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Welche Geschichten sind eure Favoriten? (Abgabe mehrerer Stimmen möglich!!)

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Stimmen insgesamt: 32
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Akeem
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Kurzgeschichten-Wettbewerb - ZUKUNFT

am 08.04.18 17:19
Edit 07.05.2018


Abgaben:



Die Abstimmung geht wie immer 7 Tage bis zum 14.05.2017... etwa 22:20 Uhr



Hallo Leute!

Das Voting hat entschieden. Das Thema für den nächsten Wettbewerb im April/Mai steht fest.

Hier nun die wichtigsten Fakten:
Das Thema ist Zukunft.
Wie ihr dieses Thema interpretiert ist völlig euch überlassen. Also lasst eurer Fantasie freien Lauf!
Die Geschichte ist bis zum 06.05.2018 23:59 Uhr einzureichen. 

Alle weiteren Regeln findet ihr hier:
http://anime.forumsrpg.com/t5871-aktuelles-regelwerk-kurzgeschichten-wettbewerbe


Zu gewinnen gibt es wie immer hübsche Abzeichen! Wieder einmal wunderschön hergestellt von @Mithras :












Zuletzt von Akeem am 07.05.18 22:28 bearbeitet; insgesamt 2-mal bearbeitet
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Akeem
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Re: Kurzgeschichten-Wettbewerb - ZUKUNFT

am 07.05.18 22:01


Und wieder mal nichts gelernt



Wie jeden Samstag saß ich bei meinem Lieblings-Café und blätterte die Zeitung durch. Ich genoss die Ruhe hier. An der Straße gegenüber zwitscherten die Autos, ein laues Lüftchen hob ab und zu ein paar Röcke und die Raucher, einen Tisch weiter, sorgten dafür, dass nicht allzu viel ungesunder Sauerstoff in meinen Lungen landete. Das Tagesblatt informierte mich indes dass meine neu erworbenen Aktien um zehn Prozent gefallen sind. Doch lange konnte ich mich nicht darüber ärgern, denn ein „Platsch“ riss mich aus meinen Gedanken. Ich hob meinen Blick von der Zeitung und entdeckte eine Bananenschale in meinem Latte Macchiato. Verwundert schaute ich mich um, doch niemand war in der Nähe. Die Kellner waren im Geschäft voll und ganz damit beschäftigt, den Blicken der Gäste auszuweichen. Auch die Raucher hatten sich inzwischen verzogen. Verwirrt blickte ich nach oben, doch auch dort war bis auf zwei Tauben, die sich peinlich dabei ertappt fühlten, dass ich sie erwischt hatte, kurz bevor sie unbemerkt eine Ladung verdautes Vogelfutter auf meiner Schulter verteilen konnten, nichts Auffälliges zu sehen.

Plötzlich knallte es laut auf der Straße. Ein Klavier landete direkt auf der Motorhaube eines im Stau stehenden Wagens. Den Insassen ist glücklicherweise nichts passiert. Geschockt stiegen sie aus und blickten sich ebenfalls fragend um, genau wie ich es noch vor ein paar Sekunden tat. Meine Neugier war geweckt. Ich lief hinüber zu der Straße und begutachtete den herabgestürzten Flügel. Erstaunlicherweise hatte auch dieser den Sturz ganz gut überstanden. „Wer sind Sie?“, fragte mich die Fahrerin des Wagens. „Keine Sorge, ich bin ein Experte“, versicherte ich ihr und drückte auf ein paar Tasten des Klaviers. Doch es gab keinen Ton von sich. „Meine Diagnose lautet: es ist kaputt.“
„Na Sie sind ja ein toller Experte“, erwiderte die Fahrerin mit verschränkten Armen und schüttelte dabei den Kopf. Auch die anderen Fahrer im Stau stiegen aus ihren Autos und betrachteten den Himmel. Ein Aufschrei ging durch die Menge. Immer mehr Dinge fielen vom Himmel. Ich erkannte einen Autoreifen, ein paar Notebooks, rostige Konservendosen, die seltene Garla Abend Barbie, allerdings fehlte ihr ein Arm. „Ob da wohl ein Flugzeug seine Fracht verliert?“, fragte ich mich laut. Doch das konnte nicht sein, denn die Sachen flogen gleichzeitig über der ganzen Stadt vom Himmel.

Eine schwarzes Motorrad kämpfte sich durch den Stau und hielt direkt auf meinem linken Fuß. „Ouuuh“, brüllte ich vor Schmerzen und hüpfte auf und ab. „Sie Wahnsinniger, können Sie nicht auf...“, wollte ich den Fahrer anschreien, doch brach ab. Denn er öffnete das Visier seines Helms und die alten toten Augen, die mich anblickten, kamen mir nur allzu bekannt vor.
„Herr Präsident. Was verschafft mir die Ehre?“
„Steigen Sie auf! Ihr Land braucht Sie“, befahl er und ich tat wie mir geheißen.
„Sie holen mich doch sonst immer in ihrer schicken Limousine ab.“
„Seien Sie nicht albern. Wie soll ich denn mit der Limousine durch diesen Stau kommen?“, erwiderte der Präsident und trat aufs Gas. Wie ein Profi schlängelte er sich durch die stehenden Autos und wich dabei auch gekonnt vom Himmel fallenden Unrat aus, wie einem Krümelmonster mit nur einem Auge und einem Stapel alter Playboy-Hefte, deren Seiten mit einer mysteriösen Substanz zugeklebt wurden. Er fuhr mich zu einer großen Halle, auf der ein riesiges Neon-Schild, mit der Aufschrift „Geheimes Labor“, befestigt war.
„Ähm...ihr wisst schon dass...“, begann ich, doch brach erneut ab. Wir hatten jetzt keine Zeit uns darüber zu streiten, immerhin ist dies nur eine Kurzgeschichte.

Wir betraten also das „geheime“ Labor und wurden fast von zwei eifrig beschäftigten Wissenschaftlern über den Haufen gerannt, die wie aufgescheuchte Hühner durch das riesige Labor rannten, um abwechselnd auf Knöpfe zu drücken, die sich jeweils am anderen Ende des Raumes befanden. „Ja ich weiß, was Sie denken“, sagte der eine Wissenschaftler und drückte auf einen Knopf an der Südseite. „Müssen die Knöpfe soweit entfernt voneinander sein?“
„Nein, müssen sie nicht“, beantwortete der Wissenschaftler auf der Nordseite die Frage. „Aber so halten wir uns fit.“
„Das sind Dr. Yes und Dr. No. Unsere Experten für Zeitreisen“, stellte der Präsident mir die beiden Kittelträger vor. „Kommen Sie mit!“
Unser Staatschef führte mich an einen Tisch, an denen wir beide Platz nahmen. Auf dem Tisch lag ein Buch, dass der Präsident zu mir rüber schob. „Lesen Sie! Danach werden Sie alles verstehen.“
Ich nahm das Buch in die Hand und erkannte es wieder. Es war ein Geschichtsbuch, das wir früher in der Schule benutzt haben. Ich wunderte mich immer mehr über die Situation und fragte mich, was das mit den Ereignissen aus der Stadt zu tun hatte, doch dem Präsidenten zuliebe öffnete ich das Buch einfach mal. Sofort fiel mir auf, dass etwas nicht stimmte und blätterte weiter. Die Ägypter erbauten ihre Pyramiden aus zusammengepressten Schrottwürfeln, Napoleons berühmter Hut war nun ein alter Football-Helm, die Mayas beteten einen Pappaufsteller von Iron Man an, die Gladiatoren bekämpften sich mit Schaumstoffschlägern und Cäsar trug einen Kranz aus Plastikringen.

Ich sah den Präsidenten nur verständnislos an. „Wie soll mir das helfen alles zu verstehen? Ich bin jetzt noch verwirrter als zuvor.“
Der Präsident schüttelte nur den Kopf und verdrehte dabei die Augen, als ob ich ein Kind wäre, mit dem er langsam die Geduld verlieren würde, weil es nichts begriff. „Über der ganzen Stadt regnet es Müll. Doch das passiert nicht nur bei uns. Es passiert überall in der Zeit. Jemand lädt illegal seinen Müll in unserer Geschichte ab.“
„Ooooh.“ Jetzt kapierte ich es auch. „Deshalb also die Experten für Zeitreisen. Ich soll in die Vergangenheit reisen und dort all die Fehler wieder ausbügeln.“
„Ja, das wäre eine Möglichkeit“, sagte Dr. Yes darauf, der nun auf einen Knopf auf der Westseite drückte.
„Aber nein, das wäre viel zu aufwendig“, korrigierte Dr. No und kam etwas erschöpft auf der Ostseite an.
„Dr. Yes und Dr. No haben herausgefunden, dass der Müll durch Wurmlöcher in unsere Zeit geschickt wird und sie haben es geschafft, den Ursprung der Wurmlöcher zu ermitteln“, erklärte der Präsident.
„Und wer steckt dahinter? Al-Qaida? Der IS? Der Joker?“
„Viel schlimmer: die Zukunft!“
„Ja, die Zukunft“, keuchte Dr. Yes. „Nein, diese Schweinehunde“, keuchte Dr. No.
„Und deshalb haben unsere Experten eine Zeitmaschine gebaut, um Sie in die Zukunft zu schicken und sich um dieses Problem zu kümmern“, sagte der Präsident und rieb sich dabei die Schläfe, als ob er Kopfschmerzen hätte.
„Ich verstehe“, erwiderte ich. „Das wurde auch langsam mal Zeit“, seufzte der Präsident.

Die Zeitmaschine sah aus wie ein Podest aus einem Zirkus. Ich betrat das Podest, während die Wissenschaftler sich fest für eine Seite des Raumes entschieden und dort Regler verschoben, um die Zeitmaschine zu aktivieren. „Ist das auch sicher so?“, fragte ich etwas nervös. „Brauche ich keinen Schutzanzug oder etwas Ähnliches?“
„Ja, aber die Strahlung ist so stark, da nützt auch kein Anzug mehr“, antwortete mir Dr. Yes. „Was?“, keuchte ich erschrocken. „Nein, was mein werter Kollege meinte ist: alles wird gut“, wollte mich Dr. No beruhigen. „Wenn Sie wieder zurück in die Gegenwart wollen, stellen Sie sich einfach erneut auf das Podest. Darauf befindet sich ein Sensor, der uns das Signal gibt, Sie wieder zurückzuholen.“ Mit diesen Worten leitete der Doktor dann den Start ein. Eine Kugel aus grellem Licht begann mich zu umschließen. Sie war so hell, dass ich die Augen schließen musste. Ich hörte die Kittelträger gleichzeitig „Ja“ und „Nein“ rufen, allerdings von der jeweiligen Person, von der man es nicht erwartet hätte.
„Wieso fallt ihr plötzlich aus euren Rollen?“, rief ich ihnen nach, bevor alles verstummte. Es war als würde die Welt einfrieren. Kein Summen der Maschinen. Kein Räuspern. Kein Staubmilbenfurz. Totenstille. Es war immer noch zu hell, um die Augen zu öffnen. Dann vernahm ich wieder ein paar Geräusche.

Es war der Lärm einer Baustelle. Große schwere Maschinen, die polterten und krachten. Das Atmen viel mir schwer, als ob die Luft dünner geworden wäre. Das Licht verschwand wieder und ich wagte es langsam die Augen zu öffnen. Ich stand in einem großen leeren Raum. Am Ende des Raumes waren riesige Fenster angebracht. Draußen konnte ich einen Kran erkennen. Daher also der Lärm. „Wir haben Sie schon erwartet“, ertönte eine Stimme neben mir. Ich drehte mich um und sah eine seltsam gekleidete Person. Das Oberteil der Person war eine zurechtgeschnittene Einkaufstüte und um die Hüfte hatte sie ein altes Laken gewickelt. Das halbe Gesicht war von einer Atemmaske bedeckt, doch die alten toten Augen kamen mir sehr bekannt vor.
„Herr Präsident“, keuchte ich.
„Frau Präsident! Die Männer haben wir abgeschafft. Durch das ganze Östrogen im Wasser wurden die meisten von ihnen mit der Zeit sowieso immer weiblicher und die paar, die haarige Neandertaler geblieben sind, haben wir auf dem Mond ausgesetzt.“

Frau Präsident reichte mir ebenfalls eine Atemmaske, die ich dankbar annahm und sofort aufsetzte. „Warum ist die Luft hier so dünn?“, fragte ich. Die Präsidentin zeigte auf die Fenster und antwortete: „Sehen Sie selbst.“
Also schritt ich näher an die Fenster heran und mir stockte trotz Maske der Atem. Der Boden war komplett bedeckt mit Müll. Aus dem Müll ragte hin und wieder ein Turm, in denen wohl die Menschen der Zukunft lebten. Die Kräne schnappten sich im Takt einen Brocken Müll und luden ihn in Löchern ab, die in der Luft schwebten...die Wurmlöcher. Doch egal wie viel sie dort auch abluden, es wurde einfach nicht weniger.
„Wie Sie sehen, haben wir in unserer Zeit ein großes Müllproblem. Wir wissen einfach nicht mehr wohin damit. Es ist so schlimm, dass wir kaum noch neue Produkte produzieren können, weil wir sonst komplett in dem Müll ertrinken würden. Wir verwenden alles wieder und tragen es sogar als Kleidung.“ Die Präsidentin wies mit einer Geste auf ihr schräges Outfit hin. „Es fing mit ein paar Müllinseln im Ozean an. Irgendwann waren alle Weltmeere zugemüllt. Doch wir hörten einfach nicht auf. Neue iPhones, Tablets, die nächste Konsolengeneration...es war einfach alles zu verlockend. Also müllten wir auch die Kontinente zu. Wurde der Müll so hoch, dass man nicht mehr aus dem Haus rauskam, haben wir einfach noch höhere Häuser gebaut. Doch mittlerweile ist der Müll so hoch wie...wie hieß noch mal der höchste Berg der Erde?“
„Der Mount Everest?“
„Ja genau! Letzte Woche haben wir seinen Gipfel unter einem Haufen Pizzakartons begraben.“

Ich konnte nicht glauben, was mir die Präsidentin da erzählte. Sollten wir es wirklich so weit getrieben haben, ohne rechtzeitig die Reißleine zu ziehen? „Deshalb habt ihr also beschlossen euren Müll in der Vergangenheit abzuladen“, stellte ich fest.
„Ja, wir hatten keine andere Wahl. Wir mussten unsere Häuser immer höher und höher bauen. Langsam stoßen wir an den Rand der Atmosphäre. Deshalb ist die Luft hier so dünn. Aber wir wussten, dass wenn wir das tun würden, ihr jemanden herschicken würdet. Darauf waren wir vorbereitet. Sie sehen es ja selbst. Es gibt keinen anderen Ausweg.“
Die Situation schien wirklich aussichtslos. Doch ich konnte nicht einfach zurückkehren und dem Präsidenten unserer Zeit sagen, dass es keine Lösung gab. Ich zerbrach mir den Kopf. Dachte nach, wie ich nie zuvor nachgedacht hatte. Es roch ein bisschen angebrannt. Da kam mir doch tatsächlich eine Idee. „Ihr könntet euren Müll doch, statt in die Vergangenheit, in die Zukunft schicken.“
Die Präsidentin sah mich genauso an wie unser Staatschef. Wie ein Kind, mit dem sie die Geduld verlor. „Dann würde nur jemand mit einer Zeitmaschine aus der Zukunft kommen und wir hätten dasselbe Problem.“
„Sehen Sie sich doch um. Der Müll hat sie an den Rand der Atmosphäre gedrängt. Als ob die Menschheit noch eine Zukunft hätte. Da ist bestimmt keiner mehr da, der sich noch daran stört, dass die Erde weiter zugemüllt wird“, versuchte ich sie zu überzeugen.

„Hmm“, dachte die Präsidentin über meine Worte nach. „Da ist was dran. Wir könnten es ja mal ausprobieren.“
„Wunderbar“, grinste ich. „Damit wäre das Problem gelöst und ich kann wieder in meine Gegenwart zurückkehren.“ Ich schüttelte die Hand des Staatsoberhauptes und wollte mich wieder auf das Podest stellen, als sie mir noch etwas hinterherrief: „Aber wäre es nicht viel effizienter, wenn  Sie zurückkehren und allen von dieser Zukunft berichten, sodass ihr nicht dieselben Fehler macht und jetzt schon euren ganzen Müll reduziert, damit diese Zukunft gar nicht erst entsteht?“
Sie hatte schon Recht, mit dem was sie sagte. Allerdings gab es da ein Problem.
„Es tut mir Leid, aber im September kommt das neue Spider Man für die PlayStation 4 und dann noch das neue iPhone, dass wir dieses Jahr bekommen werden. Die Plastiktüten können auch viel mehr tragen, als diese blöden Papiertragetaschen, bei denen immer der Griff abreißt. Nein...ich kann unmöglich auf all das verzichten. Wir machen es so, wie wir es besprochen haben. Die Zukunft ist eure Zukunft.“
„Aber...“, wollte die Präsidentin noch widersprechen, doch ich trat bereits auf das Podest und die Kugel aus Licht begann sich wieder um mich zu schließen. Zufrieden mit mir selbst schloss ich die Augen. Ich hatte die Zukunft gerettet...oder auch nicht...je nachdem von welchem Standpunkt man es betrachtete.






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Akeem
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Re: Kurzgeschichten-Wettbewerb - ZUKUNFT

am 07.05.18 22:05


WHAT LIES AHEAD



Sie schluckte den Kloß in ihrem Hals hinab, starrte immer noch auf ihre Hände, wie sie mit dem Silberring spielte. Es war wieder ein erfolgloser Abend gewesen. Sie hatte drei Bewerbungsgespräche gehabt. Kassiererin, Personalberaterin und Gartenhelferin. Doch keines davon war sonderlich gut verlaufen. Es war noch überhaupt keines gut verlaufen, seit sie vor inzwischen sechs Monaten die Schule abgeschlossen hatte. Sie hatte keine Arbeit gefunden, nicht einmal als Aushilfe oder als Teilzeitkraft. Sie wusste noch nicht einmal, was sie nun anfangen sollte. Sie hatte keine großen Träume, die sie verwirklichen wollte. Und wenn es so weiter ging würde sie niemals eine Arbeit finden und ein eigenes Einkommen haben, um sich eine Zukunft aufbauen zu können. Und dann noch verlobt zu sein? Das ging doch zu schnell. Sie waren doch noch zu jung dazu. Wer konnte sagen ob es halten würde?
Sie zuckte zusammen, als die Haustür ins Schloss fiel. Ihr Herz schlug ihr bis zum Hals, da sie die Schritte hörte. Wie er den Flur zum Zimmer entlang ging, immer näher. Die Klinke wurde hinab gedrückt und er stand mit gehobener Braue in der Zimmertür.
"Ich bin wieder Zuhause. Wie lief's?"
Sie schrak aus ihren Gedanken und sah ihn an, nur um sich verlegen den Hinterkopf zu reiben.
"T-Tut mir leid. Willkommen Zuhause, Alexei. Ich… Naja… Nicht ganz so gut. Bei dir?"
Alexei sah sie noch einmal misstrauisch an und setzte sich neben ihr auf das Bett, ein kleines Lächeln auf den Lippen.
"Ich hab den Job. Sie waren sehr zufrieden mit mir. Und es hat mir sehr gefallen. Es… stört mich ein wenig, dass ich durch meine Mutter den Job bekommen habe… Aber ein Job ist immer noch ein Job."
Lächelnd umarmte sie ihn. "Hey, du hast eine tolle Stimme. Du hast den Job weil du dich bewiesen hast!"
Er drückte ihr einen sanften Kuss auf die Lippen. "… Sobald wir das Geld beisammen haben…", flüsterte er leise und drückte ihre Hand. Chloe wäre normalerweise bestimmt aufgeregt gewesen. Aber dieses Mal starrte sie nur auf ihre Hände… Und hatte einfach Angst. Die Zukunft war so ungewiss. Alexei hatte diverse kleine Jobs angenommen. Bei Fernsehstudios, Tonstudios, Radiostationen. Und nun hatte er endlich eine feste Anstellung bei einem Radiosender bekommen.  Aber Chloe? Während die Welt sich weiter drehte und alles weiter schritt, so schien sie nur am Fleck stehen zu bleiben.
"Was bedrückt dich?", fragte Alexei sie direkt. Sie schreckte aus ihren Gedanken und begegnete dem Blick seiner grünen Augen. Wie gerne hätte sie das alles vor ihm versteckt. Ihre Ängste. Ihre Unsicherheiten. Ihre Zweifel. Doch er durchschaute sie mit Leichtigkeit. Keine Maske, keine Schauspielerei, gar nichts konnte ihn täuschen.
"Es ist nur…", begann sie und atmete tief durch "… Ich habe Angst, verstehst du? Ich habe Angst vor der Zukunft. Vor dem was passieren wird. Was ist… wenn mich nie jemand einstellen will? Ich kann nicht den ganzen Tag herum sitzen. Wenn mein Vater davon erfährt… Er würde mir eine Predigt halten, dass ich auf ihn hätte hören sollen. Dass ich brav in seiner Firma hätte einsteigen sollen."
"Chloe-", versuchte Alexei sie zu unterbrechen, doch sie sprach einfach weiter.
"Und du… Du weißt was du anfangen wolltest. Du wolltest mit deiner Stimme etwas tun. Radio. Synchronsprecher. Du hattest einen Ansatz. Und du hast es erreicht. Aber ich… Was kann ich? Ja, ich kann tanzen. Aber das war's. Ich weiß nicht was ich machen möchte, was mein Ziel sein soll. Und dann noch… Wir!"
Verdutzt hob er eine Braue und sah zu ihrer Hand. Und dem Ring daran.
Chloe schluckte den Kloß in ihrem Hals und fuhr ruhiger fort: "Die Hochzeit… Was ist, wenn sie ins Wasser fällt? Überstürzen wir das auch nicht…? Wir sind noch so jung. Was ist wenn wir uns streiten? Und uns trennen? Wenn wir die Hochzeit absagen? Oder danach die Scheidung einreichen müssen?  Oder-"
Jäh wurde sie ins Bett gedrückt. Auch wenn Alexei kein Meister des Zeigens von Emotionen war, so erkannte Chloe eindeutig, dass er stocksauer war.
"Selbst wenn du schwanger wirst und wir nicht wissen wie uns der Kopf steht vor Stress. Selbst wenn mich der Sender rauswirft und ich mich von einem Job  zum nächsten hangeln muss. Selbst wenn die Welt in Flammen steht und der Himmel über uns einstürzt. Selbst wenn ich dich zu dem Altar schleifen muss. Wir werden heiraten. Ich kann nicht einmal sagen, 'ob du willst oder nicht', ich weiß dass du es willst. Ich weiß, dass du es kaum erwarten kannst nach einem weißen Kleid zu shoppen und die Blumen auszusuchen. Verdammt Chloe, ich kenne dich doch. Ja, wir werden streiten. Ja, es ist kein Zuckerschlecken. Ja, es wird stellenweisen schwer. Aber wir schaffen das."
"Du kennst diese Sorgen doch nicht!", kam es inzwischen weinend von ihr, nicht mehr in der Lage die Tränen zurück zu halten. Sofort legte er seine Hände auf ihre Wangen und strich ihr die Tränen weg.
"Natürlich kenne ich sie! …Ich habe genauso Sorgen. Als ich dir den Antrag gemacht habe... Ich hatte Angst, dass dein Vater mich festnehmen lassen würde, weil ich Straßenköter um die Hand seiner Prinzessin anhalte. Dass du meinen Antrag ablehnen würdest. Dass selbst deine Mutter dich davon überzeugen würde es nicht zu tun. Und sag mir… Was hast du getan?"
Chloes Unterlippe zitterte deutlich. Sie erinnerte sich gut daran. Sie war in ihrem Zimmer eingesperrt gewesen, er war vor ihrem Fenster gestanden. Und ohne zu überlegen hatte sie ihre Sachen gepackt und war mit ihm weg. War zu ihm gezogen.
"Damals hattest du bestimmt auch Bedenken. Mir ist seit dem ersten Tag klar, dass ich dich nicht verdiene. Dass du zu gut für mich bist. Aber du… du willst es nicht anders. Du hast Ja gesagt, jetzt lasse ich dich nicht mehr laufen."
Ein kleines Lachen entwich ihr. Alexei lächelte sanft auf sie hinab und schloss sie wieder in seine Arme. Chloe schloss die Augen und schaffte es endlich sich zu beruhigen. Ihre Zukunft war ungewiss, schien auf Sand gebaut zu sein. Aber sie durfte deswegen nicht vor Angst vergehen. Sie durfte den Kopf nicht so schnell in den Sand stecken.
Mit neuer Energie setzte sie sich auf und zog ihren Verlobten mit auf die Beine.
"Komm, lass uns was kochen. Du hast bestimmt Hunger. Noch dazu haben wir deine Anstellung zu feiern!", wechselte sie grinsend das Thema. Alexei ließ sich jedoch nicht so einfach mitzerren und strich Chloe über den Kopf.
"Das ist meine Chloe", murmelte er glücklich und ergriff ihre Hand. Sie spürte das kühle Metall an seiner Hand und lächelte.
Angst? Wer hatte denn jetzt Angst? Chloe konnte gerade nicht anders als der Zukunft freudig entgegen zu sehen.







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Akeem
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Re: Kurzgeschichten-Wettbewerb - ZUKUNFT

