Kurzgeschichten-Wettbewerb - WACHSEN

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Kurzgeschichten-Wettbewerb - WACHSEN

Beitrag von Akeem am 14.01.18 21:56

Hallo Leute!

Wir beginnen das Jahr der Wettbewerbe etwas verspätet in Mitte Januar und hoffen, dass sich alle ein bisschen erholt haben. Vielleicht ist einer eurer guten Vorsätze ja sogar etwas mehr zu schreiben ;) Meiner ist es auf jeden Fall!
Dann wäre das hier eine gute Gelegenheit. Wir beginnen die Saison mit folgendem Thema:

Hier nun die wichtigsten Fakten:
Das Thema ist WACHSEN.
Wie ihr dieses Thema interpretiert ist völlig euch überlassen. Also lasst eurer Fantasie freien Lauf!
Die Geschichte ist bis zum 11.02.2018 23:59 Uhr einzureichen. 

Alle weiteren Regeln findet ihr hier:
http://anime.forumsrpg.com/t5871-aktuelles-regelwerk-kurzgeschichten-wettbewerbe


Zu gewinnen gibt es wie immer hübsche Abzeichen! 
- Werden später hinzugefügt -




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Re: Kurzgeschichten-Wettbewerb - WACHSEN

Beitrag von Akeem am 13.02.18 0:06

Wir brauchen Wachstum
von @Philodoof

Katie kam von der Arbeit heim. Es war wieder mal ein langweiliger und stressiger Tag gewesen. Sie hatte einen von diesen Computerjobs, wie inzwischen gefühlt jeder Zweite auf der Welt. Früher hatte sie immer gedacht, die Arbeit im Büro am Computer wäre eine interessante Sache und dass sie sich glücklich schätzen konnte, dazu ausgebildet worden zu sein. Da ahnte sie jedoch noch nicht, wie sehr die Gesamtarbeiten in kleine Segmente unterteilt werden würden. Damals waren Computerfachleute noch etwas Besonderes und hatten facettenreiche Aufgaben. Doch mit der Zeit wurden immer mehr Computerfachleute jeglicher Art ausgebildet. Alles wurde komplizierter, es gab immer mehr über alles zu wissen, immer mehr Varianten und Alternativen etwas umzusetzen. Gleichzeitig erkannten die Firmen auch, dass es effizienter war, immer mehr verschiedene Leute für nur bestimmte Prozesse einzusetzen. Und so erlebte die Fließbandarbeit ihre zweite Geburt in der E-Welt. Fünf Tage die Woche saß Katie nun am Computer um stundenlang Schatten zu setzen. Sie hatte sich zum Professional Shadow Layer weiterbilden lassen, um der anspruchsloser gewordenen Aufgabe noch gerecht werden zu können. In mehreren Stehbildern auf ihrem Schreibtisch prankten diverse Zertifikate, die das bewiesen. Erst wollte sie diese Zertifikate nicht aufstellen, denn es kam ihr irgendwie prätentiös vor, aber ihr Chef hatte sie dazu ermutigt. „Keine falsche Bescheidenheit! Sie sind eine hoch ausgebildete Shadow Layerin! Das dürfen sie ruhig nach außen zeigen!“, meinte er, „Sie können stolz auf sich sein!“

An die Wand hängen, wo ihr die Auszeichnungen weniger im Weg gewesen wären, konnte sie die Auszeichnungen nicht, denn sie arbeitete in einem dieser Großraumbüros. Dort hatten nur die wenigsten Arbeiter einen Wandplatz. Man musste ihn sich durch besonders gute Leistungen und einen Aufstieg innerhalb der Unternehmenshierarchie verdienen. Die besten und hochrangigsten Mitarbeiter hatten sogar einen Platz mit Wand UND Fenster. Doch davon konnte Katie bislang nur träumen. Doch eigentlich träumte sie von anderen Dingen. Mal träumte sie wie sie Objekte animiert, ein anderes Mal, wie sie Programmcode schrieb. All diese Dinge und noch viel mehr hatte sie ja schließlich einst gelernt und nun sehnte sie sich unterbewusst ein wenig danach zurück.

