Kurzgeschichten-Wettbewerb - FLIEGEN

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Welche Geschichten sind eure Favoriten? (Abgabe mehrerer Stimmen möglich!!)

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Stimmen insgesamt : 16

Kurzgeschichten-Wettbewerb - FLIEGEN

Beitrag von Akeem am 19.07.17 17:27

Edit: 22.08.2017

Abgaben:


Abstimmung geht bis zum 29.08 etwa 15:50 Uhr!
JEDER USER KANN FÜR MEHR ALS EINE GESCHICHTE ABSTIMMEN!






Hallo Leute,

nachdem ja an sich Interesse an einem zweiten Wettbewerb bestand, machen wir den jetzt auch zeitnah, bevor die ganzen Leute hier wieder verschwinden ;D
Es gab eine kleine Abstimmung, welches Thema wir nehmen. Die Ergebnisse seht ihr hier:
http://www.strawpoll.me/13451827/r


Die Regeln sind ganz einfach:
Ihr erstellt in dem vorgegebenen Zeitraum eine Kurzgeschichte, die irgendetwas mit dem vorgegebenen Oberthema zu tun hat und lasst sie mir zukommen. Ob nun über PM oder Skype, oder per Mail, ist völlig gleich, Hauptsache sie ist rechtzeitig da.

Anschließend werde ich alle Geschichten lesen und ein kleines Review dazu schreiben, was ich dann zusammen mit den Geschichten veröffentlichen werde. Danach haben alle im Forum die Möglichkeit ihren Gewinner per Voting zu küren. Also super einfach!


Hier nun die wichtigsten Fakten:
Das Thema ist FLIEGEN.
Wie ihr dieses Thema interpretiert ist völlig euch überlassen. Also lasst eurer Fantasie freien Lauf!

Die Geschichte ist bis zum 19.08.2017 23:59 Uhr einzureichen. Eine Maximal- oder Mindestlänge gibt es nicht!

Zu Gewinnen gibt es auch dieses Mal ein paar Abzeichen, die euer Profil schmücken können! Wieder wunderbar zur Verfügung gestellt von @Mithras !



Zuletzt von Akeem am 22.08.17 15:50 bearbeitet; insgesamt 2-mal bearbeitet
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Re: Kurzgeschichten-Wettbewerb - FLIEGEN

Beitrag von Akeem am 20.08.17 17:01

Zunächst einmal möchte ich mich bei allen bedanken, die abgegeben haben. Es sind tatsächlich mehr geworden, als ich eigentlich gedacht hätte. Ich habe noch nicht alle komplett durch und noch nicht alle Reviews fertig, weswegen ich darüber auch noch nichts sagen kann.
Stattdessen möchte ich euch allen einen generellen Tipp geben, denn das ist mir nun fast in allen Geschichten (auch das letzte Mal) mehrfach aufgefallen. Neben Rechtschreib- und Grammatikfehlern, die halt immer mal wieder durchrutschen können, fehlt es bei vielen von euch an einer vernünftigen Formatierung. 
Es gibt nicht vieles beim Schreiben, wo man objektiv bewerten kann, aber wenn es um so handwerkliche Sachen geht, kann leicht etwas Recherche helfen. Was ich vor allem meine sind Dialoge. Es ist bei Dialogen nicht nur wichtig, dass sie besonders schön oder cool klingen, sondern auch vor allem zu wissen, wer überhaupt gerade spricht. Viele von euch schreiben Dialoge zwischen einer oder mehrer Personen sogar in einem einzigen Absatz, wodurch man teilweise erst am Ende des Satzes weiß, dass überhaupt gerade eine andere Person spricht und nicht dieselbe. 
Es gibt Konventionen dafür, die ihr sicher auch aus Romanen kennt und die uns halt bereits antrainiert wurden. Dadurch ist es viel einfacher einen Dialog zu lesen und es entsteht ein viel schönerer Flow, als wenn man alleine schon dadurch verwirrt ist, wer gerade überhaupt etwas sagt. Gerade wenn eure Charaktere recht ähnlich reden, weil sie z.B. einen ähnlichen storytechnischen Hintergrund haben, trägt das nur zur Verwirrung bei. Und das muss ganz einfach nicht sein und ist einfach zu verbessern.

Die Regel ist im Prinzip ganz einfach:
1. Jeder Beginn einer wörtlichen Rede beginnt mit einem neuen Absatz. Diese kann natürlich durch Aktionen unterbrochen werden etc.
2. Jedes Mal, wenn eine andere Person anfängt zu sprechen, ist dies wieder in einem neuen Absatz.

Das sieht dann Beispielweise so aus:
Spoiler:

Es gab nicht viel, was dem jungen Karl aus der Fassung bringen konnte, aber die Worte seiner Schwiegermutter verwandelten ihn in diesem Moment zu einer rasenden Wildsau. 
"Wie kannst du es wagen so mit deiner eigenen Tochter zu sprechen?!", brach aus Karl heraus und er schlug so heftig mit der Faust auf den Tisch, dass das alte Melitta-Geschirr einen Satz in die Luft machte. "Du entschuldigst dich gefälligst bei ihr!"
"Du hältst dich da raus, Karl", erwiderte seine Schwiegermutter erschreckend ruhig. "Das ist eine Familienangelegenheit."
"Wenn ich mich recht erinnere bin ich immer noch Teil dieser Familie!"
"Noch."

Genauer nachlesen könnt ihr das z.B. auch hier unter Punkt 8: https://www.die-schreibtrainerin.de/manuskript-formatieren/
So Kleinigkeiten sollten dem Leser auf jeden Fall helfen, eure Geschichte einfacher genießen zu können. ;)
Ist nur ein gut gemeinter Rat. Ich möchte wie immer niemanden damit persönlich angreifen, oder so. Es ist mir einfach nur mehrfach aufgefallen.
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Re: Kurzgeschichten-Wettbewerb - FLIEGEN

Beitrag von Akeem am 22.08.17 15:36

Bevor ich die Reviews und die Geschichten veröffentliche, möchte ich nochmal einen kleinen Disclaimer geben:
Ich bin selbst kein Profi und ihr müsst nicht mit meinen Definitionen und Ansichten übereinstimmen. Dieses Mal habe ich allgemein vielleicht etwas "härter" bewertet. Das bedeutet hoffentlich nicht, dass sich jetzt jemand gekränkt fühlt, oder so, sondern einfach nur, dass ich etwas deutlicher darüber sprechen werde, was man meiner Meinung nach an den Geschichten verbessern könnte. Der Großteil eurer Abgaben war sehr kurz, was natürlich logisch bei einer KURZgeschichte ist. Aber einige haben nicht einmal wirkliche Merkmale einer Geschichte aufgewiesen und waren im Grunde nur einzelne, zusammenhanglose Szenen. Das werdet ihr deswegen immer wieder lesen. Meiner Definition von einer Geschichte nach, reicht das halt nicht wirklich aus, wenn man nicht irgendwie noch eine starke Message erkennen kann. Es kann natürlich sein, dass nur ich die nicht erkannt habe oder ihr allgemein meiner Definition von einer Geschichte nicht teilt. Das ist völlig okay und dann ignoriert meine Worte einfach. 

TLDR: Es sind nur lieb gemeinte Ratschläge! Ich will niemanden in irgendeiner Form persönlich angreifen oder so ;)
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Re: Kurzgeschichten-Wettbewerb - FLIEGEN

Beitrag von Akeem am 22.08.17 15:39

PTBS:

PTBS

Madisen nickte. Sie strich eine ihrer blonden Strähnen hinters Ohr. „Gibt es sonst was neues?“, fragte sie ihre Kollegin. Beide standen im Büro und trugen dieselbe, weiße Kleidung. „Wir haben eine Neue.“, antwortete jene und nahm einen Schluck ihres Kaffees. „Total zerstreut. Ist erst seit ein paar Tagen hier. Die Hölle.“ 
Gespannt nahm Madisen die Akte – ganz altmodisch noch in Papierform. Wenn ihre Kollegin das als Hölle bezeichnete, war es wohl wirklich was ernstes. Sie klappte die erste Seite auf und lies ihren Blick kurz drüber schweifen. Die Blonde hielt wenig von den ABEDL's oder jetzt SiS. 
Lächerlich. Madisen legte viel mehr wert auf die Biografie. Und Diagnosen. 
Sie blätterte eine Seite weiter. Ein Bild der Patientin erschien. Ein wohl älteres Passfoto. Hübsche, glatte aber dreckig blonde Haare. Graue Augen, ein unbedeutendes Lächeln. 
Jassmin Hofer Stand darunter. „Du hast Glück.“ Madisens Kollegin sah ihr über die Schulter. „Eine Schülerin hat die Akte schon überarbeitet. Als hätte sie gewusst, dass du kommst“ Ein kurzes Lächeln huschte über ihre Lippen, ehe sie sich weiter durch die Textzeilen bahnte. 


1.       Allgemeine Daten
Geschlecht: weiblich
Staatsangehörigkeit: Deutsch
Alter: 27
Konfession: r.K.
Geburtsdatum: 14.6.1987
Geburtsort: Berlin
Datum der Aufnahme: 05.08.2017
Pflegestufe: 3
 
2.       Krankheitsanamnese
Medizinische Diagnosen:
PTBSSchizophrenie Humerusfraktur re. Und li.Commotio cerebri)
 
3.       Kurzbiografie
Frau H. wurde In Zentrum Berlin geboren und ist dort behütet aufgewachsen. Laut Aussage von Angehörigen habe sie von den Nachwirkungen des Krieges recht wenig erlebt. Sobald sie älter wurde besuchte sie die Realschule und arbeitete danach als Sekretärin in einem Betrieb von ihrem Freund. Zu den Eltern hatte sie stets guten Kontakt. Ihr Freund, den sie kurz nach ihrem Abschluss auf einer Reise nach Thailand kennenlernte, betrieb ein Elektrogeschäft. Dies befand sich ebenfalls in Berlin. Frau H. hatte eine gute Beziehung zu ihrem 2 Jahre jüngeren Bruder, der ebenfalls in der Nähe lebt. Sie haben sich oft besucht.
Vor 3 Jahren zog sie zu ihrem Freund. Anlässlich ihres Jahrestages wollten beide eine Reise nach Thailand machen. Auf dem Rückflug stützte das Flugzeug ab. Frau H. überlebte. Ihr Freund leider nicht. Aufgrund des Traumas scheint sie wenig wahrzunehmen. Ist in keiner Weiße Orientiert. Ihr Zustand scheint sich nicht zu verbessern. 
 
 
Madisen seufzte. Man sah gleich an, dass es von einem Schüler verfasst worden war. Aber was solls? Diese... Frau Hofer scheint ja ziemlich mitgenommen zu sein. Logisch. Sie klappte die Akte zu. Tatsächlich hat sie vor kurzem von dem Flugzeug gehört. Eins der Treibwerke soll wohl nicht richtig funktioniert haben. Die Notladung glich mehr einem Absturz.
Sie schüttelte erneut den Kopf und verstaute die Akte wieder. „Ich schau sie mir kurz an.“, sagte sie zu ihrer Kollegin. Jene sah von dem Dienstplan hoch. „Viel Spaß.“ Der Flur lag beinah leer vor ihr. Kein Wunder. Die meisten sind beim Mittagessen. Es war nicht weit, bis zu dem Zimmer 210. Nur einmal um die Ecke und ein Zimmer weiter. Ihr Name stand an der Türe. Natürlich nur der Nachname. Vorsichtig klopfte sie an und öffnete dann die Türe.
Der Anblick, der sich ihr bot, lies sie kurz erschaudern. Auf dem Bett lag eine Frau. Die Haare zerzaust, wild ins Gesicht hängend. Dahinter starrten sie zwei aufgerissene Augen an. Die Hände hatten sich ins Lacken gekrallt. Die Bettdecke lag weit abseits des Bettes. Die Frau öffnete den Mund. Ein keuchen kam heraus. Rau und trocken. Dann bäumte sie sich im Bett auf, warf den Kopf hin und her. Die Fixierung verhinderte es, dass sie sich viel bewegen konnte. Sie zerrte mit ihren Armen daran, strampelte mit den Beinen. Dann ertönte der Schrei. Ohrenbetäubend laut. Die Panik, die daran mitschwang war beinah zu spüren. Diese Frau da hatte Angst
Hilf mir!“, schrie sie verzweifelt, warf den Kopf in den Nacken. „HILF MIR! Wir stützen ab! Wir fallen!“

Jury meint:
Es geht um eine Frau, die an einer Posttraumatischen Belastungsstörung leidet, nachdem sie einen Flugzeugabsturz überlebt hat. Viel mehr wird hier nicht erläutert oder erklärt. Es ist auch hier mehr eine kleine Szene oder Momentaufnahme und würde selbst als Prolog oder Teaser nur bedingt funktionieren, da auf dem ersten Blick kein wirkliches Mysterium oder ein besonderer Konflikt aufgebaut wird… Doch dann wirft man einen genaueren Blick in die Akte. Denn hier ergibt relativ wenig Sinn. Nicht nur ist das Alter der Patientin völlig falsch berechnet worden, sie gibt außerdem an, im Zentrum Berlins geboren zu sein, obwohl 1987 Berlin ist Ost- und Westberlin aufgeteilt war. Außerdem berichtet die Akte von den Auswirkungen eines Krieges. Der zweite Weltkrieg kann unmöglich gemeint sein, denn dieser lag bereits über 40 Jahre zurück. Des Weiteren ist es logisch, dass ein junges Mädchen mit nur zwei Jahren nichts von dem Mauerfall und dem kalten Krieg mitbekommen hat. Auch wenn es direkt in Berlin wohnt. Das lässt darauf schließen, dass hier vielleicht mehr dahintersteckt, als auf dem ersten Blick ersichtlich. Vielleicht spielt die Geschichte in einer alternativen Realität… oder vielleicht kam auch nur die Patientin aus einer alternativen Realität. Hidden SciFi? … Vermutlich nicht. Es ist sehr viel wahrscheinlicher, dass die vorher erwähnte Schülerin ganz einfach ein paar Fehler bei der Zusammenstellung der Akte gemacht hat, sie scheint schließlich auch so etwas seltsam formatiert. Aber tat sie das vielleicht mit Absicht? Ein gewisses Mysterium bleibt und vielleicht möchte hier irgendjemand ja doch etwas vertuschen.
Leider erfährt man davon wenig in der eigentlichen Geschichte. Es gibt vielleicht ein paar Dinge zwischen den Zeilen, aber in den Zeilen herzlich wenig. Erneut würde ich mir wünschen, etwas mehr Fleisch präsentiert bekommen zu haben, um es eine wirkliche Geschichte zu nennen. Zu jedem Drama gehört Konflikt und den lässt sich oberflächlich hier nicht entdecken.
Die Erzählweise ist das wirklich originelle hier und gefällt mir an sich auch am besten. Der Einschub mit der Akte und dem Puzzle, das sich eventuell darin befindet, lässt eine Meta-Spannung entwickeln. Denn wenn etwas scheinbar nicht ganz einen perfekten Sinn ergibt, dann muss da doch etwas dahinterstecken, oder? Dieser erzählerische Kniff ist clever und wenn auch nicht ganz perfekt umgesetzt, definitiv etwas, was man sich für die Zukunft merken sollte.
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Re: Kurzgeschichten-Wettbewerb - FLIEGEN

Beitrag von Akeem am 22.08.17 15:40

Der reisende Gefangene:

Der reisende Gefangene

Ascendia.
Das Reich der schwebenden Inseln, eine Geburtsstätte der Liebe, der Freiheit und des Lebens. 7 Inseln, verweilend über einem großen Meer des Nichts. Erschaffen durch eine unbekannte Macht, bewohnt von friedvollen Lebewesen, doch befallen und infiziert von Habgier, Machthunger und Hass.

Der Laut einer schrillen, und zugleich Mark erschütternden Sirene durchbrach die beruhigende Stille des Dorfes. Umgehend lies Hikaru ab, von der Axt die sich noch gerade eben in seinen Händen befunden hatte. Kurz streckte er sich, griff jedoch anschließend umgehend nach seinem Rucksack, welchen er grundsätzlich nie aus den Augen gelassen hatte. Mit einem beherzten Schwung, warf er selbigen über seine Schulter, und stürmte los.