am 07.05.18 22:05


Wretched



Der Mann war Anfang seiner Zwanziger, groß gewachsen, gepflegt. Babette schaute auf die Akte auf ihrem Screen und verglich sie mit dem, was sie sah. Der Kerl hatte seine Schullaufbahn erfolgreich abgeschlossen. Ihm standen im Grunde alle Türen offen. Vor dem hohen Rat hatte er nichts zu befürchten.
Das machte es interessant und langweilig zugleich. Babette hatte schon viele Leute kommen und gehen sehen. Als sie mit der Arbeit im hohen Rat angefangen hatte, hatten sie die Schicksale dieser ganzen Menschen noch interessiert. Mittlerweile war es ihr nicht einmal mehr ein Schulterzucken wert, was mit ihnen geschah.
„Mr. Bergersen“, ergriff das oberste Ratsmitglied das Wort. Der ältere Mann saß frontal zum Hereingetretenen auf einem erhöhten Podest. Vier weitere Räte saßen jeweils zu zweit an seinen Flanken. Es musste für jeden eine imposante Erscheinung darstellen, vor dieser Wand vorzutreten.
„Sie sind an diesen Rat vorgeladen worden, da Sie Ihre schulische Laufbahn nun beendet haben und wir einen geeigneten Beruf für Sie auswählen müssen.
Ich denke, Sie sind mit dem Verfassungsvertrag um 2089 vertraut. Fürs Protokoll werde ich es Ihnen dennoch kurz erläutern, damit festgehalten ist, dass Sie die Lage, in der wir uns befinden, gehört und verstanden haben.
Aufgrund einer massiven Überbevölkerung der Menschheit ist unsere Erde soweit belastet worden, dass ihre Umwelt anfing, schädlich zu werden. Aus dieser Problematik heraus entstanden einige Regelungen, die das Wachstum erheblich mindern und eindämmen sollten. So auch der Verfassungsvertrag um 2089, Menschen nach ihren Fähigkeiten zu beurteilen und entsprechend einzusetzen. Das hat gleichzeitig zur Folge, dass Menschen ohne Wert aus der Gesellschaft ausgeschlossen werden.“
Babette erinnerte sich daran, wie sie damals über diese Formulierung gedanklich gestolpert war. Es klang danach, als würden sie die Menschen einfach nur vor die Tür setzen. Wie lächerlich.
„Haben Sie das verstanden, Mr. Bergersen?“
„Ja“, antwortete der junge Mann. Er wirkte verloren, wie er zehn Schritt entfernt vor ihnen stand und über sein Urteil wartete.
Es war mit Sicherheit kein gutes Gefühl, nach seinem Wert beurteilt zu werden, aber das hatten die Menschen ja letztlich selbst in der Hand. Babette hatte hart dafür gearbeitet, um einmal hier sitzen zu dürfen. Sie hatte es sich verdient. Für Menschen, die Arbeit nicht für nötig hielten, war einfach kein Platz mehr auf der Welt. Die Zeit der Schmarotzer und Taugenichtse war endgültig vorbei.
„Sie haben in allen Bereichen mit Bestnoten abgeschlossen. Ich sehe eine erfolgreiche Zukunft für Sie.“ Das oberste Ratsmitglied lächelte erfreut, während er die Akten und Zeugnisse auf dem Screen einsah. „Sagen Sie, welcher Bereich interessiert Sie? Bei Ihren Leistungen wage ich zu behaupten, Sie haben die freie Auswahl. Das Institut für Genetik könnte jemanden wie Sie zum Beispiel gut gebrauchen. Oder möchten Sie lieber in die Waffenindustrie einsteigen? Sie wären sicherlich eine Bereicherung.“
„Vielen Dank“, meldete sich Bergersen zu Wort. „Ich weiß Ihre Angebote sehr zu schätzen, allerdings schwebte mir etwas anderes im Kopf herum.“
„Ach ja? Dann teilen Sie es uns bitte mit.“
Bergersen schwieg für einen Moment, was Babette dazu veranlasste, die Stirn zu runzeln. Dann sagte er: „Ich würde gerne Künstler werden.“
Ein Raunen ging durch den Rat. Ungläubige Blicke tauschten sich aus und das Wispern nahm an Intensität zu, ehe der oberste Rat mit erhobener Hand dem Einhalt gebot.
„Mr. Bergersen, habe ich Sie da etwa richtig verstanden?“ Der ältere Mann konnte nicht glauben, was er da gehört hatte. „Ihnen stehen alle Türen offen und Sie erbeten allen Ernstes, dass wir Ihnen ein Leben als Künstler zusichern?“
Babette seufzte und holte ihren iCom aus der Tasche – ein kleiner Kommunikator, der das Handy Ende der 50er abgelöst hatte. Sie tippte kurz eine Nachricht an George, ihrem Verlobten. Sie hatte Lust, heute Abend schick Essen zu gehen. Das neue Restaurant am West End würde sich perfekt dazu anbieten.
„Die Kunst“, hörte sie den Kerl sprechen, „ist das einzige, was mich begeistert. Es belebt mich. Es macht mich glücklich. Es gibt meinem Leben einen Sinn. Ihre Arbeit gibt Ihnen doch auch einen, oder etwa nicht?“
Als schien er Zuspruch zu suchen, wanderten seine Augen die Reihe entlang und blieben an Babette haften. Sie allerdings sah ihm nur abschätzig entgegen und wandte ihre Aufmerksamkeit schnell ab. Mit so etwas wollte sie partout nichts zu tun haben.
„Meine Arbeit“, konterte der oberste Rat und hatte einen scharfen Ton an sich, „ist von äußerster Relevanz, Mr. Bergersen. Ihr … Wunsch hingegen ist geradezu absurd. Solange ich dieses Amt bekleide, werde ich es sicherlich nicht zulassen, dass unsere wertvollen Ressourcen damit vergeudet werden, einem Träumer das zu geben, was er will. Dieses Land braucht Arbeitskräfte, Mr. Bergersen, und keine Narren. Was also gedenken Sie zu tun, um von Wert zu sein?“
Die junge Frau erinnerte sich an einen älteren Mann, der vor einigen Tagen vorgeladen worden war. Er hatte sein Leben lang in der Chemiebranche gearbeitet, bis ein schwerer Unfall ihm das Augenlicht genommen und die Hände unbrauchbar gemacht hatte. Er wurde nach seinem Wert beurteilt und schnell hatte sich herausgestellt, dass er nichts anderes konnte. Armer Kerl. Er hatte einem fast schon Leid getan, als man ihn weggeführt hatte.
„Mr. Bergersen, wir warten.“ Die Geduld des obersten Rats hatte ihr Ende gefunden. Babette hatte ihn damals als konservativen, geradlinigen Mann mit Prinzipien kennengelernt und das war er bis heute. Einige mochten ihn für einen herzlosen Bastard halten, der etwas von seinem Rang hielt, aber sie konnten sich wirklich glücklich schätzen, einen solchen Mann an oberster Position zu haben.
Der junge Mann senkte das Haupt und es klang wie ein Seufzen, das von ihm kam. Er hatte keine Chance sich zu behaupten und das wusste er – klug genug war er ja. Also musste er den Kürzeren ziehen, musste kapitulieren und seine Rebellion beenden. Gut so, Babette hatte keine Lust wegen absurden Selbstverwirklichungsideen Überstunden zu machen. Sie wollte endlich nach Hause.
„Genetik“, murmelte er schließlich.
„In Ordnung. Wir werden Sie dem Institut für Genetik zuweisen. Sie werden im Laufe der nächsten Tage eine Nachricht vom Geschäftsführer erhalten. Der Fall ist geschlossen.“
Babette atmete erleichtert auf und lehnte sich zurück. Dann allerdings bemerkte sie den Blick, den der Mann ihr zuwarf. Sie konnte ihn nicht lesen, aber sie sah weg, als eine Gänsehaut ihren Rücken hochjagte.
„Künstler“, murmelte sie und lachte leise, um das ungute Gefühl loszuwerden, was er in ihr ausgelöst hatte.
Ihr Kollege grinste amüsiert. „Was für ein Idiot.“
Babette lachte mit, während sie ihre Unterlagen in der Tasche verstaute. Dann stand sie auf und machte sich auf den Heimweg. Sie verließ das Ratsgebäude über den Mitarbeiterausgang. Die Vergangenheit hatte gezeigt, dass Menschen sehr emotional auf Entscheidungen reagieren konnten und das Leben der Beamten dadurch gefährdet wurde. Also hatte man einen separaten Eingang geschaffen, der sie vor Wutausbrüchen und Gewaltakten bewahrte.
Draußen wartete bereits ein Taxi auf sie. Die Tür des gelben Wagens öffnete sich nach oben und sie stieg ein. Statt eines Fahrers gab es nur einen Bordcomputer, dem sie ihre Adresse mitteilte. Die Tür schloss sich und das selbstfahrende Fahrzeug reihte sich in den Verkehr ein.
Während der Fahrt checkte sie ihren iCom und las Georges Nachricht. Sie lächelte, als sie seine Zusage erhielt. Er teilte ihr mit, wann er sie von Zuhause abholte und dass er eine Überraschung für sie hätte. Na, darauf war sie gespannt.
Endlich in den eigenen vier Wänden stieg sie aus den Pumps und schlüpfte aus ihrem Business Dress, der aus einem knielangen Rock, einer Bluse und einem Blazer bestand. Alles fand mitsamt ihrer Unterwäsche einen Platz im Wäschekorb.
Sie stieg unter die Dusche und machte sich frisch. Dann ging sie ins Schlafzimmer und holte sich ihr hübsches Kleid aus dem Schrank. Das zog sie nur zu besonderen Anlässen an und heute war einer dieser Anlässe, wie sie fand.
Sie hatte gerade den letzten Knopf im Nacken geschlossen, als es an der Tür klingelte. Babette stutzte und schaute auf die Uhr. War es schon so spät? Soweit es ihr Kleid zuließ, ging sie hastig zur Tür.
„Du bist zu früh“, lachte sie, als sie diese öffnete. Im nächsten Augenblick erstarrte sie.  
Vor ihr stand nicht George, sondern ein fremder Mann. Mit einem unsanften Stoß machte er sich Platz und ließ sie zurückweichen, damit er eintreten und die Türe hinter sich schließen konnte.
„Was … Wer sind Sie? Verlassen Sie sofort mein Apartment!“, stieß Babette erschrocken hervor und stolperte weitere Schritte zurück, um Distanz zwischen ihnen aufzubauen.
„Haben Sie mich etwa schon vergessen?“, raunte der Fremde und funkelte sie zornig an. „Sie hatten mir verwehrt, meiner Bestimmung zu folgen. Wissen Sie nicht mehr?“
Babette verstand zunächst nicht und betrachtete sich das Gesicht des Mannes, ehe es ihr wie Schuppen von den Augen fiel. „Mr. Bergersen. Aber … was wollen Sie hier?“
Unerwartet lachte er. Es war kalt und leise. „Ich mache meine Arbeit, meine Liebste, und beweise dadurch, dass ich von Wert bin mit dem, was ich tue. Ich mache Kunst.“ Und er grinste mit einem Mal schief und breit, während sich ein Messer in seiner Hand wiederfand. „Aus Menschen.“








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Re: Kurzgeschichten-Wettbewerb - ZUKUNFT

am 07.05.18 22:06


Another  Space Story



Wer bin ich? Diese Frage habe ich mir wahrscheinlich öfter gestellt als gesund sein dürfte, doch wird das nie aufhören.
Ich erinnere mich noch genau an jenen Abend. Es war ein weiterer Tag in Suncity, einfach, dreckig und immer mit einem Blick hinter die eigene Schulter. Man wusste nie wann man ein weiteres Opfer eines Bandenkriegs, der Polizei oder der laufenden Bürgergefechte werden würde. Die meisten versuchten meist nur den Tag zu überleben, während andere das System bekämpften. Die wundervolle Stadt Suncity. Ein Ort der als Heimat für viele Vertriebene aus den verschiedensten Quadranten der Galaxie gelten sollte. Ein Ort an dem sie Ruhe und ein neues, sicheres Zuhause finden würden.
Ein Ort un den Kämpfen zu entkommen.
Ich selbst bin Mitglied der Shadowhunter. Eine Spezialeinheit des Marinecorps, eingesetzt an der fordersten Front um die Versorgunslinien Borks zu stören und wenn möglich dauerhaft zu zerstören und momentan zwischengelandet an diesem "wunderschönen" Ort. Unser Feind, die Borks wie wir sie nennen, eine kaum erforschte Alienrasse. Niemand wusste wo sie herkamen oder was sie wollten, doch als die ersten Planeten brannten wurde gehandelt.

Zu spät.

Mein diensthabender Befehlshaber kam vor einigen Monaten Abends zu mir. Sein Gesicht bleich wie die brüllende Gischt des Meeres. Er war sichtlich getroffen und bekam schwer die folgenden Worte heraus. Was mir zunächst Angst machte war nicht, dass er keine Worte fand. Mein Colonel war nie ein Mann großer Worte gewesen, was mich umsomehr verwunderte, dass er gerade das Gespräch mit mir suchte. Es war sein Gesichtsausdruck, Colonel Dallas war der stärkste Mann der mir jeh begegnet war. Willensstark und unerschrocken. Ich hatte ih noch nie zurückweichen sehen. selbst im Angesicht der Todes hatte er stets würde behalten und nie aufgegeben. Doch nun stand er vor mir, scheinbar gebrochen und nach Worten angelnd.
"Commander..." begann er schließlich und legte seine Hand väterlich auf meine Schulter.
"Bitte lesen die das durch." Nach einer langen Pause reichte er mir ein Dokument und fügte noch hinzu.
"Es gibt keinen Überlebenden, nicht einen. "
Hastig begann ich zu lesen. Nach wenigen Wörter packte mich der Schock. Wie eine eiskalte Hand packte es mich am Genick und blockierte jeden klaren Gedankengang.
~ New Pandoria ausgelöscht. Unbekannte Armee zerstört Planeten. Rettungsschiffe zerstört. Keine Überlebenden ~
Ich hatte es nicht einmal geschafft über die Überschrift hinaus zu lesen. New Pandoria, ein sehr grüner Planet im benachbarten System. Ein wundervoller Ort, ideal um sich niederzulassen und eine Familie großzuziehen. Das hatte ich damals meiner Frau auch gesagt.
Panisch packte ich meinen Commuicator und versuchte mir jede bekannte Nummer meiner Frau Elisabeth oder meiner zwei Töchter zu kontaktieren. Jede Nummer, jeder Account, jeder Freund oder Bekannter. Rasend versuchte ich alle Möglichkeiten durch nur um immer wieder die durchsage zu erhalten, dass der Kontaktierte Partner nicht erreichbar wäre.
Mein Puls wurde schneller und begann zu rasen.
"Das kann nicht sein... DAS KANN NICHT PASSIEREN NICHT IHNEN !" schrie ich schließlich während ich so zittern musst, dass ich mich kaum noch auf dem Stuhl halten konnte.

"Mein Beileid." sprach der Colonel ruhig.
"Wir werden morgen versetzt. Anscheinend geht die Imperial Army jetzt in die offensive. Was auch immer das war. Sie werden für das büßen was sie getan haben... verdammte Scheiße das waren Milliarden."
Ich wollte mehr schreien, ich wolte wüten, toben kämpfen TÖTEN! Ich wollte dem ganzen Frust, der Trauer, dem Hass gegen einen Gegner den ich noch nicht einmal kannte Luft machen. Während die Verzweiflung immer mehr in mir Aufstieg fühlte es sich an als würde ich jeden Moment zusammenbrechen.
"B-bitte mich entfernen zu dürfen Sir." bibberte ich während ich vor dem Colonel salutierte.
Ich wartete nicht einmal die Antwort ab und ging schnellen Schrittes aus meinem Kommando, direkt zum Trainingsgelände. Ich lief so schnell ich konnte sobald ich sicher war, dass mich niemand mehr sehen konnte.
Dort angekommen schloss ich mich in einem der am besten abgeschirmten Trainingspotts ein und startete das Programm.
Meine ganze Verzweiflung ließ ich in diesem moment Freien lauf. Die Luft um mich begann zu knistern. Bionische Implantate. Die nächste Stufe der Menschheit. Männer verbessert für die Sicherheit der Universums.
Das Programm startete, es erschuf ein künstliches Ziel um die Stärke meiens Angriffes zu Messen.
"MEINE GANZEN VERBESERUNGEN!", schrie ich mit Tränen in den Augen während meine Augen sich langsam von braun auf leuchtend hellblau färbten.
"UND WOFÜR !?" Ich schlug mit meiner Faust auf das Ziel vor mir.
"WENN ICH!", ich schlug immer weiter. "NICHT EINMAL SIE RETTEN KANN!?"
Immer mehr schlug ich auf das Ziel ein. Die Wände des Trainingspotts begannen zu ächzen.
"DIESE GANZE KRAFT! WOFÜR!?" ruhelos Schlug ich auf das Ziel ein.
Brüllend sprang ich ein paar Meter vom Ziel zurück und konzentrierte meine ganze Wut, meinen Hass meinen Schmerz auf dieses Ziel. Mir war mein Leben gerade egal, die Armee, dieses Basis, diese Welt. Alles was ich wollte war Zerstörung.
Da passierte es zum ersten mal.
Ein stechender Schmerz in meinem Kopf setzte ein und ich brüllte alles heraus. Mein Gesicht nass von den Tränen die mir unaufhörlich herunter rannen.
Ich brüllte als würde ich nie wieder ein Wort sprechen können, als wäre es das letzte mal, dass jemals jemand brüllen konnte.
Der Raum um mich ächzte lauter und knackte. Ganze Wände verbogen sich und die Ziele vor mir zerbarsten wie Wasserballons. Ich schrie so viel wie meine Lunge nur konnte während meine Kräfte die Traingsanlage in Schutt und Asche legten. Keine Wand stand mehr, keine Sicherheitsbarriere hatte gehalten. In meiner Wut hatte ich das komplette Trainingsareal zerstört.

"Mein Gott..." hörte ich den Colonel husten als er sich gerade aus einem Trümmerhaufen ausgrub.
"Wie haben sie das? Das ist nicht möglich!"
Ich blickte um mich. War ich das gewesen ? Die Barrieren konnten bis heute ohne Probleme allem standhalten was jeh ein Psyonic-Kämpfer jeh erreicht hatte und doch war nichts mehr intakt. Das ganze Gebäude vernichtet.
"Wir müssen uns unterhalten." sprach der Colonel plötzlich sehr gefasst und ruhig.
Sein blick war kaum zu deuten, doch erstaunlich ernst. War es weil ich gerade den gesammten Platz zerstört hatte? Überlegte er sich bereits welche Strafe ich dafür erhalten würde? Nein. Sein Blick sagte etwas anderes.
"In den Besprechungssaal. SOFORT! Ich werde meinen Vorgesetzten anrufen. Seien sie froh, dass um diese Uhrzeit sonst niemand trainieren war. Ich schickte gleich Männer um sie dort hin zu eskortieren." Der Colonel drehte mir den Rücken zu, klopfte sich den Staub von der Uniform und ging.
°Was habe ich getan? Was war das gerade?°
So viele Fragen waren gerade in meinem Kopf aufgetaucht. Während in meinem Kopf immer wieder die Gesichter meiner Familie auftauchten und ich versuchte zu verstehen was gerade passiert war, kämpfte ich um mein Gleichgewicht. Es war so viel auf einmal alles drehte sich. Mein Kopf wurde heiß, mein Blickfeld schwarz. Ich schmetterte zu Boden.

Als ich aufwachte saß ich im Besprechungssaal....

To be continued









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Re: Kurzgeschichten-Wettbewerb - ZUKUNFT

am 07.05.18 22:07


Monarchy is Back In Fashion



Wolfram saß auf der Dachteerasse seines Hauses und ließ seinen Blick hinunter ins Tal schweifen. Von seiner erhöhten Position aus, konnte er den größten Teil der Unterstadt überblicken, welche sich an den Hang des Hügels drängte.
Das Siedlungsgebiet wurde durch ein Bollwerk aus Panzersperren, Maschendrahtzäunen und Schützengräben begrenzt. Geschützstellungen und MG-Nester vervollständigten den Verteidigungsring, welcher sich um die Stadt zog. Jenseits der Wehranalgen erstreckten sich Felder, Weiden und Obstgärten. Ein Fluss durchschnitt das Tal und man hätte den Anblick als durchaus idyllisch bezeichnen können.
Doch auf der anderen Seite des Tales waren die Umrisse von einst mächtiger Bauwerke zu erkennen. Ein Jahrhundert des Zerfalls hatten deutliche Spuren an den Gebäuden hinterlassen und die Natur eroberte sich immer schneller die einstigen Stätten der Zivilisation zurück. Fast hundert Jahre war es nun her, dass diese Zivilisation binnen weniger Moment ihr Ende gefunden hatte und die Spuren der Katastrophe waren für denjenigen der genau hinsah noch immer überall zu entdecken.
Doch sein Blick ruhte voller Unmut auf dem Zug von Soldaten, Fahrzeugen und Wagen, welcher sich langsam durch das Tal auf die Siedlung zubewegte. Er wurde aus seinen Gedanken gerissen, als er hinter sich eine wohlbekannte recht verärgert klingende Stimme vernahm.
„Kannst du mir das hier erklären?“, forderte Corvus energisch und warf ein kleines Buch auf den Tisch an welchem Wolfram saß. Schweigend sah Wolfram seinen langjährigen Freund und Jugendgefährten an.
Beide waren Ende vierzig. In ihren Gesichtern konnte man erkennen, dass sie Schwierige  und Entbehrungsreiche Zeiten gesehen hatten. Corvus linke Gesichtshälfte war darüber hinaus von mehreren Narben entstellt, welche von seinem sorgfältig gepflegten Bart nur unzulänglich verborgen wurden. Doch Grunde war es auch nicht seine Absicht diese zu verbergen. Trug er die Verletzungen welche er sich in einer der zahlreichen Schlachten in denen er mitgekämpft hatte, doch mit gewissem Stolz zur Schau.
„Bekomme ich eine Antwort?“, fragte Corvus abermals, als sein Gegenüber keine Anstalten machte zu antworten und fügte fragend hinzu:
„Das Vorwort stammt aus deiner Feder habe ich nicht recht? Ich habe dich doch gewarnt. Halte dich von diesen Opportunisten und Republikanern fern. Mein Einfluss ist begrenzt und wenn er heraus findet, dass du hier dran beteiligt bist, dann kann auch ich dich nicht mehr schützen.“
Corvus Stimme klang nun ehrlich besorgt. Wolfram seufzte leise und nahm das kleine Büchlein, welches das herrschende politische System in Fenchelberg offen anprangerte. Scheinbar wahllos schien er darin herumzublättern, ehe er es zurück auf den Tisch legte.
„Ich konnte es ihnen nicht ausschlagen als sie mich darum baten.“, erwiderte Wolfram schließlich nach einem langen Moment des Schweigens. Corvus wies erregt hinunter ins Tal, wo der Heereszug, welcher sich auf die Stadt zubewegte mittlerweile spürbar näher gerückt war:
„Dieses Pamphlet kursiert in der ganzen Stadt. Es wird nicht lange Dauern bis Friedrich davon erfährt.“
Wolfram seufzte leise und schüttelte den Kopf.
„Du weist genau, ich stehe hinter jedem einzelnen Wort in dieser Schrift.“, stellte Wolfram leise fest und setzte bitter hinzu:
„Solltest du nicht bei den anderen Ratsmitgliedern sein um den siegreich heimkehrenden Tyrannen zu begrüßen?“
Wolframs Stimme schien vor Hohn zu triefen. Corvus hielt sich nur Mühsam zurück.
„Auch du hast ihm damals den Weg zur Macht geebnet.“, gab Corvus zu bedenken und trat resigniert an die Brüstung der Dachteerasse.
„Ja aber im Gegensatz zu dir habe ich erkannt das es ein Fehler war.“, erwiderte Wolfram.
„Du bist ein verblendete Idealist. Was haben uns Humanismus, Sozialismus und die Republik gebracht?“, schnaubte Corvus sichtbar angewidert:
„Friedrich hingegen, hat er nicht alles gehalten was er versprochen hat? Haben wir in den letzten zwanzig Jahren Hunger gelitten, wie es so oft der Fall war, als wir noch Kinder waren? Kein einziges mal sage ich dir! Fenchelberg blüht und gedeiht, Wohlstand und Sicherheit hat er uns gebracht. Unsere Nachbarn sind uns Untertan und huldigen unserer Größe. Ihm ist gelungen was die Republik vergebens versuchte. Sie war offenkundig weder in der Lage uns Sicherheit, noch Stabilität oder Wohlstand zu bescheren.“
„Ja uns geht es gut.“, stellte Wolfram fest:
„Aber wie viel Leid haben wir dafür über unsere Nachbarn gebracht? Unser Wohlstand ist geraubt, auf unseren Feldern und im Steinbruch schuften Sklaven, welche wir entführt haben. Groß und prächtig sind unsere Häuser und wie viele haben sich dafür zu Tode geschuftet? Du weist selbst wie sie mit den Sklaven im Steinbruch verfahren. Geraubt, geplündert und mit dem Blut unschuldiger ist unser Wohlstand erkauft! Aber was sage ich da, du hältst dir ja selbst ein halbes dutzend Sklaven in deinem Haushalt.“
Als Corvus nichts erwiderte fuhr Wolfram fort:
„Aber es reicht ihm immer noch nicht. Jahr für Jahr zieht er erneut aus um zu plündern und Beute zu machen. Und selbst damit ist es ja nicht genug. Hat er nicht jeden töten lassen, der nicht bereit war ihm den Treueeid zu leisten? Wir hatten hier mal so etwas wie Meinungsfreiheit. Nun erlässt er Gesetze nach seinem Gutdünken. Ihr habt ihm alle Macht gegeben und nun wird er nicht mehr von ihr lassen. König nennt er sich und er will das sein Sohn ihm nachfolgt. Befinden wir uns wieder im Mittelalter?“
Corvus wandte sich zu ihm herum und verzog spöttisch den Mund:
„Die Menschheit hat sich versucht zurück in die Steinzeit zu bomben, da haben wir es in den hundert Jahren doch schon wieder weit geschafft oder? Das letzte mal hat es Jahrtausende gedauert so weit zu kommen.
Und was seine Gesetzte betrifft... es mag sein das er auf diese Weise seine Herrschaft abgesichert hat. Das will ich nicht bestreiten. Aber viele davon erließ er einzig und allein zum Nutzen der Bewohner von Fenchelberg. Und er hat in all den Jahren nie eines seiner Gesetze übertreten. Und der Rat hat noch immer genug Macht um auch in Zukunft dafür zu sorgen, dass dies nicht geschieht.“
Wolfram schüttelte den Kopf und gedachte nichts auf diese Corvus Worte zu erwidern. Zu oft hatten sie darüber debattiert. Es war eine Kluft zwischen ihnen entstanden, welche kaum noch zu überbrücken war und das spürten beiden.
„Es ist doch seltsam... das nur wenige hier eure Meinung teilen oder?“, fuhr Corvus fort und sah wieder hinunter auf die Straße. Der Heereszug hatte mittlerweile die Wallanlagen erreicht und zog in die Stadt ein. Er würde wohl bald entlang der Hauptstraße kommen und dann würde man von hier aus einen guten Blick auf das Heer haben. Entlang der Straße hatten sich bereits viele Menschen versammelt, welche die Rückkehr der Soldaten und ihres Königs erwarteten.
„Komm her und sieh sie dir an.“, forderte Corvus seinen Freund auf und wies hinunter auf die Straße.
„Sie liebe ihren... König. Sie wissen genau was er für sie getan hat und sind ihm dankbar. Du kennst die Stimmung in der Stadt. Ihr Republikaner seid nur wenige. Es wird keinen erneuten Umsturz geben. Die Zukunft gehört Fenchelberg und Fenchelbergs Zukunft ist unweigerlich mit Friedrich und seiner Familie verknüpft.“
Wolfram antwortete nicht und erneut breitete sich Stille aus.
„Du solltest die Stadt verlassen.“, stellte Corvus schließlich leise fest, als er das schweigen brach und wies auf das Büchlein, welches noch immer auf dem Tisch lag:
„Damit bist du eindeutig zu weit gegangen. Um unserer alten Freundschaft willen rate ich dir deshalb: Geh so lange du noch kannst. Ich will nicht mit ansehen müssen, wie sie dich vor den Wällen auf einen Pfahl spießen.“
Erneut legte sich Stille über die Terrasse, welche jäh durch das Geräusch einer Faust unterbrochen wurde, die unten gegen die Tür hämmerte. Corvus schreckte je aus seinen Gedanken auf. Ein kalter Schauer lief ihm den Rücken hinunter, während Wolfram reglos auf seinem Platz verharrte. Gleich darauf waren schwere Tritte auf der Treppe zu vernehmen. Wolframs Haushälterin musste die Tür geöffnet haben. Es waren fünf Soldaten, welche das persönliche Wappen Friedrichs trugen, die auf die Dachteerasse stürmten.
„Im Namen der Regentin Catherine von Fenchelberg und des Königs ihr seid verhaftet, wegen Anstiftung zum Aufruhr und frevelhafter Rede gegen seine Majestät.“, verkündete der Anführer der Gruppe.
Corvus verharrte reglos und versuchte sich nicht anmerken zu lassen was in ihm vorging. Er hatte gehofft er hätte noch genug Zeit um seinen Freund zur Flucht zu bewegen. Doch Friedrichs Gemahlin, welche während dessen Abwesenheit die Regierungsgeschäfte führte, schien sich entschlossen zu haben rasch zu handeln. Auch wenn er seinen Freund gern geschützt hätte, so sollte er jetzt schnell überlegen wie er selbst aus dieser Angelegenheit unbeschadet herauskäme... Es würde der Regentin sicherlich zugetragen werden, dass er hier war, als man Wolfram verhaftete und jene aufrührerische Schrift lag immer noch verräterisch auf dem Tisch... Oft genug hatte er diesen sturen Esel gewarnt... vergebens.







