Kurzgeschichten-Wettbewerb - BRIEFE

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Welche Geschichten sind eure Favoriten? (Abgabe mehrerer Stimmen möglich!!)

21% 21% 
[ 3 ]
14% 14% 
[ 2 ]
64% 64% 
[ 9 ]
 
Stimmen insgesamt : 14

Kurzgeschichten-Wettbewerb - BRIEFE

Beitrag von Akeem am 30.08.17 16:13

Edit 03.10.2017:


Abgaben:





Abstimmung geht bis zum 10.10 etwa 17:17 Uhr!
JEDER USER KANN FÜR MEHR ALS EINE GESCHICHTE ABSTIMMEN!







Hallo Leute,

wir wollen das Momentum ja nicht verstreichen lassen, weswegen wir direkt den nächsten Wettbewerb abfeuern. Dieses Mal hat das Team sich für ein Thema entschieden, was wir für recht offen und vielversprechend halten. Bin gespannt, was dabei rum kommt.

Da es eine Frage in letzter Zeit war: Ihr könnt euch auch ruhig schon vor Abgabe einmal ein kurzes Feedback bei mir einholen, wenn ihr wollt. Das ist einfach nur ein Angebot, das ich hier mal in den Raum werfe. Ist natürlich keine Garantie, dass eure Geschichte dadurch wirklich besser abschneidet am Ende. Wie die Votings gezeigt haben, ist mein Geschmack nicht wirklich 100% repräsentativ für den Rest der User in unserer Community. Ist euch überlassen, aber ich will es mal offiziell jedem hier anbieten. 
Das heißt natürlich nicht, dass ich irgendetwas für euch schreiben werde xD Die Arbeit müsst ihr schon selbst tun. Ich würde nur auf Dinge hinweisen, die mir auffallen.


Die Regeln sind ganz einfach:
Ihr erstellt in dem vorgegebenen Zeitraum eine Kurzgeschichte, die irgendetwas mit dem vorgegebenen Oberthema zu tun hat und lasst sie mir zukommen. Ob nun über PM oder Skype, oder per Mail, ist völlig gleich, Hauptsache sie ist rechtzeitig da.

Anschließend werde ich alle Geschichten lesen und ein kleines Review dazu schreiben, was ich dann zusammen mit den Geschichten veröffentlichen werde. Danach haben alle im Forum die Möglichkeit ihren Gewinner per Voting zu küren. Also super einfach!


Hier nun die wichtigsten Fakten:
Das Thema ist BRIEFE.
Wie ihr dieses Thema interpretiert ist völlig euch überlassen. Also lasst eurer Fantasie freien Lauf!

Die Geschichte ist bis zum 30.09.2017 23:59 Uhr einzureichen. Eine Maximal- oder Mindestlänge gibt es nicht!

Auch dieses Mal gibt es wieder Abzeichen zu gewinnen. Zu gewinnen gibt es folgende Abzeichen, wieder zur Verfügung gestellt von @Mithras:



Zuletzt von Akeem am 03.10.17 17:17 bearbeitet; insgesamt 2-mal bearbeitet
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Re: Kurzgeschichten-Wettbewerb - BRIEFE

Beitrag von Akeem am 03.10.17 17:07

Vorweg möchte ich sagen, dass wir dieses Mal tatsächlich eine richtige Jury haben, die nicht nur aus mir selbst besteht, sondern sogar aus zwei Personen: @EzraGallagher und mir.

Wir möchten allen danken, die auch dieses Mal wieder mitgemacht haben. Wir wissen wie schwer es ist, das irgendwie zeitlich einzuräumen (ich habe es dieses Mal sogar selbst versucht und nicht hinbekommen) und sind wirklich froh über jeden, der mal für mal wieder etwas abgibt. Danke!
Außerdem möchten wir sagen, dass wir mit unseren Reviews niemanden beleidigen oder kränken wollen. Das ist wirklich alles nur gut gemeintes Feedback. Wir haben jetzt schon mehrfach gesehen, wie einige von euch, sich das wirklich zu Herzen nehmen und sich von Mal zu Mal verbessern. Also denkt daran, wenn ihr das lest, dass es wirklich nur um das Handwerk geht und nicht um euch als Person! Also nicht zu persönlich nehmen, wenn wir etwas ansprechen ;)
Außerdem könnt ihr natürlich auch gerne anderer Meinung sein und im Endeffekt zählen sowieso nur die Stimmen der Community. Schließlich sind Geschmäcker ja verschieden.
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Re: Kurzgeschichten-Wettbewerb - BRIEFE