Aber dann gäbe wohl kein weiteres Wachstum. So viel kostbare Zeit ginge verloren. Verschiedene Aufgaben wahrnehmen, bedeuteten unnötige Transaktionskosten zwischen den Arbeitsprozessen. Und Transaktionskostenvermeidung zählte zu den wichtigsten kapitalistischen Geboten. Wobei sie streng genommen, das Wort kapitalistisch gar nicht verwenden durfte. Nicht, dass es verboten wäre. Aber es würde Verdacht erregen. Jemand könnte sie für sozialistisch halten. „Kapitalistisch“ war ein typischer Slang der sozialistischen Untergrundbewegung. Niemand wollte mit ihnen in eine Schublade gesteckt werden. Schließlich waren das systemfeindliche Terroristen. Und einer der wichtigsten Grundpfeiler des Systems war das Wachstum. Das Unternehmen musste wachsen, denn sonst könnte es nicht mit den anderen Unternehmen mithalten. Die Branche selbst musste natürlich auch wachsen. Je größer die Branche, desto größer das politische Mitspracherecht. Außerdem gab es in wachsenden Branchen viel seltener Entlassungen. Und natürlich wollte niemand entlassen werden. Ein soziales Netz mit Arbeitslosengeld gab es schon lange nicht mehr. Man hatte über die Zeit erkennen müssen, dass es ein zu großer Eingriff in den freien Markt war. Zwischenzeitlich versuchten zunehmend mehr Menschen freiwillig arbeitslos zu sein, weil sie so wenig Spaß an ihrer Arbeit hatten, dass es ihnen das zusätzliche Geld nicht mehr wert war. Man versuchte zunächst mit Sanktionen und ähnlichen Mitteln dagegen vorzugehen. Das half auch zunächst, war aber keine perfekte Lösung, da es immer Menschen gab, die Schlupflöcher fanden. Die Privatisierung der Arbeitsämter war dann ein bedeutender Schritt. Es kam zu einem geschichtsträchtigen Wachstumsschub in der Wirtschaft. Aber letztlich war auch das noch nicht perfekt. Deswegen wurden nach langen Debatten schließlich die Arbeitslosenhilfen komplett aufgehoben. Wenn jemand mittelfristige seine Existenz sichern wollte, musste er nun also wieder einen Job finden – oder kriminell werden.

Katie verdiente jetzt auch mehr Geld, aber irgendwie hatte sie nicht das Gefühl, dass sie sich davon mehr leisten konnte. Sie vermutete, dass es mit der Inflation zusammenhinge, aber hoch ausgebildete Wirtschaftswissenschaftler gaben schließlich regelmäßig Zahlen heraus, nach denen die reale Inflation gar nicht so groß war. Und sie mussten es ja wissen. Und ihren Zahlen zufolge ging es der Bevölkerung auch so gut wie noch nie zuvor. Seit wenigen Jahren gab es sogar den ersten Billionär auf der Welt. Und das ist doch was Schönes und ein perfektes Sinnbild dafür, dass es der Menschheit gut geht! Oder etwa nicht? Immerhin war er somit ein Vorbild für alle. Wenn man es nur weit genug brächte, hart genug arbeitete, könnte man selbst vielleicht auch irgendwann Billionär sein!

Eine ehemalige Bekannte von Katie sah das alles immer so zynisch. Sie gehörte nämlich tatsächlich zu diesen Sozialisten, wie sich irgendwann herausstellte und was zum Ende ihrer Bekanntschaft führte. Sie war sonst eigentlich viel netter als die meisten Menschen, die Katie sonst kannte, daher konnte Katie nie verstehen, warum ausgerechnet sie mit diesen Sozialisten verkehrte. Sie sagte immer so seltsame Sachen wie: „Wenn man es durch harte Arbeit zu einer Billion bringen kann, wieso arbeitet dieser Billionär dann schon seit Ewigkeiten nicht mehr?“ Oder „dir ist schon klar, dass nicht alle Billionäre werden können?“ Aber sie verstand das nicht. Mit sehr viel mehr Wachstum wird auch das bestimmt irgendwann möglich sein. Das lernen wir doch schon von klein an in den Erziehungs- und Ausbildungsstätten.