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Re: Kurzgeschichten-Wettbewerb - ZUKUNFT

am 07.05.18 22:08


Was auch immer die Zukunft bringen wird



„Was hat das zu bedeuten? Was machst du hier, Tau, solltest du nicht bei Iota und Zeta die Brücke sichern?“ so sprudelten die Fragen aus meinem Mund, als ich noch im selben Moment des Sprechens von einer Erkenntnis ereilt wurde. „D-Der Kontakt mit euch ist vor einigen Momenten abgebrochen...“ erinnerte ich mich, „ich dachte mir schon, dass etwas passiert ist! Was ist geschehen?“ Die Frau vor mir in dem Gang zögerte einen Moment, bevor sie antwortete: „Wir... sind aufgeflogen und wurden in ein Feuergefecht verwickelt. Iota und Zeta haben es nicht geschafft...“ Sie schaute betroffen zu Boden und fuhr dann mit leiserer Stimme fort: „Ich konnte fliehen. Ich wollte euch warnen, dass wir fliehen müssen!“ Mit Mühe bewahrte ich die Fassung, dennoch musste ich meine Zähne auseinander zwängen als ich nach dem Offensichtlichen fragte: „Die Mission ist ein Fehlschlag?“ Niedergeschlagen nickte Tau, sie konnte mir nicht in die Augen sehen, ob sie sich vielleicht die Schuld dafür gab, dass unsere zwei Kameraden, die mit ihr auf dem Weg zur Kommandobrücke waren, gefallen sind? Ich weiß es nicht, Tau konnte ich noch nie gut einschätzen, aber sie hatte bis jetzt ihre Aufträge immer gewissenhaft und zufriedenstellend ausgeführt. Zumindest stand das in ihrem Bericht. Bevor dieser Mission hatte ich nie mit ihr zusammen gearbeitet. Diese Mission. Sie war die wichtigste, die jemals ausgeführt wurde, dafür wurden wir trainiert. Und sie ist fehl geschlagen... „Nein!“ sagte ich entschlossen. Wir alle wussten, was passiert, wenn wir scheitern. Das Auskundschafterschiff einer extraterrestrischen Rasse, auf welchem wir uns momentan befanden, würde die Erde bald finden und nicht kurz darauf würden ihre Streitkräfte damit beginnen, die Erde zu kolonialisieren, in etwa so wie es damals vor hunderten Jahren mit dem damaligen Kontinent Amerika geschehen ist. Natürlich, die freundlichen Eroberer würden einigen Menschen gestatten in abgesicherten Reservaten zu leben, aber es waren zu wenige. Man hatte uns die Geschichte dieser Zeit, in der wir uns nun befinden, beigebracht. Die Bevölkerung der Erde würde um mehr als dreiviertel ihrer momentaner Zahl schrumpfen, um den Neuankömmlingen Raum zum Leben zu geben. Zwar lebten die, die überlebten, nicht wie Tiere in einem Zoo, aber der Verlust war dennoch riesig. Nur ein paar wenige, eine Zahl im dreistelligen Bereich der Menschen, würde von der Erde fliehen können und sich auf diese Mission hier vorbereiten können. Wir, die nun hier in der Vergangenheit sind, sind eine Elitetruppe, die mit einer experimenteller Zeitmaschine zurück gekommen sind um eben dieses tragische Ereignis zu verhindern. „Was tust du denn da?“ fragte mich Tau als mein Finger auf dem Weg zu dem Knopf in meinem Ohr war. „Ich kontaktiere Lambda,“ meinte ich jetzt etwas irritiert, „sie soll den Sprengstoff zünden, den wir im Maschinenraum platziert hatten. Dann würden die Geschehnisse zwar nicht den geplanten Ausgang nehmen, aber vielleicht doch noch erfolgreich verlaufen!“ Ich aktivierte die Kommunikation und konnte gerade noch sagen: „Lambda, mach die Ladung scharf-“ als mich dann plötzlich ein stechender Schmerz in der rechten Hand neben meinem Ohr traf. Ungläubig blickte ich auf Tau, sie hatte ihre Waffe gezogen und auf mich gerichtet. Der Photonen-Bolzen hatte meine Hand durchbohrt und ich konnte keinen Finger mehr rühren. „Das war nicht Teil des Plans!“ zischte Tau, Strähnen ihres schwarzen Haares fielen in ihr Gesicht und machten es schwer, ihre Augen zu erkennen. „Was soll das? Wenn wir nichts tun, haben wir versagt!“ warf ich ihr entgegen, meine linke Hand umklammerte den Griff meiner Energieklinge, die ich am Gürtel trug. „Darum geht es nicht!“ erwiderte sie zornig und drückte mehrere Male ab. Sie wollte mich töten! Meine Klinge fuhr in die Luft und ich schaffte es einige weitere Bolzen abzuwehren, dennoch konnte ich nicht alle erfolgreich ablenken und so streiften mich viele, zerrissen meinen Einsatzanzug und hinter ließen Wunden. „Diese Mission soll schief gehen! Hast du mal daran gedacht, was passiert, wenn dieses Schiff die Erde nicht entdeckt und mit dem Virus im Asteroiden-Gurt zerstört wird? Wenn alles nach Plan verläuft? Wir würden die Zukunft ändern!“ Ich blinzelte ein wenig schockiert, jedoch behielt ich einen klaren Verstand. „G-genau das ist doch, wieso wir hier her geschickt wurden?“ sagte ich irritiert. Taus Stimme brach als sie sprach und ich konnte sehen, wie Tränen ihre Wangen herunter liefen. „Alles würde sich ändern! Eine ganz andere Zukunft würde eintreten, in der es uns nie geben wird!“ rief sie frustriert, „I-Ich will nicht verschwinden! Ich will leben! Auch wenn dafür diese Mission scheitern muss!“ Als sie den Kopf hob erkannte ich Wut, Trauer und Wahnsinn in ihrem Gesicht. Sie war tatsächlich wild entschlossen, das Opfer zu bringen. Sie würde so viele unschuldige Menschen opfern! Zeta und Iota hat sie wohl schon selbst getötet oder war zumindest dafür verantwortlich. Sie würde mich opfern. Und Lambda! „Das ist Wahnsinn, wie kannst du nur so egoistisch sein?“ fragte ich empört und schritt ihr entschlossen entgegen. „Woher willst du das wissen?“ fragte sie mich, hob die Waffe, und  fing erneut an, mich in einem Hagel aus Schüssen einzudecken. „Du bist genau das, wofür du geschaffen wurdest! Eine bloße Maschine ohne Emotionen!“ schrie mir Tau entgegen. Meine Klinge tanzte durch die Luft, warf Geschosse links und rechts zur Seite. Die ganze Zeit hatte ich ein Rauschen, gemischt mit unsicheren Rufen im Ohr. „Nein, du irrst dich! Ich bin einfach nur bereit mich für etwas größeres zu opfern! Genauso wie die Anderen! Alle wussten, was die Konsequenzen sein würden! Sich selbst einem wichtigeren Zeil hinzugeben, das ist es, was es heißt, menschlich zu sein!“ behauptete ich als ich näher kam. Ich spürte, wie mein rechter Oberarm getroffen wurde und auf einmal viel weniger Gewicht auf meiner Schulter lastete. „Red keinen Unsinn!“ forderte Tau als sie erneut abdrückte, aber die Waffe in ihrer Hand klickte nur ereignislos. Taus Miene wurde zorniger als sie das leere Magazin auswarf und nachladen wollte. Doch die Zeit gab ich ihr nicht. Ich konnte sie ihr nicht geben. In genau dem Moment wurde das Schiff von einer Erschütterung erfasst. Wir beide konnten uns kaum auf den Beinen halten und das volle Magazin fiel aus Taus Händen. Ein weitere folgte. Ich entschied, den Moment zu nutzen und alles auf eine Karte zu setzen. Ich schleuderte der Verräterin meine Waffe entgegen. Mit einem dumpfen Geräusch schob sich die Klinge in die Brust der Frau. Entsetzen entwickelte sich in ihrem Gesicht als sie ihre Wunde begutachtete. Mit dem selben Ausdruck schaute sie dann mich an und hob ihren Waffenarm. Ich hatte nicht mal die Gelegenheit mit Überraschung zu reagieren. Ihr war es gelungen in der kurzen Zeit mit einem zweiten Versuch nachzuladen. Und sie drückte ab als um uns herum auf einmal alles explodierte. Mein Körper wurde von dem Geschoss durchdrungen, und kurz darauf hin von den Explosionen herumgeworfen.
Ich kam wieder zu mir. Jemand sagte meinen Namen. „Delta! Delta, wach auf!“ Ich spürte etwas an meiner Wange. Zögerlich öffnete ich meine Augen. Das Bild war verschwommen. Irgendwie fehlte die Hälfte der Informationen, die mein Sehnerv erfasste. „Du bist am Leben!“ rief man mir entgegen. Ich wollte mich bewegen, doch ich konnte den rechten Arm nicht mehr bewegen und auch beide Beine schienen nicht ganz zu funktionieren. Irritiert blickte ich an mir herab. Mein rechter Arm fehlte, das rechte Bein war kurz unterhalb des Kniegelenks abgetrennt worden und das linke in der Mitte des Oberschenkels. An den Stellen trat offene Elektronik und Mechanik hervor und mein Körper war mit Dellen, verschmorter Haut und Anzugsresten überseht. Auch hier und da war mein Innenleben zu sehen. „Keine Sorge, meine Liebe, wir kriegen dich wieder hin!“ wurde mir versichert. Ich drehte den Kopf und erkannte Lambda, die mich fest in ihren Armen hielt. „Ich bin nur froh, dass ich dich finden konnte, ich war so in Sorge um dich, Delta!“ Sie drückte mich fester an sich. Mit schwacher Stimme fragte ich: „W-was ist passiert? Wieso sind wir noch da? Ist die Mission wirklich gescheitert?“ Zuerst blickte mich Lambda fragend an, dann schüttelte sie den Kopf. „Ich weiß es nicht,“ meinte sie, „aber mein Sprengstoff hat das gesamte Schiff zerlegt. Außerdem konnte ich erfahren, dass Iota es wohl doch noch geschafft hatte, den falschen Funkspruch zu senden. Ich schätze, jetzt heißt es für uns Abwarten und sehen, was die Zukunft bringen mag. Wir sind auf jeden Fall nicht verschwunden, und immer noch in der Vergangenheit. Entweder wir haben es nicht geschafft, die Menschheit zu retten, oder wir existieren dennoch weiter, obwohl die Zeit nun einen ganz anderen Lauf einnimmt. Sie hatten ja gesagt, dass man nicht vorhersagen kann, was geschehen wird. Aber wir sollten erst einmal wieder in den Raumjäger und dich wiederherstellen. Ich hatte schon die Sorge, dass deine Steuereinheit doch nicht verfehlt wurde, und du nie wieder aufwachen wirst!“ Ich lächelte schwach, Lambdas Tendenz immer so vor sich hin zu plappern war eine nette Abwechslung. Trotzdem musste ich an die arme Tau denken, die innerlich ganz zerfressen war wegen der Angst, zu verschwinden, wenn die Vergangenheit geändert wird. Ihre Angst scheint nun so unbegründet. Vielleicht war es ein Fehler der Menschen gewesen, Androiden wie uns so sehr nach sich selbst zu gestalten. Vielleicht würden Lambda und ich auch noch verschwinden, dennoch ist es wie immer ungewiss, was auch immer die Zukunft bringen wird.







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Re: Kurzgeschichten-Wettbewerb - ZUKUNFT

am 07.05.18 22:09


Am Leben



Mein Name ist Lothar und ich kämpfe.

Wir schreiben das Jahr 1148 nach Jesu Christi Geburt und wir befinden uns Syrien, vor vier Tagen begann die Belagerung von Damaskus´.
Vor vier Jahren rief der Papst den zweiten Kreuzzug zur Entlastung der Kreuzfahrerstaaten aus und nun stehe ich hier, vor dem Belagerungsturm und warte auf meinen Einsatz.
Bald würde es soweit sein, mit einem meiner Hand Schwert bewaffnet warte ich, schwitze und verfluche die Hitze.
„Angriff, stürmt die Mauer!“ brüllte jemand von hinten, plötzlich ging alles schnell,wo noch vor einigen Augenblicken die Menschen Seelenlos dreinblickten brannte nun das Feuer der Entschlossenheit in ihren Augen.
Während die Männer den Belagerungsturm hinauf stürmten, fingen sie an zu brüllen.
Ich hatte so etwas noch nicht erlebt, der Kampfschrei ging durch Mark und Bein,  plötzlich war ich von Begeisterung und Mut überwältigt, ich wollte, nein ich musste die Mauern erklimmen.
Obwohl der Erste Sturmangriff bereits einen Teil der Mauern gesichert hatte wurde dieser dennoch zurückgeschlagen und nun musste ich in der zweiten Welle nach vorne stürmen und obwohl wir dieses mal zahlenmäßig überlegen waren, verschaffte die Festung den Verteidigern einen Vorteil, so groß das auch dieser Angriff zu scheitern drohte.

Nach einigen Stunden des Kampfes war ich mir sicher, ich war der einzige der noch am Leben war, um mich  herum lagen unzählige Leichen verteilt.
Aus meinen Augenwinkeln konnte ich erkennen wie drei Sarazenen langsam versuchten einen Ring um mich zu schließen, dies muss ich verhindern, dachte sich Lothar während er sein blutverschmiertes Schwert in die rechte Hand nahm.
Mit einem lächeln stürmte der erste Sarazene von vorne auf mich zu, zwar konnte ich Ihn erfolgreich abwehren indem ich seinen Angriff parierte, doch hatte der zweite Sarazene von links nun ein leichtes Spiel, so dachte dieser zumindest.
Mit meiner linken Hand zog ich ein Wurfmesser hinter meinem Rücken hervor und schleuderte es auf den zweiten Sarazenen zu, welcher bereits mit seinem Säbel ausholte um zuzuschlagen.
Das Messer bohrte sich durch sein rechtes Auge in seinen Kopf, mehrere Schritte konnte er noch nach vorne taumeln, ehe er zu Boden sackte.
Nun versuchte der dritte Sarazene, welcher ebenfalls von links kam sein Glück, während ich mit meiner linken Hand wieder hinter meinen Rücken fuhr, blieb der dritte stehen, er versuchte meinem Wurfmesser auszuweichen, doch besaß ich kein zweites.
Während er nun stehen blieb zog ich mein Kurzschwert aus meiner Tasche und wandte mich nun voll und ganz dem ersten Fein zu, welcher bereits beidhändig seinen Säbel umklammerte und mich angriff.

Ein weiteres mal parierte ich, doch schaffte er es dieses mal mir mein Schwert aus der Hand zu schlagen, zwar bohrte sich mein Kurzschwert zwischen seinen Rippen in seinen Körper, doch hatte der dritte seine Chance erkannt, er holte aus und Schlug nach meiner Hand.
Kurz schloss ich meine Augen, der Schmerz war überwältigend, ich spürte wie Blut aus meiner Wunde schoss, ich verlor das Gefühl in meiner linken Hand und ließ das Kurzschwert los.
Als ich meine Augen wieder öffnete lag der erste Sarazene bereits zu Boden, mein Kurzschwert außer Reichweite und mein Langschwert am Boden, während mein Blick noch auf meine tiefe Wunde fixiert war holte der dritte Gegner ein weiteres mal aus, er versuchte meinen Kopf abzuschlagen, doch konnte ich rechtzeitig meinen linken Arm heben , noch bevor ich lange darüber nachdenken konnte schnitt seine Klinge in mein Fleisch, ich viel zu Boden, doch war der Sarazene überrascht sein Säbel hing in mir und er konnte ihn nicht mehr festhalten.
Er stürmte auf mich zu, entschlossen es mit seinen Fäusten zu beenden, doch war das Glück auf meiner Seite, ich fiel direkt neben mein Schwert, mit der echten Hand packte ich es und richtete die Klinge gegen Ihn, vor lauter Angst schloss ich meine Augen.
Blut strömte über meinen Körper, war ich Tod?
Langsam versuchte ich meine Augen zu öffnen, der Schmerz pochte durch meinen Körper alle meine Sinne sagten mir bin gestorben, doch betrügen sie mich, als ich meine Augen öffnete konnte ich sehen wie sich mein Schwert durch den Hals des Feindes bohrte, ich war am Leben und hatte gewonnen.
Ich war Glücklich, doch verzog sich dieses Gefühl wieder, der Schmerz gewann wieder die Oberhand, ich versuchte aufzustehen doch trugen meine Beine mich nicht,ich wurde Müde und schloss meine Augen, langsam wurde es schwarz, schwarz und kalt.
Ich bin gestorben.

Meine Bezeichnung ist MHS-9987 und ich diene.

„Simulation beendet, Die Föderation ist Siegreich“ dröhnte es durch meinen Kopf, plötzlich wurde es wieder Hell als mir jemand den Helm abnahm, „MHS-9987 du hast gewonnenen“ sprach mir jemand voller Freude zu.
Es war eine weitere Nummer, ich kannte ihn nicht besonders doch nach diesem Sieg kannten sie mich alle.
Mein Blick wanderte von den vielen Gesichtern, der anderen Nummern welche sich um meine Kapsel versammelt hatten zu meinem linken Arm.
Obwohl die wunden nur simuliert wurden,war der Schmerz jedoch echt, es würde Stunden dauern bis er verfliegen würde, wie schon so oft davor.
Einige Ärzte standen auch nicht der Menge, nicht jedoch um mich zu beglückwünschen, sondern um die Toten aus den Kapseln zu bergen, da der Schmerz real war, war es der Tod auch, ein netter Nebeneffekt, welcher gleichzeitig das Bevölkerungsproblem der Erde löste.
Nun war ich an der Reihe, während die Ärzte alle Verbindungen zwischen mir und der Kapsel, kappten nährte sich ein Regierungsmitglied, welches mich umgehend Beglückwünschte, „Ausgezeichnete Arbeit...MHS...“
sprach er zufrieden während er die Nummer von meiner Stirn las, „9987 ab Heute geht es für dich Bergauf“ fügte er zufrieden hinzu, schließlich war er für diese Abteilung verantwortlich ein Sieg würde sich gut in seiner Karriere machen.
„Dank dir haben wir die Weltmeisterschaft gewonnen und Israel wird wieder ein Europäisches Protektorat, für die nächsten vier Jahre versteht sich, bis zur nächsten Weltmeisterschaft“ erklärte der Beamte, „Doch das Interessiert dich nicht, du hast gewonnen... hast du dir schon einen Namen überlegt?“ wollte er von mir Wissen, während er mir aus der Kapsel half.
„Marcus“ lautete meine knappe Antwort, ich hatte Angst er würde mich auslachen, doch packte er mich an meiner rechten Schulter und lächelte mir entgegen, „Dann sollten wir schnell zur Meldestelle und deine Nummer entschlüsseln lassen...Marcus“ schlug er vor und nun, nun musste auch ich lächeln.

In der Meldestelle angekommen musste ich zuerst Platz nehmen, während mir ein Arzt die Nummer von der Stirn entfernte, in der zwischen Zeit erklärte mir der Besamte die nächsten Schritte.
„Zuerst wird deine Nummer entschlüsselt damit du deinen Familien Namen erfährst, danach wir dir entweder ein Männlicher oder Weiblicher Partner aus dem Partnerprogramm zugewiesen, je nach deinen Persönlichen Vorlieben“ las er schnell von einer Liste ab, plötzlich spickte er über de Rand der Liste und sah mit interessiert an „Eine Partnerin wäre mir lieber...“ stammelte ich vor mir hin, während er mit einem lächeln antwortete, „Gute Wahl, außerdem wirst du die Erlaubnis haben zwei Kinder zu behalten, alle übrigen werden in die Obhut von Beamten, so wie mir gegeben, damit Sie für die Föderation kämpfen können“ erklärte er weiter, nun verstand ich endlich warum ich diese Kämpfe machen musste, nicht weil meine Eltern gestorben waren, sondern weil ich ein Kind zu viel war.
Der Beamte konnte erkennen, das ich traurig war, anscheinend dachte er ich wüsste über mein Schicksal Bescheid, doch dem war nicht so, „Nun, weiter im Programm, dein Familienname wurde entschlüsselt“ sprach er zu mir und versuchte mich so abzulenken, „MHS Steht für Müller-Hartburg, Sohn und die Nummer 9987, ist einfach dein Generationsabschnitt, deine Kinder werden dementsprechend in der Generation 9988 sein “ erklärte er weiter, doch wollte ich nicht zuhören,ich konnte nicht fassen, das meine Eltern einfach ein Kind auf die Welt bringen würden, ohne es behalten zu können.
„Wie alt bist du Marcus“ wollte der Beamte wissen, während er sein Klemmbrett zu Seite legte.
„18 “ lautete meine kurze Antwort, ich war am Boden zerstört, kurz vor einem Nervenzusammenbruch, doch ließ der Beamte nicht locker, „Du bist 18 Jahre alt und hast  dein Leben zurück gewonnen, deine Eltern sind beide Noch am Leben, du könntest Sie besuchen“ schlug er vor, ein weiteres mal lächelte er mich an.
„Und wenn Sie mich nicht sehen möchten?“ fragte ich verzweifelt nach, ich war den Tränen nahe und wusste nicht was sich unternehmen sollte.
„Das ist das schöne an deiner Situation, als Nummer konnten Sie dich verhalten, doch Marcus Müller-Hartburg ist Frei und kann tun was er will“ machte er mir Klar während er sich erhob und mir die Hand reichte, „Und jetzt noch einmal, du bist?“ wollte er von mir Wissen, diesmal jedoch mit einer kräftigen Stimme.
Als Diener kniete ich vor allen Würdenträgern und wartete auf Anweisung doch nun nahm ich seine Hand und erhob mich, „Ich bin Marcus Müller-Hartburg und ich Lebe!“







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Re: Kurzgeschichten-Wettbewerb - ZUKUNFT

am 07.05.18 22:10


DAS ORAKEL



Vorsichtig und mit unsicherem Schritt betrat er die  kalte Halle. Eine Geste genügte und die Priesterinnen schlossen hinter ihm die Tore, ließen ihn mit mir alleine. Nervös sah er sich um, betrachtete die verzierten Steinwände und Säulen, die kostbaren Kissen und Teppiche in der Mitte des Raumes und die Kerzen, die als einzige, spärliche Lichtquelle dienten. Der Bauer legte ehrfürchtig den Korb mit Weizen auf dem Boden, den Kopf dabei gesenkt. Er war eindeutig ein armer Mann. Wie lange hätte er mit dieser Gabe wohl seine Familie ernähren können?
"Oh Orakel… Ich wurde vor kurzem mit einer kleinen Tochter gesegnet. Aber… sie ist sehr krank. Was muss ich tun um sie zu retten?", sprach er mit zitternder Stimme.
Ich sah alles vor mir. Die kleine Tochter Vaeri, funkelnde, große, braune Augen wie die ihres Vaters. Wie sie lachte und auf seinen Rücken kletterte. Sie würde leben, daran bestand kein Zweifel. Doch seine Frage war wie sie gerettet werden konnte. Natürlich sah ich auch das.
"Geht nach Hause und pflanzt versteckt Mondscheinblumen", sprach ich. Der Bauer sog scharf die Luft ein und sah sich noch einmal im Raum um, ob sie auch wirklich unter sich waren. Natürlich, immerhin zählte die Blume seit Beginn der Amtszeits des Schattenkaisers Zain zu den verbotenen Pflanzen, da sie eines der Symbole der Götter war. "Es wird ein Krieger durch euer Dorf streifen und genau nach dieser Blume suchen. Gebt sie ihm und er heilt eure Tochter. Der Krieger wird auf den Namen Seri hören. Sein schwarzes Haar überdeckt er mit einer Kapuze und eine Narbe spaltet seine linke Braue."
Der Bauer hatte Tränen in den Augen und verneigte sich tief vor mir. "Ihr müsst wahrhaftig ein Kind der Götter sein. Ich danke Euch, Orakel." Er entfernte sich von mir, bedankte sich wieder und wieder bei mir, bis er den Saal verlassen hatte. Priester eilten nach ihm schnell in die Halle und brachten den Korb Weizen weg, ohne mich dabei anzusehen. Seit man mich als Kind wegen meiner Gabe in den Tempel gebracht hatte fungierte ich als Orakel. Es war jedem verwehrt in mein Gesicht zu sehen, auch wenn es durch einen Schleier verdeckt war. Es durfte auch niemand mehr als nötig mit mir sprechen. Und mir war es untersagt den Tempel zu verlassen. Tag für Tag empfing ich Gäste, die von Nah und Fern meinen Rat ersuchten. Im ganzen Kaiserreich war bekannt, dass meine Vorhersagen immer eintraten. Deshalb suchte jeder den Weg zu mir. Dass ich in der Halle gefangen war und beinahe ständig von schrecklichen Kopfschmerzen geplagt wurde spielte dabei keine Rolle.
Die Türen wurden wenig später wieder geöffnet und ein Mann schritt herein. Seine Rüstung und die Embleme darauf verrieten, dass er einer der Offiziere des Schattenkaisers war. Offizier Haveron, ein stolzer Mann, dem viel an der Treue zu dem Kaiser lag. Er ging vor mir auf die Knie und stellte eine Truhe auf den Boden. Als er sie öffnete funkelten mich Gold und Edelsteine an.
"Orakel. Ich bin im Auftrag unseres Herrn hier. Die große Hinrichtung des ganzen Rebellentrupps steht an. Wird jemand versuchen den Kaiser zu ermorden?"
Das war keine ernste Frage. Kaiser Zain interessierte sich nicht für meine Vorhersagen. Das war eine Probe. Der Kaiser und seine Krieger trauten mir nicht. Zweifeln an meinen Fähigkeiten. Aber das war auch gut so. Ein Kind der Götter zu sein konnte als Hochverrat angesehen werden. Doch ich war keine Märchenfigur, die in Legenden unseren Herrscher zu Fall brachte.
"Orakel? Wieso antwortet Ihr nicht? …Ihr habt doch womöglich nichts zu verbergen, oder?", kam es misstrauisch von Offizier Haveron. Augenblicklich richtete ich mich auf meinem Platz etwas auf.
"Verzeiht. Aber es ist eine große Veranstaltung mit vielen Zuschauern. Es trachtet niemand nach dem Leben unseres Kaisers. Die schlimmsten Verbrechen bei der Hinrichtung werden die Diebstähle von Gold und Lebensmittel sein", gab ich zurück.
"Ihr wisst, dass Ihr des Verrates angeklagt werdet, wenn Ihr falsch liegt, nicht wahr?", kam es warnend von dem Mann in der Rüstung "laut den Legenden wird ein Kind der Götter die Regentschaft unseres Kaisers beenden... Und es ist kein Geheimnis, dass das Volk Euch als ein Kind der Götter sieht. Vielleicht habt Ihr doch etwas zu verbergen?"
"Ich habe mich noch nie geirrt. Und das wird sich auch nicht ändern. Ich bin nur ein Orakel. Ich stelle für den Kaiser keine Gefahr dar. Ich bin kein Kind der Götter, verbreitet diese Neuigkeit nur, es wäre mir recht.  Und seit darüber informiert, dass ich mir solche Anschuldigungen in meinem Tempel verbitte, Offizier Haveron", entgegnete ich entschlossen und hob stolz meinen Kopf etwas an.
Der Offizier öffnete den Mund um etwas zu sagen, doch ich hob die Hand und brachte ihn somit zum Schweigen. Er hatte seine Antwort. Mehr durfte er mit mir nicht reden… Noch dazu sah ich ihn bereits in zwei Wochen wieder kommen, um mich erneut zu befragen.
Nur widerwillig erhob er sich und verließ die Halle. Ich schloss sofort die Augen und versuchte mich zu beruhigen. Mein Kopf dröhnte. Der Schmerz hämmerte wild gegen meinen Schädel.  Doch es war so schwer alle Visionen aus meinen Gedanken zu verbannen. Es gelang mir nur äußerst selten. Die Priesterinnen Kaylessa und Kythaela betraten inzwischen die Halle und zündeten ein paar neue Kerzen an. In ihr Wachs waren Kräuter eingearbeitet, die einen wohligen Geruch an die Luft abgaben. Tief sog ich den Duft ein, schaffte es für einen Moment jeglichen Gedanken aus meinem Kopf zu verbannen. Seit ich in diesen Tempel gebracht worden war hatte ich nur wenige Möglichkeiten gehabt für einen Moment die Ruhe zu genießen. Die Kopfschmerzen in weite Ferne zu schicken.
Kaylessa, die ältere der Beiden, verneigte sich vor mir. Somit war mein Moment der Ruhe auch wieder beendet. Ich hob den Kopf und sah zu der blonden Frau. Wie gerne hätte ich, dass sie sich erhoben. Dass sie normal mit mir sprachen. Dass sie mich ansahen.
"Orakel", sprach Kaylessa. Auch ihr war es untersagt mehr als nötig zu sagen.
"Ihr könnt die Tore schließen. Es kommt heute keine Person mehr, die mein Wissen aufsucht", beantwortete ich ihre unausgesprochene Frage. Die beiden Frauen entfernten sich von mir und wollten eben die Türen der Halle schließen, da echoten Schritte durch den Flur und wenig später stürzte eine Fremde herein. Kythaela und Kaylessa starrten zuerst den Eindringling, dann mich fassungslos an. Mein Gesicht sah unter dem Schleier sicher nicht anders aus… Ich hatte niemanden kommen sehen. Es hätte niemand kommen sollen. Mein Blick in die Zukunft war noch nie falsch gewesen. Das… Das war unmöglich.
"Biete dem Orakel deine Gabe", forderte Kythaela zögerlich. Die Reisende legte den Kopf etwas schief und wühlte dann in ihrem Beutel.
"Ich habe nicht viel… aber das hier. Ich hoffe Ihr mögt es", sprach sie freundlich und zog einen kleinen Beutel hervor. Die Priesterin nahm ihn und begutachtete den Inhalt. Nur um verächtlich zu schnauben.
"Gebäck?! Ihr wisst wohl nicht wen Ihr vor Euch-"
Ich hob die Hand und brachte die Frau somit zum Schweigen. "Ich akzeptiere diese Gabe."
Zögernd verneigte sich Kythaela und reichte ihr wieder den Beutel.
"Ich verstehe es nicht", murmelte die Reisende. Ich sah zu meinem Gast und begegnete ihrem Blick. Verlor mich in Augen so blau wie der Himmel und einem Lächeln so strahlend wie die Sonne. Sofort wurde sie angewiesen mich nicht anzusehen. Doch mit schnellen, bestimmten Schritten schloss sie Distanz zwischen uns. Kythaela und Kaylessa starrten einfach ungläubig zu uns rüber
"Ich verstehe nicht, wie man sowas machen kann", wiederholte die Fremde deutlich und hob sanft meinen Schleier an, nur um mich anzulächeln "… Ihr habt doch so ein schönes Gesicht. Und bestimmt auch einen schönen Namen. Wie ist Euer Name?"
Eine Stimme so voller Wärme und Gutmütigkeit. Als hätte sich alles Gute und Schöne auf der Welt sich in einen Menschen verwandelt, nur um nun vor mir zu stehen.
"Zalena", antwortete ich mit bebender Stimme. Ich zitterte am ganzen Körper. Noch nie war mir alles so unklar. Ich sah nichts. Ich wusste nicht was kommen würde.
"Das ist ein sehr schöner Name. Zalena… Ich möchte dich etwas fragen", begann sie "du bist doch ein allwissendes Orakel. Da weißt du das bestimmt, nicht wahr? Ich bin auf der Suche nach einem alten Freund. Weißt du wo er ist?"
Auch wenn ich versuchte mich zu konzentrieren, so sah ich nichts. Die Zukunft war blank. Ich schluckte den Kloß in meinem Hals und schüttelte den Kopf.
"Ich… Ich sehe nichts… Ich… Ich weiß es nicht", kam es wimmernd von mir. Die Reisende legte sanft lächelnd die Hände auf meine Wangen und wischte mir mit den Daumen zärtlich die Tränen aus den Augenwinkeln.
"Das ist auch in Ordnung. Ist doch nicht weiter schlimm. Ich danke dir trotzdem, Zalena", sagte sie ruhig, drückte mir den Beutel mit dem Gebäck in die Hände und ehe ich mich versah war die Halle auch wieder verlassen. Die Priesterinnen schienen aus ihrer Schockstarre aufzuwachen, tuschelten etwas und schielten dabei zu mir. Kythaela eilte aus dem Raum um Wachen über den Vorfall zu informieren. Die Reisende sollte gesucht und für ihre Dreistigkeit zur Verantwortung gezogen werden. Kaylessa schenkte mir noch einen misstrauischen Blick und schloss die Tür hinter sich, ließ mich in dem viel zu großen Raum alleine.