Beitrag von Akeem am 03.10.17 17:10

Love Letter:

"-xie..."
Ich sah von meinem Comic auf. Hatte ich gerade etwas gehört? Wohl nicht. Mein Kopf wollte mir Streiche spielen.
"Pixie!", brüllte mir eine zu vertraute Stimme in meine Gedanken. Vor Schreck zuckte ich zusammen und warf meinen Comic aus den Händen. Es war der Chef! 
"Pixie. Wir müssen ein ernstes Wörtchen miteinander reden", kam es unheilvoll von dem Gott der Liebe "du bist der kleinste und schwächste meiner Boten. Das hat mich nie gestört. Aber du bist noch dazu faul. Was ist mit deinen Schützlingen?"
Ich sah zu der goldenen Tafel... Doch darin waren nur zwei Namen gemeißelt... Das Paar, das ich zu meiner Prüfung zusammengebracht hatte... Vor 457 Jahren...
"Du bekommst eine letzte Chance. Es wird eine schwere Aufgabe sein. Ich gebe dir ein Paar. Schaffst du es sie zusammen zu bringen, dann darfst du bleiben."
Ich spürte wie jegliche Farbe mein rundes Gesicht verließ. Noch nie hatte der Gott der Liebe einen Boten raus geworfen! Wieso also ausgerechnet mich?! Die Arbeit erledigte sich von selbst und ich konnte so viele Comics lesen wie ich wollte! Es war doch nicht meine Schuld, dass sie sich ständig nach kleinen Streitereien trennten! Das war so unfair! Doch das Weinen und Quengeln würde nicht helfen. Deshalb seufzte ich leise und nickte untergeben, woraufhin mein Chef ein zufriedenes Murmeln von sich gab und zwei Ordner vor mir erscheinen ließ - die Akten der Beiden. Ich blätterte nur kurz durch und erkannte das Problem sofort: Eine Zeitverschiebung von 12 Stunden! Sie wohnte in England. Er lebte in Neuseeland! Aber ihre Geschichte war fast so süß wie die meiner Comics. Er entwickelte kleine Spiele in seiner Freizeit. Sie war Redakteurin einer Website, die neue Spiele vorstellte. Zufällig stolperte sie über seine Kreation und verliebte sich Hals über Kopf. Sie schrieb ihm eine E-Mail und so begann alles. Erst als ich beide Akten schloss wurde mir bewusst, dass ich lächelte. Energisch stand ich auf und machte mich auf den Weg.

Laurens verliebtes Lächeln erwärmte mein Herz. Es entging mir nicht, wie sie ständig zu einem Papier schielte und endlich den Entschluss fasste und ihrem Liebsten einen Brief schrieb. Ein Liebesbrief, wie romantisch! Auch wenn ich direkt über ihr flatterte las ich den Brief nicht mit. Diese Worte waren nur für Logan bestimmt.
Plötzlich zerknüllte sie das Papier und warf es in einen Eimer, in dem bereits unzählige Briefversuche lagen. Mein Herz wurde sofort schwer. Sie hatte bereits so oft versucht ihm ihre Gefühle zu gestehen? Und sich nie getraut? Nicht bei meiner Aufsicht! Geduldig wartete ich darauf, dass sie den nächsten Brief begann. Wieder legte Lauren den Stift zur Seite, wollte das Papier zerknüllen... Doch stoppte als Glas auf den Boden fiel und zerbrach. Unschuldig pfeifend flatterte ich über dem zerbrochenen Bilderrahmen, auch wenn sie mich weder sehen noch hören konnte. Lauren seufzte und verließ den Raum. Das war meine Chance! Ich faltete das Papier und schob es in den Umschlag. Verschlagen kichernd versiegelte ich den Umschlag und flog aus dem Fenster