Erziehungs- und Ausbildungsstätten sind das heutige Bildungssystem. In Erziehungsstätten kommen alle Kinder vom Säuglingsalter an. Kinder werden schon länger nicht mehr von ihren Eltern großgezogen. Bei der elterlichen Erziehung werden erfahrungsgemäß viele Fehler gemacht. Eltern sind schließlich in den meisten Fällen Erziehungsamateure ohne erziehungswissenschaftliche Ausbildung und so wurde wertvolles Humankapital früher vergeudet, als noch Eltern ihre Kinder erzogen. Die ersten Jahre eines Menschen sind lerntechnisch die wichtigsten Jahre eines Menschen. Und gerade das waren stets die Jahre, in denen die Eltern den größten Einfluss auf die Kinder nehmen konnten. Damit man heutzutage Kinder in die Welt setzen darf, muss man sich durch gute Leistungen im Beruf das Reproduktionsrecht zunächst verdienen. Denn nur das wettbewerbsfähigste Erbgut, soll in die zukünftigen Generationen fließen. Wenn man es geschafft hat, sich die Reproduktion zu verdienen, reicht man schließlich Samen oder Eizellen bei einer Human Breeding Corporation ein, wo die Föten bis zum Säugling herangereift werden. Die vielversprechendsten Säuglinge werden dann in den Erziehungsstätten aufgenommen. In den Erziehungsstätten messen sich Kinder in diversen Bereichen miteinander. Das Abschneiden entscheidet dann darüber in welchem Bereich man ausgebildet wird. So etwas wie ein Schulsystem gibt es heutzutage gar nicht mehr. Das war einfach zu zerstreuend. Aus der Betrachtung im Nachhinein war für einen jeden Arbeiter einfach der Großteil der Schulzeit Vergeudung, weil er nichts oder kaum etwas mit dem späteren Beruf zu tun hatte. Außerdem verschwendeten viele Menschen wertvolle Zeitressourcen mit Unsicherheiten und Austesten, worin ihre berufliche Bestimmung lag. Und das ist nun mal nicht effizient und stand dem Wachstum im Weg. Deswegen hat man angefangen schon im Kleinkindalter die am Besten ausgeprägten Anlagen zu identifizieren und die Ausbildung frühzeitig daran anzusetzen. So können viele Menschen heute schon im Alter von 10-12 Jahren ihren ersten Job annehmen. Und Katie war damals in etwa so zur Informatikerin ausgebildet worden. Bloß war die Ausbildung damals noch recht schwachstellenbehaftet, so dass Katie erst mit 13 Jahren ins Berufsleben einstieg. Aber zur damaligen Zeit war das noch nicht ungewöhnlich spät.