Hikaru, ein 20 Jahre alter, junger Mann. Durchschnittlich groß, und in bester körperlicher Verfassung. Seine Seele jedoch, vermochte es nicht so aufrichtig und standhaft wie sein Körper zu sein. Von Geburt an hatte er mit Versklavung, Gefangenschaft und Unterdrückung aufwachsen müssen. Das Imperium war zu Zeiten seines Vaters in Ascendia 3 eingefallen, und zwang fortan jeden nicht Imperialisten zu Arbeit und unterwarf sie einem brutalen Regelkonstrukt, um sie auszubeuten und zu kontrollieren. Andersdenkende Menschen waren nicht mehr, als eine notwendige Ressource, welche gewaltsam Richtung Ernte gequält wurde.

Der schmerzhaft in Hikarus Kopf vibrierende Klang der Imperiumssirene, wurde lauter. Keine 50 Meter später, lichtete sich der Wald in dem er sich befunden hatte, und gab ein kleines, teils verwahrlostes Dorf Preis. In etwa 6 Gebäude besaß es. Eine große Scheune, ein Schmiedehaus, das gleichzeitig eine Werkstatt war, und 4 kleine Wohnhäuser, welche zum Teil Risse in Scheiben und Fundament besaßen. Jene Bauwerke waren verbunden durch einen Hof auf dem sich ein alter, jedoch wasserloser Brunnen befand.

"Du da! Lass den Rucksack fallen und dann zu den anderen!". Auf dem Hof stand ein wohl ernährter Mann, gekleidet in eine auffallend protzige, blaue Uniform. Sein rechter Arm ausgestreckt, und an äußerstem Ende mit dem Finger auf ihn zeigend, riss es augenblicklich die Blicke der restlichen 6 Soldaten und den vor ihnen, in Reih und Glied, knienden Dorfbewohnern auf Hikaru. Erschrocken ließ er sein Gepäck fallen und eilte mit gesenktem Antlitz zur Gruppe und lies sich zu Boden fallen.

"Da jetzt alle versammelt sind, ist es Zeit, euch meinen Unmut einzubrennen. Seit 2 Wochen produziert ihr zu wenig Holz! Eure geschmiedeten Nägel sind zum Kotzen, und in der Mine arbeiten scheinbar nur Vollidioten! Zu was seid ihr eigentlich zu gebrauchen? Mir ist es scheiß egal, ob ihr verrückt werdet oder euch verletzt! Ihr seid der Abschaum der Insel, und dient lediglich dem Imperium! Ihr solltet vor Freude Blut weinen, wenn ihr unsere Stiefel küssen dürft! Also was fällt euch ein hier auf Sparflamme zu fahren?!" grölte ein General, umgeben von zwei bewaffneten Kumpanen, welche offenbar einen niedrigeren Dienstrang besaßen. Eine jüngere Frau erhob sich auf ihre gebrechlichen, zitternden Beine. "Hören Sie - Wir haben kaum etwas zum Essen, unsere Körper leiden unter entzündeten Wunden. Selbst unsere Kinder klagen über Schmerzen, wollen und können nicht mehr so weitermachen! Wo soll das hin-" sagte sie tränen unterlaufen und wurde abrupt unterbrochen. Der General stand nun vor ihr, griff gewaltsam in ihre Haare, ballte die Finger zu einer Faust und sah zu wie die sichtlich mitgenommene Frau vor Schmerzen zusammenbrach. So wie er sie von oben herab ansah, korrigierte er mit einem Zug seiner Faust nach hinten ihr Gesichtsfeld zu seinem. "Habe ich nicht gerade gesagt, DASS ES MICH EINEN FEUCHTEN DRECK INTERESSIERT, OB IHR KREPIERT? MUSS ICH ERST EIN EXEMPEL STATUIEREN DAMIT IHR MICH VERSTEHT?" schrie er in Rage, mit einer Stimme voll Hass und Abscheu. "Nein, Mama!" schnellte es aus der ersten Reihe, und ein kleines Mädchen gab sich zu erkennen. Ohne Skrupel reagierte einer der Soldaten an der Seite des Generals, als er das Kind wuchtvoll mit einem Gewehrkolbenschlag im Gesicht traf. Das Mädchen verstummte an Ort und Stelle, knickte zu Boden und stützte sich mit beiden Händen ab. Den Kopf kraftlos nach unten hängend, spuckte sie Blut. Anschließend hustete sie, und zwei Zähne kamen in der blutigen Pfütze zum Vorschein. Ihr Haar, saugte sich in den Spitzen voll, und färbte es rot.

Hikaru konnte einen Stich in seinem Herzen fühlen, und Gänsehaut breitete sich über seine Haut aus.

Erschüttert drehte die vermeintliche Mutter ihre Augen in die Richtung ihres Kindes, ohne sich dabei auch nur ansatzweise aus dem Griff des Generals befreien zu können, und weinte bitterlich. Der stämmige Unmensch, geziert von funkelnden Abzeichen, hob seinen Blick und ließ ihn über die Menge fahren. "Ihr wisst alle warum ihr noch hier seid! Also tut gefälligst das, was ihr sollt und zwar so, dass es und zufrieden stellt! Wenn sich in zwei Wochen, keine sichtliche Veränderung feststellen konnte, werde ich nicht so sanft mit euch umgehen!" sprach er, und ließ von der Frau ab. "Also zurück an die Arbeit!". Der General warf einen letzten, dunklen Blick in die Ansammlung, und machte kehrt. Die restlichen Soldaten folgten seinem Beispiel. Nur ein einziger spuckte vor seinem Rücktritt in die erste Reihe, und demonstrierte damit Macht, welche man keinem Biest dieser Welt hätte zuteilen dürfen. Stolz gebrüstet, traten die Imperialisten den Heimweg an. Die Dorfbewohner verweilten in der selbigen, demütigenden Position bis die Soldaten aus ihrem Blickfeld verschwanden.

"Lia! Ist alles okay bei dir? Komm her meine kleine." wimmerte die junge Frau und nahm ihr blutendes Kind in die Arme. Lia konnte nicht anders, als bitterlich zu weinen, und drückte ihren Kopf an die Brust ihrer Mutter. Augenblicklich setzte sich die Masse in Bewegung und scharrte sich um die beiden.

Hikaru's Herz pochte mittlerweile ununterbrochen. Ihm war leicht schwindelig und schlecht zugleich. Wie alle anderen auch, hatte er alles mit angesehen. In ihm wütete ein Kampf zwischen Angst und Hass. Er hatte ein Gefühl, welches er nicht zu deuten vermochte. So als würde seine Brust zerspringen.

"Kommt mit mir, ich muss mir die Verletzung ansehen" drang es durch die Menge, und sie bewegten sich in Richtung eines der Häuser. Hikaru warf einen Blick über die Schulter und bemerkte einen einzigen Mann der mit gleichgültiger Miene vom Boden aufstand, und sich die Hosenbeine abklopfte. "Der Alte? Hat der denn gar kein Herz?" dachte er und sah dabei zu wie der Ergraute, mitleidlos von Dannen zog. Der "Alte", wie Hikaru ihn nannte, war ihm durchaus ein Begriff. "Er wohnt ganz alleine, ab vom Schlag, bei der Spitze des Hügels direkt am Dorf. Niemand wagt es mit ihm zu reden, zumal das vollkommen vergebens wäre. Er sagt nie etwas, nicht mal ein Wort. Gefühle sind ihm völlig fremd, und dieser Blick erst. Die Augen sind das Fenster zur Seele, so sagt man. Aber wenn das stimmt, dann hat er keine. Er macht seine Arbeit auf dem Hügel- schnell, effizient und allein. Ins Dorf kommt er nur, wenn er die Sirene hört, oder wenn er uns heimlich aus dem Schatten heraus beobachten kommt, wie ein Raubtier. Genaugenommen glaube ich, dass er innerlich lieber ein Soldat wäre als hier sein Leben fristen zu müssen." ging es Hikaru durch den Kopf.

"Wenn das so weitergeht, haben die uns ausgerottet, noch bevor wir unseren Plan durchziehen können!"
"Schhhhhh! Nicht so laut du Idiot! Willst du, dass wir alle draufgehen oder was?"
"Natürlich nicht! Tut mir leid..."

Als Hikaru die Worte vernahm, wusste er sofort, wohin er gehen musste. Die Scheune.
Er drehte sich zu dem riesigen Holzgebäude, und bewegte sich umgehend und zügig. Keine 5 Sekunden später durchschritt er die massiven Tore und erblickte die Gesprächsführenden.  
"Ihr habt doch einen Lattenschuss, oder? Wenn ihr noch ein bisschen lauter seid, haben wir bald die Bude voller Soldaten!", fauchte er leise und warf den beiden Argumentierenden einen bösen Blick zu. "Wie weit sind wir?" fügte er hinzu. "Nun ja, so wie es aussieht, ist es so gut wie startklar.". Hikaru sah sich kurz verdutzt um. Hinter einer gigantischen, dunklen Plane ragte eine Hand hervor, und wank ihn zu sich. Motiviert folgte er der Stimme und trat durch den Vorhang. Hätte er nicht gewusst, dass die halbe Halle von einer dunklen Plane abgeschirmt war, wäre es ihm niemals aufgefallen. "Und? Gefällt sie dir?" fragte eine kleine, gutaussehende Frau. Eine Brille mit runden Gläsern zierte ihr Gesicht, als sie zu Hikarus rechten deutete. "Wahnsinn!" platzte es aus ihm heraus. Vor ihm bauten sich bildlich, Paneele um Paneele, Seile, Knoten und Fächer auf. Ein großes, weniger prachtvoll aber solides, Flugschiff auf. "Ihr hab echt wunderbare Leistungen erbracht. Die letzten zwei Wochen, müssen eine Qual gewesen sein." sagte er. "Frag mal das arme kleine Ding - das vorhin hat mir beinahe das Herz zerrissen." bekam er als Antwort. Wie ein Schlag in den Magen, war Hikaru wieder schlecht. "Mir ging es genauso. Aber jeder bekommt irgendwann seine gerechte Strafe, da glaube ich fest dran." entgegnete Hikaru und fasste sich mit seiner linken Hand auf den Bauch. "'Mir egal, Hauptsache wir kommen hier endlich weg!". Beide nickten sich zu.

"Jetzt brauchen wir also nur noch die Kristalle richtig?".
"Genau. Bestenfalls heute noch, damit das Baby Energie zum Fliegen bekommt."
"Gut, wir bekommen das hin, verlass dich auf uns."

Mit diesen Worten wendete Hikaru sich ab, und durchschritt wieder Mals die Plane. Im Augenwinkel konnte er beobachten, wie die zierliche Frau sich zurück an einen Tisch setzte und in ihren Blättern wühlte. Auf dem Weg aus der Scheune heraus, erinnerte er sich, wie schwer es gewesen war, nachts heimlich das viele Holz und alle anderen Materialien, in die Scheune zu schleusen. In Zeiten wie diesen vermochte man es kaum, Stolz zu empfinden, aber in diesem Moment, war er stolz. Auf sich und alle anderen, die es solange geplant hatten, und mit aller Kraft mitgearbeitet hatten.

Wieder zurück auf dem Hof angekommen, trommelte er alle starken Männer zusammen, und begann zu sprechen:
"Es ist so weit. Wir sind unserem Traum zum Greifen nahe. Wir alle - in einem Flugschiff, auf dem Weg in eine bessere Zukunft."
Er stoppte kurz, und fuhr dann fort.
"Alles was uns fehlt, sind eine Hand voll Energiekristalle aus der Mine. Seid ihr bereit, alles aufzugeben, für unsere einzige Chance?" fragte er in die Runde, und streckte seine Hand nach vorne aus.
"Lieber sterbe ich bei dem Versuch, als auf ewig hier fest zu sitzen." antwortete einer der Männer und legte seine Hand über Hikarus. Sein Handgelenk war geschmückt von einem kleinen, bunten Kinderarmband. "Vermutlich von einem seiner Kinder..." dachte Hikaru. Einer Hand nach der nächsten folgte.
"Gut. Denkt daran - wir müssen schnell, leise und vorsichtig sein. Ansonsten fliegen wir auf, und dann ist alles vorbei." Ein nicken ging durch die Runde.

Die Männer teilten sich auf, bemannten sich mit Werkzeugen und folgten Hikaru durch den Wald. Mittlerweile war es dunkel geworden. Die kalte einhergehende Brise wehte ihnen den Duft der tauenden Pflanzen in die Nase, und sie schleppten ihre gezeichneten Körper bis zu ihrem Ziel. Am Fuße eines Berges, tat sich ein kleiner Eingang auf. Gerade groß genug für 2 Mann und einen Karren.

"Um diese Uhrzeit, sollte niemand mehr hier sein. Wir müssen uns beeilen - sobald die Kristalle den Berg verlassen, lässt ihre Kraft nach. Der einzige weg ist es, sie schnellstmöglich zur Maschinerie des Schiffes zu bringen, welches den Abschwung ihrer Kraft aufhält." zischte Hikari leise. Still bestätigend, marschierte der Trupp geschult bis vor den Eingang, und nach Überprüfung schließlich darin zu verschwinden. Etwa 10 Minuten wanderten sie durch den Stollen bis sie an ein Ende gelangten.

"Hey! Das kann nicht sein!"
"Was ist los?"
"Sie sind weg!"
"Was?!"
"Seht mal hier!"

Einer der Männer deutete auf den ascheähnlichen, dreckigen Bruchboden auf dem sich gut erkennbar Spuren von Abbauwerkzeug abzeichnete. Hikaru griff erzürnt nach der Fackel eines Mitstreiters, und trat an eine Stollenwand. Auch hier, Rückstandslöcher, in welchen sich wahrscheinlich die Kristalle befunden hatten.

"Das kann doch nicht sein, was machen wir denn jetzt?!"

Ein Moment der Stille durchzog den Abbauort.

"War etwa alles umsonst? Dabei haben wir so lange gebraucht um sie freizulegen..." schwappte es aus den hinteren Reihen hindurch. "Ruhe Männer, sie sind zwar nicht hier, aber irgendwo müssen sie sein. Wir müssen sie finden! Allerdings bringt es uns gar nichts hier wie angewurzelt rumzustehen. Wir dürfen jetzt nicht aufgeben! Doch zuerst müssen wir zurück und gut überlegt weitermachen!" sagte Hikaru bestimmend. Sie konnten sich jetzt, gerade in diesem Moment, keinen Fehler erlauben. Ein Raunen und entrüstetes prusten ging von der Gruppe aus. Ihnen blieb nichts anderes übrig als zurückzukehren, mit leeren Händen, und nach einer Nacht voll Schlaf die Suche zu beginnen. Also traten sie gesenkten Hauptes den Heimweg an.

"Hat jemand unseren Plan durchschaut? Wo sind die Kristalle jetzt? Kommen wir da ran?" ging es Hikaru immer und immer wieder durch den Kopf. Als er seinen Blick hob, sah er das Dorf in der Ferne, in welchem sich die Frauen und Kinder inklusive ihres Hab und Gutes versammelt hatten, und auf die Rückkehrer warteten. Schritt für Schritt, verkürzten sie den Abstand. Schuldgefühle plagten die Männer, einige weinten sogar.

"Was ist passiert?" fragte eine ältere Frau, welche auf sie zugekommen war.
"Sie sind weg. Wir müssen sie suchen. Irgendjemand hat sie sich unter den Nagel gerissen als wir nicht da waren..." war die Antwort darauf. Jeder einzelne begegnete seiner Familie mit innerlicher Trauer. Sie waren so kurz davor - aber sie durften jetzt nicht aufgeben. Hikaru, welcher auf sich allein gestellt war, schritt gradlinig durch die Gruppe hindurch, in eins der Häuser, bis hin zu seinem Zimmer. Er legte sich auf die höchst unbequeme Pritsche, die sein Bett gewesen sein sollte und starrte an die Decke. Unnachgiebig versuchte er sich selbst in Gedanken zu beruhigen, aber wirklich gelingen, sollte es ihm nicht. Vor lauter Erschöpfung jedoch, schlief er schlussendlich ein.



"Schneller, schneller!" lachte jemand schadenfroh vom Hof aus. Hikaru öffnete erschrocken seine Augen und sprang aus dem Bett. "Soldaten?!" schoss es ihm durch den Schädel. "Um diese Uhrzeit? Was wollen die hier?". Seine vom Bett noch schwitzige Haut lies sein Oberteil vom Vortag förmlich an ihm kleben, als er, so schnell er nur konnte, seine Holzfällersachen packte und die Treppe herunter aus dem Haus rannte. Das gleißende Morgensonnenlicht stach ihn wie eine Nadel, und er kniff verkrampft die Lieder zusammen. Unweit von seiner eigenen Position sah er, wie zwei Soldaten sich damit bespaßten, eine ältere Frau, viel zu schwere Materialien schleppen zu lassen.