Mit einem Mal brach das Wissen wieder auf mich ein. Ich presste die Hände keuchend an meine Schläfen. Vor meinem inneren Auge sah ich den ganzen Tempel mich misstrauisch ansehend. Ich sah Krieger, die meinem Rat nicht mehr trauten und durch Fehler den Tod fanden. Ich sah Gläubige, die mich beschuldigten keine Gesegnete der Götter zu sein. Ich sah Krieg, Prozesse und am Ende der Tod in Flammen. Der Schmerz hämmerte in meinem Kopf und raubte mir den Verstand. Neben den Visionen der Zukunft fluteten auch Geschehnisse der Vergangenheit meine Gedanken. Wie oft hatte ich einfach in dieser Halle geweint, nach einem Weg gesucht mein Leid zu beenden. Wie oft hatte ich versucht mit allen aus dem Tempel zu reden, nur um auf taube Ohren zu stoßen. Wie oft hatte ich mir schon gewünscht besagtes Kind der Götter zu sein, damit ich diesem Wahnsinn ein für alle mal entfliehen konnte.
Ich sprang auf und stürmte durch die Tür, ließ auf dem Weg meinen Schleier und meinen Schmuck fallen, trennte mich von all den Kostbarkeiten an mir. Alle Priester waren zu perplex um mich aufzuhalten, sahen mich nur mit großen Augen an. Selbst die Wachen am Eingang konnten mich nicht mehr rechtzeitig ergreifen, ich stemmte mich gegen die Doppelflügeltür und floh aus dem Tempel.
Minuten später war ich auf einer Anhöhe auf den Boden zusammen gebrochen, völlig außer Puste. Wild keuchte ich nach Luft, nach der meine Lungen verzweifelt flehten, ein grauenvoller Schmerz zehrte an meiner Seite. Doch das beachtete ich nicht. Von der Anhöhe aus konnte ich die Berge und das Tal sehen. Auf der Spitze der Berge in meiner Nähe konnte ich den Tempel erkennen, zu welchem unzählige Stufen hinauf führten. Unter mir im Tal wurden die Wälder von einem Fluss gespalten. Etwas weiter flussabwärts konnte man die Schemen von Häusern erkennen. Die Sonne ging eben unter und tauchte die Szenerie in goldenes Licht. Der frische Wind tanzte mit meinen roten Locken und die Strahlen wärmten meine Haut. Wann hatte ich das letzte Mal den Wind und die Sonne gespürt? Ich konnte mich nicht daran erinnern. Ich wusste nicht mehr wie viele Jahre ich in dem Tempel verbracht hatte. Doch nun hatte es ein Ende. Ich würde nie wieder zurückkehren!
"Zalena?", erklang eine Stimme hinter mir. Sofort sah ich über die Schulter zu der Reisenden, die mir wieder ein zartes Lächeln schenkte.
"Wer bist du…? Ich kann… die Zukunft bei dir nicht sehen. Ich verstehe nicht wieso!", keuchte ich ihr entgegen. Sie setzte sich neben mir auf den Boden und vertiefte ihr Lächeln nur.
"Ich bin das, für das man dich gehalten hat", begann sie, ignorierte wie ich scharf Luft holte " mein Name ist  Ceasis und ich suche Verbündete, die mir zur Seite stehen. Die mit mir Zains Schreckensherrschaft beenden wollen, ohne die Gefahren zu fürchten... Was sagst du Zalena, hättest du Interesse?"
Mir fehlten die Worte. Ich wusste nicht was vor mir lag. Was mich erwarten würde. Es lag alles im Ungewissen. Ich konnte nur eines sagen: egal welchen Weg ich wählte, ich würde als Verräterin hingerichtet werden… Oder?
Vor meinem inneren Auge blitzte ein Bild auf. Wir saßen an einem Lagerfeuer. Ceasis hielt einem jungen braunhaarigen Mann ein Insekt vor die Nase. Dieser fiel erschrocken rücklings vom Baumstamm. Ein dunkelblonder Jäger lachte herzlich, stieß mit seinem Ellbogen einem schwarzhaarigen Krieger ins Gesicht. Der Krieger saß mit vor der Brust verschränkten Armen da und regte keine Miene, weshalb der Jäger versuchte ihm die Kapuze vom Kopf zu ziehen, erfolglos. Ich saß mitten drin, lachte mit meinen Freunden.  
Viel zu kurz war die Vision vor meinem inneren Auge. Ich hätte gerne noch etwas länger gesehen, wie es war unter Freunden zu sein. Alleine die Vision hatte mir das Herz erwärmt, wie schön musste sich dann die Realität anfühlen?
Ich konnte meinen Weg selbst entscheiden. Das erste Mal in meinem Leben lag die Wahl in meiner Hand... Und ich nickte. Freudig fiel mir Ceasis um den Hals. Es mochte vielleicht töricht sein mich auf eine Fremde einzulassen. Aber sie hatte mich aus meinem Gefängnis geholt. Alles an ihr war etwas, was mich überraschen würde. Langsam breiteten sich weitere Visionen in meinem Kopf aus, doch sie waren anders als das stetige Hämmern der Geschehnisse. Sie waren vage, nur ein Hauch. Nicht etwas das passieren würde, etwas das passieren könnte. Die Zukunft an ihrer Seite war gefährlich. Zain und seine Krieger würden uns jagen, sie würden unser Vorankommen um einiges erschweren. Unsere Reise war ungewiss, doch diese Ungewissheit bereitete mir keine Angst. Sie weckte meine Neugier. Ich wollte die Zukunft eigenständig entdecken und selbst bestimmen.






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Re: Kurzgeschichten-Wettbewerb - ZUKUNFT

am 07.05.18 22:15
Und hier noch einmal alle Geschichten ohne unnötige Styles:

Und wieder mal nichts gelernt:

Wie jeden Samstag saß ich bei meinem Lieblings-Café und blätterte die Zeitung durch. Ich genoss die Ruhe hier. An der Straße gegenüber zwitscherten die Autos, ein laues Lüftchen hob ab und zu ein paar Röcke und die Raucher, einen Tisch weiter, sorgten dafür, dass nicht allzu viel ungesunder Sauerstoff in meinen Lungen landete. Das Tagesblatt informierte mich indes dass meine neu erworbenen Aktien um zehn Prozent gefallen sind. Doch lange konnte ich mich nicht darüber ärgern, denn ein „Platsch“ riss mich aus meinen Gedanken. Ich hob meinen Blick von der Zeitung und entdeckte eine Bananenschale in meinem Latte Macchiato. Verwundert schaute ich mich um, doch niemand war in der Nähe. Die Kellner waren im Geschäft voll und ganz damit beschäftigt, den Blicken der Gäste auszuweichen. Auch die Raucher hatten sich inzwischen verzogen. Verwirrt blickte ich nach oben, doch auch dort war bis auf zwei Tauben, die sich peinlich dabei ertappt fühlten, dass ich sie erwischt hatte, kurz bevor sie unbemerkt eine Ladung verdautes Vogelfutter auf meiner Schulter verteilen konnten, nichts Auffälliges zu sehen. 

Plötzlich knallte es laut auf der Straße. Ein Klavier landete direkt auf der Motorhaube eines im Stau stehenden Wagens. Den Insassen ist glücklicherweise nichts passiert. Geschockt stiegen sie aus und blickten sich ebenfalls fragend um, genau wie ich es noch vor ein paar Sekunden tat. Meine Neugier war geweckt. Ich lief hinüber zu der Straße und begutachtete den herabgestürzten Flügel. Erstaunlicherweise hatte auch dieser den Sturz ganz gut überstanden. „Wer sind Sie?“, fragte mich die Fahrerin des Wagens. „Keine Sorge, ich bin ein Experte“, versicherte ich ihr und drückte auf ein paar Tasten des Klaviers. Doch es gab keinen Ton von sich. „Meine Diagnose lautet: es ist kaputt.“
„Na Sie sind ja ein toller Experte“, erwiderte die Fahrerin mit verschränkten Armen und schüttelte dabei den Kopf. Auch die anderen Fahrer im Stau stiegen aus ihren Autos und betrachteten den Himmel. Ein Aufschrei ging durch die Menge. Immer mehr Dinge fielen vom Himmel. Ich erkannte einen Autoreifen, ein paar Notebooks, rostige Konservendosen, die seltene Garla Abend Barbie, allerdings fehlte ihr ein Arm. „Ob da wohl ein Flugzeug seine Fracht verliert?“, fragte ich mich laut. Doch das konnte nicht sein, denn die Sachen flogen gleichzeitig über der ganzen Stadt vom Himmel. 

Eine schwarzes Motorrad kämpfte sich durch den Stau und hielt direkt auf meinem linken Fuß. „Ouuuh“, brüllte ich vor Schmerzen und hüpfte auf und ab. „Sie Wahnsinniger, können Sie nicht auf...“, wollte ich den Fahrer anschreien, doch brach ab. Denn er öffnete das Visier seines Helms und die alten toten Augen, die mich anblickten, kamen mir nur allzu bekannt vor. 
„Herr Präsident. Was verschafft mir die Ehre?“ 
„Steigen Sie auf! Ihr Land braucht Sie“, befahl er und ich tat wie mir geheißen. 
„Sie holen mich doch sonst immer in ihrer schicken Limousine ab.“ 
„Seien Sie nicht albern. Wie soll ich denn mit der Limousine durch diesen Stau kommen?“, erwiderte der Präsident und trat aufs Gas. Wie ein Profi schlängelte er sich durch die stehenden Autos und wich dabei auch gekonnt vom Himmel fallenden Unrat aus, wie einem Krümelmonster mit nur einem Auge und einem Stapel alter Playboy-Hefte, deren Seiten mit einer mysteriösen Substanz zugeklebt wurden. Er fuhr mich zu einer großen Halle, auf der ein riesiges Neon-Schild, mit der Aufschrift „Geheimes Labor“, befestigt war. 
„Ähm...ihr wisst schon dass...“, begann ich, doch brach erneut ab. Wir hatten jetzt keine Zeit uns darüber zu streiten, immerhin ist dies nur eine Kurzgeschichte. 

Wir betraten also das „geheime“ Labor und wurden fast von zwei eifrig beschäftigten Wissenschaftlern über den Haufen gerannt, die wie aufgescheuchte Hühner durch das riesige Labor rannten, um abwechselnd auf Knöpfe zu drücken, die sich jeweils am anderen Ende des Raumes befanden. „Ja ich weiß, was Sie denken“, sagte der eine Wissenschaftler und drückte auf einen Knopf an der Südseite. „Müssen die Knöpfe soweit entfernt voneinander sein?“ 
„Nein, müssen sie nicht“, beantwortete der Wissenschaftler auf der Nordseite die Frage. „Aber so halten wir uns fit.“
„Das sind Dr. Yes und Dr. No. Unsere Experten für Zeitreisen“, stellte der Präsident mir die beiden Kittelträger vor. „Kommen Sie mit!“
Unser Staatschef führte mich an einen Tisch, an denen wir beide Platz nahmen. Auf dem Tisch lag ein Buch, dass der Präsident zu mir rüber schob. „Lesen Sie! Danach werden Sie alles verstehen.“ 
Ich nahm das Buch in die Hand und erkannte es wieder. Es war ein Geschichtsbuch, das wir früher in der Schule benutzt haben. Ich wunderte mich immer mehr über die Situation und fragte mich, was das mit den Ereignissen aus der Stadt zu tun hatte, doch dem Präsidenten zuliebe öffnete ich das Buch einfach mal. Sofort fiel mir auf, dass etwas nicht stimmte und blätterte weiter. Die Ägypter erbauten ihre Pyramiden aus zusammengepressten Schrottwürfeln, Napoleons berühmter Hut war nun ein alter Football-Helm, die Mayas beteten einen Pappaufsteller von Iron Man an, die Gladiatoren bekämpften sich mit Schaumstoffschlägern und Cäsar trug einen Kranz aus Plastikringen.

Ich sah den Präsidenten nur verständnislos an. „Wie soll mir das helfen alles zu verstehen? Ich bin jetzt noch verwirrter als zuvor.“
Der Präsident schüttelte nur den Kopf und verdrehte dabei die Augen, als ob ich ein Kind wäre, mit dem er langsam die Geduld verlieren würde, weil es nichts begriff. „Über der ganzen Stadt regnet es Müll. Doch das passiert nicht nur bei uns. Es passiert überall in der Zeit. Jemand lädt illegal seinen Müll in unserer Geschichte ab.“ 
„Ooooh.“ Jetzt kapierte ich es auch. „Deshalb also die Experten für Zeitreisen. Ich soll in die Vergangenheit reisen und dort all die Fehler wieder ausbügeln.“
„Ja, das wäre eine Möglichkeit“, sagte Dr. Yes darauf, der nun auf einen Knopf auf der Westseite drückte. 
„Aber nein, das wäre viel zu aufwendig“, korrigierte Dr. No und kam etwas erschöpft auf der Ostseite an. 
„Dr. Yes und Dr. No haben herausgefunden, dass der Müll durch Wurmlöcher in unsere Zeit geschickt wird und sie haben es geschafft, den Ursprung der Wurmlöcher zu ermitteln“, erklärte der Präsident. 
„Und wer steckt dahinter? Al-Qaida? Der IS? Der Joker?“
„Viel schlimmer: die Zukunft!“
„Ja, die Zukunft“, keuchte Dr. Yes. „Nein, diese Schweinehunde“, keuchte Dr. No. 
„Und deshalb haben unsere Experten eine Zeitmaschine gebaut, um Sie in die Zukunft zu schicken und sich um dieses Problem zu kümmern“, sagte der Präsident und rieb sich dabei die Schläfe, als ob er Kopfschmerzen hätte. 
„Ich verstehe“, erwiderte ich. „Das wurde auch langsam mal Zeit“, seufzte der Präsident. 

Die Zeitmaschine sah aus wie ein Podest aus einem Zirkus. Ich betrat das Podest, während die Wissenschaftler sich fest für eine Seite des Raumes entschieden und dort Regler verschoben, um die Zeitmaschine zu aktivieren. „Ist das auch sicher so?“, fragte ich etwas nervös. „Brauche ich keinen Schutzanzug oder etwas Ähnliches?“
„Ja, aber die Strahlung ist so stark, da nützt auch kein Anzug mehr“, antwortete mir Dr. Yes. „Was?“, keuchte ich erschrocken. „Nein, was mein werter Kollege meinte ist: alles wird gut“, wollte mich Dr. No beruhigen. „Wenn Sie wieder zurück in die Gegenwart wollen, stellen Sie sich einfach erneut auf das Podest. Darauf befindet sich ein Sensor, der uns das Signal gibt, Sie wieder zurückzuholen.“ Mit diesen Worten leitete der Doktor dann den Start ein. Eine Kugel aus grellem Licht begann mich zu umschließen. Sie war so hell, dass ich die Augen schließen musste. Ich hörte die Kittelträger gleichzeitig „Ja“ und „Nein“ rufen, allerdings von der jeweiligen Person, von der man es nicht erwartet hätte. 
„Wieso fallt ihr plötzlich aus euren Rollen?“, rief ich ihnen nach, bevor alles verstummte. Es war als würde die Welt einfrieren. Kein Summen der Maschinen. Kein Räuspern. Kein Staubmilbenfurz. Totenstille. Es war immer noch zu hell, um die Augen zu öffnen. Dann vernahm ich wieder ein paar Geräusche. 

Es war der Lärm einer Baustelle. Große schwere Maschinen, die polterten und krachten. Das Atmen viel mir schwer, als ob die Luft dünner geworden wäre. Das Licht verschwand wieder und ich wagte es langsam die Augen zu öffnen. Ich stand in einem großen leeren Raum. Am Ende des Raumes waren riesige Fenster angebracht. Draußen konnte ich einen Kran erkennen. Daher also der Lärm. „Wir haben Sie schon erwartet“, ertönte eine Stimme neben mir. Ich drehte mich um und sah eine seltsam gekleidete Person. Das Oberteil der Person war eine zurechtgeschnittene Einkaufstüte und um die Hüfte hatte sie ein altes Laken gewickelt. Das halbe Gesicht war von einer Atemmaske bedeckt, doch die alten toten Augen kamen mir sehr bekannt vor.
„Herr Präsident“, keuchte ich.
„Frau Präsident! Die Männer haben wir abgeschafft. Durch das ganze Östrogen im Wasser wurden die meisten von ihnen mit der Zeit sowieso immer weiblicher und die paar, die haarige Neandertaler geblieben sind, haben wir auf dem Mond ausgesetzt.“

Frau Präsident reichte mir ebenfalls eine Atemmaske, die ich dankbar annahm und sofort aufsetzte. „Warum ist die Luft hier so dünn?“, fragte ich. Die Präsidentin zeigte auf die Fenster und antwortete: „Sehen Sie selbst.“
Also schritt ich näher an die Fenster heran und mir stockte trotz Maske der Atem. Der Boden war komplett bedeckt mit Müll. Aus dem Müll ragte hin und wieder ein Turm, in denen wohl die Menschen der Zukunft lebten. Die Kräne schnappten sich im Takt einen Brocken Müll und luden ihn in Löchern ab, die in der Luft schwebten...die Wurmlöcher. Doch egal wie viel sie dort auch abluden, es wurde einfach nicht weniger.
„Wie Sie sehen, haben wir in unserer Zeit ein großes Müllproblem. Wir wissen einfach nicht mehr wohin damit. Es ist so schlimm, dass wir kaum noch neue Produkte produzieren können, weil wir sonst komplett in dem Müll ertrinken würden. Wir verwenden alles wieder und tragen es sogar als Kleidung.“ Die Präsidentin wies mit einer Geste auf ihr schräges Outfit hin. „Es fing mit ein paar Müllinseln im Ozean an. Irgendwann waren alle Weltmeere zugemüllt. Doch wir hörten einfach nicht auf. Neue iPhones, Tablets, die nächste Konsolengeneration...es war einfach alles zu verlockend. Also müllten wir auch die Kontinente zu. Wurde der Müll so hoch, dass man nicht mehr aus dem Haus rauskam, haben wir einfach noch höhere Häuser gebaut. Doch mittlerweile ist der Müll so hoch wie...wie hieß noch mal der höchste Berg der Erde?“
„Der Mount Everest?“
„Ja genau! Letzte Woche haben wir seinen Gipfel unter einem Haufen Pizzakartons begraben.“

Ich konnte nicht glauben, was mir die Präsidentin da erzählte. Sollten wir es wirklich so weit getrieben haben, ohne rechtzeitig die Reißleine zu ziehen? „Deshalb habt ihr also beschlossen euren Müll in der Vergangenheit abzuladen“, stellte ich fest. 
„Ja, wir hatten keine andere Wahl. Wir mussten unsere Häuser immer höher und höher bauen. Langsam stoßen wir an den Rand der Atmosphäre. Deshalb ist die Luft hier so dünn. Aber wir wussten, dass wenn wir das tun würden, ihr jemanden herschicken würdet. Darauf waren wir vorbereitet. Sie sehen es ja selbst. Es gibt keinen anderen Ausweg.“
Die Situation schien wirklich aussichtslos. Doch ich konnte nicht einfach zurückkehren und dem Präsidenten unserer Zeit sagen, dass es keine Lösung gab. Ich zerbrach mir den Kopf. Dachte nach, wie ich nie zuvor nachgedacht hatte. Es roch ein bisschen angebrannt. Da kam mir doch tatsächlich eine Idee. „Ihr könntet euren Müll doch, statt in die Vergangenheit, in die Zukunft schicken.“ 
Die Präsidentin sah mich genauso an wie unser Staatschef. Wie ein Kind, mit dem sie die Geduld verlor. „Dann würde nur jemand mit einer Zeitmaschine aus der Zukunft kommen und wir hätten dasselbe Problem.“
„Sehen Sie sich doch um. Der Müll hat sie an den Rand der Atmosphäre gedrängt. Als ob die Menschheit noch eine Zukunft hätte. Da ist bestimmt keiner mehr da, der sich noch daran stört, dass die Erde weiter zugemüllt wird“, versuchte ich sie zu überzeugen.

„Hmm“, dachte die Präsidentin über meine Worte nach. „Da ist was dran. Wir könnten es ja mal ausprobieren.“
„Wunderbar“, grinste ich. „Damit wäre das Problem gelöst und ich kann wieder in meine Gegenwart zurückkehren.“ Ich schüttelte die Hand des Staatsoberhauptes und wollte mich wieder auf das Podest stellen, als sie mir noch etwas hinterherrief: „Aber wäre es nicht viel effizienter, wenn  Sie zurückkehren und allen von dieser Zukunft berichten, sodass ihr nicht dieselben Fehler macht und jetzt schon euren ganzen Müll reduziert, damit diese Zukunft gar nicht erst entsteht?“
Sie hatte schon Recht, mit dem was sie sagte. Allerdings gab es da ein Problem.
„Es tut mir Leid, aber im September kommt das neue Spider Man für die PlayStation 4 und dann noch das neue iPhone, dass wir dieses Jahr bekommen werden. Die Plastiktüten können auch viel mehr tragen, als diese blöden Papiertragetaschen, bei denen immer der Griff abreißt. Nein...ich kann unmöglich auf all das verzichten. Wir machen es so, wie wir es besprochen haben. Die Zukunft ist eure Zukunft.“
„Aber...“, wollte die Präsidentin noch widersprechen, doch ich trat bereits auf das Podest und die Kugel aus Licht begann sich wieder um mich zu schließen. Zufrieden mit mir selbst schloss ich die Augen. Ich hatte die Zukunft gerettet...oder auch nicht...je nachdem von welchem Standpunkt man es betrachtete.

WHAT LIES AHEAD:

Sie schluckte den Kloß in ihrem Hals hinab, starrte immer noch auf ihre Hände, wie sie mit dem Silberring spielte. Es war wieder ein erfolgloser Abend gewesen. Sie hatte drei Bewerbungsgespräche gehabt. Kassiererin, Personalberaterin und Gartenhelferin. Doch keines davon war sonderlich gut verlaufen. Es war noch überhaupt keines gut verlaufen, seit sie vor inzwischen sechs Monaten die Schule abgeschlossen hatte. Sie hatte keine Arbeit gefunden, nicht einmal als Aushilfe oder als Teilzeitkraft. Sie wusste noch nicht einmal, was sie nun anfangen sollte. Sie hatte keine großen Träume, die sie verwirklichen wollte. Und wenn es so weiter ging würde sie niemals eine Arbeit finden und ein eigenes Einkommen haben, um sich eine Zukunft aufbauen zu können. Und dann noch verlobt zu sein? Das ging doch zu schnell. Sie waren doch noch zu jung dazu. Wer konnte sagen ob es halten würde?
Sie zuckte zusammen, als die Haustür ins Schloss fiel. Ihr Herz schlug ihr bis zum Hals, da sie die Schritte hörte. Wie er den Flur zum Zimmer entlang ging, immer näher. Die Klinke wurde hinab gedrückt und er stand mit gehobener Braue in der Zimmertür. 
"Ich bin wieder Zuhause. Wie lief's?"
Sie schrak aus ihren Gedanken und sah ihn an, nur um sich verlegen den Hinterkopf zu reiben. 
"T-Tut mir leid. Willkommen Zuhause, Alexei. Ich… Naja… Nicht ganz so gut. Bei dir?"
Alexei sah sie noch einmal misstrauisch an und setzte sich neben ihr auf das Bett, ein kleines Lächeln auf den Lippen.
"Ich hab den Job. Sie waren sehr zufrieden mit mir. Und es hat mir sehr gefallen. Es… stört mich ein wenig, dass ich durch meine Mutter den Job bekommen habe… Aber ein Job ist immer noch ein Job."
Lächelnd umarmte sie ihn. "Hey, du hast eine tolle Stimme. Du hast den Job weil du dich bewiesen hast!"
Er drückte ihr einen sanften Kuss auf die Lippen. "… Sobald wir das Geld beisammen haben…", flüsterte er leise und drückte ihre Hand. Chloe wäre normalerweise bestimmt aufgeregt gewesen. Aber dieses Mal starrte sie nur auf ihre Hände… Und hatte einfach Angst. Die Zukunft war so ungewiss. Alexei hatte diverse kleine Jobs angenommen. Bei Fernsehstudios, Tonstudios, Radiostationen. Und nun hatte er endlich eine feste Anstellung bei einem Radiosender bekommen.  Aber Chloe? Während die Welt sich weiter drehte und alles weiter schritt, so schien sie nur am Fleck stehen zu bleiben. 
"Was bedrückt dich?", fragte Alexei sie direkt. Sie schreckte aus ihren Gedanken und begegnete dem Blick seiner grünen Augen. Wie gerne hätte sie das alles vor ihm versteckt. Ihre Ängste. Ihre Unsicherheiten. Ihre Zweifel. Doch er durchschaute sie mit Leichtigkeit. Keine Maske, keine Schauspielerei, gar nichts konnte ihn täuschen. 
"Es ist nur…", begann sie und atmete tief durch "… Ich habe Angst, verstehst du? Ich habe Angst vor der Zukunft. Vor dem was passieren wird. Was ist… wenn mich nie jemand einstellen will? Ich kann nicht den ganzen Tag herum sitzen. Wenn mein Vater davon erfährt… Er würde mir eine Predigt halten, dass ich auf ihn hätte hören sollen. Dass ich brav in seiner Firma hätte einsteigen sollen."
"Chloe-", versuchte Alexei sie zu unterbrechen, doch sie sprach einfach weiter.
"Und du… Du weißt was du anfangen wolltest. Du wolltest mit deiner Stimme etwas tun. Radio. Synchronsprecher. Du hattest einen Ansatz. Und du hast es erreicht. Aber ich… Was kann ich? Ja, ich kann tanzen. Aber das war's. Ich weiß nicht was ich machen möchte, was mein Ziel sein soll. Und dann noch… Wir!"
Verdutzt hob er eine Braue und sah zu ihrer Hand. Und dem Ring daran. 
Chloe schluckte den Kloß in ihrem Hals und fuhr ruhiger fort: "Die Hochzeit… Was ist, wenn sie ins Wasser fällt? Überstürzen wir das auch nicht…? Wir sind noch so jung. Was ist wenn wir uns streiten? Und uns trennen? Wenn wir die Hochzeit absagen? Oder danach die Scheidung einreichen müssen?  Oder-"
Jäh wurde sie ins Bett gedrückt. Auch wenn Alexei kein Meister des Zeigens von Emotionen war, so erkannte Chloe eindeutig, dass er stocksauer war.
"Selbst wenn du schwanger wirst und wir nicht wissen wie uns der Kopf steht vor Stress. Selbst wenn mich der Sender rauswirft und ich mich von einem Job  zum nächsten hangeln muss. Selbst wenn die Welt in Flammen steht und der Himmel über uns einstürzt. Selbst wenn ich dich zu dem Altar schleifen muss. Wir werden heiraten. Ich kann nicht einmal sagen, 'ob du willst oder nicht', ich weiß dass du es willst. Ich weiß, dass du es kaum erwarten kannst nach einem weißen Kleid zu shoppen und die Blumen auszusuchen. Verdammt Chloe, ich kenne dich doch. Ja, wir werden streiten. Ja, es ist kein Zuckerschlecken. Ja, es wird stellenweisen schwer. Aber wir schaffen das."
"Du kennst diese Sorgen doch nicht!", kam es inzwischen weinend von ihr, nicht mehr in der Lage die Tränen zurück zu halten. Sofort legte er seine Hände auf ihre Wangen und strich ihr die Tränen weg.
"Natürlich kenne ich sie! …Ich habe genauso Sorgen. Als ich dir den Antrag gemacht habe... Ich hatte Angst, dass dein Vater mich festnehmen lassen würde, weil ich Straßenköter um die Hand seiner Prinzessin anhalte. Dass du meinen Antrag ablehnen würdest. Dass selbst deine Mutter dich davon überzeugen würde es nicht zu tun. Und sag mir… Was hast du getan?"
Chloes Unterlippe zitterte deutlich. Sie erinnerte sich gut daran. Sie war in ihrem Zimmer eingesperrt gewesen, er war vor ihrem Fenster gestanden. Und ohne zu überlegen hatte sie ihre Sachen gepackt und war mit ihm weg. War zu ihm gezogen. 
"Damals hattest du bestimmt auch Bedenken. Mir ist seit dem ersten Tag klar, dass ich dich nicht verdiene. Dass du zu gut für mich bist. Aber du… du willst es nicht anders. Du hast Ja gesagt, jetzt lasse ich dich nicht mehr laufen." 
Ein kleines Lachen entwich ihr. Alexei lächelte sanft auf sie hinab und schloss sie wieder in seine Arme. Chloe schloss die Augen und schaffte es endlich sich zu beruhigen. Ihre Zukunft war ungewiss, schien auf Sand gebaut zu sein. Aber sie durfte deswegen nicht vor Angst vergehen. Sie durfte den Kopf nicht so schnell in den Sand stecken.
Mit neuer Energie setzte sie sich auf und zog ihren Verlobten mit auf die Beine. 
"Komm, lass uns was kochen. Du hast bestimmt Hunger. Noch dazu haben wir deine Anstellung zu feiern!", wechselte sie grinsend das Thema. Alexei ließ sich jedoch nicht so einfach mitzerren und strich Chloe über den Kopf.
"Das ist meine Chloe", murmelte er glücklich und ergriff ihre Hand. Sie spürte das kühle Metall an seiner Hand und lächelte. 
Angst? Wer hatte denn jetzt Angst? Chloe konnte gerade nicht anders als der Zukunft freudig entgegen zu sehen.

