siehe nun wie bei Sanara hier: http://anime.forumsrpg.com/u550

Wichteln ist eine gute Idee. Ich glaube, das wurde hier auch schon einmal vor meiner Zeit gemacht. Können wir gerne im Hinterkopf behalten für ~ Oktober/November. Es sei denn wir nennen es einfach anders und machen Wichteln einfach schon jetzt.
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Re: Kurzgeschichten-Wettbewerb - MAGIE

Beitrag von Sanara am Mi 12 Jul 2017, 16:17

LDanke Pesto und auch Glückwunsch an dich und die anderen :D
Ich fände wichteln auch sehr cool. Da können dann auch alle mit machen die wollen scheiss egal ob man dann (so wie zB ich xD) überhaupt nicht zeichnen kann oder ob man super gut darin ist.
Über was lustiges/schönes/verrücktes freut man sich doch immer

Edit:
Ich seh grad das Bild von Pesto ist so geil 
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Re: Kurzgeschichten-Wettbewerb - MAGIE

Beitrag von Chiyo Yume am Mi 12 Jul 2017, 18:25

Bei Wichteln wäre ich auch dabei :) Yay~

Und bevor ich es vergesse, ich fand den Wettberwerb ziemlich cool und auch die Preise sind gut :) GLückwunsch an Sanara und jedem anderen der da mitgemacht hat :) hat mir echt spaß gemacht <3
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Re: Kurzgeschichten-Wettbewerb - MAGIE

Beitrag von Akeem am Mi 12 Jul 2017, 19:23

Okay. Dann notiere ich das mental. Allerdings wäre so ein richtiges Wichteln ja nur stimmig für Weihnachten.

Wie sieht es mit dem Interesse an weiteren Wettbewerben aus?
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Re: Kurzgeschichten-Wettbewerb - MAGIE

Beitrag von Sanara am Mi 12 Jul 2017, 21:24

Andere Wettbewerbe sind auch cool :D also ich wär dabei
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Re: Kurzgeschichten-Wettbewerb - MAGIE

Beitrag von Akeem am Do 13 Jul 2017, 17:40

Themen Vorschläge für einen nächsten Kurzgeschichten-Wettbewerb, die Sanara und mir so einfielen waren:

1. Unterwasser
2. Götter
3. Fliegen

Habt ihr noch Ideen?
Wobei ich "Unterwasser" ehrlich gesagt fast cooler für einen Zeichen-Wettbewerb finden würde.
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Re: Kurzgeschichten-Wettbewerb - MAGIE

Beitrag von Horizont am Do 13 Jul 2017, 17:43

Ich find das Thema fliegen interessant ^^
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Re: Kurzgeschichten-Wettbewerb - MAGIE

Beitrag von Akeem am So 16 Jul 2017, 22:52

Okay, Okay

Ich hab mal ne kleine Umfrage erstellt:
http://www.strawpoll.me/13451827

Wer Interesse für einer weiteren Runde hat, kann ja mal für ein oder mehrere Themen abstimmen.
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Re: Kurzgeschichten-Wettbewerb - MAGIE

Beitrag von Akeem am Di 18 Jul 2017, 22:12

Mir scheint so, als wäre FLIEGEN das nächste Thema. Ich hoffe ihr seid alle damit einverstanden. ;) Wie siehts mit dem Zeitraum aus? Wollen wir wieder 1 Monat machen?
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Re: Kurzgeschichten-Wettbewerb - MAGIE

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