"Ja genau, tue was wir dir sagen, wir passen heute auf euch auf!" lachte sich einer von beiden morbide grinsend ins Fäustchen. "Du, was hältst du eigentlich von dem Dach dahinten? Von da aus können wir alles sehen, und haben freie Schussbahn." erwiderte der andere. "Hmmm, gute Idee. Selbst wenn der General hier auftauchen sollte hätten wir noch genug Zeit den Alk wegzupacken." - "Du willst hier echt saufen? Eigentlich gar keine so schlechte Idee." tätschelte der eine dem anderen auf die Schulter. Anschließend liefen sie langsam zum weit entferntesten Gebäude des Dorfplatzes. Auf dem Weg dahin, liefen sie an der alten Dame vorbei, und konnten es sich nicht verkneifen, ihr ein Bein zu stellen, sodass sie fiel. Lachend gingen sie amüsiert weiter.

So leid ihm die Frau tat, Hikaru wollte die Aufmerksamkeit der Soldaten nicht auf sich richten, und schnellte zu seiner Rechten in den Wald. "Bald hat das alles ein Ende, versprochen." sagte er zu sich selbst als er den verwachsenden Weg durch den Wald beging. Nicht mehr weit und er war an seinem Fällplatz.

"Pssscht" zischte es.
Hikaru sah sich um.
"Hier drüben, komm mal schnell rüber." sagte jemand von einem Holzstapel aus.
Umgehend bewegte sich Hikaru auf die Stimme zu. Vor ihm tat sich Kain, ein Arbeiterkollege auf.
"Hör mal, man weiß ja heute nicht mehr wem man noch vertrauen kann. Meine Frau hatte gestern Nacht einen Einfall und ist dem nachgegangen. Und was soll ich dir sagen? Wir wissen jetzt wo die Kristalle sind." flüsterte er mysteriös. Von jetzt auf gleich war Hikaru voll beim Thema und beugte sich interessiert nach vorn.
"Okay? Und wo genau sind sie jetzt? Kommen wir da irgendwie dran?" fügte er bei.
"Der Alte! Meine Frau sagte, sie hätte ihn mit leuchtenden Steinen in seiner Scheune gesehen." flüsterte der Kollege mit offensichtlich neu entfachter Entschlossenheit. "Ich überlege seit ungefähr einer Stunde, ob ich gehen soll um sie zu stehlen." fuhr er fort. "Nein! Ich mache das! Ich habe euch gestern geführt, und ich mache es heute! In seiner Scheune sagst du?" brach Hikaru in das Gespräch, und setzte einen fragenden Blick auf.

"Ja genau. Du solltest da ohne weiteres reinkommen. Der alte müsste um die Zeit in der Nähe der Mine sein."
"Okay, alles klar, danke. Ich komme nicht mit leeren Händen nach Hause!"

Hikaru bereitete seinen Freund noch darauf vor, dass falls die Soldaten kommen sollten, er sagen sollte, dass er irgendwo Notdurft verrichten wäre oder etwas Ähnliches, und er versicherte ihm dass er das hin bekäme.
Mit diesen Worten gaben sie sich die Hand und Hikaru sprintete los.

Wahnsinn dieses Gefühl, dachte er sich, als Unmengen an Adrenalin durch seinen Körper peitschten. Er hatte es eigentlich ganz anders in Erinnerung. Der Hügel war wesentlich näher als Hikaru gedacht hatte und so ging er zunächst in Stellung um das Terrain zu überblicken. "Scheinbar hat er recht damit, dass der alte nicht hier ist. Alles ruhig und still." sagte Hikaru motivierend zu sich selbst. Langsam aber stetig pirschte er sich an das Konstrukt heran. Ein paar Meter weit und er konnte über den kleinen Bruchsteinansatz hinwegsehen. Er erblickte zu seiner linken das sehr seltsam geformte, riesige Wohnhaus, und zu seiner rechten die Scheune des alten. Einen kurzen Moment blieb er, fast wie eine Raubkatze, sitzen, und hielt Ausschau. Als er sicher war nichts gesehen zu haben, arbeitete er sich Stück für Stück, von Deckung zu Deckung bis hin zu dem Tor der Scheune. Kurz sah er sich noch einmal um, öffnete dann aber mit einem leisen knack und knarzen den Eingang. Ein seltsamer Geruch drang Hikaru in die Nase, aber er war zu fokussiert um etwas zu bemerken. "Kristalle..." wiederholte er durchgehend in seinen Gedanken. Dann, auf einem Tisch bemerkte er ein Objekt, dass von einem braunen Ledertuch bedeckt war. Langsam näherte er sich und streifte bedacht den Lederfetzen davon hinunter. "Jackpot!" feierte er innerlich. Ein seltsam geformter, halb mechanischer und teils durchsichtiger Krug lachte ihn an. - Gefüllt mit Energiekristallen. Wofür auch immer dieser Krug da gewesen war, er hielt die kleinen Steinchen am Glühen. Unbedacht, und doch voller Freude ließ er das Gefäß in seinem Rucksack verschwinden. Schleunigst verließ er die Hütte, in der Hoffnung, nicht doch noch auf den ergrauten Mann zu treffen und sprintete so schnell er konnte. Diese Freude, er vermochte sie gar nicht in Worte zu fassen. Ein Kribbeln nahm ihn von seinem Bauch aus ein. Wie kleine Flugschiffe kreiste es wie wild in ihm.  
Auch die Zeit verging wie im Flug, und ihm war gar nicht bewusst, dass er sich wieder im Wald, bei seiner Arbeitsstelle befand.

Kain bemerkte das plötzliche Auftreten von Hikaru scheinbar, denn er bewegte sich umgehend in seine Richtung.
"Hast du sie?" zischte Kain. "Ja ich habe sie! Wir müssen sie sofort in Dorf bringen!" entgegnete Hikaru freudig.
Fast wie vom Glück angesteckt, zauberte es Kain ebenfalls ein lächeln ins Gesicht. "Okay, gut. Du hast die Soldaten im Hinterkopf richtig?" warf der aufrichtige Arbeiterkollege berechtigter Weise ein. "Ja, aber soweit ich weiß, trinken die. Eigentlich sollte ich sie problemlos bis zur Scheune bekommen." - "Und was dann? Willst du dann sofort los oder wie?" - "Um Gottes Willen, natürlich nicht! Wir warten bis zur Nacht, und dann gehen wir." - "Klingt nach einem Plan". Das Gespräch nahm seinen Lauf, und Kain schwärmte davon, wie es wäre, in einem Luftschiff zu fliegen. Hikaru allerdings, konnte sich erst dann entspannen, wenn sie endlich entkommen wären.

Es war soweit, und die beiden waren am Dorfplatz angekommen. Wie angenommen, feierten die beiden mittlerweile betrunkenen Soldaten auf dem Dach, und feuerten gelegentlich vor Freude mit ihren Waffen in die Luft.
"Optimal, genauso wie ich gedacht habe." sagte Hikaru zu Kain. Nebeneinander liefen sie gradlinig auf die große Scheune zu, bis plötzlich ein immenser Griff an Hikarus Rucksack riss. Erschrocken drehten sie sich um und sahen dem alten Mann ins Gesicht, welcher Hikaru sofort an den Kragen ging. Selbst durch das dicke Holzfällerhemd hatte er die kräftigen Pranken des alten deutlich spüren können. Mit zornigem Blick starrte er ihm ins Gesicht.

"Ey! Lass den Jungen los!" schrie Kain und schlug ihm mit voller Wucht ins Gesicht. Unmittelbar nach dem auftreffen der Faust ging der ergraute zu Boden. Er sah kurz nach oben, fasste sich dann aber sofort an den Kiefer, an die Stelle, an welcher er getroffen wurde. "Los Hikaru! Ich mache das!" sagte Kain unterstützend.

"Was macht ihr da? Seid ihr bescheuert oder was?!" grölte einer der Soldaten vom Dach.
Alle drei erstarrten an Ort und Stelle. Wie schockgefroren vermochte es Hikaru nicht einen Meter mehr zu gehen. Diesen kurzen Moment der Regungslosigkeit nutzte der alte Greis schamlos aus. Er sprang auf und erwiderte den Schlag, mit einer Kraft die seines gleichen suchte.

Die Soldaten, welche sichtlich amüsiert waren von dem Spektakel das sich vor ihnen abspielte, steigerten sich in das Geschehen hinein. "Stell dir mal vor, der alte Knacker macht die beide platt." - "Ein Bild für die Götter!".
Einer der Soldaten wendete sich seinem Kameraden zu. "Sollen wir ein kleines Spiel spielen?" - "Gerne, was genau?" - "Wir wetten darum, wer als erstes drauf geht" - "Klasse, aber dann müssen wir es spannend machen.".
Der andere Soldat griff nach seiner Pistole und kontrollierte sie auf verbleibende Kugeln. "5. Ist zwar nicht viel, aber immerhin etwas." sagte er und lachte. "Hier du Spaßkanone!" fügte er bei, sah den ergrauten an und warf die Pistole das Gebäude hinunter auf den Boden. Hikaru, der sich immer noch nicht bewegen konnte, konnte nur tatenlos zusehen.

Wie von einer Tarantel gestochen, nutze der etwa 50-Jährige auch diese Möglichkeit sofort. Er griff nach der Pistole und wendete sich den beiden wieder zu. Kain, der alsbald wieder stand, hob augenblicklich die Hände. "Wooow wooow, du willst das doch nicht wirklich o-" sagte Kain und wurde von einem lauten Knall unterbrochen. Hikaru sah in die vollkommen leeren Augen des Schützen und bemerkte, wie leicht dinnsiger Rauch aus dem Lauf der Pistole aufstieg. "W-was?". Hikaru blickte hinunter in seine offenen Handflächen. Sie waren bespritzt mit Blut, und er spürte wie sein Puls schlagartig beschleunigte. Durch seine Hände hindurch sah er Kain, am Boden liegend. Blutüberströmt mit einem klaffenden Loch in seiner Stirn. Hikaru wollte schreien, aber er konnte nicht. "Fühlt es sich so an zu sterben?" fragte er sich und hob den Blick in Richtung des alten Mannes. Dieser stand nun ca. 2 Meter vor ihm und richtete die Pistole nun auf ihn. "Warte, ich kann das erklä-" wurde auch sein Erklärungsversuch vom Ladegeräusch des Schlagbolzens unterbrochen. Ohne weiter nachzudenken, riss sich Hikaru den Rucksack vom Rücken und warf ihn in seine Richtung. Der alte Mann verweilte kurz, sah ihm tief in die Augen, griff dann aber nach dem Rucksack und warf sich ihn über. Die Waffe nach wie vor fest umschlungen, brach er umgehend, zügig auf.

Die Soldaten schienen schon lange keinen solchen Spaß mehr gehabt zu haben. "Der geht dann wohl auf mich, hahaha." sagt der erste. "Ja stimmt, aber hey, wo will der hin? Warte der hat meine Knarre doch noch!" - "Ach scheiß doch drauf der hat eh nix mehr da drin, und zudem hasst er die Wichser genauso wie wir." - "Auch wieder war!". Und so setzte sich der Leichtsinn unter den Betrunkenen durch.

Hikaru derweil, konnte nicht glauben was er sah. Genauso wie die Freude kam ging sie wieder. Es ging alles so schnell, er hätte nichts tun können. Oder etwa doch? Als er begriff, was sich gerade vor seinen Augen abgespielt hatte, merkte er wie sich sein Gewicht ungleichmäßig verteilte. Seine Fingerspitzen wurden von einem Taubheitsgefühl ergriffen, und seine Beine begannen zu zittern. Blitzende kleine Sterne fingen an sich in seinem Sichtfeld breit zu machen. Zwei Mal noch, konnte er einatmen, bevor er endgültig das Bewusstsein verlor.




"Hey... ach.. uf..."
"Kom... scho..."
"Wach auf!" riss es Hikaru aus dem Schlaf.
"Ja! Kannst du mich sehen?" fragte eine Stimme. Hikaru richtete sich umgehend auf und blinzelte mehrmals. "Hey" ertönte die Stimme wieder. "Ich höre dich, wer bist du?" sagte Hikaru zaghaft. Seine Sicht klärte auf, und er sah in das Gesicht eines kleinen Mädchens, welches an seinem Bett zu stehen schien. "Lia?" fragte er ungläubig. "Ja! Los los jetzt! Sie kommen, wir müssen gehen!" sagte die kleine mit sanfter Stimme aufgeregt. Fragend kratzte Hikaru sich am Kopf bis er verstand. Er sprang ohne Vorwarnung auf und schnellte zum Fenster. In der Ferne sah er, wie mehrere Lichter auf dem Weg zu ihrem Dorf waren. "Schon wieder Soldaten? Jetzt sogar in der Nacht? Und dann gleich so viele?!" brach es aus ihm heraus. Er drehte sich um und fasste sich mit beiden Händen an den Kopf. Starke Kopfschmerzen plagten ihn. Erst die Berührung einer kleinen Hand konnte ihn aus seiner Starre befreien.
"Geht es dir nicht gut?" sagte sie und machte eine kleine Pause. "Wir müssen gehen! Los!". Diesmal klang sie beharrlicher und Hikaru befolgte ihren Befehl. Sein Schädel brummte und surrte wie verrückt als er nach der Hand des Mädchens ausfuhr und mit ihr die Treppe hinab auf den Innenhof stürmte.

"Hikaru! Da bist du ja endlich." sagte eine vertraute Stimme. Die junge Frau aus der Scheune."Wa-was ist hier los? Was ist passiert?" stellte Hikaru mit schmerzverzerrten Gesicht hinten an. "Die zwei Soldaten haben bis in die Nacht getrunken, und sind danach von Haus gefallen. Scheinbar haben sie Kain erschossen. Es tut mir leid Hikaru. Sie sind die Nacht nicht zurück zum Stützpunkt gekommen und deshalb rechnen die anderen Soldaten mit einem Aufstand. Die werden hier alles auf den Kopf stellen! Und wenn sie erst das Flugschiff finden, sind wir alle tot!" sagte sie und wedelte hysterisch mit ihren Armen um sich. Hikaru hob den Kopf und versuchte zu überblicken was vor ihm war. Alle Bewohner des Dorfes befanden sich vor ihm, sahen ihn an, erwarteten, dass er wie immer die Zügel in die Hand nehmen würde. "Denk nach! Denk nach verdammt!" schrie Hikaru sich selbst an. "Dir muss doch wa- ... die Waffe." erschlug es ihn. "Wir müssen zum alten, die Kristalle holen! Wenn wir das schaffen könnten wir von hier weg sein, bevor die Soldaten eintreffen!" sagte Hikaru. Ein massiver Schauder lief ihm über den Rücken als seine Erinnerungen langsam zurückkamen.  

"Wir haben keine andere Wahl."
"Wir sollten los!"
"Meine Frau und meine Kinder kommen mit! Ich lasse sie nicht hier!"
"Wenn wir sterben, dann sterben wir zusammen!"

Der Rest des Dorfes, fügte sich kommentarlos bei, und sie begannen zu rennen. Männer nahmen die kleinsten der kleinen auf ihren Arm oder ihre Schultern und sie schafften eine ausgeglichene Geschwindigkeit. Wie ein Rudel Wölfe jagten sie durch den Wald bis hin zu dem Hügel auf dem der Greis wohnte. Hikaru an der Spitze des Mobs erspähte das beleuchtete Gebäude, konnte aber niemanden erkennen. Auch bei näherem herantreten, schienen die Dorfbewohner allein zu sein.

"Wir müssen die Kristalle finden!" wiederholte Hikaru und deutete auf die Scheune. Als sie die Türen öffneten, sahen sie, dass sie vollkommen leer war. Kein einziges Werkzeug, kein Holz - Nichts.

"Dann sind sie im Haus!"
"Aber das ist riesig!"
"Wir haben keine Wahl!"

Der wild durcheinanderwuselnde Menschenmob, konzentrierte sich jetzt auf ein gemeinsames Ziel. Einer nach dem nächsten verschwand im Haus. Hikaru war diesmal der letzte der durch die schwere Türzarge in das Haus eindrang, und suchte im Eingangsbereich nach versteckten Fächern.

*Kawoom*

Ein lauter Knall erschütterte das Haus, als die Eingangstür sich schloss. Niemand kramte mehr. Niemand machte auch nur ein Geräusch. Gebannt starrten sie alle in Richtung der Tür, durch die sie gerade erst gekommen waren. Hikaru stand auf, und ging langsam auf das gläserne Guckloch, welches sich in der Tür befand, zu. Es zeichnete sich eine Silhouette ab. Er konnte sie deutlich erkennen...