Jetzt war Katie jedenfalls wieder zu Hause von ihrem Arbeitstag. Wobei es da streng genommen keinen großen Unterschied zur Arbeit gab, denn sie lebte auf dem Firmengelände, wie die meisten anderen Arbeitnehmer auch. Im Zuge des kapitalistischen Wandels gingen Dörfer und Städte nach und nach bankrott und lösten sich auf. Durch den Sozialstaatsabbau war es immer schwieriger geworden, die Ausgaben zu decken und viele Ansiedlungen strichen daher allmählich ihre Leistungen, was die Menschen zunehmend dazu veranlasste wegzuziehen. Auf der anderen Seite begannen erfolgreiche Großunternehmen in finanzielle Bredouille geratene Dörfer und Städte im Umfeld ihrer Produktionsstätten aufzukaufen oder zogen aus den beengten Industriegebieten dorthin um. Entsprechend fanden dann auch Namensänderungen der Städte statt. HannoVW kannte man beispielsweise früher unter dem Namen Hannover. Appletino war früher unter dem Namen Cupertino bekannt. Es gab auch Städte, die versuchten mit der Zeit zu gehen und sich in Aktiengesellschaften umwandeln ließen, wie zum Beispiel die Frankfurt AG. Manche Träumer sahen in börsenfähigen Städten das Modell der Zukunft und anfangs schossen die Kurse auch in die Höhe. Aber letztlich erwiesen sich die städtischen Strukturen als überholt und so war der kurze Städte AG-Boom nur ein letztes Auflodern vor dem endgültigen Zusammenbruch. Mit verzweifelten Maßnahmen wie etwa der Gehsteigmaut konnten Städte den Prozess des Niedergangs der Städte auch nicht mehr abwenden. Die Zahlen belegen sogar eindeutig, dass Maßnahmen wie diese, den Prozess letztlich sogar nur beschleunigten. Vielleicht sehnten sich die todkranken Städte, sollte es sowas wie eine Stadtseele überhaupt gegeben haben, unterbewusst nach einem baldigen Ende des Leidens. Vielleicht waren sie müde. Wollten loslassen, was sie ja doch nicht halten konnten.

Die meisten Wohnstuben auf dem Firmengelände waren Einzimmerwohnungen. Da Katie jedoch zur zweituntersten Schicht zählte, durfte sie in einer Zweizimmerwohnung leben. Von außen betrachtet war die Wohnung zwar nicht größer als die Einzimmerwohnung, aber die Tatsache, dass man zwei Zimmer hatte, gaben einem das Gefühl eine bessere Wohnung zu haben, als die Einzimmerwohnungsleute. Außerdem wollte jeder Einzimmerwohnungsmensch eine Zweizimmerwohnung haben. Also musste sie ja besser sein. Deswegen konnte Katie schon ein bisschen stolz sein, sich eine Zweizimmerwohnung leisten zu können. Aber das fiel ihr nicht so leicht. Ungenügsamkeit zählte mit zu den wichtigsten anerzogene Grundtugenden der Bürger eines kapitalistisch ausgerichteten Staates. Und Katie arbeitete auf eine Beförderung hin, um eines Tages in eine Dreizimmerwohnung umziehen zu können. Dafür nahm sie auch unbezahlte Überstunden in Kauf. Die Dreizimmerwohnungen waren von außen natürlich auch nicht größer als die Zweizimmerwohnungen, aber sie hatten eben drei Zimmer.

Weil man von außen sonst nicht hätte wissen können, welche Wohnungen besser waren, als die anderen, war es jedem Hausbewohner erlaubt - und niemand verzichtete darauf - sich eine große prachtvolle Plakette beim firmeninternen Plakettenverleih zu mieten und an der Hauswand anbringen zu lassen, die Anzahl der Zimmer gut sichtbar für Nachbarn und Passanten preisgab. Die erfolgreiche Plakettenbranche hatte die Gesellschaft seit vielen Jahrzehnten von klein auf längst mit subversiven Botschaften bis tief ins Unterbewusstsein geprägt und ihre eigenständige Urteilsfähigkeit oft erfolgreich unterwandert. Mit dem Resultat, dass sie zu den erfolgreichsten Branchen überhaupt zählt.

Diese Maßnahme war im Übrigen praktisch alternativlos. Mancher hatte die Idee ein selbst gebasteltes Schild aufzustellen, aber da diese nicht offiziell waren, erntete man hier normalerweise mehr Skepsis als Vertrauen und so schnitt man sich mit so einer Aktion selbst ins Fleisch. Wenn man hinsichtlich der Zimmeranzahl auf bloßes Vertrauen setzte und darauf hoffte, dass einem die Leute glauben schenken würden, wurde man eines besseren belehrt. Im Regelfall wurde man als Schwätzer abgetan. Man konnte auch nicht andere Leute in die eigene Wohnung drängen, damit sie es sich anschauten. Besuche bei anderen Menschen in der Freizeit waren mittlerweile ziemlich unüblich geworden. Schließlich waren die Anderen die Konkurrenz im Arbeitswettbewerb. Natürlich traf man sich auch mal mit anderen abseits. Spielte eine Partie Tischtennis oder wo. Sich fit halten und gleichzeitig den Wettkampfgedanken stärken war immer eine gute Idee.