Wretched:

Der Mann war Anfang seiner Zwanziger, groß gewachsen, gepflegt. Babette schaute auf die Akte auf ihrem Screen und verglich sie mit dem, was sie sah. Der Kerl hatte seine Schullaufbahn erfolgreich abgeschlossen. Ihm standen im Grunde alle Türen offen. Vor dem hohen Rat hatte er nichts zu befürchten.
Das machte es interessant und langweilig zugleich. Babette hatte schon viele Leute kommen und gehen sehen. Als sie mit der Arbeit im hohen Rat angefangen hatte, hatten sie die Schicksale dieser ganzen Menschen noch interessiert. Mittlerweile war es ihr nicht einmal mehr ein Schulterzucken wert, was mit ihnen geschah.
„Mr. Bergersen“, ergriff das oberste Ratsmitglied das Wort. Der ältere Mann saß frontal zum Hereingetretenen auf einem erhöhten Podest. Vier weitere Räte saßen jeweils zu zweit an seinen Flanken. Es musste für jeden eine imposante Erscheinung darstellen, vor dieser Wand vorzutreten.
„Sie sind an diesen Rat vorgeladen worden, da Sie Ihre schulische Laufbahn nun beendet haben und wir einen geeigneten Beruf für Sie auswählen müssen.
Ich denke, Sie sind mit dem Verfassungsvertrag um 2089 vertraut. Fürs Protokoll werde ich es Ihnen dennoch kurz erläutern, damit festgehalten ist, dass Sie die Lage, in der wir uns befinden, gehört und verstanden haben.
Aufgrund einer massiven Überbevölkerung der Menschheit ist unsere Erde soweit belastet worden, dass ihre Umwelt anfing, schädlich zu werden. Aus dieser Problematik heraus entstanden einige Regelungen, die das Wachstum erheblich mindern und eindämmen sollten. So auch der Verfassungsvertrag um 2089, Menschen nach ihren Fähigkeiten zu beurteilen und entsprechend einzusetzen. Das hat gleichzeitig zur Folge, dass Menschen ohne Wert aus der Gesellschaft ausgeschlossen werden.“
Babette erinnerte sich daran, wie sie damals über diese Formulierung gedanklich gestolpert war. Es klang danach, als würden sie die Menschen einfach nur vor die Tür setzen. Wie lächerlich.
„Haben Sie das verstanden, Mr. Bergersen?“
„Ja“, antwortete der junge Mann. Er wirkte verloren, wie er zehn Schritt entfernt vor ihnen stand und über sein Urteil wartete.
Es war mit Sicherheit kein gutes Gefühl, nach seinem Wert beurteilt zu werden, aber das hatten die Menschen ja letztlich selbst in der Hand. Babette hatte hart dafür gearbeitet, um einmal hier sitzen zu dürfen. Sie hatte es sich verdient. Für Menschen, die Arbeit nicht für nötig hielten, war einfach kein Platz mehr auf der Welt. Die Zeit der Schmarotzer und Taugenichtse war endgültig vorbei.
„Sie haben in allen Bereichen mit Bestnoten abgeschlossen. Ich sehe eine erfolgreiche Zukunft für Sie.“ Das oberste Ratsmitglied lächelte erfreut, während er die Akten und Zeugnisse auf dem Screen einsah. „Sagen Sie, welcher Bereich interessiert Sie? Bei Ihren Leistungen wage ich zu behaupten, Sie haben die freie Auswahl. Das Institut für Genetik könnte jemanden wie Sie zum Beispiel gut gebrauchen. Oder möchten Sie lieber in die Waffenindustrie einsteigen? Sie wären sicherlich eine Bereicherung.“
„Vielen Dank“, meldete sich Bergersen zu Wort. „Ich weiß Ihre Angebote sehr zu schätzen, allerdings schwebte mir etwas anderes im Kopf herum.“
„Ach ja? Dann teilen Sie es uns bitte mit.“
Bergersen schwieg für einen Moment, was Babette dazu veranlasste, die Stirn zu runzeln. Dann sagte er: „Ich würde gerne Künstler werden.“
Ein Raunen ging durch den Rat. Ungläubige Blicke tauschten sich aus und das Wispern nahm an Intensität zu, ehe der oberste Rat mit erhobener Hand dem Einhalt gebot.
„Mr. Bergersen, habe ich Sie da etwa richtig verstanden?“ Der ältere Mann konnte nicht glauben, was er da gehört hatte. „Ihnen stehen alle Türen offen und Sie erbeten allen Ernstes, dass wir Ihnen ein Leben als Künstler zusichern?“
Babette seufzte und holte ihren iCom aus der Tasche – ein kleiner Kommunikator, der das Handy Ende der 50er abgelöst hatte. Sie tippte kurz eine Nachricht an George, ihrem Verlobten. Sie hatte Lust, heute Abend schick Essen zu gehen. Das neue Restaurant am West End würde sich perfekt dazu anbieten.
„Die Kunst“, hörte sie den Kerl sprechen, „ist das einzige, was mich begeistert. Es belebt mich. Es macht mich glücklich. Es gibt meinem Leben einen Sinn. Ihre Arbeit gibt Ihnen doch auch einen, oder etwa nicht?“
Als schien er Zuspruch zu suchen, wanderten seine Augen die Reihe entlang und blieben an Babette haften. Sie allerdings sah ihm nur abschätzig entgegen und wandte ihre Aufmerksamkeit schnell ab. Mit so etwas wollte sie partout nichts zu tun haben.
„Meine Arbeit“, konterte der oberste Rat und hatte einen scharfen Ton an sich, „ist von äußerster Relevanz, Mr. Bergersen. Ihr … Wunsch hingegen ist geradezu absurd. Solange ich dieses Amt bekleide, werde ich es sicherlich nicht zulassen, dass unsere wertvollen Ressourcen damit vergeudet werden, einem Träumer das zu geben, was er will. Dieses Land braucht Arbeitskräfte, Mr. Bergersen, und keine Narren. Was also gedenken Sie zu tun, um von Wert zu sein?“
Die junge Frau erinnerte sich an einen älteren Mann, der vor einigen Tagen vorgeladen worden war. Er hatte sein Leben lang in der Chemiebranche gearbeitet, bis ein schwerer Unfall ihm das Augenlicht genommen und die Hände unbrauchbar gemacht hatte. Er wurde nach seinem Wert beurteilt und schnell hatte sich herausgestellt, dass er nichts anderes konnte. Armer Kerl. Er hatte einem fast schon Leid getan, als man ihn weggeführt hatte.
„Mr. Bergersen, wir warten.“ Die Geduld des obersten Rats hatte ihr Ende gefunden. Babette hatte ihn damals als konservativen, geradlinigen Mann mit Prinzipien kennengelernt und das war er bis heute. Einige mochten ihn für einen herzlosen Bastard halten, der etwas von seinem Rang hielt, aber sie konnten sich wirklich glücklich schätzen, einen solchen Mann an oberster Position zu haben.
Der junge Mann senkte das Haupt und es klang wie ein Seufzen, das von ihm kam. Er hatte keine Chance sich zu behaupten und das wusste er – klug genug war er ja. Also musste er den Kürzeren ziehen, musste kapitulieren und seine Rebellion beenden. Gut so, Babette hatte keine Lust wegen absurden Selbstverwirklichungsideen Überstunden zu machen. Sie wollte endlich nach Hause.
„Genetik“, murmelte er schließlich.
„In Ordnung. Wir werden Sie dem Institut für Genetik zuweisen. Sie werden im Laufe der nächsten Tage eine Nachricht vom Geschäftsführer erhalten. Der Fall ist geschlossen.“
Babette atmete erleichtert auf und lehnte sich zurück. Dann allerdings bemerkte sie den Blick, den der Mann ihr zuwarf. Sie konnte ihn nicht lesen, aber sie sah weg, als eine Gänsehaut ihren Rücken hochjagte.
„Künstler“, murmelte sie und lachte leise, um das ungute Gefühl loszuwerden, was er in ihr ausgelöst hatte.
Ihr Kollege grinste amüsiert. „Was für ein Idiot.“
Babette lachte mit, während sie ihre Unterlagen in der Tasche verstaute. Dann stand sie auf und machte sich auf den Heimweg. Sie verließ das Ratsgebäude über den Mitarbeiterausgang. Die Vergangenheit hatte gezeigt, dass Menschen sehr emotional auf Entscheidungen reagieren konnten und das Leben der Beamten dadurch gefährdet wurde. Also hatte man einen separaten Eingang geschaffen, der sie vor Wutausbrüchen und Gewaltakten bewahrte.
Draußen wartete bereits ein Taxi auf sie. Die Tür des gelben Wagens öffnete sich nach oben und sie stieg ein. Statt eines Fahrers gab es nur einen Bordcomputer, dem sie ihre Adresse mitteilte. Die Tür schloss sich und das selbstfahrende Fahrzeug reihte sich in den Verkehr ein.
Während der Fahrt checkte sie ihren iCom und las Georges Nachricht. Sie lächelte, als sie seine Zusage erhielt. Er teilte ihr mit, wann er sie von Zuhause abholte und dass er eine Überraschung für sie hätte. Na, darauf war sie gespannt.
Endlich in den eigenen vier Wänden stieg sie aus den Pumps und schlüpfte aus ihrem Business Dress, der aus einem knielangen Rock, einer Bluse und einem Blazer bestand. Alles fand mitsamt ihrer Unterwäsche einen Platz im Wäschekorb.
Sie stieg unter die Dusche und machte sich frisch. Dann ging sie ins Schlafzimmer und holte sich ihr hübsches Kleid aus dem Schrank. Das zog sie nur zu besonderen Anlässen an und heute war einer dieser Anlässe, wie sie fand.
Sie hatte gerade den letzten Knopf im Nacken geschlossen, als es an der Tür klingelte. Babette stutzte und schaute auf die Uhr. War es schon so spät? Soweit es ihr Kleid zuließ, ging sie hastig zur Tür.
„Du bist zu früh“, lachte sie, als sie diese öffnete. Im nächsten Augenblick erstarrte sie.  
Vor ihr stand nicht George, sondern ein fremder Mann. Mit einem unsanften Stoß machte er sich Platz und ließ sie zurückweichen, damit er eintreten und die Türe hinter sich schließen konnte.
„Was … Wer sind Sie? Verlassen Sie sofort mein Apartment!“, stieß Babette erschrocken hervor und stolperte weitere Schritte zurück, um Distanz zwischen ihnen aufzubauen.
„Haben Sie mich etwa schon vergessen?“, raunte der Fremde und funkelte sie zornig an. „Sie hatten mir verwehrt, meiner Bestimmung zu folgen. Wissen Sie nicht mehr?“
Babette verstand zunächst nicht und betrachtete sich das Gesicht des Mannes, ehe es ihr wie Schuppen von den Augen fiel. „Mr. Bergersen. Aber … was wollen Sie hier?“
Unerwartet lachte er. Es war kalt und leise. „Ich mache meine Arbeit, meine Liebste, und beweise dadurch, dass ich von Wert bin mit dem, was ich tue. Ich mache Kunst.“ Und er grinste mit einem Mal schief und breit, während sich ein Messer in seiner Hand wiederfand. „Aus Menschen.“
Another Space Story:

Wer bin ich? Diese Frage habe ich mir wahrscheinlich öfter gestellt als gesund sein dürfte, doch wird das nie aufhören. 
Ich erinnere mich noch genau an jenen Abend. Es war ein weiterer Tag in Suncity, einfach, dreckig und immer mit einem Blick hinter die eigene Schulter. Man wusste nie wann man ein weiteres Opfer eines Bandenkriegs, der Polizei oder der laufenden Bürgergefechte werden würde. Die meisten versuchten meist nur den Tag zu überleben, während andere das System bekämpften. Die wundervolle Stadt Suncity. Ein Ort der als Heimat für viele Vertriebene aus den verschiedensten Quadranten der Galaxie gelten sollte. Ein Ort an dem sie Ruhe und ein neues, sicheres Zuhause finden würden.
Ein Ort un den Kämpfen zu entkommen.
Ich selbst bin Mitglied der Shadowhunter. Eine Spezialeinheit des Marinecorps, eingesetzt an der fordersten Front um die Versorgunslinien Borks zu stören und wenn möglich dauerhaft zu zerstören und momentan zwischengelandet an diesem "wunderschönen" Ort. Unser Feind, die Borks wie wir sie nennen, eine kaum erforschte Alienrasse. Niemand wusste wo sie herkamen oder was sie wollten, doch als die ersten Planeten brannten wurde gehandelt. 

Zu spät.

Mein diensthabender Befehlshaber kam vor einigen Monaten Abends zu mir. Sein Gesicht bleich wie die brüllende Gischt des Meeres. Er war sichtlich getroffen und bekam schwer die folgenden Worte heraus. Was mir zunächst Angst machte war nicht, dass er keine Worte fand. Mein Colonel war nie ein Mann großer Worte gewesen, was mich umsomehr verwunderte, dass er gerade das Gespräch mit mir suchte. Es war sein Gesichtsausdruck, Colonel Dallas war der stärkste Mann der mir jeh begegnet war. Willensstark und unerschrocken. Ich hatte ih noch nie zurückweichen sehen. selbst im Angesicht der Todes hatte er stets würde behalten und nie aufgegeben. Doch nun stand er vor mir, scheinbar gebrochen und nach Worten angelnd.
"Commander..." begann er schließlich und legte seine Hand väterlich auf meine Schulter.
"Bitte lesen die das durch." Nach einer langen Pause reichte er mir ein Dokument und fügte noch hinzu. 
"Es gibt keinen Überlebenden, nicht einen. "
Hastig begann ich zu lesen. Nach wenigen Wörter packte mich der Schock. Wie eine eiskalte Hand packte es mich am Genick und blockierte jeden klaren Gedankengang.
~ New Pandoria ausgelöscht. Unbekannte Armee zerstört Planeten. Rettungsschiffe zerstört. Keine Überlebenden ~
Ich hatte es nicht einmal geschafft über die Überschrift hinaus zu lesen. New Pandoria, ein sehr grüner Planet im benachbarten System. Ein wundervoller Ort, ideal um sich niederzulassen und eine Familie großzuziehen. Das hatte ich damals meiner Frau auch gesagt. 
Panisch packte ich meinen Commuicator und versuchte mir jede bekannte Nummer meiner Frau Elisabeth oder meiner zwei Töchter zu kontaktieren. Jede Nummer, jeder Account, jeder Freund oder Bekannter. Rasend versuchte ich alle Möglichkeiten durch nur um immer wieder die durchsage zu erhalten, dass der Kontaktierte Partner nicht erreichbar wäre.
Mein Puls wurde schneller und begann zu rasen. 
"Das kann nicht sein... DAS KANN NICHT PASSIEREN NICHT IHNEN !" schrie ich schließlich während ich so zittern musst, dass ich mich kaum noch auf dem Stuhl halten konnte.

"Mein Beileid." sprach der Colonel ruhig.
"Wir werden morgen versetzt. Anscheinend geht die Imperial Army jetzt in die offensive. Was auch immer das war. Sie werden für das büßen was sie getan haben... verdammte Scheiße das waren Milliarden."
Ich wollte mehr schreien, ich wolte wüten, toben kämpfen TÖTEN! Ich wollte dem ganzen Frust, der Trauer, dem Hass gegen einen Gegner den ich noch nicht einmal kannte Luft machen. Während die Verzweiflung immer mehr in mir Aufstieg fühlte es sich an als würde ich jeden Moment zusammenbrechen.
"B-bitte mich entfernen zu dürfen Sir." bibberte ich während ich vor dem Colonel salutierte.
Ich wartete nicht einmal die Antwort ab und ging schnellen Schrittes aus meinem Kommando, direkt zum Trainingsgelände. Ich lief so schnell ich konnte sobald ich sicher war, dass mich niemand mehr sehen konnte.
Dort angekommen schloss ich mich in einem der am besten abgeschirmten Trainingspotts ein und startete das Programm. 
Meine ganze Verzweiflung ließ ich in diesem moment Freien lauf. Die Luft um mich begann zu knistern. Bionische Implantate. Die nächste Stufe der Menschheit. Männer verbessert für die Sicherheit der Universums.
Das Programm startete, es erschuf ein künstliches Ziel um die Stärke meiens Angriffes zu Messen.
"MEINE GANZEN VERBESERUNGEN!", schrie ich mit Tränen in den Augen während meine Augen sich langsam von braun auf leuchtend hellblau färbten.
"UND WOFÜR !?" Ich schlug mit meiner Faust auf das Ziel vor mir.
"WENN ICH!", ich schlug immer weiter. "NICHT EINMAL SIE RETTEN KANN!?"
Immer mehr schlug ich auf das Ziel ein. Die Wände des Trainingspotts begannen zu ächzen.
"DIESE GANZE KRAFT! WOFÜR!?" ruhelos Schlug ich auf das Ziel ein. 
Brüllend sprang ich ein paar Meter vom Ziel zurück und konzentrierte meine ganze Wut, meinen Hass meinen Schmerz auf dieses Ziel. Mir war mein Leben gerade egal, die Armee, dieses Basis, diese Welt. Alles was ich wollte war Zerstörung. 
Da passierte es zum ersten mal. 
Ein stechender Schmerz in meinem Kopf setzte ein und ich brüllte alles heraus. Mein Gesicht nass von den Tränen die mir unaufhörlich herunter rannen.
Ich brüllte als würde ich nie wieder ein Wort sprechen können, als wäre es das letzte mal, dass jemals jemand brüllen konnte.
Der Raum um mich ächzte lauter und knackte. Ganze Wände verbogen sich und die Ziele vor mir zerbarsten wie Wasserballons. Ich schrie so viel wie meine Lunge nur konnte während meine Kräfte die Traingsanlage in Schutt und Asche legten. Keine Wand stand mehr, keine Sicherheitsbarriere hatte gehalten. In meiner Wut hatte ich das komplette Trainingsareal zerstört.

"Mein Gott..." hörte ich den Colonel husten als er sich gerade aus einem Trümmerhaufen ausgrub. 
"Wie haben sie das? Das ist nicht möglich!"
Ich blickte um mich. War ich das gewesen ? Die Barrieren konnten bis heute ohne Probleme allem standhalten was jeh ein Psyonic-Kämpfer jeh erreicht hatte und doch war nichts mehr intakt. Das ganze Gebäude vernichtet.
"Wir müssen uns unterhalten." sprach der Colonel plötzlich sehr gefasst und ruhig.
Sein blick war kaum zu deuten, doch erstaunlich ernst. War es weil ich gerade den gesammten Platz zerstört hatte? Überlegte er sich bereits welche Strafe ich dafür erhalten würde? Nein. Sein Blick sagte etwas anderes.
"In den Besprechungssaal. SOFORT! Ich werde meinen Vorgesetzten anrufen. Seien sie froh, dass um diese Uhrzeit sonst niemand trainieren war. Ich schickte gleich Männer um sie dort hin zu eskortieren." Der Colonel drehte mir den Rücken zu, klopfte sich den Staub von der Uniform und ging.
°Was habe ich getan? Was war das gerade?°
So viele Fragen waren gerade in meinem Kopf aufgetaucht. Während in meinem Kopf immer wieder die Gesichter meiner Familie auftauchten und ich versuchte zu verstehen was gerade passiert war, kämpfte ich um mein Gleichgewicht. Es war so viel auf einmal alles drehte sich. Mein Kopf wurde heiß, mein Blickfeld schwarz. Ich schmetterte zu Boden.

Als ich aufwachte saß ich im Besprechungssaal....

To be continued

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Re: Kurzgeschichten-Wettbewerb - ZUKUNFT

am 07.05.18 22:15
Monarchy is Back In Fashion:

Wolfram saß auf der Dachteerasse seines Hauses und ließ seinen Blick hinunter ins Tal schweifen. Von seiner erhöhten Position aus, konnte er den größten Teil der Unterstadt überblicken, welche sich an den Hang des Hügels drängte. 
Das Siedlungsgebiet wurde durch ein Bollwerk aus Panzersperren, Maschendrahtzäunen und Schützengräben begrenzt. Geschützstellungen und MG-Nester vervollständigten den Verteidigungsring, welcher sich um die Stadt zog. Jenseits der Wehranalgen erstreckten sich Felder, Weiden und Obstgärten. Ein Fluss durchschnitt das Tal und man hätte den Anblick als durchaus idyllisch bezeichnen können. 
Doch auf der anderen Seite des Tales waren die Umrisse von einst mächtiger Bauwerke zu erkennen. Ein Jahrhundert des Zerfalls hatten deutliche Spuren an den Gebäuden hinterlassen und die Natur eroberte sich immer schneller die einstigen Stätten der Zivilisation zurück. Fast hundert Jahre war es nun her, dass diese Zivilisation binnen weniger Moment ihr Ende gefunden hatte und die Spuren der Katastrophe waren für denjenigen der genau hinsah noch immer überall zu entdecken. 
Doch sein Blick ruhte voller Unmut auf dem Zug von Soldaten, Fahrzeugen und Wagen, welcher sich langsam durch das Tal auf die Siedlung zubewegte. Er wurde aus seinen Gedanken gerissen, als er hinter sich eine wohlbekannte recht verärgert klingende Stimme vernahm. 
„Kannst du mir das hier erklären?“, forderte Corvus energisch und warf ein kleines Buch auf den Tisch an welchem Wolfram saß. Schweigend sah Wolfram seinen langjährigen Freund und Jugendgefährten an. 
Beide waren Ende vierzig. In ihren Gesichtern konnte man erkennen, dass sie Schwierige  und Entbehrungsreiche Zeiten gesehen hatten. Corvus linke Gesichtshälfte war darüber hinaus von mehreren Narben entstellt, welche von seinem sorgfältig gepflegten Bart nur unzulänglich verborgen wurden. Doch Grunde war es auch nicht seine Absicht diese zu verbergen. Trug er die Verletzungen welche er sich in einer der zahlreichen Schlachten in denen er mitgekämpft hatte, doch mit gewissem Stolz zur Schau.
„Bekomme ich eine Antwort?“, fragte Corvus abermals, als sein Gegenüber keine Anstalten machte zu antworten und fügte fragend hinzu:
„Das Vorwort stammt aus deiner Feder habe ich nicht recht? Ich habe dich doch gewarnt. Halte dich von diesen Opportunisten und Republikanern fern. Mein Einfluss ist begrenzt und wenn er heraus findet, dass du hier dran beteiligt bist, dann kann auch ich dich nicht mehr schützen.“
Corvus Stimme klang nun ehrlich besorgt. Wolfram seufzte leise und nahm das kleine Büchlein, welches das herrschende politische System in Fenchelberg offen anprangerte. Scheinbar wahllos schien er darin herumzublättern, ehe er es zurück auf den Tisch legte.
„Ich konnte es ihnen nicht ausschlagen als sie mich darum baten.“, erwiderte Wolfram schließlich nach einem langen Moment des Schweigens. Corvus wies erregt hinunter ins Tal, wo der Heereszug, welcher sich auf die Stadt zubewegte mittlerweile spürbar näher gerückt war:
„Dieses Pamphlet kursiert in der ganzen Stadt. Es wird nicht lange Dauern bis Friedrich davon erfährt.“ 
Wolfram seufzte leise und schüttelte den Kopf.
„Du weist genau, ich stehe hinter jedem einzelnen Wort in dieser Schrift.“, stellte Wolfram leise fest und setzte bitter hinzu:
„Solltest du nicht bei den anderen Ratsmitgliedern sein um den siegreich heimkehrenden Tyrannen zu begrüßen?“
Wolframs Stimme schien vor Hohn zu triefen. Corvus hielt sich nur Mühsam zurück. 
„Auch du hast ihm damals den Weg zur Macht geebnet.“, gab Corvus zu bedenken und trat resigniert an die Brüstung der Dachteerasse.
„Ja aber im Gegensatz zu dir habe ich erkannt das es ein Fehler war.“, erwiderte Wolfram.
„Du bist ein verblendete Idealist. Was haben uns Humanismus, Sozialismus und die Republik gebracht?“, schnaubte Corvus sichtbar angewidert:
„Friedrich hingegen, hat er nicht alles gehalten was er versprochen hat? Haben wir in den letzten zwanzig Jahren Hunger gelitten, wie es so oft der Fall war, als wir noch Kinder waren? Kein einziges mal sage ich dir! Fenchelberg blüht und gedeiht, Wohlstand und Sicherheit hat er uns gebracht. Unsere Nachbarn sind uns Untertan und huldigen unserer Größe. Ihm ist gelungen was die Republik vergebens versuchte. Sie war offenkundig weder in der Lage uns Sicherheit, noch Stabilität oder Wohlstand zu bescheren.“
„Ja uns geht es gut.“, stellte Wolfram fest:
„Aber wie viel Leid haben wir dafür über unsere Nachbarn gebracht? Unser Wohlstand ist geraubt, auf unseren Feldern und im Steinbruch schuften Sklaven, welche wir entführt haben. Groß und prächtig sind unsere Häuser und wie viele haben sich dafür zu Tode geschuftet? Du weist selbst wie sie mit den Sklaven im Steinbruch verfahren. Geraubt, geplündert und mit dem Blut unschuldiger ist unser Wohlstand erkauft! Aber was sage ich da, du hältst dir ja selbst ein halbes dutzend Sklaven in deinem Haushalt.“
Als Corvus nichts erwiderte fuhr Wolfram fort:
„Aber es reicht ihm immer noch nicht. Jahr für Jahr zieht er erneut aus um zu plündern und Beute zu machen. Und selbst damit ist es ja nicht genug. Hat er nicht jeden töten lassen, der nicht bereit war ihm den Treueeid zu leisten? Wir hatten hier mal so etwas wie Meinungsfreiheit. Nun erlässt er Gesetze nach seinem Gutdünken. Ihr habt ihm alle Macht gegeben und nun wird er nicht mehr von ihr lassen. König nennt er sich und er will das sein Sohn ihm nachfolgt. Befinden wir uns wieder im Mittelalter?“
Corvus wandte sich zu ihm herum und verzog spöttisch den Mund:
„Die Menschheit hat sich versucht zurück in die Steinzeit zu bomben, da haben wir es in den hundert Jahren doch schon wieder weit geschafft oder? Das letzte mal hat es Jahrtausende gedauert so weit zu kommen.
Und was seine Gesetzte betrifft... es mag sein das er auf diese Weise seine Herrschaft abgesichert hat. Das will ich nicht bestreiten. Aber viele davon erließ er einzig und allein zum Nutzen der Bewohner von Fenchelberg. Und er hat in all den Jahren nie eines seiner Gesetze übertreten. Und der Rat hat noch immer genug Macht um auch in Zukunft dafür zu sorgen, dass dies nicht geschieht.“
Wolfram schüttelte den Kopf und gedachte nichts auf diese Corvus Worte zu erwidern. Zu oft hatten sie darüber debattiert. Es war eine Kluft zwischen ihnen entstanden, welche kaum noch zu überbrücken war und das spürten beiden.
„Es ist doch seltsam... das nur wenige hier eure Meinung teilen oder?“, fuhr Corvus fort und sah wieder hinunter auf die Straße. Der Heereszug hatte mittlerweile die Wallanlagen erreicht und zog in die Stadt ein. Er würde wohl bald entlang der Hauptstraße kommen und dann würde man von hier aus einen guten Blick auf das Heer haben. Entlang der Straße hatten sich bereits viele Menschen versammelt, welche die Rückkehr der Soldaten und ihres Königs erwarteten. 
„Komm her und sieh sie dir an.“, forderte Corvus seinen Freund auf und wies hinunter auf die Straße. 
„Sie liebe ihren... König. Sie wissen genau was er für sie getan hat und sind ihm dankbar. Du kennst die Stimmung in der Stadt. Ihr Republikaner seid nur wenige. Es wird keinen erneuten Umsturz geben. Die Zukunft gehört Fenchelberg und Fenchelbergs Zukunft ist unweigerlich mit Friedrich und seiner Familie verknüpft.“
Wolfram antwortete nicht und erneut breitete sich Stille aus.
„Du solltest die Stadt verlassen.“, stellte Corvus schließlich leise fest, als er das schweigen brach und wies auf das Büchlein, welches noch immer auf dem Tisch lag:
„Damit bist du eindeutig zu weit gegangen. Um unserer alten Freundschaft willen rate ich dir deshalb: Geh so lange du noch kannst. Ich will nicht mit ansehen müssen, wie sie dich vor den Wällen auf einen Pfahl spießen.“
Erneut legte sich Stille über die Terrasse, welche jäh durch das Geräusch einer Faust unterbrochen wurde, die unten gegen die Tür hämmerte. Corvus schreckte je aus seinen Gedanken auf. Ein kalter Schauer lief ihm den Rücken hinunter, während Wolfram reglos auf seinem Platz verharrte. Gleich darauf waren schwere Tritte auf der Treppe zu vernehmen. Wolframs Haushälterin musste die Tür geöffnet haben. Es waren fünf Soldaten, welche das persönliche Wappen Friedrichs trugen, die auf die Dachteerasse stürmten. 
„Im Namen der Regentin Catherine von Fenchelberg und des Königs ihr seid verhaftet, wegen Anstiftung zum Aufruhr und frevelhafter Rede gegen seine Majestät.“, verkündete der Anführer der Gruppe. 