Der alte Mann stand direkt vor dem Haus und hatte die Tür verschlossen. In seiner rechten Hand glimmte der gläserne Behälter in welchem sich die Energiekristalle befanden. Hikaru sah dem Mann tief in die Augen. Sein Herz raste, und doch, es sollte ganz anders kommen. Der Greis hob seine Hand, und griff nach seiner goldenen, aufklappbaren Halskette. Langsam öffnete er sie und sah hinein. Es schien so als wollte er etwas sagen, jedoch begann er nur zu wimmern. Mehrere Tränen verließen sein Gesicht als er die Kette zu seinem Mund hob und sie küsste.
"Was hat das zu bedeuten?" fragte sich Hikaru völlig angewurzelt.

Ein fürchterliches rütteln kam auf. Ein Erdbeben?
Hikaru und alle anderen im Haus mussten sich festhalten, fielen zum Teil zu Boden.
"Was ist hier los?!" schrie eine Frau, welche sich ängstlich an ihren Mann klammerte.
Hikaru sah sie selbst verwundert an und drehte sich zurück zum Eingang.

Alles wurde still. So als ob man jeden Atemzug im Raum fühlen konnte. Laute Motorengeräusche fingen an aus dem inneren des Hauses zu dröhnen. Sie alle, spürten wie die Last die sie auf ihren Beinen trugen immer schwerer wurde.
Hikaru konnte seinen Augen nicht trauen. Träumte er?
Frauen und Männer gleicherweise, stürmten zu den Fenstern.

"Wir heben ab?"
"Wir fliegen?"
"Wie kann das sein?"

Sie alle sahen zu, wie das Haus, in dem sie sich befanden, langsam aber stetig den Boden verließ.
Wie sie Stück für Stück ihre Vergangenheit hinter sich ließen. Wie der alte Mann und die in der Entfernung anrückenden Truppen immer kleiner wurden. Niemand sagte etwas, bis etwas an Hikarus Hosenbein zuppelte.
"Hikaru? Sieh, da lag ein Brief für dich auf dem Tisch." sagte Lia und drückte ihm einen braunen Brief in die Hand.
"Ein -"

Das innere des Flugschiffes wurde urplötzlich von einem grellen Licht erfasst. Der Knall und die Druckwelle einer massiven Explosion waren deutlich spürbar. Ascendia 3 stand in Flammen. Mit unglaublicher Geschwindigkeit breitete sich das Feuer über die Insel aus. Das ganze Dorf war in einem Flugschiff, ganz Ascendia 3 brannte lichterloh und doch sollten sie ihren Frieden finden?

Hikaru öffnete langsam den Brief und ertastete korkartiges Papier. Er holte tief Luft und begann laut vorzulesen.

"Hikaru,
Ich weiß nicht genau wo ich anfangen soll. Weißt du ich bin jetzt 54 Jahre alt. Ich hatte eine wunderschöne Frau und eine zuckersüße Tochter. Meine Familie und ich, lebten unseren Traum. Unseren ganz eigenen Traum vom Fliegen. Nichts konnte uns aufhalten. Nur wir drei und unser Schiff. Irgendwann jedoch, mussten wir unserem Kind die Möglichkeit geben, Freundschaften zu knüpfen, es selbst ruhiger angehen lassen. Weißt du? Niemand kann dem Alter entfliehen, selbst wenn der ganze Himmel dir gehört. Also beschlossen wir, uns auf Ascendia 3 niederzulassen. Eine gigantische Insel voller Natur, auf der wir unseren ganz eigenen Platz fanden.

Wenige Jahre nach unserer Ankunft, kamen die großen, zerstörerischen Schlachtschiffe des Imperiums und verpesteten das Land. Errichteten Kasernen, schlachteten Tiere, und versklavten die friedliebenden Menschen.

Ich verlor bei dem Versuch die Imperialisten zu vertreiben viele Freunde, meine Frau und mein Kind.

An diesem Tag schwor ich Rache zu nehmen. Für all die Verluste, Für all den Schmerz, und sprach fortan nie wieder auch nur ein Wort.

Verzeiht mir, alle Dinge die ich euch antuen musste. Alles hatte einen Sinn. Ich tat alles was in meiner Macht stand. Die Kristalle waren von mir irreversibel zu einer Bombe umfunktioniert, und Kain sowie auch sein Vater waren Spitzel der Armee. Aber wer hätte mir schon geglaubt?

Hör mir zu, ich habe bloß eine letzte Bitte an dich und an den Rest des Dorfes.
Nehmt mein Schiff, und fliegt soweit ihr könnt! Entflieht dieser grausamen Welt, und werdet irgendwo glücklich.

Ich werde jetzt auf euch warten, euch einsperren, und die Motoren starten.
...und schon bald meine Familie wiedersehen."

Mit zitternden Händen steht Hikaru da...

Jury meint:
Bei einer Kurzgeschichte erwartet man sicher keine vollständige, lange Erzählung mit langatmiger Einführung, komplexem Mittelteil und krachendem Finale. Trotzdem muss jede dramatische Erzählung deren Grundprinzipien erfüllen oder es zumindest versuchen. Im Kontext einer Kurzgeschichte können sicher auch die Ausprägung und Definition dieser gedehnt werden, aber im Wesentlichen sollten zwei Elemente immer präsent sein: Ein Charakter möchte etwas (Intention) und es gibt etwas, was ihn daran hindert es zu erreichen (Obstacle). Daraus entsteht ein organisches Drama.
In diesem Fall haben wir alle Komponenten präsentiert bekommen. Hikaru möchte mit seinen Freunden die Insel verlassen, doch die bösen Soldaten hindern sie daran. Wir bekommen eine vollständige Geschichte präsentiert mit kurzer Einführung in die Welt und der Hauptperson, bevor es dann auch direkt mit der Erklärung seines Planes und all den Dingen, die ihn an der Ausführung hindern, weitergeht.
Das Thema Fliegen wird hier ebenfalls mit dem Gefühl der Freiheit gleichgesetzt und ziemlich offensichtlich als Metapher für die Rettung verwendet. Die Dorfbewohner schaffen es durch einen „alten“ Mann (er ist gerade einmal 50 Jahre alt) zu entfliehen, welches am Ende der Geschichte das eigentliche Thema der Geschichte deutlich macht. Es geht natürlich zunächst darum, sich aus einem Terrorregime zu befreien, indem man niemals aufgibt, egal wie ausweglos die Situation scheint. Eigentlich geht es jedoch am Ende darum, dass man nicht jeden Menschen aufgrund seines Aussehens und vielleicht sogar nicht einmal aufgrund seiner Worte bewerten sollte. Am Ende sind es die Taten, die den wirklichen Charakter eines Menschen zeigen.
Dies wird vor allem deutlich darin, wie der Hauptcharakter mit anderen Charakteren agiert. Kain beispielsweise erscheint zunächst ein Freund zu sein, taucht jedoch aus dem Nichts auf und spricht nur mit Hikaru, ohne ihm wirklich selbst zu helfen. Am Ende wird erklärt, dass er ein Spion der Armee war, womit klar wird, dass man seinen Worten, auf denen keine Taten folgten, nicht hätte glauben sollen. Es war der „alte“ Mann, dem niemand vertraute, weil er seltsam wirkte, der sich am Ende für die Dorfgemeinschaft opferte und sie rettete.
Die Geschichte wird vollkommen durch die Sicht von Hikaru erzählt, der jedoch das große Manko der Geschichte ist. Während Kain und der alte Mann Entscheidungen trafen und moralische Gegensätze darstellen, bleibt Hikaru etwas zu passiv und vor allem am Ende etwas zu hilflos. Er scheint den Plan mit der Flugmaschine zwar entwickelt zu haben und schwingt am Anfang noch große Reden, doch im Endeffekt tut er selbst herzlich wenig. Allgemein lässt sich fragen, warum die Dorfbewohner überhaupt auf einen zwanzigjährigen, durchschnittlichen Jungen hören, der ohne große Expertise beschrieben wird. Aber vielleicht habe ich das auch nur überlesen? Allgemein wird in dieser Geschichte etwas wenig Zeit darauf verwendet, die Charaktere ausreichend zu charakterisieren. Viele von den anderen Dorfbewohnern, die keine Schlüsselrolle haben, bekommen nicht einmal einen Namen. Gerade wenn es dann gegen Ende um Action-Szenen geht, wird es dadurch unnötig schwierig, das Geschehen zu beschreiben, weil man immer wieder „eine Frau schrie“ schreiben muss, obwohl ein „Rike schrie“ viel effektiver und vor allem gewichtiger wäre, wenn man sie vorher schon kennengelernt hätte. Natürlich kann man in einer Kurzgeschichte keinen riesigen Charakter-Cast erwarten, dennoch könnte in Sachen der Charakterisierung noch einiges ausgebessert werden. Gleiches gilt ebenfalls für Dialoge, obwohl das zugegebenermaßen wirklich die Königsdisziplin ist. Viele reden einfach sehr ähnlich und wenn später nicht einmal genau gesagt wird, wer gerade spricht, kann es durchaus zu Verwirrungen kommt.
Die Grundidee und die Welt sind sicher ebenfalls nicht sehr originell und die Bösen wirken mit ihrer übertriebenen diabolischen Art wie Antagonisten aus dem Lehrbuch. Wo die Geschichte mehr punkten kann, ist die Struktur und die Erzählweise. Sie ist sinnvoll erzählt und weist einige Twists und Turns auf, die Motivationen der Charaktere sind größtenteils klar, auch wenn sie wie gesagt noch etwas mehr ausgebaut hätten sein können. Gerade über Kain erfährt man gar nichts, weswegen der Reveal am Ende wie aus dem Nichts kommt. Rein thematisch ist die Geschichte stark und hätte man einzelne Punkte etwas besser ausgebaut und über den Spannungsbogen besser verteilt, hätte man hier sicher eine noch bessere Geschichte abliefern können.



Zuletzt von Akeem am 22.08.17 17:02 bearbeitet; insgesamt 1-mal bearbeitet
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Re: Kurzgeschichten-Wettbewerb - FLIEGEN

Beitrag von Akeem am 22.08.17 15:42

Ruf der Freiheit:

Ruf der Freiheit

Verzweifelt rüttelte ich an der Tür der kleinen Hütte. Verriegelt. Seufzend ließ ich mich auf den Boden fallen und schmollte betrübt. Meine Mutter und ich waren erst seit kurzem in diesem Dorf. Lange würden wir nicht bleiben. Wir wanderten von Ort zu Ort, immer nach und vor Einbruch der kalten Tage. Meine Mutter verbat mir immer unsere Hütten zu verlassen… Sperrte mich auch ein, wenn ich alleine war. Ich schleppte mich zum Fenster und beobachtete sehnsüchtig die Vögel. Ich liebte es viele Orte zu sehen. Zu reisen. Aber dieses eingesperrt sein war schrecklich. Ich sehnte mich nach dem Himmel. Wollte seit ich denken konnte die Wolken berühren. Durch die Lüfte fliegen. Die Holztür wurde entriegelt, aufgerissen und zugeknallt. Meine Mutter sah mich ängstlich an. "Lauf!"


Ich hörte das laute Quietschen der Tür. Langsam hob ich meine Augenlider und sah die schweren Eisenstiefel auf mich zu schreiten. Ich wusste genau wem diese strahlend hellen Stiefel gehörten.  "Du lebst immer noch?", kam es nur von Hauptmann Karlel. Wie gerne hätte ich ihm ins Gesicht gespuckt, doch mein verwundeter Körper ließ mich nicht einmal aufsetzen. Ich lag auf dem kalten Steinboden wie ein Sack Mehl. 
Seine Hand griff in mein Haar und zog mich unsanft auf meinen Hintern, was die Eisenketten an meinen Knöcheln klirren ließ. "Deine Existenz ist schon ekelhaft genug. Aber wie du aussiehst… Wunden über Wunden. Nicht in der Lage dich zu bewegen. Nicht in der Lage zu sprechen. …Nicht in der Lage zu fliegen", begann er und legte eine kurze Pause ein, um meinem Herz genug Zeit zu geben die schmerzvollen Worte ganz aufzunehmen "… es ist ekelhaft. Aber gleichzeitig eine unglaubliche Genugtuung. Bald gibt es einen Abschaum weniger in unseren Kreisen. Du konntest jahrelang vor uns fliehen… Aber am Ende hattest du keine Chance." Zu gerne hätte ich zurück gesprochen. Mich verbal gewährt… Doch mein Mund bewegte sich keinen Zentimeter. Er schnaubte verächtlich und stieß mich wieder auf den Boden. Mein Körper war bereits vor Schmerzen so gelähmt, dass ich kaum etwas spüren konnte. Hauptmann Karlel stemmte seinen Fuß auf meinen Rücken, direkt zwischen meine Schulterblätter. "Ich könnte dir deine schönen Flügel ausreißen, Layla. Oder sie gar abschneiden. Dann würdest du eindeutig wieder spüren, dass du noch lebst. Engel, denen die Flügel genommen werden… erleiden unsagbare Schmerzen. Und wenn sie dabei nicht sterben, sind sie auf ewig gebrochen." Ich musste sein Gesicht nicht sehen um zu wissen, dass er sadistisch grinsend auf mich hinabblickte. Er musste seine Gedanken nicht aussprechen. Ich wusste auch so: Er würde mich gerne so sehen. Vor Schmerzen schreiend. Gebrochen. Den Gefallen wollte ich ihm nicht machen, doch ich konnte in meinem Zustand unmöglich dagegen ankämpfen. 
Der Fuß löste sich von meinem Rücken. "Ich lasse dich jetzt wieder alleine, Layla. Viel Spaß~" Er schritt davon. Als ich ihm hinterher sah konnte ich wieder nur seine Stiefel sehen, nicht aber seine strahlend weißen Flügel. Kaum war die schwere Tür hinter ihm ins Schloss gefallen war ich wieder alleine in der Dunkelheit und fragte mich, wieso ich diese Tortur durchleben musste. Ich war gefangen in einem magischen Turm, angekettet an den Boden. Dem Himmel so nahe und doch so fern. Ich sehnte mich nach dem strahlend blauen Himmel. Nach dem Wind, der mir das Haar zerzauste und über meine Haut strich. Wie lange war ich schon hier? Eine Woche? Ein Monat? Und wieso? Weil meine Mutter ein Mensch war, bevor sie von den Engeln getötet worden war. Mein Blick wanderte zu meinen Flügeln, die reglos zu meinen Seiten hinab hingen. Ich war mir sicher, dass ein großer Teil des Hasses Neid war. Meine Flügel waren wunderschön, kräftig und reichten mir bis zu den Fußknöcheln… Sie hatten mich überall hingetragen, jedem Sturm getrotzt… Doch man hatte sie bei meiner Festnahme gebrochen, bevor man mich gefoltert und verprügelt hatte. Meine Kräfte hätten diese Wunden heilen und meine Flügel schützend verschwinden lassen können, doch Karlels Bann auf den Eisenketten machte es mir unmöglich mich zu heilen. Ein Seufzen entkam aus meiner Kehle und ich sah hoch zu dem einzigen, kleinen Fenster. Die Sonne warf nur noch einen kleinen Strahl hinein, was niemals die Kuppel des Turmes hätte erhellen können. Meine Sehnsucht nach Freiheit wuchs beständig… und gleichzeitig der Wunsch nach dem Tod. Gefühlt unendlich lange starrte ich aus dem Fenster. Sah ein kleines Stück des Himmels. Der ein oder andere Sonnenstrahl. Ein gräuliches Wölkchen… Und wurde immer wieder aufs Neue daran erinnert, dass ich hier drin verkommen würde. Würde nicht Hauptmann Karlel oder einer seiner Krieger mich töten, so würde ich an Sehnsucht nach Freiheit sterben. 
Plötzlich begann die Erde zu beben. Mein Verstand wurde mit einem Schlag wieder kristallklar. Ich knirschte fest mit den Zähnen und schaffte es meinen Körper zu bewegen. Alles schmerzte fürchterlich. Es war schwer bei dem Beben das Gleichgewicht zu halten, wenn ich doch so lange nicht mehr gestanden hatte. Erst jetzt bemerkte ich die Schürfwunden an meinen Gelenken, die mir der Kampf gegen die Eisenketten geschenkt hatte. Das Eisen wirkte noch kälter als sonst, als ich wieder dagegen zog. Ich konzentrierte mich auf die Muskeln in meinen Flügeln, schaffte es sie zu bewegen. Mein Körper stand in Flammen vor Schmerzen! Als würde ich lebendig verbrennen! Aus meiner Kehle drang ein lauter, qualvoller Schrei. Die Ketten spannten sich immer mehr, gaben nicht nach. Über mir begann es zu Krachen. Die Steine fielen aus den Mauern und boten mir einen Blick auf den Abendhimmel. Er rief mich! 
Meine Füße lösten sich vom Boden, meine Flügel schlugen so kräftig wie sie konnten. Immer weiter! Die Freiheit war zum Greifen nah! "Na warte!" Erschrocken blickte ich zu Hauptmann Karlel, welcher durch die Tür gekommen war. Er rief seinen Speer und warf ihn. Bei dem Versuch auszuweichen, wurden ungewollt die Ketten das Ziel des magischen Speers. Die Glieder zerbarsten und ließen mich auf den Ausgang zusteuern. Ich musste weiter mit den Flügeln schlagen! Die Schmerzen durften mich nicht unterkriegen! Würde ich aufhören meine Flügel zu schlagen, würden mich entweder inzwischen fallende Trümmer unter sich begraben, oder ich würde nachgeben und stürzen, zurück auf den Boden, wo mich die Engel wieder in ihrer Gewalt hätten. Niemals! Das würde sie nicht zulassen! 
Der Turm brach hinter mir in sich zusammen. Ich blickte kurz zurück, rechnete damit, dass mir Engel folgen würden. Doch ich lag falsch. Etwas weiter hinten flog ein Mann mit einem Buch davon, gejagt von den Engeln. Was auch immer! Er hatte zufällig für Ablenkung gesorgt und nun durfte ich nicht stehen bleiben! Ich musste weiter fliegen, solange mich meine Flügeln noch tragen konnten! Ich schaffte eine überraschend große Distanz zwischen mir und dem zerstörten Turm zu bringen, ehe mich die Kraft meiner Flügel verließ und ich durch das Dach einer alten Scheune krachte und direkt im Heu landete. Zuerst lauschte ich angespannt, ob jemand herein stürmen würde… doch nichts. Die Scheune war, abgesehen von dem Heu und den Spinnenweben, leer. Deshalb entschied ich mich dazu einfach liegen zu bleiben, meinem Körper Zeit zu geben um sich zu erholen. Ohne den Bann heilten sich nun auch meine Wunden und ließen den Schmerz schwinden. 
Nach vielleicht einer halben Stunde war ich wieder in der Lage mich einigermaßen zu bewegen und setzte mich etwas auf. Es dauerte keinen Augenblick, bis ich breit grinste. Ich war frei! Keine Ketten konnten mich mehr halten! Ich konnte reisen wohin ich wollte! Vielleicht würde ich dann einen Ort finden, an dem ich mich ohne Sorgen niederlassen könnte? An dem ich zurückkehren könnte? Ich schob den Gedanken beiseite, wissend dass ich auch später darüber nachdenken konnte. Es war Zeit mein Leben so zu leben, wie ich es wollte! Lachend sah ich durch das Loch im Dach, betrachtete die Sterne und genoss den kühlen Windzug, der seinen Weg in die Scheune fand. 
Welch süßer Duft der Freiheit!