Als Katie noch recht jung war und im Alter von zwanzig Jahren gerade einmal sieben Jahre Berufserfahrung aufwies, hatte sie noch mit einem Haustier in einer Einzimmerwohnung gelebt. Einen Hund namens Beppo. Aber mittlerweile sind Haustiere eine extreme Seltenheit geworden. In der Arbeiterbevölkerung findet man sie quasi gar nicht mehr. Ein Wirtschaftswissenschaftler hatte eine Abhandlung über Haustiere und Wachstum geschrieben und Haustiere in einem vernichtenden Urteil nach seitenweise mathematischen und logischen Gedankenausführungen als Trittbrettfahrer und Wachstumsbremsen entlarvt, die es verpasst haben, sich dem Wandel der Zeit anzupassen. Für diese Arbeit wurde er zu Recht mit dem Nobelpreis für Wirtschaftswissenschaften ausgezeichnet. Seine Arbeit hatte damals vielen Menschen die Augen geöffnet. Auch Katie hatte bis dahin Beppo wirklich gern gehabt. Sie fand es schön, für jemanden sorgen zu können, von jemandem gebracht zu werden. Aber da war ihr noch nicht klar gewesen, wie sehr die Tiere den Menschen ausnutzten, wie sehr Beppo SIE ausgenutzt hatte. Also hatte sie ihn ausgesetzt.

Als Katie nun so auf ihrem Sofa saß und den Fernseher einschaltete, überkam sie wieder dieses seltsame Gefühl, dass ihr irgendetwas Wichtiges im Leben fehlte, das sie nicht genauer bestimmen konnte. Vielleicht war es ja diese neue elektrische Nagelfeile, die Katie in der Werbung sah. Gleich am nächsten Wochenende würde sie sich eine kaufen gehen.

Jury meint:

Spoiler:
An aller erster Stelle ist diese Geschichte eine Kritik am Kapitalismus und versucht gar nicht erst subtil zu sein, sondern spinnt aktuelle Trends in Absurdität weiter bis zum bitteren Ende. Das unendliche Wachstum, das der Kapitalismus nun einmal braucht, ist das zentrale Thema dieser Welt und der gesellschaftliche Rahmen und das Staatensystem wurden komplett darauf zugeschnitten. Eine schreckliche, dystopische Zukunft, die man uns hier malt, aber gleichzeitig ist sie aufgrund ihrer Übertreibung durchaus amüsant.