Corvus verharrte reglos und versuchte sich nicht anmerken zu lassen was in ihm vorging. Er hatte gehofft er hätte noch genug Zeit um seinen Freund zur Flucht zu bewegen. Doch Friedrichs Gemahlin, welche während dessen Abwesenheit die Regierungsgeschäfte führte, schien sich entschlossen zu haben rasch zu handeln. Auch wenn er seinen Freund gern geschützt hätte, so sollte er jetzt schnell überlegen wie er selbst aus dieser Angelegenheit unbeschadet herauskäme... Es würde der Regentin sicherlich zugetragen werden, dass er hier war, als man Wolfram verhaftete und jene aufrührerische Schrift lag immer noch verräterisch auf dem Tisch... Oft genug hatte er diesen sturen Esel gewarnt... vergebens.
Was auch immer die Zukunft bringen wird:

„Was hat das zu bedeuten? Was machst du hier, Tau, solltest du nicht bei Iota und Zeta die Brücke sichern?“ so sprudelten die Fragen aus meinem Mund, als ich noch im selben Moment des Sprechens von einer Erkenntnis ereilt wurde. „D-Der Kontakt mit euch ist vor einigen Momenten abgebrochen...“ erinnerte ich mich, „ich dachte mir schon, dass etwas passiert ist! Was ist geschehen?“ Die Frau vor mir in dem Gang zögerte einen Moment, bevor sie antwortete: „Wir... sind aufgeflogen und wurden in ein Feuergefecht verwickelt. Iota und Zeta haben es nicht geschafft...“ Sie schaute betroffen zu Boden und fuhr dann mit leiserer Stimme fort: „Ich konnte fliehen. Ich wollte euch warnen, dass wir fliehen müssen!“ Mit Mühe bewahrte ich die Fassung, dennoch musste ich meine Zähne auseinander zwängen als ich nach dem Offensichtlichen fragte: „Die Mission ist ein Fehlschlag?“ Niedergeschlagen nickte Tau, sie konnte mir nicht in die Augen sehen, ob sie sich vielleicht die Schuld dafür gab, dass unsere zwei Kameraden, die mit ihr auf dem Weg zur Kommandobrücke waren, gefallen sind? Ich weiß es nicht, Tau konnte ich noch nie gut einschätzen, aber sie hatte bis jetzt ihre Aufträge immer gewissenhaft und zufriedenstellend ausgeführt. Zumindest stand das in ihrem Bericht. Bevor dieser Mission hatte ich nie mit ihr zusammen gearbeitet. Diese Mission. Sie war die wichtigste, die jemals ausgeführt wurde, dafür wurden wir trainiert. Und sie ist fehl geschlagen... „Nein!“ sagte ich entschlossen. Wir alle wussten, was passiert, wenn wir scheitern. Das Auskundschafterschiff einer extraterrestrischen Rasse, auf welchem wir uns momentan befanden, würde die Erde bald finden und nicht kurz darauf würden ihre Streitkräfte damit beginnen, die Erde zu kolonialisieren, in etwa so wie es damals vor hunderten Jahren mit dem damaligen Kontinent Amerika geschehen ist. Natürlich, die freundlichen Eroberer würden einigen Menschen gestatten in abgesicherten Reservaten zu leben, aber es waren zu wenige. Man hatte uns die Geschichte dieser Zeit, in der wir uns nun befinden, beigebracht. Die Bevölkerung der Erde würde um mehr als dreiviertel ihrer momentaner Zahl schrumpfen, um den Neuankömmlingen Raum zum Leben zu geben. Zwar lebten die, die überlebten, nicht wie Tiere in einem Zoo, aber der Verlust war dennoch riesig. Nur ein paar wenige, eine Zahl im dreistelligen Bereich der Menschen, würde von der Erde fliehen können und sich auf diese Mission hier vorbereiten können. Wir, die nun hier in der Vergangenheit sind, sind eine Elitetruppe, die mit einer experimenteller Zeitmaschine zurück gekommen sind um eben dieses tragische Ereignis zu verhindern. „Was tust du denn da?“ fragte mich Tau als mein Finger auf dem Weg zu dem Knopf in meinem Ohr war. „Ich kontaktiere Lambda,“ meinte ich jetzt etwas irritiert, „sie soll den Sprengstoff zünden, den wir im Maschinenraum platziert hatten. Dann würden die Geschehnisse zwar nicht den geplanten Ausgang nehmen, aber vielleicht doch noch erfolgreich verlaufen!“ Ich aktivierte die Kommunikation und konnte gerade noch sagen: „Lambda, mach die Ladung scharf-“ als mich dann plötzlich ein stechender Schmerz in der rechten Hand neben meinem Ohr traf. Ungläubig blickte ich auf Tau, sie hatte ihre Waffe gezogen und auf mich gerichtet. Der Photonen-Bolzen hatte meine Hand durchbohrt und ich konnte keinen Finger mehr rühren. „Das war nicht Teil des Plans!“ zischte Tau, Strähnen ihres schwarzen Haares fielen in ihr Gesicht und machten es schwer, ihre Augen zu erkennen. „Was soll das? Wenn wir nichts tun, haben wir versagt!“ warf ich ihr entgegen, meine linke Hand umklammerte den Griff meiner Energieklinge, die ich am Gürtel trug. „Darum geht es nicht!“ erwiderte sie zornig und drückte mehrere Male ab. Sie wollte mich töten! Meine Klinge fuhr in die Luft und ich schaffte es einige weitere Bolzen abzuwehren, dennoch konnte ich nicht alle erfolgreich ablenken und so streiften mich viele, zerrissen meinen Einsatzanzug und hinter ließen Wunden. „Diese Mission soll schief gehen! Hast du mal daran gedacht, was passiert, wenn dieses Schiff die Erde nicht entdeckt und mit dem Virus im Asteroiden-Gurt zerstört wird? Wenn alles nach Plan verläuft? Wir würden die Zukunft ändern!“ Ich blinzelte ein wenig schockiert, jedoch behielt ich einen klaren Verstand. „G-genau das ist doch, wieso wir hier her geschickt wurden?“ sagte ich irritiert. Taus Stimme brach als sie sprach und ich konnte sehen, wie Tränen ihre Wangen herunter liefen. „Alles würde sich ändern! Eine ganz andere Zukunft würde eintreten, in der es uns nie geben wird!“ rief sie frustriert, „I-Ich will nicht verschwinden! Ich will leben! Auch wenn dafür diese Mission scheitern muss!“ Als sie den Kopf hob erkannte ich Wut, Trauer und Wahnsinn in ihrem Gesicht. Sie war tatsächlich wild entschlossen, das Opfer zu bringen. Sie würde so viele unschuldige Menschen opfern! Zeta und Iota hat sie wohl schon selbst getötet oder war zumindest dafür verantwortlich. Sie würde mich opfern. Und Lambda! „Das ist Wahnsinn, wie kannst du nur so egoistisch sein?“ fragte ich empört und schritt ihr entschlossen entgegen. „Woher willst du das wissen?“ fragte sie mich, hob die Waffe, und  fing erneut an, mich in einem Hagel aus Schüssen einzudecken. „Du bist genau das, wofür du geschaffen wurdest! Eine bloße Maschine ohne Emotionen!“ schrie mir Tau entgegen. Meine Klinge tanzte durch die Luft, warf Geschosse links und rechts zur Seite. Die ganze Zeit hatte ich ein Rauschen, gemischt mit unsicheren Rufen im Ohr. „Nein, du irrst dich! Ich bin einfach nur bereit mich für etwas größeres zu opfern! Genauso wie die Anderen! Alle wussten, was die Konsequenzen sein würden! Sich selbst einem wichtigeren Zeil hinzugeben, das ist es, was es heißt, menschlich zu sein!“ behauptete ich als ich näher kam. Ich spürte, wie mein rechter Oberarm getroffen wurde und auf einmal viel weniger Gewicht auf meiner Schulter lastete. „Red keinen Unsinn!“ forderte Tau als sie erneut abdrückte, aber die Waffe in ihrer Hand klickte nur ereignislos. Taus Miene wurde zorniger als sie das leere Magazin auswarf und nachladen wollte. Doch die Zeit gab ich ihr nicht. Ich konnte sie ihr nicht geben. In genau dem Moment wurde das Schiff von einer Erschütterung erfasst. Wir beide konnten uns kaum auf den Beinen halten und das volle Magazin fiel aus Taus Händen. Ein weitere folgte. Ich entschied, den Moment zu nutzen und alles auf eine Karte zu setzen. Ich schleuderte der Verräterin meine Waffe entgegen. Mit einem dumpfen Geräusch schob sich die Klinge in die Brust der Frau. Entsetzen entwickelte sich in ihrem Gesicht als sie ihre Wunde begutachtete. Mit dem selben Ausdruck schaute sie dann mich an und hob ihren Waffenarm. Ich hatte nicht mal die Gelegenheit mit Überraschung zu reagieren. Ihr war es gelungen in der kurzen Zeit mit einem zweiten Versuch nachzuladen. Und sie drückte ab als um uns herum auf einmal alles explodierte. Mein Körper wurde von dem Geschoss durchdrungen, und kurz darauf hin von den Explosionen herumgeworfen.

Ich kam wieder zu mir. Jemand sagte meinen Namen. „Delta! Delta, wach auf!“ Ich spürte etwas an meiner Wange. Zögerlich öffnete ich meine Augen. Das Bild war verschwommen. Irgendwie fehlte die Hälfte der Informationen, die mein Sehnerv erfasste. „Du bist am Leben!“ rief man mir entgegen. Ich wollte mich bewegen, doch ich konnte den rechten Arm nicht mehr bewegen und auch beide Beine schienen nicht ganz zu funktionieren. Irritiert blickte ich an mir herab. Mein rechter Arm fehlte, das rechte Bein war kurz unterhalb des Kniegelenks abgetrennt worden und das linke in der Mitte des Oberschenkels. An den Stellen trat offene Elektronik und Mechanik hervor und mein Körper war mit Dellen, verschmorter Haut und Anzugsresten überseht. Auch hier und da war mein Innenleben zu sehen. „Keine Sorge, meine Liebe, wir kriegen dich wieder hin!“ wurde mir versichert. Ich drehte den Kopf und erkannte Lambda, die mich fest in ihren Armen hielt. „Ich bin nur froh, dass ich dich finden konnte, ich war so in Sorge um dich, Delta!“ Sie drückte mich fester an sich. Mit schwacher Stimme fragte ich: „W-was ist passiert? Wieso sind wir noch da? Ist die Mission wirklich gescheitert?“ Zuerst blickte mich Lambda fragend an, dann schüttelte sie den Kopf. „Ich weiß es nicht,“ meinte sie, „aber mein Sprengstoff hat das gesamte Schiff zerlegt. Außerdem konnte ich erfahren, dass Iota es wohl doch noch geschafft hatte, den falschen Funkspruch zu senden. Ich schätze, jetzt heißt es für uns Abwarten und sehen, was die Zukunft bringen mag. Wir sind auf jeden Fall nicht verschwunden, und immer noch in der Vergangenheit. Entweder wir haben es nicht geschafft, die Menschheit zu retten, oder wir existieren dennoch weiter, obwohl die Zeit nun einen ganz anderen Lauf einnimmt. Sie hatten ja gesagt, dass man nicht vorhersagen kann, was geschehen wird. Aber wir sollten erst einmal wieder in den Raumjäger und dich wiederherstellen. Ich hatte schon die Sorge, dass deine Steuereinheit doch nicht verfehlt wurde, und du nie wieder aufwachen wirst!“ Ich lächelte schwach, Lambdas Tendenz immer so vor sich hin zu plappern war eine nette Abwechslung. Trotzdem musste ich an die arme Tau denken, die innerlich ganz zerfressen war wegen der Angst, zu verschwinden, wenn die Vergangenheit geändert wird. Ihre Angst scheint nun so unbegründet. Vielleicht war es ein Fehler der Menschen gewesen, Androiden wie uns so sehr nach sich selbst zu gestalten. Vielleicht würden Lambda und ich auch noch verschwinden, dennoch ist es wie immer ungewiss, was auch immer die Zukunft bringen wird.
Am Leben:

Mein Name ist Lothar und ich kämpfe.

Wir schreiben das Jahr 1148 nach Jesu Christi Geburt und wir befinden uns Syrien, vor vier Tagen begann die Belagerung von Damaskus´.
Vor vier Jahren rief der Papst den zweiten Kreuzzug zur Entlastung der Kreuzfahrerstaaten aus und nun stehe ich hier, vor dem Belagerungsturm und warte auf meinen Einsatz.
Bald würde es soweit sein, mit einem meiner Hand Schwert bewaffnet warte ich, schwitze und verfluche die Hitze.
„Angriff, stürmt die Mauer!“ brüllte jemand von hinten, plötzlich ging alles schnell,wo noch vor einigen Augenblicken die Menschen Seelenlos dreinblickten brannte nun das Feuer der Entschlossenheit in ihren Augen.
Während die Männer den Belagerungsturm hinauf stürmten, fingen sie an zu brüllen.
Ich hatte so etwas noch nicht erlebt, der Kampfschrei ging durch Mark und Bein,  plötzlich war ich von Begeisterung und Mut überwältigt, ich wollte, nein ich musste die Mauern erklimmen.
Obwohl der Erste Sturmangriff bereits einen Teil der Mauern gesichert hatte wurde dieser dennoch zurückgeschlagen und nun musste ich in der zweiten Welle nach vorne stürmen und obwohl wir dieses mal zahlenmäßig überlegen waren, verschaffte die Festung den Verteidigern einen Vorteil, so groß das auch dieser Angriff zu scheitern drohte.

Nach einigen Stunden des Kampfes war ich mir sicher, ich war der einzige der noch am Leben war, um mich  herum lagen unzählige Leichen verteilt.
Aus meinen Augenwinkeln konnte ich erkennen wie drei Sarazenen langsam versuchten einen Ring um mich zu schließen, dies muss ich verhindern, dachte sich Lothar während er sein blutverschmiertes Schwert in die rechte Hand nahm.
Mit einem lächeln stürmte der erste Sarazene von vorne auf mich zu, zwar konnte ich Ihn erfolgreich abwehren indem ich seinen Angriff parierte, doch hatte der zweite Sarazene von links nun ein leichtes Spiel, so dachte dieser zumindest.
Mit meiner linken Hand zog ich ein Wurfmesser hinter meinem Rücken hervor und schleuderte es auf den zweiten Sarazenen zu, welcher bereits mit seinem Säbel ausholte um zuzuschlagen.
Das Messer bohrte sich durch sein rechtes Auge in seinen Kopf, mehrere Schritte konnte er noch nach vorne taumeln, ehe er zu Boden sackte.
Nun versuchte der dritte Sarazene, welcher ebenfalls von links kam sein Glück, während ich mit meiner linken Hand wieder hinter meinen Rücken fuhr, blieb der dritte stehen, er versuchte meinem Wurfmesser auszuweichen, doch besaß ich kein zweites.
Während er nun stehen blieb zog ich mein Kurzschwert aus meiner Tasche und wandte mich nun voll und ganz dem ersten Fein zu, welcher bereits beidhändig seinen Säbel umklammerte und mich angriff.

Ein weiteres mal parierte ich, doch schaffte er es dieses mal mir mein Schwert aus der Hand zu schlagen, zwar bohrte sich mein Kurzschwert zwischen seinen Rippen in seinen Körper, doch hatte der dritte seine Chance erkannt, er holte aus und Schlug nach meiner Hand.
Kurz schloss ich meine Augen, der Schmerz war überwältigend, ich spürte wie Blut aus meiner Wunde schoss, ich verlor das Gefühl in meiner linken Hand und ließ das Kurzschwert los.
Als ich meine Augen wieder öffnete lag der erste Sarazene bereits zu Boden, mein Kurzschwert außer Reichweite und mein Langschwert am Boden, während mein Blick noch auf meine tiefe Wunde fixiert war holte der dritte Gegner ein weiteres mal aus, er versuchte meinen Kopf abzuschlagen, doch konnte ich rechtzeitig meinen linken Arm heben , noch bevor ich lange darüber nachdenken konnte schnitt seine Klinge in mein Fleisch, ich viel zu Boden, doch war der Sarazene überrascht sein Säbel hing in mir und er konnte ihn nicht mehr festhalten.
Er stürmte auf mich zu, entschlossen es mit seinen Fäusten zu beenden, doch war das Glück auf meiner Seite, ich fiel direkt neben mein Schwert, mit der echten Hand packte ich es und richtete die Klinge gegen Ihn, vor lauter Angst schloss ich meine Augen.
Blut strömte über meinen Körper, war ich Tod?
Langsam versuchte ich meine Augen zu öffnen, der Schmerz pochte durch meinen Körper alle meine Sinne sagten mir bin gestorben, doch betrügen sie mich, als ich meine Augen öffnete konnte ich sehen wie sich mein Schwert durch den Hals des Feindes bohrte, ich war am Leben und hatte gewonnen.
Ich war Glücklich, doch verzog sich dieses Gefühl wieder, der Schmerz gewann wieder die Oberhand, ich versuchte aufzustehen doch trugen meine Beine mich nicht,ich wurde Müde und schloss meine Augen, langsam wurde es schwarz, schwarz und kalt.
Ich bin gestorben.

Meine Bezeichnung ist MHS-9987 und ich diene.

„Simulation beendet, Die Föderation ist Siegreich“ dröhnte es durch meinen Kopf, plötzlich wurde es wieder Hell als mir jemand den Helm abnahm, „MHS-9987 du hast gewonnenen“ sprach mir jemand voller Freude zu.
Es war eine weitere Nummer, ich kannte ihn nicht besonders doch nach diesem Sieg kannten sie mich alle.
Mein Blick wanderte von den vielen Gesichtern, der anderen Nummern welche sich um meine Kapsel versammelt hatten zu meinem linken Arm.
Obwohl die wunden nur simuliert wurden,war der Schmerz jedoch echt, es würde Stunden dauern bis er verfliegen würde, wie schon so oft davor.
Einige Ärzte standen auch nicht der Menge, nicht jedoch um mich zu beglückwünschen, sondern um die Toten aus den Kapseln zu bergen, da der Schmerz real war, war es der Tod auch, ein netter Nebeneffekt, welcher gleichzeitig das Bevölkerungsproblem der Erde löste.
Nun war ich an der Reihe, während die Ärzte alle Verbindungen zwischen mir und der Kapsel, kappten nährte sich ein Regierungsmitglied, welches mich umgehend Beglückwünschte, „Ausgezeichnete Arbeit...MHS...“
sprach er zufrieden während er die Nummer von meiner Stirn las, „9987 ab Heute geht es für dich Bergauf“ fügte er zufrieden hinzu, schließlich war er für diese Abteilung verantwortlich ein Sieg würde sich gut in seiner Karriere machen.
„Dank dir haben wir die Weltmeisterschaft gewonnen und Israel wird wieder ein Europäisches Protektorat, für die nächsten vier Jahre versteht sich, bis zur nächsten Weltmeisterschaft“ erklärte der Beamte, „Doch das Interessiert dich nicht, du hast gewonnen... hast du dir schon einen Namen überlegt?“ wollte er von mir Wissen, während er mir aus der Kapsel half.
„Marcus“ lautete meine knappe Antwort, ich hatte Angst er würde mich auslachen, doch packte er mich an meiner rechten Schulter und lächelte mir entgegen, „Dann sollten wir schnell zur Meldestelle und deine Nummer entschlüsseln lassen...Marcus“ schlug er vor und nun, nun musste auch ich lächeln.

In der Meldestelle angekommen musste ich zuerst Platz nehmen, während mir ein Arzt die Nummer von der Stirn entfernte, in der zwischen Zeit erklärte mir der Besamte die nächsten Schritte.
„Zuerst wird deine Nummer entschlüsselt damit du deinen Familien Namen erfährst, danach wir dir entweder ein Männlicher oder Weiblicher Partner aus dem Partnerprogramm zugewiesen, je nach deinen Persönlichen Vorlieben“ las er schnell von einer Liste ab, plötzlich spickte er über de Rand der Liste und sah mit interessiert an „Eine Partnerin wäre mir lieber...“ stammelte ich vor mir hin, während er mit einem lächeln antwortete, „Gute Wahl, außerdem wirst du die Erlaubnis haben zwei Kinder zu behalten, alle übrigen werden in die Obhut von Beamten, so wie mir gegeben, damit Sie für die Föderation kämpfen können“ erklärte er weiter, nun verstand ich endlich warum ich diese Kämpfe machen musste, nicht weil meine Eltern gestorben waren, sondern weil ich ein Kind zu viel war.
Der Beamte konnte erkennen, das ich traurig war, anscheinend dachte er ich wüsste über mein Schicksal Bescheid, doch dem war nicht so, „Nun, weiter im Programm, dein Familienname wurde entschlüsselt“ sprach er zu mir und versuchte mich so abzulenken, „MHS Steht für Müller-Hartburg, Sohn und die Nummer 9987, ist einfach dein Generationsabschnitt, deine Kinder werden dementsprechend in der Generation 9988 sein “ erklärte er weiter, doch wollte ich nicht zuhören,ich konnte nicht fassen, das meine Eltern einfach ein Kind auf die Welt bringen würden, ohne es behalten zu können.
„Wie alt bist du Marcus“ wollte der Beamte wissen, während er sein Klemmbrett zu Seite legte.
„18 “ lautete meine kurze Antwort, ich war am Boden zerstört, kurz vor einem Nervenzusammenbruch, doch ließ der Beamte nicht locker, „Du bist 18 Jahre alt und hast  dein Leben zurück gewonnen, deine Eltern sind beide Noch am Leben, du könntest Sie besuchen“ schlug er vor, ein weiteres mal lächelte er mich an.
„Und wenn Sie mich nicht sehen möchten?“ fragte ich verzweifelt nach, ich war den Tränen nahe und wusste nicht was sich unternehmen sollte.
„Das ist das schöne an deiner Situation, als Nummer konnten Sie dich verhalten, doch Marcus Müller-Hartburg ist Frei und kann tun was er will“ machte er mir Klar während er sich erhob und mir die Hand reichte, „Und jetzt noch einmal, du bist?“ wollte er von mir Wissen, diesmal jedoch mit einer kräftigen Stimme.
Als Diener kniete ich vor allen Würdenträgern und wartete auf Anweisung doch nun nahm ich seine Hand und erhob mich, „Ich bin Marcus Müller-Hartburg und ich Lebe!“
DAS ORAKEL:

Vorsichtig und mit unsicherem Schritt betrat er die  kalte Halle. Eine Geste genügte und die Priesterinnen schlossen hinter ihm die Tore, ließen ihn mit mir alleine. Nervös sah er sich um, betrachtete die verzierten Steinwände und Säulen, die kostbaren Kissen und Teppiche in der Mitte des Raumes und die Kerzen, die als einzige, spärliche Lichtquelle dienten. Der Bauer legte ehrfürchtig den Korb mit Weizen auf dem Boden, den Kopf dabei gesenkt. Er war eindeutig ein armer Mann. Wie lange hätte er mit dieser Gabe wohl seine Familie ernähren können?
"Oh Orakel… Ich wurde vor kurzem mit einer kleinen Tochter gesegnet. Aber… sie ist sehr krank. Was muss ich tun um sie zu retten?", sprach er mit zitternder Stimme.
Ich sah alles vor mir. Die kleine Tochter Vaeri, funkelnde, große, braune Augen wie die ihres Vaters. Wie sie lachte und auf seinen Rücken kletterte. Sie würde leben, daran bestand kein Zweifel. Doch seine Frage war wie sie gerettet werden konnte. Natürlich sah ich auch das.
"Geht nach Hause und pflanzt versteckt Mondscheinblumen", sprach ich. Der Bauer sog scharf die Luft ein und sah sich noch einmal im Raum um, ob sie auch wirklich unter sich waren. Natürlich, immerhin zählte die Blume seit Beginn der Amtszeits des Schattenkaisers Zain zu den verbotenen Pflanzen, da sie eines der Symbole der Götter war. "Es wird ein Krieger durch euer Dorf streifen und genau nach dieser Blume suchen. Gebt sie ihm und er heilt eure Tochter. Der Krieger wird auf den Namen Seri hören. Sein schwarzes Haar überdeckt er mit einer Kapuze und eine Narbe spaltet seine linke Braue."
Der Bauer hatte Tränen in den Augen und verneigte sich tief vor mir. "Ihr müsst wahrhaftig ein Kind der Götter sein. Ich danke Euch, Orakel." Er entfernte sich von mir, bedankte sich wieder und wieder bei mir, bis er den Saal verlassen hatte. Priester eilten nach ihm schnell in die Halle und brachten den Korb Weizen weg, ohne mich dabei anzusehen. Seit man mich als Kind wegen meiner Gabe in den Tempel gebracht hatte fungierte ich als Orakel. Es war jedem verwehrt in mein Gesicht zu sehen, auch wenn es durch einen Schleier verdeckt war. Es durfte auch niemand mehr als nötig mit mir sprechen. Und mir war es untersagt den Tempel zu verlassen. Tag für Tag empfing ich Gäste, die von Nah und Fern meinen Rat ersuchten. Im ganzen Kaiserreich war bekannt, dass meine Vorhersagen immer eintraten. Deshalb suchte jeder den Weg zu mir. Dass ich in der Halle gefangen war und beinahe ständig von schrecklichen Kopfschmerzen geplagt wurde spielte dabei keine Rolle.
Die Türen wurden wenig später wieder geöffnet und ein Mann schritt herein. Seine Rüstung und die Embleme darauf verrieten, dass er einer der Offiziere des Schattenkaisers war. Offizier Haveron, ein stolzer Mann, dem viel an der Treue zu dem Kaiser lag. Er ging vor mir auf die Knie und stellte eine Truhe auf den Boden. Als er sie öffnete funkelten mich Gold und Edelsteine an.
"Orakel. Ich bin im Auftrag unseres Herrn hier. Die große Hinrichtung des ganzen Rebellentrupps steht an. Wird jemand versuchen den Kaiser zu ermorden?"
Das war keine ernste Frage. Kaiser Zain interessierte sich nicht für meine Vorhersagen. Das war eine Probe. Der Kaiser und seine Krieger trauten mir nicht. Zweifeln an meinen Fähigkeiten. Aber das war auch gut so. Ein Kind der Götter zu sein konnte als Hochverrat angesehen werden. Doch ich war keine Märchenfigur, die in Legenden unseren Herrscher zu Fall brachte.
"Orakel? Wieso antwortet Ihr nicht? …Ihr habt doch womöglich nichts zu verbergen, oder?", kam es misstrauisch von Offizier Haveron. Augenblicklich richtete ich mich auf meinem Platz etwas auf.
"Verzeiht. Aber es ist eine große Veranstaltung mit vielen Zuschauern. Es trachtet niemand nach dem Leben unseres Kaisers. Die schlimmsten Verbrechen bei der Hinrichtung werden die Diebstähle von Gold und Lebensmittel sein", gab ich zurück.
"Ihr wisst, dass Ihr des Verrates angeklagt werdet, wenn Ihr falsch liegt, nicht wahr?", kam es warnend von dem Mann in der Rüstung "laut den Legenden wird ein Kind der Götter die Regentschaft unseres Kaisers beenden... Und es ist kein Geheimnis, dass das Volk Euch als ein Kind der Götter sieht. Vielleicht habt Ihr doch etwas zu verbergen?"
"Ich habe mich noch nie geirrt. Und das wird sich auch nicht ändern. Ich bin nur ein Orakel. Ich stelle für den Kaiser keine Gefahr dar. Ich bin kein Kind der Götter, verbreitet diese Neuigkeit nur, es wäre mir recht.  Und seit darüber informiert, dass ich mir solche Anschuldigungen in meinem Tempel verbitte, Offizier Haveron", entgegnete ich entschlossen und hob stolz meinen Kopf etwas an. 
Der Offizier öffnete den Mund um etwas zu sagen, doch ich hob die Hand und brachte ihn somit zum Schweigen. Er hatte seine Antwort. Mehr durfte er mit mir nicht reden… Noch dazu sah ich ihn bereits in zwei Wochen wieder kommen, um mich erneut zu befragen. 
Nur widerwillig erhob er sich und verließ die Halle. Ich schloss sofort die Augen und versuchte mich zu beruhigen. Mein Kopf dröhnte. Der Schmerz hämmerte wild gegen meinen Schädel.  Doch es war so schwer alle Visionen aus meinen Gedanken zu verbannen. Es gelang mir nur äußerst selten. Die Priesterinnen Kaylessa und Kythaela betraten inzwischen die Halle und zündeten ein paar neue Kerzen an. In ihr Wachs waren Kräuter eingearbeitet, die einen wohligen Geruch an die Luft abgaben. Tief sog ich den Duft ein, schaffte es für einen Moment jeglichen Gedanken aus meinem Kopf zu verbannen. Seit ich in diesen Tempel gebracht worden war hatte ich nur wenige Möglichkeiten gehabt für einen Moment die Ruhe zu genießen. Die Kopfschmerzen in weite Ferne zu schicken.
Kaylessa, die ältere der Beiden, verneigte sich vor mir. Somit war mein Moment der Ruhe auch wieder beendet. Ich hob den Kopf und sah zu der blonden Frau. Wie gerne hätte ich, dass sie sich erhoben. Dass sie normal mit mir sprachen. Dass sie mich ansahen.
"Orakel", sprach Kaylessa. Auch ihr war es untersagt mehr als nötig zu sagen.
"Ihr könnt die Tore schließen. Es kommt heute keine Person mehr, die mein Wissen aufsucht", beantwortete ich ihre unausgesprochene Frage. Die beiden Frauen entfernten sich von mir und wollten eben die Türen der Halle schließen, da echoten Schritte durch den Flur und wenig später stürzte eine Fremde herein. Kythaela und Kaylessa starrten zuerst den Eindringling, dann mich fassungslos an. Mein Gesicht sah unter dem Schleier sicher nicht anders aus… Ich hatte niemanden kommen sehen. Es hätte niemand kommen sollen. Mein Blick in die Zukunft war noch nie falsch gewesen. Das… Das war unmöglich. 
"Biete dem Orakel deine Gabe", forderte Kythaela zögerlich. Die Reisende legte den Kopf etwas schief und wühlte dann in ihrem Beutel.
"Ich habe nicht viel… aber das hier. Ich hoffe Ihr mögt es", sprach sie freundlich und zog einen kleinen Beutel hervor. Die Priesterin nahm ihn und begutachtete den Inhalt. Nur um verächtlich zu schnauben. 
"Gebäck?! Ihr wisst wohl nicht wen Ihr vor Euch-"
Ich hob die Hand und brachte die Frau somit zum Schweigen. "Ich akzeptiere diese Gabe." 
Zögernd verneigte sich Kythaela und reichte ihr wieder den Beutel. 
"Ich verstehe es nicht", murmelte die Reisende. Ich sah zu meinem Gast und begegnete ihrem Blick. Verlor mich in Augen so blau wie der Himmel und einem Lächeln so strahlend wie die Sonne. Sofort wurde sie angewiesen mich nicht anzusehen. Doch mit schnellen, bestimmten Schritten schloss sie Distanz zwischen uns. Kythaela und Kaylessa starrten einfach ungläubig zu uns rüber
"Ich verstehe nicht, wie man sowas machen kann", wiederholte die Fremde deutlich und hob sanft meinen Schleier an, nur um mich anzulächeln "… Ihr habt doch so ein schönes Gesicht. Und bestimmt auch einen schönen Namen. Wie ist Euer Name?"
Eine Stimme so voller Wärme und Gutmütigkeit. Als hätte sich alles Gute und Schöne auf der Welt sich in einen Menschen verwandelt, nur um nun vor mir zu stehen.
"Zalena", antwortete ich mit bebender Stimme. Ich zitterte am ganzen Körper. Noch nie war mir alles so unklar. Ich sah nichts. Ich wusste nicht was kommen würde.
"Das ist ein sehr schöner Name. Zalena… Ich möchte dich etwas fragen", begann sie "du bist doch ein allwissendes Orakel. Da weißt du das bestimmt, nicht wahr? Ich bin auf der Suche nach einem alten Freund. Weißt du wo er ist?"
Auch wenn ich versuchte mich zu konzentrieren, so sah ich nichts. Die Zukunft war blank. Ich schluckte den Kloß in meinem Hals und schüttelte den Kopf.
"Ich… Ich sehe nichts… Ich… Ich weiß es nicht", kam es wimmernd von mir. Die Reisende legte sanft lächelnd die Hände auf meine Wangen und wischte mir mit den Daumen zärtlich die Tränen aus den Augenwinkeln. 
"Das ist auch in Ordnung. Ist doch nicht weiter schlimm. Ich danke dir trotzdem, Zalena", sagte sie ruhig, drückte mir den Beutel mit dem Gebäck in die Hände und ehe ich mich versah war die Halle auch wieder verlassen. Die Priesterinnen schienen aus ihrer Schockstarre aufzuwachen, tuschelten etwas und schielten dabei zu mir. Kythaela eilte aus dem Raum um Wachen über den Vorfall zu informieren. Die Reisende sollte gesucht und für ihre Dreistigkeit zur Verantwortung gezogen werden. Kaylessa schenkte mir noch einen misstrauischen Blick und schloss die Tür hinter sich, ließ mich in dem viel zu großen Raum alleine.