Jury meint:
Diese Geschichte verdient den Namen nur in einem gewissen Maße. Im Grunde handelt es sich hierbei nur um eine kleine Szene, die offenbar aus einem größeren Machwerk entnommen wurde und deswegen am Ende um etwas mehr Kontext bittet. Die Geschichte startet mittendrin und endet ohne große Pointe.
Es geht um den Kampf eines Engels um die eigene Freiheit. Thematisch vereint man den Gedanken des Fliegens also mit der persönlichen Freiheit und verzichtet beinahe auf jede Art von Metaphern. Der Engel kann es aus eigener Kraft schaffen, sich zu befreien, wenn er nur daran glaubt und es genug versucht. Die Message, die hier hängen bleibt ist klar: Solange man sich selbst nicht aufgibt, kann man alles schaffen und sich aus jeder erdenklichen Situation retten. Sicher, es wird schmerzen und man wird vielleicht für das Leben gezeichnet sein, aber wenn man daran arbeitet, kann man es schaffen.
Gleichzeitig vergisst der Autor jedoch nicht den Faktor des Zufalls und so trifft der Speer mehr per Zufall die Ketten des Engels und befreit ihn dadurch. Selbst wenn man also alles gibt, muss man Dinge, die außerhalb des eigenen Wirkungsbereiches liegen, auf sich zukommen lassen und mit dem Arbeiten, was einem geliefert wird. Eine realistische Sichtweise in einer fantastischen Welt.
Für mich gibt es zwei Arten von Geschichten, mit denen ich etwas anfangen kann. Es gibt einmal die Plot-getriebenen Geschichten, wo Dialoge, Spannungsbögen und Charaktere am wichtigen sind. Und dann gibt es die Themen-getriebenen Geschichten, in denen das Thema und die Message wichtiger ist als der Plot (falls dieser überhaupt vorhanden ist). Im idealen Fall hat man natürlich einen Hybriden aus beiden Varianten.
In diesem Fall handelt es sich um die zweite Variante. Es gibt nicht wirklich einen großartigen Plot, dafür jedoch eine recht starke Message. Geschichten der zweiten Variante leben für mich jedoch vor allem von ihrer Poesie und ihren starken sprachlichen Bildern. Die Geschichte sollte sich wie Musik anhören, wenn ich sie lese. Ich habe stark das Gefühl, dass diese Szene sehr viel besser als Gedicht funktioniert hätte. Für eine Kurzgeschichte fehlt es ihr eindeutig an Fleisch, Charakteren und mehr interessanten Ideen.

Für das nächste Mal, würde ich mir bei einer Kurzgeschichte mehr Kontext und Worldbuilding wünschen, tiefere Charakterisierung und interessantere Dialoge. Oder vielleicht sich lieber komplett der Poesie verschreiben und die Idee für das Erkennen, was sie ist. Man stelle sich ein Gedicht über einen Engel vor, der in ein gleisendes Licht fliegt. Das wäre sicher ein starkes Bild.
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Re: Kurzgeschichten-Wettbewerb - FLIEGEN

Beitrag von Akeem am 22.08.17 15:43

I BELIEVE I CAN FLY:

I BELIEVE I CAN FLY:

Mein Herz war schwer und doch waren meine Gedanken seltsam klar. In den Glastüren sah ich mein Spiegelbild. Ich trug ein weißes Hemd, das einzige in meinem Kleiderschrank. Die Tatsache, dass ich darin nicht wie eine Presswurst aussah war nur ein weiteres Zeichen für mich gewesen. Tief atmete ich ein und betrat das hohe Bürogebäude, tat so als würde ich die ein oder andere Person anlächeln und somit grüßen. Zielgenau steuerte ich auf den Aufzug zu. Zuerst ließ ich andere einsteigen, unglücklicherweise wählte jemand den elften Stock. Auf dem Weg dorthin leerte sich der Aufzug, bis ich mit einer Dame alleine blieb. Ich war dankbar dafür, dass sie kein Gespräch mit mir anfing oder hinterfragte was ich im obersten Stockwerk zu suchen hatte, gleichzeitig war ich aber auch etwas enttäuscht. Es war eindeutig. Mit schnellen Schritten ging sie zu eine der Büros, während ich unauffällig ins Treppenhaus einbog. "Okay Tim, du bist fast da…", murmelte ich zu mir selbst und erklomm die Stufen zum letzten Stockwerk: Der Dachterrasse.  Ich fand eine Sitzbank, auf der ich mich niederließ und sah in den Himmel. Jetzt musste ich nur noch auf Sonnenuntergang warten... Meine Hand stahl sich zu meiner Hosentasche und zog das Handy heraus. Keine neuen Nachrichten. Von wem? Den Freunden, die ich nicht hatte? Den paar Leuten aus dem Internet, mit denen ich mich gut verstand? Meinen Kollegen die zwar so ganz nett zu mir waren, aber mich hinter meinem Rücken verachteten? Meinen Eltern, in deren Augen ich die Personifizierung von Enttäuschung und Ekel war? "Was erwartest du, Tim? Ein Prinz in strahlender Rüstung, der dich wie Prinzessin rettet? Nichts hält dich. Kein Omen, kein Gefühl, nichts", sprach ich wieder zu mir selbst. Es war erbärmlich und doch nahm es mir etwas die Einsamkeit. 
Mein Handy verschwand wieder in meiner Hosentasche und mein Blick fiel auf einen Zeichenblock, der zurückgelassen auf der Bank lag. Gedankenlos nahm ich einen Stift aus dem Beutel, der an der Spirale angebracht war, und ließ ihn über das Papier gleiten, bewusst dass es nicht mein Eigentum war. Aber was soll's? Ich hatte nichts zu verlieren, oder? Als ich bemerkte was ich da fabrizierte, war es bereits Mittag. Ich betrachtete den Engel vor mir. Ich betrachtete mich. Ein sanftes Lächeln zierte das pickelfreie Gesicht, über das Regenbogentränen rollten. Die Augenlider waren nicht gerötet oder geschwollen, keine blauen Flecken im Gesicht. Die Arme vor der Brust waren ohne Wunden… nein. Das war nicht ich. Es war einfach ein Engel mit unfertigen Flügeln in einem weißen Hemd. Ich seufzte, legte den Block zur Seite und sah in den Himmel. Wie seltsam mich die Hitze nicht störte, obwohl ich sie sonst nicht ertragen konnte. Ich fühlte nichts. Keine Freude, keine Trauer, gar nichts. 
Zwitschernd landete ein Vogel auf der Terrasse und pickte ins Gras der Grünanlagen, hob dann den Kopf und sah mich mit seinen schwarzen Knopfaugen an. Da spreizte er wieder die Flügel und flatterte verspielt auf und ab. Ich beobachtete sie gebannt, diese wunderschönen Flügel, die den kleinen Vogel durch die Lüfte gleiten ließen. Sehnsucht kam in mir hoch. Würde ich auch Flügel haben? Ich schüttelte nur den Kopf und fügte meinem Engel nun Flügel hinzu, inspiriert durch den kleinen Vogel, welcher mich wieder alleine gelassen hatte. Nach einer gefühlten Ewigkeit sah ich auf meine Zeichnung. Ich mochte sie nicht, ich hasste sie aber auch nicht. Ich war kein besonderer Künstler, aber es sah wenigstens nach etwas aus. Ich stellte die Zeichnung zurück dorthin, wo ich den Block herhatte und warf wieder ein Blick auf mein Handy. Kurz zog sich mein Herz zusammen, als mir eine neue Nachricht angezeigt wurde. Aber zu meiner Enttäuschung war es eine SMS meines Vaters mit dem Inhalt: "Die Arbeit hat angerufen. Wo treibst du dich rum, du Nichtsnutz?! Mach dich auf ein Donnerwetter gefasst, wenn du nach Hause kommst!" Ein verbittertes Lachen drang aus meiner Kehle und schnell wischte ich mir die Tränen aus den Augenwinkeln. "Keine Sorge, ich komme nicht nach Hause", gab ich mit zittriger Stimme von mir und atmete tief ein und aus, um mich selbst zu beruhigen. Entweder ignorierte er mich oder er war so. Ich lehnte meinen Kopf an die Wand und schloss die Augen, erwischte mich dabei wie meine Finger an den kleinen Krusten meines Unterarms zupften und natürlich öffnete sich daraufhin wieder eine meiner Wunden. Na ganz toll. Die feinen Narben waren noch nicht genug, jetzt musste ich auch bluten. Schnell holte ich Taschentücher aus meiner anderen Hosentasche und tupfte auf meine kleine Wunde. Ich konnte hören wie der Straßenverkehr zunahm. Feierabend war es also schon. Fast war es so weit. Ich ließ in Gedanken nochmal alles an mir vorbei gleiten. Die schreckliche Schulzeit, gehasst von Schülern und Lehrern. Täglich weinend nach Hause gekommen. Oft genug hatte ich Abschiedsbriefe geschrieben und die Schere an meiner Brust. Das Lachen meiner Mitschüler, wenn sie mich mit Genuss schikaniert hatten. Die Tränen, die ich auf dem Mädchenklo geweint hatte, als mich die Jungs wieder einmal dort eingesperrt hatten, da ich ja anscheinend ein Mädchen war. Die Lügen der falschen Freundschaften und Beziehungen. Die Rufe der Gruppen, die mich stolz und offenen im Flur verprügelt hatten. Das Wissen, dass mir niemand helfen würde. Die Eltern, die mir Druck machten, kein Lob von sich gaben, denen nichts gut genug war. Die es bereuten mich in die Welt gesetzt zu haben. Die Verachtung meines Vaters, der oft so tat als würde ich nicht mehr existieren. Meine Mutter, die nichts dagegen unternahm. Die freundliche Schulärztin, die an ihre Grenzen gestoßen war, die mich an eine Therapeutin verwiesen hatte. Die Therapeutin, die sich nicht wirklich um mich gekümmert hatte und aus Zeitgründen die Gesprächstherapie beendet hatte. Das erste Mal, als ich Klingen an meinen Arm gelegt hatte, dieses bittersüße Gefühl, als würde man Dampf ablassen. Als ich mich vergraben hatte in einer Welt aus Kämpfen, Monster und Magie. Mein Onkel, der so gewesen war wie ich, versucht hatte mich zu lehren stolz auf mich selbst zu sein. Sein Tod, da er sich lieber in seiner Wohnung erhängt hatte anstatt am Krebs zu sterben. Als ich meinen Weg zur Kirche gefunden hatte, doch auch diese mich verstieß obwohl doch 'Gott alle gleich liebt'. Natürlich war das nicht für ein Etwas wie mich gemeint. Und die ständige Begleitung dieser zehrenden Einsamkeit… Nichts hatte geholfen. Ich konnte kämpfen mit aller Kraft… doch nie hatte es irgendwas gebracht. Normalerweise würden mir die Erinnerungen Tränen in die Augen jagen und mein Herz schmerzhaft zusammenziehen lassen. Aber selbst das blieb aus. Ich war müde. Zu müde um sogar traurig zu sein. 
Die Sonne ging vor meinen Augen unter. Ich stand auf und lehnte mich an das Eisengeländer. Mein erster und letzter Sonnenuntergang. Er war wunderschön. Das Farbenspiel des Himmels hinterließ Spuren aus Faszination und Sehnsucht. Keine Freude. Keine Trauer. Keine Zweifel. Schon beinahe hinter den Häusern der Stadt verschwunden, lockte die Sonne die ersten Sterne hervor. Eine zauberhafte, klare Nacht. Fasziniert von dem Funkeln der Sterne, verlor ich das Gefühl von Zeit. Aber was kümmerte es mich? Ich lächelte und stieg auf das Geländer, schwang unelegant meine Beine auf die andere Seite und sah in die Tiefe. Seltsamerweise hatte ich keine Angst, trotz meiner panischen Höhenangst.  Aber 12 Stockwerke, geschätzt 40 - 50 Meter Tiefe, machten mir nichts aus. Kurz kam mir der Gedanke, dass meine letzten Worte 'I believe I can fly' sein würden, doch diesen morbiden Scherz würde sowieso niemand hören. Ich schaffte es auf dem Stein, an dem das Geländer angebracht war, mein Gleichgewicht zu halten. Ohne über irgendwas nachzudenken breitete ich die Arme aus und ließ mich nach vorne fallen. Der Wind preschte mir ins Gesicht. Ich wusste, dass die Schwerkraft mich nach Unten zog, dennoch fühlte es sich so an, als würde mich etwas nach oben tragen, hörte das Schlagen von Schwingen. Aber es war wahrscheinlich mein Verstand, der langsam schwand. Immerhin machten selbst meine tatsächlichen letzten Worte absolut keinen Sinn.

"Ob ich… ein Engel werde…?