Wie hoch ich über England war wusste ich nicht. Zu sehr freute ich mich schon auf Zuhause. Und meinen Lieblingscomic, den ich dann voller Stolz zum tausendsten Mal lesen konnte!
Ein Donnergrollen riss mich aus meinen Gedanken. Wenige Augenblicke später ergoss sich kalter Regen über mich. Reflexartig drückte ich den Brief schützend an meine flauschige Brust. Ich musste mich beeilen! Logan wartete in Neuseeland darauf, auch wenn er nichts davon wusste. Ich versuchte mich irgendwie zu orientieren und floh förmlich aus dem Regen.
Je tiefer ich ins Landesinnere kam, umso mehr schien das Wetter auf meiner Seite zu sein. Ich versuchte die Meere zu vermeiden. Durch meinen Mangel an Erfahrung war ich nämlich eine unglaubliche Niete in der Orientierung anhand der Sterne. Aber an Land konnte ich in etwa sagen, dass Europa bereits hinter mir lag. Stolz plusterte ich das rote Fell meiner Brust etwas und flog mit einem Grinsen weiter.
Als ich endlich meinen kleinen weißen Flügeln eine Pause schenkte. Wie lange ich schon unterwegs und wo ich mich befand wusste ich nicht. Ich wusste nur dass ich mir eine Pause redlich verdient hatte. Und so legte ich den Brief neben mich auf das Dach,  auf dem ich saß, und schob eine Spitze unter mich, damit der Wind ihn nicht wegwehen würde. Aus der Tasche, die sich im Fell meiner Brust befand, zog ich meinen Lieblingscomic. Zeit für eine Belohnung! Grinsend begann ich zu lesen, konnte aber nach ein paar Seiten die Zeilen nicht mehr lesen. Verwundert sah ich von meinem Comic auf und bemerkte das die Erde bebte! Schnell vergrub ich  den Comic wieder in meiner Tasche und griff nach dem Brief. Als ich abheben wollte brach das Dach unter mir weg und ich fiel mit den Brocken zu Boden. Den Brief fest an mich gepresst sah ich mich um und hob wieder ab. In der Luft konnte die Erde nicht beben... Aber die Mauerstücke regneten auf mich herab! So gut ich konnte wich ich den - für meine Verhältnisse - großen Brocken aus und schaffte es schließlich eine sichere Höhe zu erreichen. Das Beben schien aufgehört zu haben und meine Sicht war durch den aufwirbelnden Staub beschränkt. Trotzdem flog ich panisch in eine Richtung weiter.
Wahrscheinlich das erste Mal seit meinem Aufbruch wusste ich in welchem Land ich war: Irgendwo in Indien. Mein Plan war es Richtung Indonesien zu steuern. Das Ziel Logan war bereits zum Greifen nah! Der Gott der Liebe würde mich loben. Vielleicht würde ich sogar einen Gehilfen bekommen! Glücklich summend schunkelte ich hin und her, auch wenn der starke Wind es mir etwas schwer machte. Aber so ein Windchen war für mich doch eine Kleinigkeit! Ich war ein Liebesbote! Immer mehr Kraft musste ich in meine Flügelschläge stecken und wurde plötzlich davon geschleudert. Ich schaffte es mich zu fangen und sah den Grund für diesen unnatürlich starken Wind: Ein Wirbelsturm bewegte sich in meine Richtung. Wieder all meine Kraft in meine Flügel setzend flog ich weiter, dem Sturm knapp entkommend. 
Fix und fertig landete ich auf einer der indonesischen Inseln. Auf dem indischen Ozean hätte ich mich fast verflogen. Und war noch dazu in zwei Gewitter geraten. Um den Brief zu schützen hatte ich sogar meinen Comic aus der Tasche genommen und den Umschlag unter mein schützendes Fell gebracht... Was tat man nicht alles für die Liebe. Seufzend sah ich hinab zu den Menschen, die eilig flohen... Aber wovor? Zu müde um darüber nachzudenken schloss ich die Augen ein paar Sekunden, bis ein Beben mich zurück in die Realität holte. Nicht schon wieder! Sofort stieg ich in den Himmel und sah den Berg in der Nähe, aus dem es qualmte. Was war da los? Auf einmal spuckte der Berg Feuer und Steinbrocken! Was war nur los mit dieser Welt?! Versuchte hier wirklich alles einen umzubringen?! Mir blieb keine andere Wahl als zurück aufs Meer zu fliehen, nur um direkt nach Australien zu steuern. Ich wollte nach Hause!
Keuchend landete ich auf einer Fensterbank. Ich konnte mich nicht einmal freuen endlich bei Logan angekommen zu sein. Ich war einfach froh bald nach Hause gehen zu können. Die australische Wüstenhitze hatte mir den Verstand geraubt. Und die ganzen giftigen Viecher, die mich anders als die Menschen wahrnehmen konnten, die versucht haben mich umzubringen! 
"Geht es dir gut?", sprach ein Mann verwundert und ich sah überrascht zu dem jungen Mann, der eine Zeichnung ansprach... die erschreckend nach mir aussah. "Du bist mir gestern Nacht im Traum erschienen... Aber du bist nur ein Bild. Du kannst nicht sprechen. Ich habe wohl einen Schlafmangel...", murmelte er und rieb sich die Augen. 
Ich schlich mich hinter die Leinwand des Bildes. Er konnte mich hören. Das könnte ich zu meinem Vorteil nutzen...
"Logan", sprach ich ihn direkt an und genoss die Verwunderung in seinen Augen "ich bin ein Bote und muss dir etwas wichtiges überbringen." Ich zog den Brief aus meiner Brustfelltasche und ließ ihn unter der Staffelei hervor gleiten. "Dieser Brief ist für dich. Es war mein göttlicher Auftrag ihn dir zu bringen. Dieser Brief ist sehr wertvoll." Mit diesen Worten verschwand ich auch wieder aus seinem Haus, sah ihm dabei zu wie er verwundert den Brief aufhob und sich seine Augen weiteten.