Mit einem Mal brach das Wissen wieder auf mich ein. Ich presste die Hände keuchend an meine Schläfen. Vor meinem inneren Auge sah ich den ganzen Tempel mich misstrauisch ansehend. Ich sah Krieger, die meinem Rat nicht mehr trauten und durch Fehler den Tod fanden. Ich sah Gläubige, die mich beschuldigten keine Gesegnete der Götter zu sein. Ich sah Krieg, Prozesse und am Ende der Tod in Flammen. Der Schmerz hämmerte in meinem Kopf und raubte mir den Verstand. Neben den Visionen der Zukunft fluteten auch Geschehnisse der Vergangenheit meine Gedanken. Wie oft hatte ich einfach in dieser Halle geweint, nach einem Weg gesucht mein Leid zu beenden. Wie oft hatte ich versucht mit allen aus dem Tempel zu reden, nur um auf taube Ohren zu stoßen. Wie oft hatte ich mir schon gewünscht besagtes Kind der Götter zu sein, damit ich diesem Wahnsinn ein für alle mal entfliehen konnte.
Ich sprang auf und stürmte durch die Tür, ließ auf dem Weg meinen Schleier und meinen Schmuck fallen, trennte mich von all den Kostbarkeiten an mir. Alle Priester waren zu perplex um mich aufzuhalten, sahen mich nur mit großen Augen an. Selbst die Wachen am Eingang konnten mich nicht mehr rechtzeitig ergreifen, ich stemmte mich gegen die Doppelflügeltür und floh aus dem Tempel.
Minuten später war ich auf einer Anhöhe auf den Boden zusammen gebrochen, völlig außer Puste. Wild keuchte ich nach Luft, nach der meine Lungen verzweifelt flehten, ein grauenvoller Schmerz zehrte an meiner Seite. Doch das beachtete ich nicht. Von der Anhöhe aus konnte ich die Berge und das Tal sehen. Auf der Spitze der Berge in meiner Nähe konnte ich den Tempel erkennen, zu welchem unzählige Stufen hinauf führten. Unter mir im Tal wurden die Wälder von einem Fluss gespalten. Etwas weiter flussabwärts konnte man die Schemen von Häusern erkennen. Die Sonne ging eben unter und tauchte die Szenerie in goldenes Licht. Der frische Wind tanzte mit meinen roten Locken und die Strahlen wärmten meine Haut. Wann hatte ich das letzte Mal den Wind und die Sonne gespürt? Ich konnte mich nicht daran erinnern. Ich wusste nicht mehr wie viele Jahre ich in dem Tempel verbracht hatte. Doch nun hatte es ein Ende. Ich würde nie wieder zurückkehren!
"Zalena?", erklang eine Stimme hinter mir. Sofort sah ich über die Schulter zu der Reisenden, die mir wieder ein zartes Lächeln schenkte.
"Wer bist du…? Ich kann… die Zukunft bei dir nicht sehen. Ich verstehe nicht wieso!", keuchte ich ihr entgegen. Sie setzte sich neben mir auf den Boden und vertiefte ihr Lächeln nur.
"Ich bin das, für das man dich gehalten hat", begann sie, ignorierte wie ich scharf Luft holte " mein Name ist  Ceasis und ich suche Verbündete, die mir zur Seite stehen. Die mit mir Zains Schreckensherrschaft beenden wollen, ohne die Gefahren zu fürchten... Was sagst du Zalena, hättest du Interesse?"
Mir fehlten die Worte. Ich wusste nicht was vor mir lag. Was mich erwarten würde. Es lag alles im Ungewissen. Ich konnte nur eines sagen: egal welchen Weg ich wählte, ich würde als Verräterin hingerichtet werden… Oder? 
Vor meinem inneren Auge blitzte ein Bild auf. Wir saßen an einem Lagerfeuer. Ceasis hielt einem jungen braunhaarigen Mann ein Insekt vor die Nase. Dieser fiel erschrocken rücklings vom Baumstamm. Ein dunkelblonder Jäger lachte herzlich, stieß mit seinem Ellbogen einem schwarzhaarigen Krieger ins Gesicht. Der Krieger saß mit vor der Brust verschränkten Armen da und regte keine Miene, weshalb der Jäger versuchte ihm die Kapuze vom Kopf zu ziehen, erfolglos. Ich saß mitten drin, lachte mit meinen Freunden.  
Viel zu kurz war die Vision vor meinem inneren Auge. Ich hätte gerne noch etwas länger gesehen, wie es war unter Freunden zu sein. Alleine die Vision hatte mir das Herz erwärmt, wie schön musste sich dann die Realität anfühlen? 
Ich konnte meinen Weg selbst entscheiden. Das erste Mal in meinem Leben lag die Wahl in meiner Hand... Und ich nickte. Freudig fiel mir Ceasis um den Hals. Es mochte vielleicht töricht sein mich auf eine Fremde einzulassen. Aber sie hatte mich aus meinem Gefängnis geholt. Alles an ihr war etwas, was mich überraschen würde. Langsam breiteten sich weitere Visionen in meinem Kopf aus, doch sie waren anders als das stetige Hämmern der Geschehnisse. Sie waren vage, nur ein Hauch. Nicht etwas das passieren würde, etwas das passieren könnte. Die Zukunft an ihrer Seite war gefährlich. Zain und seine Krieger würden uns jagen, sie würden unser Vorankommen um einiges erschweren. Unsere Reise war ungewiss, doch diese Ungewissheit bereitete mir keine Angst. Sie weckte meine Neugier. Ich wollte die Zukunft eigenständig entdecken und selbst bestimmen.

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Akeem
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Re: Kurzgeschichten-Wettbewerb - ZUKUNFT

am 14.05.18 22:45
Ihr habt entschieden und hier sind sie, die Gewinner:

  1. Das Orakel von @Kyouya mit 9 Stimmen
  2. Und wieder mal nichts gelernt von @Wermuth mit 6 Stimmen
  3. Monarchy is back in fashion von @Todd mit 5 Stimmen
  4. Wretched von @Caligo mit 4 Stimmen
  5. Was auch immer die Zukunft bringen wird von @Xaiclun mit 3 Stimmen
  6. Am Leben von @Fergesun und Another Space Story von @Eflame mit je 2 Stimmen
  7. What lies ahead von @Saddy-chin mit einer Stimme



Herzlichen Glückwunsch an alle Gewinner! Und Danke an alle Teilnehmer fürs mitmachen. Wir sehen uns in der nächsten Runde wieder. 
Feedback wird es natürlich von der "Jury" noch geben. Allerdings ist es derzeit zeitlich bisschen knapp bei uns. Deswegen wird es vermutlich noch bis Ende der Woche dauern. Aber wir sind dran, keine Sorge.

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Akeem
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Re: Kurzgeschichten-Wettbewerb - ZUKUNFT

am 22.05.18 21:08
Ich muss euch wegen der Reviews leider noch bis zum Ende der Woche vertrösten. Es dauert alles ein bisschen länger bei uns, weil wir leider noch so viel nebenbei zu tun  haben.
Ich hoffe ihr habt Verständnis dafür. Aber keine Sorge: Sie kommen auf jeden Fall!
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Todd
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Re: Kurzgeschichten-Wettbewerb - ZUKUNFT

am 01.06.18 17:24
Ich will jetzt sicher nicht drängeln oder so, aber wie sieht es jetzt mit den Reviews aus? Die hätten mich eigentlich schon ziemlich interessiert :D
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Akeem
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Re: Kurzgeschichten-Wettbewerb - ZUKUNFT

am 01.06.18 20:30
Wir haben leider noch immer nicht alle fertig. Aber wenn du schon so häufig nachfragst, können wir wenigstens die erste Rutsche an Reviews mal raushauen.

Vorweg ein Disclaimer:
Dieses Mal sind die Reviews etwas anders als zuvor. Da wir nun nach der Siegerehrung mit unserem Feedback auftauchen, behandeln wir die Reviews auch wirklich nur noch als genau das. Als Feedback. Und wenig als wirkliche Reviews, bei den wir argumentativ heran gehen und zeigen, was besonders gut war und was nicht so gut war und warum.
Stattdessen nehmen wir Aspekte aus den Geschichten und wollen daran Lehren aufzeigen, die man aus ihnen ziehen kann. Das bedeutet wir picken uns z.B. ein Problem einer Geschichte oder vielleicht auch etwas, was besonders richtig gemacht wurde und hervor sticht heraus und behandeln das. Erklären warum es wichtig ist und wie man es verbessern könnte.

KÖNNTE ist hier das wichtige Stichwort. Ich möchte darauf hinweisen, dass dies wirklich nur gut gemeinte Ratschläge sind oder Handlungsempfehlungen, aber keine klaren Regeln. Dies ist schließlich immer noch Kunst und jede Form von Kunst ist legitim und wenn ihr anderer Meinung seid, dann bitte nehmt hin, dass wir unsere haben.

Darüber hinaus wird es in manchen Geschichten einen sogenannten "Interpretationsteil" geben, den wir explizit kennzeichnen und in dem wir ganz offen interpretieren, wie wir die Geschichte wahrgenommen haben. Das machen wir, wenn es etwas interessantes zu besprechen gibt oder aufzuzeigen gibt. Ideen, die Ideen befruchten könnten oder wenn wir uns nicht sicher sind, ob eine Geschichte wirklich so gemeint war, wie sie herüber kommt.
Auch hierbei handelt es sich nur um FEEDBACK. Wir haben so etwas vorher immer etwas vermieden, um nicht zu viel Einfluss zu nehmen, aber nun da wir keinen mehr haben, ist dies eine gute Möglichkeit dieses Feedback zu geben. Es wird dabei die Interpretation der Jury gegeben, mit der die Autoren dann anfangen können, was sie wollen. Wir maßen uns nicht an genau zu wissen, was eine Geschichte auszudrücken versucht, sondern geben nur wieder, wie wir es interpretiert haben.
Es kann durchaus sein, dass wir die einzigen sind, die eine solche Interpretation haben. Dies ist einfach nur ein Feedback Kanal an den Autor, damit dieses überprüfen kann, ob das, was er ausdrücken wollte, auch angekommen ist.

So, ohne weiteres Geschwafel poste ich im nächsten Post die bisher vorhandenen Reviews. Es lohnt sich auch alle Reviews zu lesen, wer wirklich ein paar Ratschläge möchte!

  1. WAS AUCH IMMER DIE ZUKUNFT BRINGEN WIRD
  2. MONARCHY IS BACK IN FASHION
  3. DAS ORAKEL
  4. WRECHED
  5. WHAT LIES AHEAD
  6. AM LEBEN
  7. ANOTHER SPACE STORY
  8. UND WIEDER EINMAL NICHTS GELERNT


Zuletzt von Akeem am 24.06.18 12:54 bearbeitet; insgesamt 3-mal bearbeitet
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Re: Kurzgeschichten-Wettbewerb - ZUKUNFT

am 01.06.18 20:38
FeedbackWAS AUCH IMMER DIE ZUKUNFT BRINGEN WIRD  von @Xaiclun

Eine der größten Herausforderungen beim Schreiben von Geschichten jeder Art ist es, Informationen, die der Leser wissen muss, um die Zusammenhänge der Geschehnisse zu verstehen, in einer Art und Weise zu vermitteln, die nicht langweilig oder verwirrend und um besten Fall sogar spannend ist. Das Monster heißt Exposition und hier haben einen klassischen Fall von einer Geschichte, die es besser machen könnte.
Zur Erinnerung: Wir haben ein sehr interessantes Setting. Klar, es handelt sich um klassische Themen der Science-Fiction: Post-Apokalypse, Androiden und Zeitreisen inklusive entsprechendes Paradoxon. Es ist an sich schon bemerkenswert, wie viel hier in so wenig Zeilen gepackt wurde und dass es überhaupt einigermaßen funktioniert. Die philosophischen Fragen, welche die Erzählung aufwerfen, stellen wir nun erst einmal hinten an und besprechen wir im Interpretationsteil. Was uns nun interessiert ist die Art und Weise mit, der hier gegen das Monster Exposition angegangen wurde… nämlich mit dem Holzhammer.
Nach einer kurzen Einführung, die jede Menge Fragen aufwirft, wird die Geschichte kurz unterbrochen, um den Hintergrund in ein paar Zeilen auf uns herunterprasseln zu lassen. Der Inhalt ist hier gar nicht so wichtig, sondern mehr wie es sich für den Leser anfühlt.
Innerhalb von Minuten lernt man kurz Charaktere kennen und bekommt dann eine Einführung in die Hintergrundgeschichte. Dies könnte man mit klassischen Märchenbüchern vergleichen, in denen bis ins kleinste Detail die Welt erläutert wird, bevor die Geschichte wirklich los geht. Hier haben wir zwar ein Cold-Opening davor, aber das Prinzip bleibt dasselbe. Das Prinzip kennen wir auch aus dem Prolog zahlreicher Fantasy-Romane, die alle die Herr der Ringe Filme kopieren wollen. Es funktioniert und schöngeschrieben, kann es sogar spannend und interessant sein, aber nichtdestotrotz fühlt es sich am Ende nach verlorener Zeit an.
Die Nacherzählung der Hintergrundgeschichte ist die einfachste Art und Weise Exposition an den Leser zu bringen und deswegen auch die langweiligste. Nur wenige lesen gerne ein Geschichtsbuch und wenn auch noch nur Daten heruntergerattert werden (was hier zum Glück nicht der Fall ist) schnarchen einige sicher sogar weg. Dies ist ein kritischer Moment für jede Geschichte. Denn gerade am Anfang möchte man den Leser packen und nicht mit der komplexen Hintergrundgeschichte seiner fantastischen Welt überfordern.
Was ist also die richtige Art und Weise Hintergrundinformationen zu vermitteln? Schließlich müssen wir ja machen, damit der Leser dem Ganzen folgen kann. Das ist meiner Meinung nach eine sehr schwer zu beantwortende Frage. Es ist ziemlich schwierig darauf eine klare Antwort zu geben und es kommt sicher stark auf die Geschichte an und was man alles vermitteln möchte.
Es ist vermutlich einfacher aufzuzählen, was man nicht tun sollte, um ein Gefühl dafür zu vermitteln, was gute Exposition ist und was schlechte Exposition ist.

  1. Keine unnötige Exposition. Die erste Frage, die man sich stellen sollte ist: Muss ich diese Information über meine Welt überhaupt zu diesem Zeitpunkt preisgeben? Es ist logisch, dass eine Geschichte nicht komplett ohne Kontext erzählt werden kann und gerade bei Fantasy oder Science-Fiction wird man am Anfang ein paar Grundsteine legen müssen, um die Welt realistisch scheinen zu lassen. Aber trotzdem sollte man sich jederzeit Fragen: Ist es wirklich nötig hier abzuschweifen? Oder stört dieser Teil einfach nur dem Lesefluss meiner Geschichte?
  2.  „Info-Dumps“ vermeiden. In diesem Fall haben wir einen klassischen „Info-Dump“ der an einer Stelle einfach alle relevanten Informationen preisgibt, damit der Leser dem Rest folgen kann. Dies ist grundsätzlich zu vermeiden, denn das einfache rezitieren von Hintergrundgeschichte ist selten wirklich spannend. Selbst wenn man es in einer Art und Weise spannend erzählt, wird es trotzdem nicht direkt etwas zum eigentlichen Plot beitragen und die Geschichte das Momentum nehmen. Nur ganz selten sollte es wirklich nötig sein, zu dieser Methode zu greifen und sie ist möglichst zu vermeiden.
  3. Zu viel Exposition in Dialogen. Ein wenig ist meiner Meinung nach in Ordnung. Aber es muss gut begründet sein. Exposition kommt immer dann in Dialogen vor, wenn zwei Charaktere sich über etwas unterhalten, das in der Welt passiert ist oder ein System erklären. Dies ist eine gern benutzte Methode, um Exposition etwas spannender zu machen. Allerdings sollte man sich jederzeit im Klaren darüber sein, dass die Dialoge dadurch an Realismus stark verlieren. Wenn zwei Freunde sich unterhalten, sprechen sie sich selten ständig mit vollem Namen an, nur um den Leser an die Namen der Charaktere zu gewöhnen. Genauso erzählt ein Charakter selten immer und immer wieder von einem tragischen Ereignis in seiner Kindheit, von dem sein Vater eigentlich wissen müsste, aber es muss für den Leser wiederholt werden, damit dieser es auch weiß. Hier muss man eine gute Balance finden zwischen dem was Sinn ergibt und dass was störend ist. Schnell wirken Dialoge mit viel Exposition nämlich sehr hölzern und sehr unnatürlich (Was wir auch bei anderen Geschichten sehen hier sehen können).


Mir ist durchaus bewusst, dass in Kurzgeschichten die Bewältigung dieses Monsters noch einmal eine ganz besondere Herausforderung ist. Man hat wenig Platz die Exposition über viele und viele Seiten zu erstrecken, weswegen man entweder Kompromisse machen muss oder den Fokus anders setzen sollte.
Dies bringt mich zu einem weiteren Punkt, den ich hier gerne anbringen würde: Fokus. Diese Geschichte hat so viele Ideen und auch so viele Charaktere, dass man schon sehr genau aufpassen muss, um alles zu begreifen. Allgemein würde ich raten bei Kurzgeschichten sich auf ein paar wenige Sachen stark zu fokussieren. Die Charakterisierung bleibt hier relativ kahl, weswegen man wenig um die Charaktere trauert und auch nicht mit ihnen mitfühlt. Dies liegt vor allem daran, dass man sie gar nicht kennt. Der Fokus dieser Geschichte will auf den Charakteren und der Tragik ihres Daseins liegen, verpasst es jedoch diese so zu etablieren, dass man wirklich mit ihnen mitfühlt.
Das Ganze könnte man einfach dadurch verbessern, indem man sich mehr Zeit für die Etablierung der Charaktere nimmt. Ob dies am Anfang oder in der Mitte der Geschichte passiert (nach einem Cold Opening) ist dabei nebensächlich. Es ist nur wichtig, dass es passiert und wir zumindest für einen Augenblick Einblick in die Motive und Gedanken eines Charakters bekommen. Auch wenn es nur eine Zeile oder ein Satz ist.
Ich bin mir bewusst, dass wir diesen Punkt jedes Mal bringen, aber auch nicht ohne Grund. Charaktere und Beziehungen sind das wichtigste an einer Geschichte. Sie bringen Konflikte und Konflikte bringen das Drama, nach dem wir so dürsten. Spannung, Action, all das steht und fällt damit, ob ich einen Charakter verstehen und mir eine Meinung zu ihm bilden kann. Ein schneeweißes, unbeschriebenes Blatt mag in Videospielen vielleicht funktionieren, wo er nur als des Spielers Avatar dient (Ich schaue dich an, Link!), aber in einer fiktiven Erzählung will der Leser keinen Avatar. Er will von den Abenteuern eines anderen (interessanteren) Menschen lesen!

Der letzte Punkt, auf den ich hier eingehen möchte, ist ein sehr langweiliger, aber durchaus hilfreicher. Es hat mit Formatierung zu tun. Der Autor hat hier seine Geschichte in zwei logische Abschnitte strukturiert und sie durch zwei Absätze gekennzeichnet.
An sich ist dies eine gute Sache. Es hilft bei der Orientierung und bei Absätzen macht der Leser eine kurze Gedankenpause, um das gelesene zu Verarbeiten. Diesen Trick kann man jedoch sehr viel öfter als nur ein einziges Mal anwenden. Statt nur logische Story-Abschnitte damit zu kennzeichnen, sollte jedes Mal ein neuer Absatz verwendet werden, wenn der Erzähler einen neuen Gedanken beginnt oder ein anderer Charakter eine Aktion vollführt.
Durch das Benutzen von Absätzen wird der Leserfluss meiner Meinung nach verbessert und als Autor bekommt man so die Chance den Lesefluss zu kontrollieren.
Gleiches gilt bei Dialogen. Dazu hatte ich vor ein paar Monaten schon einmal etwas geschrieben, das ich hier nun einfach mal zitiere:
@Akeem schrieb:Es gibt nicht vieles beim Schreiben, wo man objektiv bewerten kann, aber wenn es um so handwerkliche Sachen geht, kann leicht etwas Recherche helfen. Was ich vor allem meine sind Dialoge. Es ist bei Dialogen nicht nur wichtig, dass sie besonders schön oder cool klingen, sondern auch vor allem zu wissen, wer überhaupt gerade spricht. Viele von euch schreiben Dialoge zwischen einer oder mehrer Personen sogar in einem einzigen Absatz, wodurch man teilweise erst am Ende des Satzes weiß, dass überhaupt gerade eine andere Person spricht und nicht dieselbe.
Es gibt Konventionen dafür, die ihr sicher auch aus Romanen kennt und die uns halt bereits antrainiert wurden. Dadurch ist es viel einfacher einen Dialog zu lesen und es entsteht ein viel schönerer Flow, als wenn man alleine schon dadurch verwirrt ist, wer gerade überhaupt etwas sagt. Gerade wenn eure Charaktere recht ähnlich reden, weil sie z.B. einen ähnlichen storytechnischen Hintergrund haben, trägt das nur zur Verwirrung bei. Und das muss ganz einfach nicht sein und ist einfach zu verbessern.

Die Regel ist im Prinzip ganz einfach:
1. Jeder Beginn einer wörtlichen Rede beginnt mit einem neuen Absatz. Diese kann natürlich durch Aktionen unterbrochen werden etc.
2. Jedes Mal, wenn eine andere Person anfängt zu sprechen, ist dies wieder in einem neuen Absatz.

Das sieht dann Beispielweise so aus:
Spoiler:

Es gab nicht viel, was dem jungen Karl aus der Fassung bringen konnte, aber die Worte seiner Schwiegermutter verwandelten ihn in diesem Moment zu einer rasenden Wildsau.
"Wie kannst du es wagen so mit deiner eigenen Tochter zu sprechen?!", brach aus Karl heraus und er schlug so heftig mit der Faust auf den Tisch, dass das alte Melitta-Geschirr einen Satz in die Luft machte. "Du entschuldigst dich gefälligst bei ihr!"
"Du hältst dich da raus, Karl", erwiderte seine Schwiegermutter erschreckend ruhig. "Das ist eine Familienangelegenheit."
"Wenn ich mich recht erinnere bin ich immer noch Teil dieser Familie!"
"Noch."
Genauer nachlesen könnt ihr das z.B. auch hier unter Punkt 8: https://www.die-schreibtrainerin.de/manuskript-formatieren/
So Kleinigkeiten sollten dem Leser auf jeden Fall helfen, eure Geschichte einfacher genießen zu können. ;)
Ist nur ein gut gemeinter Rat. Ich möchte wie immer niemanden damit persönlich angreifen, oder so. Es ist mir einfach nur mehrfach aufgefallen.
Außerdem hat @Mithras diese wunderbaren Tipps zum Dialogschreiben (und auch bisschen für das Bekämpfen unseres Monsters) gefunden, die ich euch nicht vorenthalten möchte:
https://78.media.tumblr.com/68f2ad147f089c45a9bfb1d6a17c6b6c/tumblr_ovj7b121zi1wt2xx3o1_1280.jpg


Interpretation
Im letzten Teil möchte ich einfach mal bisschen drauf los philosophieren. Denn so viel ich nun schon an der Geschichte herumgemeckert habe, mir gefiel ziemlich viele der Ideen, die hier verpackt wurden.
Die Grundidee ist sicher nicht neu. Die Welt steht vor dem Abgrund und es gibt eine Mission die Zukunft zu retten, indem man die Vergangenheit ändert.  Doch es gibt einige Dinge, die hier anders und dadurch interessant sind.
Zum einen sind alle Menschen auf dieser Mission eigentlich Androiden. Sie wurden von Menschen vermutlich speziell für diese Mission entwickelt. Oder sie leben schon seit Jahrzehnten und haben sich selbst, ohne die Menschen so weit vorgearbeitet, dass sie in der Zeit zurückreisen können. Aber der Punkt bleibt derselbe: Es sind Androiden, die so menschlich sind, dass sie ihre eigene Existenz auf Spiel setzen um die Menschheit zu retten. Allein diesen Punkt finde ich unglaublich interessant.
Auf der anderen Seite haben wir das typische Zeitreise-Paradoxon und die Frage, ob es Multiversen gibt oder nicht. Hier ist nicht an sich die Frage interessant, sondern die Art und Weise, wie es beantwortet wird: Nachdem sie es trotz Sabotage schaffen, die Mission abzuschließen ändert sich für die Androiden absolut gar nichts. Sie wissen nicht, welche Theorie der Zeitreise nun die Richtige ist. Und vielleicht werden sie es nie erfahren, denn in welche Zukunft würden sie zurückkehren? Hat sie sich wirklich geändert? Oder gibt es nun ein paralleles Universum, das sich verändert hat?
Die Geschichte lässt diese Fragen im Raum stehen und verzwickt es mit der Tragik des Androiden, der als einziger einen echten eigenen Willen zu haben scheint und für die eigene Rasse kämpft anstatt für ihre Schöpfer. Hier kann man nun noch religiöse Motive hineinlesen, ob die nun Intention haben oder nicht, Potential ist da.