Jury meint:
Mal wieder geht es um das Thema Depressionen, wohl ein sehr beliebtes Thema unter unseren Autoren hier. Und auch wieder geht es um eine Seele, für die alle Rettung offenbar zu spät kommt. Diese Geschichte ist jedoch weniger interpretationsfreudig, denn hier ist alles relativ klar und nüchtern erzählt. Es fehlt etwas an Emotionalität bei einem so emotionalen Thema.
Die Ausgangssituation ist an sich eine interessante. Ein junger Mann geht am frühen Morgen nicht zur Arbeit, sondern auf das Dach eines Hochhauses, um sich nach dem Sonnenuntergang das Leben zu nehmen. An sich würde man erwarten, dass es hier zu verschiedenen, zufälligen Treffen oder Begebenheiten kommen würde, die ihn noch einmal über diese Entscheidung nachdenken lassen. Jedoch nimmt man sich in dieser Geschichte nicht die Zeit dafür. Es wird schnell sein Leben abgehandelt und darüber philosophiert, wie schrecklich sein Leben ist, ohne weiter in Details zu gehen. Das spiegelt den Zustand eines Depressiven sicher recht gut wieder. Die verzehrte Sichtweise des Protagonisten zeigt ein sehr subjektives Weltbild, das vielleicht gar nicht unbedingt der Realität entspricht. Leider gibt es keine Hinweise darauf, wie die Realität wirklich sein könnte. Die Message der Geschichte ist etwas unklar, denn wenn alles ist, wie er es schildert, gibt es wirklich keinen Grund für ihn, weiterzuleben. Sicher kein undenkbarer Zustand, aber jedoch für eine Geschichte nicht sehr interessant. Für Drama braucht es neben Intention auch noch Obstacle. Der junge Mann möchte sich umbringen, jedoch hindert ihn etwas daran. Konflikt ist für Drama unablässig und hier quasi nicht vorhanden.
Für mich ist diese Geschichte also keine dramatische Erzählung, sondern erneut eher eine themen-getriebene Erzählung. Das bedeutet, dass Gefühle und das Thema sehr viel wichtiger sind, als Dramatik und Spannung. Dafür fehlt es dieser Geschichte jedoch auch etwas an Poesie. Obwohl sie an sich gut geschrieben ist, fehlt es ihr an interessanten Bildern und Metaphern. Dabei gibt es durchaus Ansätze. Der Sonnenuntergang und der Tag/Nacht-Wechsel ist ein schönes Bild für die Selbsttötung des Protagonisten und seinen Übergang von dem Licht des Lebens in die Dunkelheit des Todes. Dennoch wirken andere Bilder etwas zufällig gewählt. Warum gerade ein Engel eine Rolle spielt, wurde mir wenigstens nicht ganz klar. Es wirkt mehr wie ein hineingedrücktes Set-Up, um am Ende eine „coole“ Abschluss-Line zu haben. Aber sie bedeutet nicht wirklich etwas, was für eine Geschichte dieser Kategorie für mich enorm wichtig ist.
Auch hier würde ich deswegen vorschlagen, beim nächsten Mal entweder mehr Zeit in Charaktere und Plot zu investieren, oder sich komplett in die Poesie zu werfen und eventuell sogar ein melancholisches Gedicht daraus zu machen. 
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Re: Kurzgeschichten-Wettbewerb - FLIEGEN

Beitrag von Akeem am 22.08.17 15:44

Fliegen:

Fliegen

Es gab verschiedene Ansichten was die Verknüpfung von Beruf und persönlichen Interessen betraf. Einige Leute glaubten, dass man niemals Beruf und Hobby verbinden sollte, weil man sonst sehr schnell mit etwas frustriert wäre an dem man normalerweise Gefallen findet. Andere sagten, man sollte auf jeden Fall in einem Berufsfeld arbeiten das einem zusagt. Warum sollte man auch in einem Job arbeiten, der einem nicht gefällt? 

Circe gehörte eigentlich zu den Leuten, die die Meinung vertraten Beruf und natürliche Talente oder Hobbies miteinander zu verbinden, aber manchmal fragte sie sich, ob das die richtige Entscheidung war. Vielleicht war sie auch einfach desillusioniert und sah ihren Beruf nicht mehr mit einer rosaroten romantisierenden Brille, sondern erkannte ihn als dass was es war: Ihre Lebensgrundlage.

Aber eigentlich war es noch nicht einmal das. Denn schließlich brachte einen die eigene Lebensgrundlage normalerweise nicht um, beziehungsweise war zumindest nicht potenziell tödlich, wie das bei ihr der Fall war. Auch jetzt war sie wieder auf dem Weg in eine gefährliche Situation und dachte über ihre Zukunft nach. Ihre aktivste Zeit war jetzt, das glaubte auch ihr Manager, und wer weiß ob sie das Rentenalter überhaupt erreichen würde.
Und der Gedanke, dass sie tatsächlich einen Manager hatte war irgendwie surreal. Sie hätte es sich vor vier Jahren überhaupt nicht vorstellen können A: Mit ihrer Arbeit Geld zu verdienen und B: Einen Manager engagieren zu müssen, der ihr dabei hilft sich selbst als Produkt zu verkaufen. Sie fühlte sich manchmal wie ein Rockstar und fragte sich dann immer gleichzeitig ob die Stars die sie persönlich anhimmelte genauso falsch waren wie ihre Superhelden Persona.

Denn diese Miss World, die in schwierigen Situationen der Polizei oder den einfachen Bürgern half, war nicht Circe. Es war schon irgendwie eine Version von ihr, aber sie war nicht repräsentativ und war wirklich nur ein sehr kleiner Teil von ihr; von dem was sie selbst von sich dachte.

Sie dachte z.B. nicht, dass das Aussehen irgendeine Rolle bei einem Beruf spielte, der nichts mit körperlicher Repräsentation zu tun hatte, sondern nur das was man tat und die Erfolge dieser Taten. Sie glaubte auch, dass ein V-Ausschnitt vielleicht nicht die beste Ausrüstung für eine Superheldin war, und besonders wenn sie sehr schnell an einen Tatort kommen musste spürte sie wie unpraktisch dieses Design war. Wenn sie flog, flatterte ihr Kostüm immer so heftig, dass sie befürchtete es würde ihr die Kleider vom Leib reißen, wenn sie nur etwas schneller fliegen würde. Sie bestand nun einmal aus elastischer organischer Materie und die konnte der hohen Fliehkraft einfach nicht gut standhalten, weswegen ein festes Material mit wenig Löchern wahrscheinlich besser geeignet wäre. Wenn der kalte Wind ihr zwischen den Brüsten bis zum Unterkörper hindurch pfiff hatte sie manchmal schon gar keine Lust mehr auf ihren Job. Das war doch eine Zumutung! Und eine, die sie schon des Öfteren angeprangert hatte obendrein.
Natürlich musste sie nicht mit ausgestreckten oder anliegenden Armen mit dem Kopf zuerst in die Richtung fliegen in die sie wollte, aber welche Optionen hatte sie denn? Sollte sie in der Luft stehen? Schon der Gedanke daran war lächerlich. Oder sollte sie mit den Füßen zuerst fliegen? Oh, das würde ihr garantiert nicht das Hemd ausziehen.
Nein, ihre Technik war schon in Ordnung. ihre Ausrüstung war es nicht.

Denn eigentlich mochte sie das Fliegen. Es war angenehm und man fühlte sich distanziert von den Menschen, wenn man sie nur als kleine Punkte in einer Miniaturstadt herumwuseln sah. Auch man selbst wurde plötzlich weniger signifikant, in Anbetracht des großen Planeten der sich unter einem erstreckte. Außerdem hatte Circe durch diesen kleinen Vorteil wirklich gute Motive für Fotografien oder Selfies gefunden, bei denen ihr wirklich niemand das Wasser reichen konnte. 

Einmal hatte sie versucht mit einem Schwarm Kranichen Schritt zu halten, wenn man das bei Vögeln sagen konnte, aber die hatten ihr nicht ganz getraut und sie für einen Raubvogel gehalten. Ein anderes Mal war sie früh am Morgen zum Strand gegangen, und war so hoch geflogen bis sie die ersten Strahlen der Sonne über die Neigung des Globus sehen konnte. Und als sie wieder zum Strand geflogen war, war es dort noch dunkel.


Vielleicht musste sie einfach wieder eine Beschwerde einreichen, schließlich bezahlte sie ihren Manager auch um es ihr etwas komfortabler zu machen, oder etwa nicht? Für die vielen Dreckpartikel und Insekten hatte er ihr zwar schon eine Sonnenbrille gegeben, aber wie bei einem Kühlergrill verfingen sich auch in ihren Ritzen ab und zu Dinge, die sie da garantiert nicht drin haben wollte. Das war ehrlich gesagt eine ihrer größten Sorgen, dass sie wegen diesem beschissenen V-Ausschnitt auf irgendeinem dieser beschissenen Paparazzi Fotos mit toten Fliegen im Ausschnitt auftauchen würde. Ernsthaft, wenn das passieren sollte, würde sie ihren Manager feuern und ihn vielleicht sogar nackt durch die Luft werfen, damit er mal wusste wie das war.
Schließlich war sie ein Mensch und kein Auto, und diesen Beruf konnte sie auch ohne ihn erledigen.
Dann hätte sie auch wieder Spaß am Fliegen, und weniger Probleme mit Fliegen.


Jury meint:

Dieser amüsante Prolog für eine Geschichte hat alles, was man sich vorstellt. Es geht um eine Superheldin, die im Grunde ein Image-Problem hat. Allerdings anders als Hancock liegt es nicht wirklich an ihr, sondern an dem, was die Gesellschaft und vor allem ihr Manager aus ihr machen will. Der Grundstein für eine lustige Geschichte ist mit diesem Prolog perfekt gelegt. Wir haben den Konflikt zwischen ihrem Selbst, das herausbrechen will und dem Bild der Gesellschaft, das sie von Superhelden haben. Diese Metapher klingt vielversprechend, genauso wie unterhaltsam und ich kann kaum erwarten zu erfahren, wie es weiter geht…
Wenn es denn nicht einfach so schnell zu Ende wäre. Der größte Kritikpunkt, den ich an dieser Geschichte habe ist, dass sie zu schnell zu Ende ist. Es fühlt sich wirklich mehr wie ein Prolog oder die Zusammenfassung einer Prämisse an, als eine wirkliche Geschichte. Das ist unglaublich schade, denn der humoristische und kreative Erzählstil passt wirklich perfekt zum absurden Setting und schmälert gleichzeitig nicht die Wichtigkeit des behandelten Themas. Ich finde bei Comedy kann man dem Erzähler ruhig etwas mehr Raum und Persönlichkeit geben, was hier durchaus getan wurde.
Aber nächstes Mal dann bitte mit Plot, okay?
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Re: Kurzgeschichten-Wettbewerb - FLIEGEN

Beitrag von Akeem am 22.08.17 15:45

Papa:

Papa

Ich sehe sie an, deine strahlenden Augen. Sie blitzen im sanften Licht der aufgehenden Sonne. Es ist wie jeden Morgen. Du erzählst mir immer wieder die gleiche Geschichte und ich liebe sie so sehr wie beim ersten Mal als ich sie gehört habe.
„Weißt du was das schönste am Fliegen ist?“, fragst du mich dann und ich schüttle den Kopf obwohl ich ganz genau weiß, was du mir sagen wirst. Dein Blick verändert sich, plötzlich siehst du verträumt nach oben, deine Züge sind so sanft als wärst du allein mit dem Gedanken der sich in dir wiederspiegelt vollkommen glücklich. „Wenn du hoch oben im Himmel bist, dann ist es nicht nur die Freiheit, die du spüren kannst“, ich erkenne wie dein Brustkorb sinkt und dich alle Angespanntheit auf einmal verlässt. „wenn du über der Wolkendecke bist, dann kannst du alles finden, wonach du immer gesucht hast.“ 
Früher als kleiner Junge habe ich diesen letzten Satz nie verstanden. Anders als heute.

Meine Beine tragen mich schneller als der Wind!
Ich bin der Wind, verdammt!
Noch nie bin ich so gerannt, noch nie hatte ich so unfassbar schreckliches Seitenstechen. Ich könnte umfallen und vor Schmerz meine Seele ausheulen aber ich laufe unaufhaltsam weiter. In meiner Hand halte ich ein Päckchen. Das eine Päckchen!
Oh, wenn du sehen könntest was ich hier habe, du würdest den Verstand verlieren, das sag‘ ich dir.
Immer größer werden meine Schritte und fester das Stechen in der Brust. Doch ebenso viel breiter wird das Grinsen, das ich auf den Lippen trage schon seit ich in der Agentur angekommen bin und mir dieses unfassbare Geschenk in die Hand gedrückt wurde. Die Bäume ziehen an mir vorbei, hinterlassen ein verschwommenes braun-grün und ich rieche den Duft der frischen Mittagssonne.
Ich kann seither nur dieses in braune Pappe eingebettete Stück Gold betrachtet.
Na – es ist natürlich kein wirkliches Gold. Aber beinahe so viel wert! Zumindest für mich.
Es sind nur noch wenige Meter, unser Haus ist ja am letzten Fleck der Stadt, das ist dir wohl bewusst.
Oben am Riff, da steht es, in seiner kleinen Herrlichkeit. Gelb gestrichen, mit weißen Fensterläden und einer kleinen Tür, so tief das du fast nicht durchgepasst hast.
Ich lache bei dem Gedanken daran, wie du immer deinen Kopf einziehen musstest. Und wenn du zu schnell warst, dann hattest du am nächsten Tag eine Runde, rote Beule auf deiner Stirn.
Der Kies unter meinen Füßen nimmt mir den Halt und mit jedem weiteren Schritt, denn ich gehe, rutsche ich regelrecht vor mich hin.
Endlich bin ich angekommen. Auch ich muss jetzt aufpassen, dass ich meinen Kopf nicht anstoße, an der viel zu winzigen Tür. Ich bin jetzt nämlich fast so groß wie du. Mit einem lauten Knall lasse ich die Türe nach dem Eintreten hinter mir ins Schloss fallen und hechte durch das Haus, hinüber zur Werkstatt. Überall an den Wänden hängen Bilder. Von dir, von mir und auch ein paar von Oma. Die meisten von ihnen wurden am Strand gemacht, aber es gibt sogar eins in der Stadt, vor dem Rathaus. Das habe ich erst neulich gefunden, als ich in einem alten Fotoalbum gestöbert habe. Damals war ich wohl erst acht, denn ich hatte immer noch diese schrecklichen, lockigen Haare, weil du sie mir ja schneiden wolltest.
Ich renne die Treppe so schnell herunter, dass es mich beinahe überschlägt. Aber ich kann mich gerade noch fangen, keine Angst, dem Päckchen geht’s gut.
Du hast mich ständig einen Tollpatsch genannt und das bin ich immer noch. So etwas Wichtiges allerdings würde ich doch nie im Leben zerstören!

Nachdem ich unten angekommen bin atme ich fürs erste einmal tief durch, in der Hoffnung, dass das Seitenstechen sich legt. Allerdings bin ich so ungeduldig, dass ich mir nichts daraus mache und sofort an die Arbeit gehen will. Die Werkstatt sieht noch genauso aus wie am ersten Tag. Über der Werkbank hängt das wohl größte Bild von uns beiden, nach unserem ersten gemeinsamen Flug. Damals, als du deinen Flugschein gemacht hast, erinnerst du dich? Es hat den ganzen Tag geregnet und die ganze Stunde, dich ich neben dir im Flugzeug saß hatte ich nur Angst davor, dass wir wegen des Unwetters abstürzen würden. Aber du hast uns sicher nachhause gebracht.
Ich lege das Päckchen auf die Werkbank und stemme die Hände darauf. Nur wenige Meter neben mir ist auch schon dein größter Stolz, in voller Pracht. Ja, es ist fast fertig. Als du es zum letzten Mal gesehen hast, da war es nur ein Gestell, nicht mehr, nicht weniger. Und jetzt ist es beinahe vollkommen. Die Flügel habe ich selbstverständlich genau nach deinen Vorstellungen gestrichen, sie sind knallrot und an den Enden weiß. 
So gern ich das Päckchen öffnen würde, irgendetwas hält mich gerade davon ab. 
Ich halte kurz Inne und erst jetzt merke ich wie schlagartig mich die Euphorie verlassen hat, die eben noch in mir schlummerte. Selbst mit dem letzten Teil, das noch fehlt um es anzuschmeißen, ist es irgendwie noch nicht komplett.
Es wird wohlmöglich nie komplett sein können.
Mit leeren Augen starre ich auf die Treppe, welche direkt hinunter zur Werkstatt führt.

Jeden Abend freute ich mich auf nichts sehnlicher, als zu hören wie die Tür oben ins Schloss fiel und deine schweren, lauten Schritte im Zimmer über mir hinweg hallten. Bis sie zur Werkstatt gelangt waren und du ganz leise diese eine Treppe herunterliefst. So, als ob ich dich nicht hören konnte schlichst du dich immer an mich heran. Und wenn du mich dann mit deinen großen Händen an den Schultern packtest, um mich zu erschrecken und ich aufschrie als gäbe es kein Morgen mehr, fielen wir gemeinsam zu Boden und lachten so laut, dass wir nicht einmal mehr die Wellen neben dem Haus hören konnten. Deine Augen leuchteten in diesem Moment noch heller als sonst. 
Während ich versuchte mit meinen kleinen Händen irgendetwas am Flugzeug zu bauen, dass dir hilfreich sein konnte, warst du doch eigentlich derjenige welcher es dazu brachte überhaupt wie ein Flugzeug auszusehen.
Dein eigenes Flugzeug, dein wohl größter Traum.