Besonders interessant ist dabei, wie die Zukunft des extremen Kapitalismus zu Sachverhalten zu führen scheint, die man vor allem aus dem Kommunismus kennt. Wie das zuteilen von Wohnflächen oder das zuteilen von Karrieren bereits im Kindesalter und schließlich das rauben von Katies Individualität, durch die gesellschaftliche Ächtung bei außergewöhnlichem Verhalten.
In dieser Welt sind Kommunisten und Konsumzombies am Ende doch gar nicht so verschieden und ob einem nun zugeteilt wird, welche Nagelfeile man kaufen kann oder es einem durch penetrante Werbung suggeriert wird, macht dann doch den Kohl nicht mehr fett.
Sicher, das ist nur eine Interpretation dieser Welt und wir sind uns nicht sicher, ob der Autor dies auch so wirklich vorgesehen hatte, aber die Überspitzung dieser Welt, in der Steuern abgeschafft und Kommunen privatisiert wurden, wäre doch alles möglich, oder? Vielleicht ist der größte Super-Kapitalist doch nur ein heimlicher Bewunderer Karl Marx?
Die Idee gefiel uns also ziemlich gut. Das Thema wurde überraschend und interessant umgesetzt, sprechen wir nun aber mal über die Form und die Erzählweise. Katie ist eine einfache Arbeiterin in dieser verrückten Welt, in der die soziale Marktwirtschaft in Deutschland gestorben ist und an ihrem Beispiel wird dieses Setting dem Leser erläutert. Leider erfährt man über Katie nicht viel mehr.
Es könnte sein, dass dies Teil der Aussage ist. Sie ist so unbeschrieben und farblos wie alle anderen Personen in dieser Gesellschaft, denn sie sind nur noch was sie konsumieren oder der Beruf, den ihnen zugeteilt worden ist. Unserer Meinung nach ist dies jedoch eine vertane Chance. Anstatt mühsam immer wieder die Erzählung zwischen Katies Alltag und der Exposition über die Welt zu alternieren, hätte man lieber viel direkter an ihrem Schicksal erklären können, wie die Welt funktioniert. Ihrer Person hat es etwas an Zerrissenheit oder Tragik gefehlt. Irgendeinen Grund, warum sie die Protagonistin der Geschichte ist und nicht Hans-Hermann von nebenan. Wie gesagt, es ist sicher Teil des Konzepts und Teil der Aussage. Aber dadurch, dass sie keine Zweifel hat und keine Entscheidungen triff, fühlt sich ihre Geschichte wie keine an, sondern nur wie ein Device, um die Welt zu erläutern.
Denn der echte Protagonist dieser Geschichte ist so die absurde, zynische Welt und nicht der Konsumzombie Katie.


Zuletzt von Akeem am 13.02.18 18:36 bearbeitet; insgesamt 1-mal bearbeitet
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Re: Kurzgeschichten-Wettbewerb - WACHSEN

Beitrag von Akeem am 13.02.18 0:11

Leider haben wir dieses Mal nur eine Abgabe, weswegen es logischerweise kein Voting geben wird. Vielen Dank Philo für deine Teilname! Ein Feedback wird noch hinzugefügt, sobald es fertig ist.

An euch andere stellt sich nun die Frage:
Woran hat es gelegen? Und wie wollen wir weiter machen?

Viele haben sich wegen dem Zeichenlimit schwer getan, deswegen würde ich vorschlagen, wir verändern den Rahmen etwas nach unten (5.000 - 15.000 Zeichen peilen wir an).
Außerdem scheinen euch die Themen nicht so zu liegen, deswegen noch einmal der Verweis auf die Liste, aus der wir die Themen nehmen und bei denen ihr gerne welche dazuschreiben könnt:
http://anime.forumsrpg.com/t5863-wettbewerbs-themensammlung

Todd hatte außerdem vorgeschlagen, dass wir für die nächste Runde einfach wieder ein paar Themen vorschlage. für die ihr dann voten könnt.
Hier meine Vorschläge:
http://www.strawpoll.me/15061468
Ihr könnt natürlich auch gerne hier oder in der Themensammlung andere vorschlagen und kommentieren.
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Re: Kurzgeschichten-Wettbewerb - WACHSEN

Beitrag von pytn_swyr am 13.02.18 16:41

Ich habs, wie schon vorher angedeutet, leider nicht zu den 10.000 Zeichen geschafft :/
An manchen Tagen fehlte mir leider auch die Motivation und Inspiration weiter zu schreiben.
Vielleicht lag mir auch das Stichwort "Wachsen" nicht.
Mir ist aufgefallen, dass ich mich viel lieber den RPGs hier widme, weil man dort noch andere Mitschreiber hat die einen auf Ideen bringen anstatt sich alles alleine auszudenken wie bei den Kurzgeschichten. Ist nur meine persönliche Meinung. Vielleicht bin ich nunmal nicht so die Geschichtenschreiberin.

Dennoch würde mir die Zeichenheruntersetzung für die nächste Kurzgeschichte entgegen kommen und ich werde es beim nächsten Mal auf jeden Fall wieder versuchen!
Stimme dann mal für eine Thema ab :)
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Re: Kurzgeschichten-Wettbewerb - WACHSEN

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