Es ist ein guter Mix von vielen interessanten Ideen. Und wenn man diese nun noch in ein gutes Paket schnürt und bisschen an den Kanten glättet, dann wird das hier ein ziemlich gutes Werk werden. Vielleicht nimmt der Autor sich das nächste Mal mehr als nur einen Nachmittag Zeit, um die Geschichte zu schreiben. Ich habe mir sagen lassen, dass das auch schon helfen soll. ????
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Re: Kurzgeschichten-Wettbewerb - ZUKUNFT

am 01.06.18 20:39
Feedback: MONARCHY IS BACK IN FASHION von @Todd

Eine Frage, die man häufig in Foren oder Artikeln liest ist: Wie viele Dialoge sind zu viele Dialoge? Meine Antwort darauf ist immer: Es gibt nicht zu viele Dialoge, sondern nur langweilige Dialoge!
Es gibt einen sehr häufig verwendeten Lehrausdruck, wenn es ums Schreiben geht: „Show! Don’t tell!“ Das heißt so viel wie: Wann immer du im Begriff bist dem Leser eine Information einfach zu erzählen, überlege ob du ihm die Information nicht lieber zeigen kannst!
Einfaches Beispiel dafür wäre Jemand, der ein Problem mit seinem Vater hat. Statt dem Leser direkt zu erzählen, dass der Charakter ihn nicht mag, zeigt man eine Szene, die dies deutlich macht. Beispielsweise eine Interaktion zwischen den beiden oder man beschreibt sogar einen konkreten Vorfall aus der Vergangenheit des Charakters, um dies zu erläutern.
An sich ist dies ein sehr sinnvoller Rat, den man jederzeit beherzigen sollte. Jedoch kam es so in einem Forum zu einer Diskussion, in der man mir doch verkaufen wollte, dass eine Geschichte, die zu viele Dialoge hätte, ja diese „Regel“ missachten würde, da es ja schließlich nur „Tell“ und niemals „Show“ wäre.
Diese Person hatte meiner Meinung nach, jedoch das Prinzip von „Show! Don’t tell!“ gar nicht verstanden. Es bezieht sich natürlich nicht auf das von einem Charakter gesprochene Wort an sich und die Häufigkeit, in der man es verwendet, sondern auf den Inhalt und wie man mit Dialogen umgeht. Natürlich wäre es „Tell“, wenn der Sohn einfach sagen würde: „Ich hasse dich, weil du nie mit mir Ball gespielt hast.“ Es wäre jedoch nicht „Tell“, wenn er passiv-aggressiv ist, seinem Vater alles übelnimmt und auch von den kleinsten Sachen genervt ist, weil er glaubt ihm nie etwas recht machen zu können.
Diesen feinen Unterschied konnte mein Gesprächspartner offenbar nicht nachvollziehen, dennoch halte ich an diesem Glauben fest und zementiere ihn in dem Ausdruck: Es gibt nicht zu viele Dialoge, sondern nur langweilige Dialoge!
Denn hier wird es spannend. Wenn wir uns jetzt einig sind, dass viele Dialoge an sich nicht schlimm sind und eine Geschichte auch nur aus Dialogen bestehen kann, heißt das natürlich nicht, dass man es nur noch machen sollte. Es ist immer noch gefährlich, denn lange Konversationen können langatmig, uninteressant und ziellos werden. Oder einfach nur langweilig.
Gute Dialoge zu schreiben ist schwer. Sehr schwer. Und der Autor dieser Geschichte hat die Herausforderung angenommen und seine Geschichte vollkommen in einem Dialog zwischen zwei Freunden in einer postapokalyptischen Welt geschildert.
Dies gelingt ihm größtenteils ganz gut. Der Wortwechsel transportiert alle Informationen, die der Leser wissen muss und das Ende lässt ein bisschen Spielraum zu Interpretation, was genau alles nach dem Ende noch passiert, was uns gefallen hat.
Das Problem hier ist jedoch, dass es dem Dialog etwas an Dramatik fehlt. Die beiden Kontrahenten befinden sich in einer Art Streitgespräch, aber wirklich viel Dramatik will dabei nicht aufkommen. Es entsteht etwas Spannung zwischen den Charakteren, aber keine wirklich darüber hinaus, da sie im Grunde nur jeweils einen Vortrag halten, bevor dann das passiert, was schon vorher angekündigt wurde: Der Hochverräter wird abgeholt. Es fehlt hier etwas an Dynamik.
Dies sind eher inhaltliche Dinge und sicher auch ein bisschen Geschmackssache. Einige von euch mögen auf diesem Stil der Diskussion ohne „übertriebene“ Dramatik stehen und das ist auch völlig valide.
Einen mehr objektiven Tipp wollen wir am Ende jedoch dennoch nach mitgeben und das betrifft Exposition in Dialogen. Über Exposition haben wir bereits in unserem Review zu „Was auch immer die Zukunft bringen mag“ geschrieben. Das könnt ihr gerne da noch einmal nachlesen.
Ähnliches lässt sich halt aber auch hier anwenden, wenn wir über Exposition in Dialogen sprechen. Hier befindet sich einfach zu viel der Exposition in den Dialogen. Das sind beispielsweise immer die Stellen, in denen die beiden Informationen wiederholen, die der Leser über die Welt wissen muss. Wenn sie über den Herrscher sprechen, als hätten sie nicht schon vorher hunderte Mal über ihn gesprochen und wenn sie über ihre Ansichten sprechen, als würden sie sich gar nicht kennen. Dies ist alle Exposition, die nur in den Dialogen existiert, damit der Leser sie weiß, aber es ergibt wenig Sinn, dass die Charaktere sie es zu diesem Zeitpunkt in der Geschichte sagen würden. Durch diese Art der Exposition wirken die Dialoge hier teilweise sehr unnatürlich und gestelzt.  
Allgemein gilt die Empfehlung Exposition komplett aus Dialogen herauszuhalten. Dies halte ich jedoch für utopisch. Vor allem in so kurzen Erzählungen ist es nicht realistisch, dass man diese Regel immer einhalten kann. Dennoch sollte man beim Dialoge schreiben immer überlegen, ob ein Charakter mit einem anderen wirklich so sprechen würde und ob man jetzt nicht einfach diese Information nur raushaut, weil sie der Leser wissen muss. Benutzt lieber „Show! Don’t tell!“ anstatt Exposition in eure Dialoge zu packen.
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Re: Kurzgeschichten-Wettbewerb - ZUKUNFT

am 01.06.18 20:41
Feedback: DAS ORAKEL von @Kyouya

Bei dieser Geschichte möchte ich vor allem die Idee loben. Es erscheint jetzt so naheliegend beim Thema Zukunft eine Erzählung über eine Hellseherin zu schreiben, doch bis zu Schluss bin ich nicht darauf gekommen. Mir gefällt die Hauptperson, das Setting und vor allem das Spiel mit dem Gefühl der Einsamkeit, weil das Orakel für eine Art Göttin gehalten wird. Auch der kurze Einblick in die politischen Konsequenzen, die daraus resultieren, haben die Welt bereichert und die Geschichte Tiefe gegeben.  Das alles wird erzählt mit einer soliden Stimme, hin und wieder scheint sogar etwas Poesie hindurch und handwerkliche Fehler lassen sich größtenteils nicht erkennen. Aber das wäre hier ja kein Feedback, wenn wir nicht trotzdem etwas zu meckern hätten.
Das größte Manko an dieser Geschichte ist, dass man am Ende noch mehr will. Man wird fix in die Welt eingeführt und ebenso fix wird man auch wieder rausgeworden. Es wirkt mehr wie der Anfang einer großen, epischen Geschichte und das Ende ist nicht so richtig befriedigend, weil man unbedingt wissen möchte, wie es nun weiter geht.
Das rührt vermutlich daher, dass nicht genug Antworten innerhalb der Geschichte gegeben wurden und nicht genug Fragen aufgeworfen. Ich hätte mir vor allem gewünscht, dass noch mehr mit dem Gefühl der Einsamkeit und den Konsequenzen gespielt werden würde. Hätte man sich etwas mehr Zeit dafür genommen, den Alltag des Orakels zu schildern und gezeigt, wie die Einsamkeit als Gottheit sie zerfrisst, hätte ihre Rettung und die Realisierung, dass sie nicht alleine auf dieser Welt ist, viel stärker gewirkt.
Die Geschichte funktioniert so wie sie ist und ist auch der verdiente Gewinner dieses Wettbewerbs. Aber es geht immer noch mehr. Der Autor hat hier alle erzählerischen und handwerklichen Grundsteine gelegt, hat eine solide Idee und ist in der Lage mit der nötigen Poesie einen Text zu verfassen. Was jetzt noch zu fehlen scheint ist eine klare Vision, was die Geschichte ausdrücken soll und diese mit der größten möglichen Wucht dem Leser ins Gesicht zu schleudern. Das Theme einer Geschichte ist das, was ihr am Ende Tiefe gibt. Es ist in diesem Fall zwar vorhanden und klar lesbar (Es geht um das Gefühl der Einsamkeit und nicht dazuzugehören), aber was noch fehlt ist die Wucht, mit der es mich treffen soll. Es soll schmerzen, wenn ich lese, wie sie alleine in ihrem Zimmer sitzt und sich nichts sehnlicher wünscht, so zu sein wie die anderen. Wenn sie überlegt ihre Kräfte abzugeben, ihr luxuriöses Leben aufzugeben um als Bettler unter den Sterblichen zu wandeln. Ich will sehen, wie sie versucht auszubrechen und scheitert, wie sie sogar anfängt absichtlich falsche Vorhersagen zu machen, um fliehen zu können. Ich will auf eine emotionale Reise mitgenommen werden und mit dem Orakel auf den Boden aufschlagen, nur um von der Fremden gerettet zu werden.
Der Autor hat eine herausragende Entwicklung hingelegt, sich von Mal zu Mal gesteigert und mehrmals verdient gewonnen. Er scheint den großen Teil des Handwerks gemeistert zu haben, was nun noch zu meistern ist, kann man nur schwer lehren, aber durchaus trainieren, wenn man sich dies immer wieder ins Gedächtnis ruft und beim Schreiben darauf achtet: Emotionen.
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Re: Kurzgeschichten-Wettbewerb - ZUKUNFT

am 01.06.18 20:42
Feedback: WRETCHED von @Caligo

Wenn wir normalerweise die Geschichten besprechen, versuchen wir immer Dinge zu finden, die wir dem Autor mitgeben können, damit er sich noch etwas verbessern könnte. Die üblichen Dinge wie Spannungsbogen oder Charakterentwicklung feiern wir ja jedes Mal ab, aber hier haben wir einen besonderen Fall, denn… Wir haben eigentlich gar keinen wirklichen Tipp, den wir noch geben können.
Die Welt, in der die Geschichte spielt, ist durchweg interessant und in kleinen Nebensätzen, durch Aktionen der Charaktere und durch Erklärungen des Erzählers, langsam aufgebaut worden. Das Worldbuilding ist subtil und niemals störend, auf der anderen Seite sind die wenigen Charaktere gut ausgeschrieben worden und es ist so fokussiert und auf den Punkt gebracht, dass man hier, ohne riesige Veränderungen zu machen, gar nichts verbessern könnte. Und das muss man auch gar nicht.
Der Schreibstil ist durchgehend passend. Sicher, mit hier und da könnte man an einer Formulierung feilen und ein bisschen an dem Arbeiten, was wir immer wieder liebevolle Poesie nennen. Aber diese Dinge kommen natürlich, dies ist nichts das man wirklich lernen kann, sondern nur durch vieles Lesen und Schreiben trainieren.
Statt einen Rat zu geben, wollen wir deswegen etwas hervorheben, das uns besonders gut gefallen hat: Das Spiel mit den Erwartungen. Als ich die Geschichte las, konnte ich ehrlich gesagt das Ende schon relativ schnell absehen. Ein Künstler, dem seine wahre Bestimmung verwehr wird und der deswegen gegen das System vorgehen wird, damit dies besser ist. Spätestens als er in ihrer Tür stand, war ich mir sicher, dass nun eine lange Rede über die moralischen Konsequenzen des Systems, der Welt und ihre Entscheidungen kommen würde.
Aber dann kam es anders. Und das hat mich geschockt und überrascht. Man möge nun einwerfen, dass man nicht jede Geschichte zwanghaft mit einem Twist enden sollte, der wie aus dem Nichts kommt. In seltenen Fällen, so wie hier, funktioniert es jedoch und ist genau das, was eine Geschichte benötigt um von interessant zu gut zu werden. Meine Erwartungen wurden völlig über den Haufen geworfen, weil die Autorin genau wusste, was der Leser denken würde und hat dann clever dagegen gespielt.  Dass der Künstler tatsächlich ein psychopathischer Mörder ist und das Gericht an sich richtig entschieden hat, stellt die erwartete, moralische Fragestellung auf den Kopf und lässt einen mit Fragen zurück wie: Hat das System doch recht? Wurde der Mann nur so, weil das System ihn so gemacht hat? Wie viele Menschen hat er vielleicht schon ermordet?
Es ist genau dieses Spiel mit den Erwartungen, von dem wir hier lernen können. Nicht das Allheilmittel für jede Geschichte, aber sicher immer eine Überlegung wert, wenn man einen Text verfasst: Was wird der Leser denken, was nun passiert und kann ich ihn vielleicht auf eine falsche Fährte locken?
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Re: Kurzgeschichten-Wettbewerb - ZUKUNFT

am 02.06.18 16:51
Feedback: WHAT LIES AHEAD  von @Saddy-Chin

Der Schreibstil ist sehr angenehm zu lesen, und der Leser findet sich schnell in die Szene ein. Es gibt keine seltsamen Handlungssprünge, die Geschichte ist leicht zu verstehen, und in sich durchaus schlüssig. 
Es gibt allerdings auch Punkte, welche man in unseren Augen verbessern könnte. Das Hauptproblem der Geschichte ist, dass den meisten Lesern der Ausgang der Geschichte schon in dem Moment klar ist, in dem sie die Situation der handelnden Charaktere begriffen haben. Die Kurzgeschichte spielt weder mit Erwartungen des Lesers, noch bietet sie ungewohnte Lösungsansätze oder einen überraschenden Twist. Diese Gradlinigkeit führt leider dazu, dass sich beim lesen wenig Spannung aufbaut. Beim Schreiben einer Kurzgeschichte sollte man sich immer auch fragen: Was macht gerade die kurze Szene, die ich für meine Geschichte ausgewählt habe für den Leser interessant? 
In der hier präsentierten Situationen wird der Grundkonflikt zwar sehr schnell klar, aber ebenso die Lösung. So entsteht beim lesen kaum Spannung. Eine mögliche Verbesserung könnte zum Beispiel sein, dass der Grundkonflikt etwas schwieriger gestaltet wird, so dass dieser nicht durch ein paar einfache Sätze des männlichen Protagonisten gelöst werden kann. Eine weitere Möglichkeit besteht darin, die Ausgangssituation zuerst im Unklaren zu lassen, sodass der Leser ein bisschen darüber rätseln kann, worauf das Ganze hinauslaufen könnte.
 Außerdem könnte es hilfreich sein, dass wir etwas mehr über die Charaktere erfahren, was uns möglicherweise mit ihnen mitfiebern lässt. Die meisten Dinge, die man über die Protagonisten erfährt (zum Beispiel sie hat reiche Eltern, er stammt aus der Unterschicht) sind zwar ein guter Anfang, ergeben aber insgesamt eher ein oberflächliches, fast schon klischeehaftes Bild. Vielleicht wäre es besser, sich eher auf die kleinen, fast schon alltäglichen Dinge zu konzentrieren, die die beiden in der Beziehung zusammenhalten, da so eher ein Gefühl für die Besonderheit von ihrer Beziehung beim Leser entsteht. 

Subjektives Feedback:
Die dargestellte Grundsituation der Protagonistin Chloe war für mich durchaus nachvollziehbar. Sie macht sich Sorgen um ihre berufliche Zukunft, ein Gefühl, was bestimmt manchem Leser vertraut ist. Leider wirkten manche Reaktionen doch ein bisschen übertrieben, was das Ganze für mich etwas unrealistisch wirken lässt. Warum stellt Chloe nur aufgrund von ein paar (möglicherweise) schiefgelaufenen Bewerbungsgesprächen gleich ihre Beziehung zu Alexei und die bevorstehende Heirat infrage?
Vielleicht ist sie einfach nur ein sehr labiler Mensch, der Rückschläge sehr schlecht verkraftet. Doch Alexeis Reaktion darauf, aufs Bett drücken und stocksauer werden inklusive ist mir doch etwas sauer aufgestoßen. Für mich wirkt diese Reaktion unangebracht, fast schon übergriffig. Auch die folgenden Worte, die Chloe beruhigen sollen, waren für meinen Geschmack sehr dramatisch gewählt, und hätten bei vielen Menschen wohl eher das Gegenteil erreicht. 
Deswegen war ich doch verwundert, dass Chloe gleich darauf jegliche Sorgen in den Wind schießt, und der Zukunft freudig entgegenblickt. Ich konnte mich des Eindrucks nicht erwehren, dass Chloe und ihr Freund sich vielleicht wirklich zu schnell in eine Beziehung gestürzt haben, und die Sorgen der Protagonistin begründeter sind, als es in der Geschichte wohl den Anschein machen soll. Auf mich wirkt es fast so, als hätte Chloe die Überwachung durch ihre Eltern gegen einen ebenso kontrollierenden Freund eingetauscht. Allerdings ist dies nur meine ganz persönliche Meinung, die ich mir nach dem lesen der Geschichte über die Beziehung der beiden gebildet habe.
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Re: Kurzgeschichten-Wettbewerb - ZUKUNFT

am 02.06.18 20:37
Feedback: Am Leben von @Fergesun

In diesem Feedback widme ich mich der Kurzgeschichte „Am Leben“. Diese Geschichte ist in zwei Abschnitte unterteilt. Im ersten befindet sich der Hauptcharakter in einer Simulation, im zweiten dann in der „realen“ Welt. 
Ein kleiner Ratschlag, welchen man zu ersten Teil geben könnte ist, dass er auf den Leser schnell etwas langatmig wirken könnte. Zwar ist er wichtig für den Twist, doch es baut sich kaum eine Verbindung zu dem Charakter auf, da man direkt mit der Kampfsituation konfrontiert wird. Dies ist nur mein persönliches Empfinden, doch vielleicht wäre es besser, die Simulationsszene etwas zu kürzen, und sich stattdessen später etwas mehr Fokus auf Marcus Gefühle in der echten Welt zu legen.
 Actionszenen an sich können zwar durchaus eine gewisse Spannung beim Leser erzeugen. Aber ein Kampf so früh am Anfang einer Kurzgeschichte, welcher außerdem einen längeren Zeitraum umfasst, kann dazu führen, dass der Wechsel zwischen den beiden Settings etwas zu abrupt wirkt. Dieser Eindruck wird dadurch verstärkt, dass die Actionszene kaum etwas über den eigentlichen Charakter des Protagonisten preisgibt.
Situationen, bei denen der Fokus auf Action liegt, funktionieren meist besser in einem visuellen Medium. Das heisst nicht, dass man sie in einer Kurzgeschichte niemals schreiben darf, oder dass sie nicht auch eine gewisse Spannung erzeugen können. Doch ein wichtiger Punkt dabei ist vor allem, dass man mit den Charakteren (oder dem Charakter) mitfiebern kann, und dass es uns als Leser treffen würde, würde ihm etwas zustoßen. Bei einer Actionszene, die eigentlich kaum etwas von dem „echten“ Charakter des Protagonisten zeigt, und in  der nichts anderes (zum Beispiel Familie, Freunde) als sein eigenes Leben auf dem Spiel steht, ist dies unser Meinung leider nicht wirklich gegeben. Am besten sollte eine Actionsequenz eine von zwei Funktionen erfüllen: entweder, sie gibt etwas über den Protagonisten der Geschichte preis, oder sie bringt den Plot voran. Hier wurde dieses Potential unserer Meinung nach nur unzureichend genutzt. Man hätte die Szene um einiges kürzen können, und sie hätte trotzdem noch denselben Zweck erfüllt wie momentan. Dies könnte auf jeden Fall noch optimiert werden.
Ein weiterer Punkt, den man bei dieser Geschichte verbessern könnte ist die Rechtschreibung und die Grammatik. Es hätte der Geschichte wirklich gut getan, wäre sie noch einmal Korrektur gelesen worden, denn Fehler wie „der Besamte“ statt der Beamte machen die Kurzgeschichte an manchen Stellen unfreiwillig komisch und vermindern leider das Lesevergnügen etwas. Natürlich kann so etwas mal passieren, aber hier nimmt es streckenweise leider Überhand. Außerdem sollte beachtet werden, dass es verwirrend ist, wenn man bei einer Kurzgeschichte manchmal mitten im Satz von der Ich-Perspektive in die Er-/Sie Perspektive gewechselt wird.

Auch einige Logikfehler (oder vielleicht auch nur Stellen, die besser hätten erklärt werden müssen) haben sich eingeschlichen. Obwohl erst gesagt wird, dass sich der Tod in der Simulation dann auch im echten Leben ereignet, stirbt der Hauptcharakter in der Simulation, und ist dann doch wieder lebendig. Liegt das daran, dass er gewonnen hat, und nur die Verlierer sterben „wirklich“? Oder dachte er vielleicht nur, dass er stirbt, aber wurde nur bewusstlos? Das hätte vielleicht etwas deutlicher gemacht werden können, denn so war ich als Leser erst sehr unsicher, ob der Charakter im ersten Teil der Geschichte wirklich derselbe wie im zweiten Teil ist. 
Die Welt an sich ist dennoch ziemlich gut gelungen und sowohl in politischer, als auch kultureller Hinsicht interessant. Es lässt uns Leser mit dem Hunger nach mehr zurück. Man möchte mehr über Marcus erfahren, sowohl über seine Vergangenheit, als auch seine Zukunft. Wird er sich wohl in der "normalen Welt" zurecht finden? Wird er doch seine Eltern treffen? Wie wird er reagieren? Und kann er überhaupt außerhalb überleben?
Wir haben das starke Gefühl, dass der wirklich interessante Teil dieser Geschichte noch vor uns liegt. Dies ist nur ein kleiner Teaser. Der Prolog sozusagen. Die zweite Hälfte verspricht so viel mehr, aber trotzdem verbringt man hier eine Hälfte in einer virtuellen Welt, wobei doch die reale fiktive Welt die wirklich interessanten und nachdenklich stimmenden Ideen mit sich bringt. Wir wünschen uns deswegen einen zweiten, nächsten Teil dieser Geschichte, in der man sich mehr auf die gesellschaftlichen Ideen und Emotionen, die diese auslösen, konzentrieren sollte. Vielleicht haut der Autor ja noch einmal für uns in die Tasten.
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Re: Kurzgeschichten-Wettbewerb - ZUKUNFT

am 24.06.18 12:18
Feedback zu Und wieder einmal nichts gelernt von @Wermuth

Humor ist eine schwierige Sache, denn er ist so vielfältig wie die Menschheit an sich. Nicht selten findet man schon im engsten Freundeskreis schmerzlich heraus, dass dieses eine GIF dass man selbst brüllend komisch findet, bei seinem besten Freund nicht einmal ein müdes Lächeln hervorruft. Immerhin haben die meisten noch den Anstand trotzdem ein kurzes „lol“ als Antwort zu schicken, andere ignorieren meine Nachricht sogar jedoch einfach… (Du weißt genau wer du bist!)
In Geschichten gilt das genauso wie z.B. bei Sketch-Comedy. Und im Prinzip erinnert diese Kurzgeschichte hier auch stark an solche Sketch-Comedy Sendungen wie z.B. Saturday-Night-Live. Gefällt einem der Humor nicht, bleibt bei Sketchen oft gar nichts über. Funktioniert für einen der Witz nicht, sind die Geschichten hinter diesen Erzählungen oft einfach nur absurd, schwachsinnig und im schlimmsten Fall langweilig. Vor allem wenn sie wie in diesem Fall eine gewisse Länge haben, kann es sich bei Nicht-gefallen der humoristischen Einlagen sehr lang ziehen.
Selbst in unserer kleinen Testgruppe innerhalb der Jury hat es diejenigen gegeben, die den Humor dieser Geschichte als flach und unlustig bezeichnen würden, aber andere fanden sie amüsant oder sogar brüllend komisch.
Mit dem Verfassen eines Comedy-Geschichte geht also immer ein gewisses Risiko einher, dass diejenigen, die deinen Humor nicht teilen, hier keinerlei Spaß haben werden. Bedeutet das jetzt, wie raten davon ab, jemals Comedy zu schreiben?
Natürlich nicht! Und jeder kleiner Witz muss auch nicht funktionieren, damit man die Geschichte gut finden kann. Trotzdem kann man hier noch mehr tun, damit die Geschichte zumindest nicht langweilig wird, auch wenn man bei jedem unlustigen Satz die Augen rollen muss.
Was hier angewendet wurde, was vor allem das aufbauen eines Mysteriums, was sehr gut funktioniert hat. Dadurch war der Autor in der Lage, den Leser dauerhaft zu interessieren. Dadurch, dass dem Leser vom Präsidenten und zahlreichen anderen Charakteren viele Informationen vorenthalten werden, entsteht ein Drang mehr zu erfahren und weiterzulesen. Allgemein ist dies ein guter Tipp für jeden Autor, der einen Spannungsbogen aufbauen möchte. Ein klares Ziel zu haben hilft immer, damit der Leser in irgendeiner Art und Weise voraussehen könnte, in welche Richtung es geht. Ihn dann zu überraschen, mit Wendungen ist das, was für uns einen Großteil des Spaßes beim Lesen ausmacht.
Wenn man dann noch mit einem so interessanten und sogar leicht politischen Ende daherkommt, kann man unserer Meinung nach nur gewinnen. Und den Leser bei der Stange zu halten, ist immerhin das wichtigste.
Das ist der Hauptpunkt, wieso diese Geschichte unserer Meinung nach trotzdem funktioniert, auch wenn der Humor nicht unbedingt seins ist. Darüber hinaus hätte man natürlich noch sehr viel mehr machen können (wie das eben immer so ist).
Beispielsweise sind die Charaktere hier durch die Bank weg alle sehr flach. Das liegt vor allem daran, dass man dieser Sketch-ästhetik etwas zu sehr versucht gerecht zu werden. Würde man zumindest den Hauptcharakter etwas mehr Persönlichkeit verleihen und ihn vielleicht auch mal ein bisschen etwas hinterfragen lassen, würde der Mix aus Humor und Mystery sicher noch interessanter geworden.
Also im Grunde das, was wir immer wieder sagen: Nimm dir doch bisschen mehr Zeit für deine Charaktere.
Wenn man nicht nur inhaltlich das Ganze etwas verbessern möchte, kann man es auf jeden Fall sprachlich etwas aufpolieren. Hier fällt vor allem die langen Schachtelsätze auf, sowie einige Stilfehler, wo zwischen Zeiten- und Perspektiven hin und her gewechselt werden. Das Ganze macht die Geschichte teilweise etwas schwer nachzuvollziehen und etwas kompliziert zu lesen. An manchen Stellen ist das sicher als humoristisches Stilmittel gewollt, jedoch muss man hier aufpassen es nicht zu übertreiben. Humor ist schließlich eine sehr subjektive Sache. Wenn jemand ihn hier nicht teilt, wird er solche Dinge einfach nur als Fehler oder schlecht recherchiert ansehen.
Bei diesem Punkt gilt wie bei allen Tipps, die wir hier geben wollten: Die richtige Balance zu finden ist wichtig. Man möchte genug Stoff für Leser ohne Humor in seiner Geschichte haben, gleichzeitig aber auch nicht zu viele Kompromisse eingehen, um einer gewissen Zielgruppe zu gefallen. Trotzdem sollte man dies immer im Hinterkopf behalten und hin und wieder die Geschichte von außen betrachten und sich fragen: Funktioniert sie auch ohne den Humor? Funktioniert sie als einfache Geschichte?
Denn wenn sie das tut, wird das nicht nur den unlustigen Lesern etwas zu lesen geben, sondern auch denen, die deinen Humor zum Brüllen finden, noch mehr Spaß bereiten.
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Re: Kurzgeschichten-Wettbewerb - ZUKUNFT

am 24.06.18 12:53
Feedback zu Another Space Story von @Eflame

Jeder hat mal irgendwo angefangen und aller Anfang ist bekanntlich schwer. Es fällt uns daher nicht leicht hart mit Geschichten ins Gericht zu gehen und wir versuchen immer positive Dinge, auf die sich der Autor konzentrieren sollte herauszustellen und auf mögliche Verbesserungen hinzuweisen. Es sind alles nur gut gemeinte Ratschläge und sicher keine allgemein gültigen Weisheiten und wenn man anderer Meinung ist, so soll das auch völlig in Ordnung sein.
Unserer Meinung nach gibt es nur einige Grundaspekte, die jede Geschichte erfüllen sollte, um überhaupt inhaltlich bewerten werden zu können. Dazu gehört Rechtschreibung und Grammatik (auch wenn wir selbst hier natürlich nicht perfekt sind), die hier leider mehrfach verletzt wurde. Das geht über einfache Tippfehler bis hin zu ernsthaften Grammatik-Ermordungen. Das ist nicht etwas, was man von heute auf morgen perfekt hinbekommt, aber etwas an dem man arbeiten kann.
Wir empfehlen einschlägige Rechtschreibprüfungs-Tools zu verwenden. Word bringt die Prüfung z.B. standardmäßig mit. Aber auch Webseiten wie Duden.de bieten solche Dienste an. Auf die Grammatikprüfung kann man sich zwar leider immer noch nicht ganz verlassen, aber wenigstens Rechtschreibung sollte damit abgedeckt worden sein.
Außerdem hilft es immer Beta-Leser zu haben. Das sind einfach Freunde, Verwandte oder auch Fremde, die deine Geschichte durchlesen und dir Feedback geben, bevor du die Geschichte dann bei uns abgibst. Das hilft nicht nur um solche Fehler zu finden, sondern auch um allgemein einen Eindruck zu gewinnen, wie die Geschichte bei dem potentiellen Leser ankommen wird. Auch wir bieten so etwas schon länger an. Also wenn jemand vor der Abgabe schon ein kleines Feedback haben möchte, könnt ihr uns eine Vorabversion gerne vor der Abgabe schicken.
Darüber hinaus sollte man versuchen in jeder Geschichte einen Spannungsbogen aufzubauen. Wie genau man das machen kann, haben wir in den Feedbacks zu den anderen Geschichten bereits mehrfach dargelegt. Konflikte sind jedoch das entscheidende. Nichts ist langweiliger als eine Geschichte, bei denen alle auf der selben Seite sind.
An sich haben wir diesen Konflikt hier gegeben, jedoch ist die Geschichte durch ihre fundamentalen Fehler in Sprache und Ausdruck so gehemmt, dass dies gar nicht zur Geltung kommt. Die Geschichte ist so einfach zu schwer nachzuvollziehen und der Konflikt nicht eindeutig genug erklärt, damit man mitfiebern kann. Ja, meistens versteht man nicht einmal richtig, was überhaupt passiert.
Da hilft auch nicht, dass die Charaktere auch hier recht eindimensional sind. Klar, es ist eine Kurzgeschichte, trotzdem hätten wir gerne zumindest bei einem Charakter ein Interessanten Gedanken, der unser Interesse zumindest ansatzweise aufrecht halten kann.
Zu guter Letzt wollen wir noch gesondert auf das Ende eingehen und über Offene Enden sprechen. Auch dies ist ein fundamentales Stilmittel bei Kurzgeschichten, aber so wie es hier umgesetzt wurde ist es ziemlich unbefriedigend. Ein Offenes Ende bedeutet nämlich keineswegs, dass die Geschichte einfach mittendrin endet.  Dadurch, dass der Autor sie mit den Worten „to be continued“ beendet, scheint er auch selbst zu wissen, dass dies nicht das Ende sein kann, sondern es später noch fortgesetzt werden muss. Leider soll dies tatsächlich das Ende sein, was für uns überhaupt nicht funktioniert. Als Meme ist das vielleicht okay, aber es lässt sich trotzdem nicht als Offenes Ende qualifizieren.
Ein gutes Offenes Ende beendet die Erzählung nicht mittendrin, sondern kommt nach dem Höhepunkt der Geschichte, der bereits zu einem zufriedenstellenden Ende gebracht wurde und hinterlässt dann den Leser mit einer Vielzahl von möglichen weiteren Handlungsverläufen, die allesamt möglich sind. Es spricht die letzte Wahrheit nicht aus, aber gibt Hinweise, welche es geben könnte und wohin es noch hinauslaufen könnte. Es gibt Interpretationsspielraum und nach dem Beenden des Lesens noch einmal die Möglichkeit für den Leser weiterzuspinnen, was als nächstes passieren könnte. Dem Leser ist überlassen, welches Ende er für sich annehmen möchte, aber dafür braucht er eine Auswahl von verschiedenen Möglichkeiten.
In diesem Fall haben wir dies alles nicht gegeben. Denn dies ist kein offenes Ende, sondern einfach nur ein Cliffhanger, der mit „to be continued“ auf eine Fortsetzung hinweist. Den weiteren Handlungsverlauf einer Geschichte als Offenes Ende zu vermarkten, bedeutete eben nicht auch ein Offenes Ende zu haben. Dies ist nämlich im Grunde genommen gar kein Ende… Die Geschichte hört einfach nur mittendrin auf.
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Re: Kurzgeschichten-Wettbewerb - ZUKUNFT

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