Heute ist es anders.
Jeden Abend warte ich darauf, endlich wieder deine Schritte hören zu können. Manchmal glaube ich sogar fest daran, dass ich dich vielleicht diesmal wirklich nicht gehört habe und du es endlich schaffst mich einmal so richtig zu erschrecken. 
Wenn ich abends nach oben gehe und das Licht ausschalte, so weiß ich jedoch, dass es nicht passieren wird. Nicht heute, nicht morgen, nicht in einem Jahr. Niemals wieder.
Ich senke meinen Blick und starre auf ein Blatt Papier, das schon seit Jahren hier auf der Werkbank liegt. Langsam setze ich mich auf einen Stuhl, nehme das Papier in die Hand und schweige es an.
Eine dumpfe Übelkeit kommt in mir auf.
Ich erinnere mich an alles, jede Einzelheit.

Das Telefon klingelte und ich rannte nach oben, mit meinen kurzen Beinen hatte es mich fast überschlagen. Ich glaubte du seist am Apparat. Aber so war es nicht, denn eigentlich rief mir Oma immer schon nach Unten, bevor ich überhaupt einen Fuß auf die Treppe setzen konnte. Stattdessen lief ich ins Wohnzimmer und als ich Oma da so stehen sah wurde mir plötzlich ganz Kalt. Ihre Hände zitterten am Hörer, sie schwieg eine beachtlich lange Zeit, aber legte nicht auf. Die Lippen hatte sie fest zusammengepresst und über ihre Wangen kullerten unaufhaltsam die Tränen.
Niemand erklärte mir was genau geschehen war, irgendwie merkte es mein Verstand ganz von allein. „Wann wird Papa denn wieder kommen Oma?“, fragte ich auch wenn ich schon vorher wusste, dass diese Frage im Raum verstummen würde.
Es war der schrecklichste Tag meines Lebens. Als Oma den Hörer auflegte um sich auf das Sofa zu setzen und mit glasigen Augen in die Luft zu starren, zog sich alles in mir zusammen. Ich bekam keine Luft, es fühlte sich an als würde mein Herz nicht mehr schlagen.
Papa, wann wirst du denn wiederkommen?

Ich kann es nicht genau sagen, aber ich glaube ich stand über zwei Stunden einfach nur neben dem Telefon und weinte. Ja, ich weinte so lange bis alles in mir einsam wurde. Bis ich nichts mehr spürte außer tiefster Traurigkeit. Und plötzlich, wie aus dem nichts heraus, rannte ich nach draußen. Ich knallte die Türe hinter mir zu als gäbe es kein Morgen mehr, zog nicht einmal die Schuhe an. Barfuß rannte ich die Treppen zum Strand herunter über den von der Sonne erhitzten Sand hinweg, rannte ins Wasser hinein und Schlug unwillkürlich um mich. Das Wasser spritzte in alle Richtungen, spritzte mir ins Gesicht, in den Mund, in die Augen und hinterließ einen brennenden Schmerz. Aber nichts tat so weh wie mein zerbrechendes Herz.
„Wo ist er?“, ich schrie so laut ich konnte. „Papa, wo bist du!“
„Wann kommst du wieder?!“, mit geballten Fäusten schlug ich auf die Wasseroberfläche, ich trat um mich, schrie wie ein Wilder und weinte währenddessen so laut ich nur konnte.

„Papa!“, die Schläge wurden immer langsamer, zum Treten hatte ich nicht mehr die Kraft. Ich lief ein Stück näher an den Strand. Als ich zu Boden fiel spürte ich wie die Wellen sanft gegen meine Oberschenkel prasselten. Dann legte ich meine Hände aufeinander und schöpfte damit das Meerwasser. Ich betrachtete wie es langsam aus meiner Hand rann um danach zurück auf die Oberfläche zu tropfen. „Mein Papa. Wird er jetzt nie mehr wiederkommen?“, mit schwachen Armen krakelte ich aus dem Wasser heraus, legte mich in den warmen Sand. „Ist er tot?“ Ich lag dort Stunden, starrte in die Luft und dachte an nichts. Ich spürte nur wie es unablässig zerbrach, das arme, schwache Herz eines viel zu kleinen Jungen. So lange bis tausende kleine Teilchen davon übrig waren, nichts mehr. 
Oma kümmerte sich gut um mich und heute kümmere ich mich um sie, wenn ich nicht gerade in der Werkstatt bin.
Ich wünschte du könntest es sehen, was ich dir gezaubert habe. Nur für dich. Ich lege das Blatt Papier wieder auf die Werkbank zurück, es ist ein Zeitungsartikel, der davon erzählt wie damals euer Schiff sank noch bevor ihr von eurer Handelsfahrt zurückkehren konntet. Die komplette Besatzung starb, aber niemand kannte den genauen Grund wieso all dies geschah. Dieser Grund interessierte mich nie. Ich wollte nur, dass es wieder wie früher war.
Heute ist es sechs Jahre her. Erst jetzt merke ich, dass ich wieder geweint habe. Leider passiert mir das immer, wenn ich an dich denke. Auch wenn ich es nicht möchte, ich will doch stark sein für dich, aber ich bin traurig. Ich vermisse dich so sehr Papa! Ich vermisse dich und das einzige was ich möchte ist, dich wieder zu sehen. Bitte, Papa!

Langsam balle ich die Fäuste und schlucke den großen Schmerz herunter. Dann nehme ich das Päckchen und reiße es auf. Es sind doch nur ein paar Handgriffe, verdammt! Reiß dich zusammen!
Ein Schraubenschlüssel in die Hand, mit geschickten Bewegungen schaffe ich es das Zahnrad an der richtigen Stelle anzuschrauben und schon ist es vollbracht. Endlich. Ich seufze schwer.
Mit flatterndem Herzen setze ich die Fliegerbrille auf. Die Blätter der Rotoren sind so laut das es mir fast die Ohren wegbläst. Mit bebenden, verschwitzten Händen greife ich das Lenkrad.
Das Tor nach draußen ist geöffnet und der Himmel ist schöner als er es jemals zuvor war. Die warme Abendsonne spiegelt sich glitzernd im Wasser wieder, der Horizont ist in ein dumpfes Orange getaucht und nur wenige, kleine Wolken sind am Himmel zu sehen.
Ich werde endlich fliegen! 

Und weißt du was das schönste am Fliegen sein wird? Ganz hoch oben wird es nicht nur die Freiheit sein, die ich endlich spüren kann. Wenn ich über der Wolkendecke bin, dann kann ich endlich das finden, wonach ich so lange gesucht habe.


Jury meint:
Eine kurze Geschichte über einen Jungen, der den Traum seines Vaters übernimmt und schließlich schafft, ihn umzusetzen. Sein Vater erwähnte schon, dass er nur über den Wolken finden kann, was er immer gesucht hat. Was genau das ist, bleibt bis zum Ende offen und warum genau der Seefahrer sich so nach dem Himmel sehnt, wird offengehalten. Auch was sein Sohn am Ende findet, wird nicht genau beschrieben, jedoch ist es hier einfacher zu begreifen, was er findet. Der Himmel und das Fliegen stehen für den Jungen eindeutig für die Nähe, die er dadurch zu seinem verstorbenen Vater entwickeln konnte. Das Erfüllen des Traumes seines Vaters symbolisiert der Abschied und das Ende eines Kapitels der Trauer in seinem Leben und der Start in ein neues Kapitel.
Erzählerisch ist die Geschichte wirklich interessant. Es beginnt mit einer kurzen Szene zwischen Vater und Sohn, bevor es dann immer wieder zwischen Gegenwart und Vergangenheit hin und her wechselt. Dadurch verliert die Geschichte nie an Geschwindigkeit, bleibt interessant und sogar etwas spannend. Den Titel finde ich allerdings etwas ungünstig gewählt, denn so überrascht der „Twist“ mit wem der Ich-Erzähler wirklich spricht, nicht mehr wirklich.
Die Beziehung zwischen den beiden Charakteren hätte noch etwas mehr ausgearbeitet werden können und etwas an der Message gefeilt werden können, aber ansonsten handelt es sich um eine sehr solide Erzählung. 
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Re: Kurzgeschichten-Wettbewerb - FLIEGEN

Beitrag von EzraGallagher am 25.08.17 20:08

Rezension zu PTBS:
Diese Kurzgeschichte ist sehr kurz gehalten, und man konnte sie schnell lesen. Die Idee an sich ist nicht uninteressant. Leider fand ich die Umsetzung wenig gelungen. Die Gründe dafür will ich im Folgenden darlegen. Zum einen fand ich die vielen inhaltlichen Fehler sehr störend, die auch in der Rezension der Jury schon genannt wurden, zum Beispiel, dass das Geburtsdatum mit dem Alter der Protagonistin nicht übereinstimmt. Dazu kommen noch einige Rechtschreibfehler (Beispielsweise „wir stützen ab“ anstatt „wir stürzen ab“), die den Lesefluss für mich teilweise gestört haben. Besonders bei so einer kurzen Geschichte sollte es möglich sein, auf solche Logiklücken oder Schreibfehler zu achten.

Die Charaktere fand ich etwas farblos. Allerdings ist es zugegebenermassen etwas schwer, viele Informationen oder Characterbuilding in einen so kurzen Text zu packen. Der Inhalt der Geschichte ist zusammengefasst ungefähr so: eine Krankenschwester geht ins Krankenhaus, bekommt eine Krankenakte in der schonmal steht, was die Patientin hat, sie geht zur Patientin und die hat auch wirklich eine Posttraumatische Belastungsstörung. Ende. Es gibt keine besondere Message, aber auch keine Spannung oder einen Twist, der die Geschichte trotzdem interessant machen würde. So wirkt sie eher wie eine kurze Szenenbeschreibung aus einer Krankenhausserie, als eine richtige Kurzgeschichte. 
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Re: Kurzgeschichten-Wettbewerb - FLIEGEN

Beitrag von EzraGallagher am 25.08.17 20:09

Rezension zu „I Believe I can Fly“:
Diese Geschichte handelt von Depressionen, und als positiven Aspekt zu Anfang will ich sagen, dass ich finde, dass die Hoffnungslosigkeit die viele Depressive empfinden schonmal ganz gut dargestellt war.
Was ich an dieser Geschichte besonders schade fand, dass man eigentlich so gut wie gar nicht erfährt, ob bestimmte Sachen nur Tims Empfindungen sind. Zum Beispiel: Verachten ihn seine Kollegen wirklich, oder bildet er sich dies nur auf Grund eines geringen Selbstwertgefühls ein? Warum hat die Kirche ihn „verstoßen“? Kommt ihm das so vor, wurde er rausgeschmissen, was ich mir nicht so wirklich vorstellen kann. Hat die Therapeutin sich nicht für ihn interessiert, oder hat er sich das eingebildet? Hier muss ich noch dazu sagen, dass ich es leicht seltsam und unprofessionell von ihr finden würde, wenn sie weiss, dass Tim Suizidgefährdet ist, und ihn trotzdem einfach ohne Alternative wegschickt. Oder hat er ihr das nie gesagt? Haben alle andere Menschen in seinem Leben tatsächlich ohne ersichtlichen Grund ein Problem mit ihm? In diese Richtung hätte ich mir zumindest ein paar Andeutungen gewünscht, die vielleicht zeigen, dass nicht alle Menschen ausser ein paar wenigen im Internet ihn verachten oder hassen.
Es fiel mir auch sehr schwer, das Alter das Protagonisten zu deuten. Einerseits hat er Kollegen und geht zur Arbeit, andererseits ruft die Arbeit bei seinem Vater an, um sich über sein Fehlen zu beschweren, der ihm dann dafür eine Moralpredigt halten will. Ich war unsicher, ob das daran liegt, dass Tim einfach noch zuhause wohnt und eher unselbstständig ist, obwohl er erwachsen ist, oder daran, dass seine Arbeit eher ein Ferienjob ist, und er noch eher jung ist. Danach zu urteilen, was er sonst noch alles im Leben gemacht hat, dachte ich aber insgesamt schon, dass Tim ein (junger) Erwachsener ist.
Ich hätte mir ebenfalls gewünscht, dass man etwas mehr über Tim erfährt, was ihm etwas Leben einhaucht, ausser eben, dass er Depressionen hat, sich selbst verletzt, und nicht besonders hübsch ist (oder sich zumindest so empfindet). Alle Dinge, die er erlebt hat, kamen mir ein bisschen Worst-Case-Scenario vor, aber man hat nie genug über gewisse Situationen (ausser vllt über das Mobbing) erfahren, um sich ein Urteil zu bilden, was sich da abgespielt hat ob Tims Einschätzung der Situationen wirklich richtig war oder reine Hirngespinste.
Bis jetzt ist die Message der Geschichte „Wenn dein Leben scheisse ist, und alle dich (angeblich) hassen, bring dich um“. Als Erlebnisbericht hätte das vllt funktioniert, für eine Kurzgeschichte finde ich diese Botschaft eher...gefährlich. Ich hatte wenig Mitgefühl mit Tim, weil der Charakter für mich zu uneindeutig und schwammig war, um mich mit ihm zu identifizieren.
Manche Bilder ergeben für mich nicht sehr viel Sinn. Zum Beispiel hört Tim, dass der Strassenverkehr zunimmt, obwohl ich sich auf dem 12ten Stockwerk befindet.

Abschließend will ich noch sagen, dass mir beim Lesen der Gedanke kam, der Hauptcharakter wäre vllt homosexuell, und würde deswegen von allen gemieden (oder fühlte sich so). Darauf kam ich durch die Regenbogenfarbenen Tränen, welche er auf seine Zeichnung zeichnet, dass einen Onkel hatte der genau so ist wie er, und das auch die Kirche ihn verstoßen hat. Allerdings würde mich dann wundern, dass Tim, der ja anscheinend in einer großen Stadt lebt, von seinem Onkel nicht an eine Selbsthilfegruppe für LGBT-Jugendliche empfohlen bekommen hat. Im Internet ist sowas ja recht schnell zu finden. Auch fände ich es etwas seltsam, dass gerade ein homosexueller Jugendlicher sich statt an sowas an die Kirche wenden sollte (zumal deren Standpunkt zu so etwas ja kein Geheimnis ist). Deswegen habe ich die Idee dann wieder verworfen. Sollte es doch so gedacht sein, hätte ich mir gewünscht, dass es deutlicher gemacht worden wäre.
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Re: Kurzgeschichten-Wettbewerb - FLIEGEN

Beitrag von EzraGallagher am 25.08.17 20:09

Rezension zu Ruf der Freiheit:
Diese Geschichte gefällt mir etwas besser als die beiden ersten rezensierten, obwohl sie etwas an dem selben Problem krankt wie die erste: Sie ist eher eine Beschreibung einer Szene, die zu einer längeren Geschichte gehören konnte, als eine Kurzgeschichte. Im Gegensatz zur ersten ist sie aber (meiner Meinung nach) schon etwas besser geschrieben. Auch wenn sie immer noch einige Kritikpunkte aufweist, die ich hier anbringen will.
Als erstes: Bitte, keine Smileys im Fliesstext! Auch nicht ~ . In RPGs mag das okay sein, aber in einer Kurzgeschichte finde ich das unglaublich seltsam zu lesen. Besonders von einem sonst so ernsten/sadististischen Hauptmann.
Ich fand es interessant, dass die auftretenden Engel in dieser Geschichte so böse sind. Allerdings wird mir dafür viel zu wenig Kontext geboten. Es wird anscheinend erwartet, dass die Leser sofort ein bestimmtes Bild von Engeln im Kopf haben (Flügel, sonst anscheinend menschliches Aussehen). Aber besonders wenn man mit der Tradition der „guten Engel“ bricht, finde ich, man müsste trotzdem etwas mehr Infos geben. Auch solche Formulierungen wie „er rief seinen Speer und warf ihn“ können in einer Erzählwelt, in der die Magie der handelnden Charaktere bereits erklärt wurde logisch wirken. Weil dies aber nicht getan wurde, hatte ich im ersten Moment das Bild eines Speers im Kopf, der auf den Ruf seines Herrn hin wie ein Hund zu ihm gesprungen kommt.
Insgesamt fehlt mir ein bisschen etwas, was die Charaktere interessanter macht, als die Stereotype des bösen Hauptmanns, der einfach nur anscheinend ohne Grund abgrundtief fies ist (ja, ich weiss, Laylas Mutter war ein Mensch, und das sehen Engel anscheinend nicht gern. Allerdings hätte ich mir trotzdem mehr Kontext über die Welt gewünscht. Warum hassen Engel Menschen/wie steht Hauptmann Karlel zu Laylas Vater, der ja anscheinend auch ein Engel war/ Hassen Engel Menschen vllt nicht generell, sondern nur welche, die mit Engeln schlafen und die daraus entstehenden Kinder? Fragen über Fragen.) und des guten, noch dazu (wahrscheinlich) schönen, wenn auch schwer verletzten Halbengelmädchens. Ich hatte nicht viele bemitleidende Gefühle für Layla, weil ich einfach nichts von ihr wusste, was sie irgendwie besonders gemacht hätte. Ja, sie wurde misshandelt, aber warum sollte ich traurig um einen Charakter sein, den ich vorher gar nicht kannte, und welcher auch in der Geschichte sehr blass bleibt?

Abschließend will ich sagen, dass ich viele Beschreibungen und Bilder trotzdem recht gut fand, und die Geschichte auch keine Logiklücken oder zu viele Rechtschreibfehler aufwies. Es erinnert mich nur mehr an einen Ausschnitt aus einem RPG, wo man sich halt die Steckbriefe anschaut, um zum Beispiel das Aussehen der Charaktere zu erfahren, als an eine Kurzgeschichte.
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Re: Kurzgeschichten-Wettbewerb - FLIEGEN

Beitrag von EzraGallagher am 27.08.17 13:18

Rezension zu „Fliegen“:
Diese Kurzgeschichte hat mir wirklich gut gefallen. Der Schreibstil passt sehr gut zum witzigen Grundton der Geschichte, es sind weder irgendwelche Logikfehler noch offensichtliche Rechtschreibfehler (zumindest sind mir keine aufgefallen) vorhanden. Ich fand die Geschichte unterhaltsam und die Gedankengänge der Protagonistin nachvollziehbar und interessant. 
Das Einzige, was ich wie die Jury etwas schade fand, war, dass die Geschichte selbst für eine Kurzgeschichte sehr schnell zuende war. So liest sie sich ein bisschen wie ein Teaser, der Interesse an einer längeren Geschichte und ihrem Hauptcharakter wecken soll. Dies ist allerdings aus meiner Sicht gelungen.
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Re: Kurzgeschichten-Wettbewerb - FLIEGEN

Beitrag von EzraGallagher am 27.08.17 13:19

Rezension zu „Papa“:
Mein Favorit in diesem Wettbewerb. Die Geschichte hat einen Schreibstil, welcher mir sehr zusagt,  und sie ist trotz dessen, dass sie länger ist als die vorher rezensierten sehr flüssig zu lesen. Sie hat ein etwas trauriges Kernthema, welches aber (für mich) nie aufgesetzt oder übertrieben kitschig wirkt, was meiner Meinung nach sehr schwer zu erreichen ist.
Das Einzige, was ich vielleicht geändert hätte, ist der Titel, da er sozusagen einen kleinen Twist vorweg nimmt. Abschliessend ist zu sagen, dass es auch eine der wenigen Kurzgeschichten in diesem Wettbewerb ist, die ich ohne Umschweife auch als eine solche bezeichnen würde.
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Re: Kurzgeschichten-Wettbewerb - FLIEGEN

Beitrag von Sanara am 27.08.17 16:30

Renzesion

PTBS

Ich finde den Einstig in die Geschichte ok aber ich habe einmal gelernt, dass es die ersten zwei/drei Sätze sind, die den Leser begeistern müssen um ihn dazu zu bringen auch wirklich weiter zu lesen. Deshalb hätte ich mir für den Anfang etwas interessanteres ausgesucht.
Danach geht es weiter, es fallen Wörter von denen manche Leser wohl möglich nicht wissen was sie bedeuten (ABEDL's oder jetzt SiS). In meinen Augen wäre es hier also sehr wichtig gewesen wenigstens in einem kurzen Nebensatz zu erklären was genau das ist. Ansonsten müssen die Leser es halt googlen. (Musste ich)
Kurz darauf kommt der nächste Punkt an dem ich meckern will, wieso bearbeitet eine Schülerin die Akte eines so drastischen Falls? Scheint in meinen Augen sehr unprofessionell für eine Klinik in der alles recht laufen soll. Oder läuft da gar nicht alles korrekt ab? Wer weiß. Noch ein Punkt der mich stört. Man weiß sehr wenig. Wie sind die Charaktere gelaunt? Wie sieht es in dem Raum aus, in dem sie sich befinden, wie riecht es dort? Sind die Charaktere befreundete Kollegen oder stehen sie sich eher nicht so nahe? Man erfährt wenig, eigentlich nichts außer blonder Haare.
Eine Geschichte sollte in meinen Augen immer ähnlich verlaufen. Es gibt das Prinzip des Spannungsbogens und der fehlt hier. Die einzige Spannung die es gibt, kommt zum Schluss und dann ist es auch schon vorbei.
Die Idee der Geschichte ist unfassbar gut und ich denke mit etwas mehr Arbeit und Mühe hätte man da durchaus etwas schaffen können das nicht nur spannend ist sondern vielleicht sogar erschreckend. Dafür aber bräuchte die Kurzgeschichte etwas mehr länge, denn selbst wenn es eine "Kurz"-Geschichte ist, darf man nicht vergessen das es eine Geschichte und weniger eine Beschreibung sein soll. Ich glaube es gibt ganz wenige Menschen die einfach drauf los schreiben und am Ende haben sie ein Ergebnis das perfekt ist. Als Tipp würde ich also vorschlagen, dass der Autor hier nächstes Mal erst seine Idee nimmt, dann etwas daran feilt und zum Schluss erst beginnt zu schrieben. Was auch sehr hilft, ist einen Probeleser zu haben, der sagen kann was gut ist und was nicht. Man muss nicht alle Tipps annehmen und umsetzen aber oftmals sind hilfreiche Dinge dabei oder gar Sachen, die einem selbst gar nicht aufgefallen wären.
Ebenso sollte man all seine Werke immer als kleines Baby betrachten und so viel Mühe wie nur möglich hineinstecken und alle Zeit nutzen die uns hier von Akeem gegeben ist. (Ich finde nämlich das in dieser Geschichte nicht viel Mühe steckt, wie man an den schon erwähnten Logikfehlern und Schreibfehlern erkennen kann)


Der Reisende Gefangene

Ich finde den Wortschatz des Autors sehr schön und glaube das hier wirklich Potential zum Schreiben dahinter steckt. Leider gibt es hier auch ein paar Schreibfehler die den sonst guten Schreibstil  unterbrechen. Zudem ist die Wahl der oft etwas zu langen oder durcheinander geworfenen Sätze in meinen Augen auch etwas störend. Es gibt aber durchaus Leute die solche Sätze mögen, mich langweilen sie sehr schnell ich finde das nimmt die Dynamik einer Geschichte. Vor allem wenn es um Konversation und Handlung geht sollten die Sätze eher kurz und knackig sein. Wenn es allerdings darum geht etwas zu erklären oder zu beschreiben können sie durchaus eine gewisse Länge haben.. Die Namen finde ich persönlich schrecklich gewählt, für mich hören sie sich irgendwie unfassbar falsch an und das macht leider viel kaputt. Vielleicht sollte auch hier bevor man an das schreiben der Geschichte geht, erst mal über alles andere nachgedacht werden. Erstelle doch erst deinen Charakter und überlege dann ob der Name wirklich passt. Für mich sind Namen fast wichtiger als das Aussehen aber das kann auch nur an mir liegen. Die Konversationen sind schon leicht an die Charaktere angepasst, allerdings gibt es hier finde ich auch ein paar Fehler. Der Autor hat hier einmal einen Kommandanten der sehr modern spricht und gerne mal Schimpfwörter benutzt, zugleich benutzt er aber auch solche Worte wie "Unmut". An den Autor gerichtet muss sich dieser also bei seinen Charakteren entscheiden ob entweder /oder. Denn eine Mischung aus beidem wirkt irgendwie unprofessionell.  Es stört mich auch irgendwie das so viele Ausrufezeichen benutzt worden sind, man sollte sie nur ab und an benutzen ansonsten stören auch sie den Lesefluss.
Ich finde den Anfang der Geschichte an sich sehr zäh und es hat mich viel Mühe gekostet weiter zu lesen weil ich es einfach nicht interessant genug fand. Ich muss ehrlich sein das ich sogar einige Sätze übersprungen habe weil sie für mich unrelevant waren und ich endlich zur Spannung kommen wollte. Der Autor muss also stark darauf achten nicht zu sehr in Beschreibung abzuweichen ODER die Konversationen so zu formen das sie den Leser fesseln, ansonsten wird er diesen verlieren.
Vermutlich wollte der Autor durch die Konversationen und Erklärungen eine gewisse Verbindung aufbauen, sodass der Leser versteht warum das Leben des Charakters und dessen Mitmenschen so schrecklich ist, aber meiner Meinung nach ist das nur wenig gelungen. Alles in allem sehe ich hier gutes Potential aber noch viel Übung. Ich hoffe stark das der Autor die Kritik positiv aufnimmt und an den erwähnten Mängeln arbeitet, denn so könnte er einmal richtig gut werden.



Ruf der Freiheit

Anders als beim vorherigen Autor finde ich den Wortschatz hier weniger gut. Er wirkt etwas unprofessionell und mehr für ein RPG gewählt. Dennoch fiel es mir hier durch die Wahl der Sätze leichter an der Geschichte dran zu bleiben. Sie geht voran und man bleibt gerne dabei.  Die Geschichte bleibt für mich interessant, allerdings finde ich hier etwas zu wenig auf den Ich-Erzähler eingegangen. Für mich persönlich ist es unfassbar wichtig sich stark auf den Ich-Erzähler zu konzentrieren wenn man sich schon für diese Art von Erzähl-weise entscheidet. Besonders die Gefühle des Ich-Erzählers sollten an erster Stelle stehen. Bsp: "Seine Hand griff in mein Haar und zog mich unsanft auf meinen Hintern, was die Eisenketten an meinen Knöcheln klirren ließ. " - Wie fühlt es sich an wenn man an den Haaren gezogen wird? Wie fühlt es sich an, wenn man so behandelt wird? Für jeden anders, aber der Leser MUSS es erfahren denn nur so kann er herausfinden wie der Charakter einzustufen ist. Ist er taff oder eher ein weinerlicher Typ?
Wie Ezra schon erwähnt hat sollte man in einer Geschichte keine Sonderzeichen verwenden, denn diese wirken unprofessionell (~).
Mir fehlt hier wie auch bei den anderen Geschichten vorher das Gewisse etwas. Irgendwie muss eine Kurzgeschichte all das haben was eine längere Geschichte auch hat. Mit dem Unterschied das die Kurzgeschichte einfach viel weniger "Platz" dafür hat. Sie muss einen fesseln, ob durch schöne Momente oder traurige. Man muss nach dem Lesen erst mal kurz da sitzen und über das gelesene nachdenken ansonsten ist es in meinen Augen keine gelungene Geschichte. Wie schon erwähnt wurde fühlt sich das alles hier einfach mehr an wie ein RPG-Post. Es fehlt in meinen Augen etwas das Fesselnde. Ob das daran liegt weil noch zu wenig Erfahrung besteht kann ich nicht genau beurteilen.



I belive i can fly

Wie schon von Akeem erwähnt ist das hier eine Selbstmordgeschichte, die einen Charakter zeigt der gebrochen ist. Für mich fehlt hier eindeutig das Warum. Klar hier wird erzählt das der Charakter keine Freunde hat, keine Liebe und irgendwie auch keine Familie. Aber statt sich mehr auf den Charakter zu fokusieren (hier wieder das gleiche wie Oben, ein Ich-Erzähler sollte immer an erster Stelle stehen) wird hier eher mehr "Drumherum" beschrieben.  Es wird beschrieben wie es heute ist und wie es damals war aber als Leser kann ich nicht genau erkennen wie sich der Charakter gefühlt hat. Manche Menschen werden wütend, andere traurig. Wie hat er sich verändert? War er früher fröhlich oder wurde er schon verbittert geboren?  Woran liegt es das ihn keiner leiden kann? Einfach weil er er ist? Warum ist sein Vater so wie er ihm gegenüber ist? Arbeitet er viel? Hat er ein Problem in der Ehe? In einer Kurzgeschichte ist es immer gut ein paar Fragen offen zu lassen, das streite ich nicht ab, aber hier sind es mir eindeutig zu viele. Ich persönlich finde die Idee ja ganz gut, hatte sie sogar selbst im Kopf. Fliegen kann man ja auch wenn man sich selbst umbringen will.
Aber, behaupte ich, scheiß egal wie schrecklich dein Leben verläuft. Niemand stellt sich auf das Geländer, breitet die Arme aus und lässt sich wenige Sekunden später schon fallen. Es ist für jede Person eine Überwindung denn in allen Menschen gibt es einen Überlebensinstinkt. Hier hätte man Revuepassieren sollen, was in seinem Leben falsch gelaufen ist. Tim hätte in meinen Augen erst fallen sollen, nachdem nicht nur ihm klar wurde das ihn nichts mehr hält, sondern auch der Leser Tims Schmerz nachvollziehen kann. Denn sonst sieht es aus, als könnte man sich umbringen, weils halt mal nicht so läuft. Und das ist eine schreckliche Message. In einer Geschichte die mit dem Tod endet sollte man eher ein gewisses "Nachvollziehen" als Message nehmen. Damit Leute, die nicht Nachvollziehen können warum andere Menschen sich ihr Leben nehmen, mal perplex da sitzen und denken "fuck okay, dem gings richtig dreckig". Ansonsten könnte man mit so einer Geschichte auch stark ins Fettnäpfchen treten.


Fliegen

ich persönlich finde es total schwer lustige Geschichten zu schreiben und glaube es geht vielen Leuten so. Deshalb ist es für mich nicht wirklich schwer zu erraten zu welchem Autor diese Geschichte wohl gehören mag. Ich behaupte mal es ist des Autors perfekt passender Stil. Um an diesem Ziel angelangt zu sein und sagen zu können, ja das ist 'ne Geschichte die kann nur von dem sein, muss man wirklich schon weit sein. Die Geschichte ist abgerundet, hat eine lustige Idee die gut umgesetzt ist und einen Schreibstil den man eigentlich nicht bemängeln kann. Hier liegt die Bewertung also eigentlich fast nur noch an der Geschmackssache. Ich finde sie wie die anderen auch schon erwähnt haben leider etwas kurz und das ist halt schade. Klar es heißt natürlich Kurzgeschichtenwettbewerb aber trotzdem liest man gerne, wenn es gut ist, etwas mehr. Es gibt also nicht wirklich was zu bemängeln außer der Länge.


Zuletzt von Sanara am 29.08.17 20:56 bearbeitet; insgesamt 1-mal bearbeitet
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Re: Kurzgeschichten-Wettbewerb - FLIEGEN

Beitrag von Akeem am 29.08.17 16:14

Vielen Dank an alle Autoren und auch an die Schreiber der zahlreichen Rezensionen. Das gut gemeinte Feedback und die Tipps werden unseren Autoren sicher für weitere Werke helfen. 

Das Community-Voting ist jetzt beendet und die Sieger stehen fest. Ich bedanke mich bei allen Usern, die sich die Zeit genommen haben, die Geschichten zu lesen und abzustimmen! Das Endergebnis sieht folgendermaßen aus:

1. Papa von @Sanara mit 6 Stimmen
2. Fliegen von @Resquiat_in_Pesto mit 4 Stimmen
3. Der Reisende Gefangene von @Daryl Kuromoto mit 3 Stimmen
4. I BELIEVE I CAN FLY von @Kyouya mit 2 Stimmen
5. Ruf der Freiheit von @Saddy-Chin mit 1 Stimme
6. PTBS von @Chiyo Yume


Herzlichen Glückwunsch an alle Gewinner! 
Wir sehen uns dann nächstes Mal, denn warum aufhören, solange es noch funktioniert? Als nächstes Thema haben wir uns überlegt Briefe zu wählen. Ich denke, da sollten einige interessante Geschichten bei zusammen kommen. Das Thema ist recht offen, aber gleichzeitig gibt es auch eine gewisse Richtung vor. Ob ihr nun etwas in Briefform schreibt ober eine Geschichte über Briefe, ist euch völlig freigestellt. Den Thread eröffne ich in den nächsten Tagen, bis dahin könnt ihr ja schon mal eine Idee ausbrüten ;)
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Re: Kurzgeschichten-Wettbewerb - FLIEGEN

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