Gedankenverloren blätterte ich durch die sortierten Briefe. Wann ich angefangen hatte Briefe an meine Schützlinge zu schreiben wusste ich nicht. Vermutlich war es der Gedanke an Laurens Brief. Ein einziger Brief, der ihre und meine Zukunft vor Jahren verändert hatte. Ein Brief, den sie selbst nie hätte abschicken können, wie auch ich die meinen nicht. Ich schrieb von meinen Reisen. Wie ich ihnen geholfen hatte zusammen zu kommen. Wie ich über sie wachte. Wie gerne ich mit ihnen reden würde.. Lächelnd sah ich zur goldenen Tafel, auf dem zwei weitere Namen standen.
"Ich bin beeindruckt, Pixie", sprach mein Boss "du hast dich wirklich verändert. Du hast deinen Lieblingscomic aufgegeben. Die Gefahren der Erde gemeistert. Und sie zusammen gebracht. Ich bin sehr stolz auf dich."
"Lauren und Logan sind ein verbundenes Paar. Wie andere auf der goldenen Tafel, wird sich ihr Band nie trennen... Sie werden ohne meine Hilfe glücklich sein. Ich kann nicht über sie wachen...", antwortete ich etwas traurig und blätterte wieder durch das Papier "ich weiß nicht wie oft ich ihnen Briefe geschrieben habe... Erst gestern habe ich-" Meine Augen weiteten sich. Er war nicht da! Der Brief an Lauren und Logan war nicht da! 
Mein Boss lachte leise und ließ ein Bild vor mir erscheinen. Meine Augen füllten sich mit Tränen, als ich die schwangere Lauren neben Logan sah, einen Brief in ihren Händen.  


Jury meint:
In dieser Geschichte geht es um einen Liebesbrief, den ein Mädchen niemals ihrem Verehrten zukommen lassen hat, aber er trotzdem durch ein magisches Wesen ihren Adressaten erreicht. Im Grunde lässt sich so in einem Satz die gesamte Handlung zusammenfassen. Möchte man noch etwas präziser werden, könnte man hinzufügen, dass ein fauler Bote der Liebe um seinen Arbeitsplatz bangen muss und deswegen nach rund 500 Jahren mal wieder das Comiclesen aufgibt, um zwei Herzen, auf unterschiedlichen Seiten der Erdkugel, zusammenführt, indem sie dem Jungen die Gefühle des Mädchens mittels eines von ihr geschriebenen Briefes offenbart.
Die Geschichte ist also an sich recht simpel. Ein Brief wird von A nach B transportiert, ohne dem Wissen der Autorin dieses Briefes. Der Fokus der Geschichte liegt nicht auf den Charakteren, sondern auf der Reise des Boten und wird mit ein paar kleinen Anekdoten aus dieser Reise beschrieben. Die einzelnen Stationen scheinen leider nicht wirklich etwas mit dem eigentlichen Kern der Geschichte zu tun zu haben. Pixie, die Botin der Liebe, reist von A nach B und muss dabei einiges Durchstehen, jedoch nichts, dass auch nur im Entferntesten das reflektiert, das die beiden Liebenden durchstehen müssen. Die Reise fehlt es leider an Bedeutung und der Erzählung dieser an Spannung, sodass sie am Ende etwas belanglos erscheint. Denn es ging doch eigentlich die ganze Zeit nur um die beiden Liebenden, oder?
Die Charaktere bleiben allesamt absolut blass. Wir sind der Meinung, dass der wichtigste Teil einer romantischen Geschichte die beiden Verliebten darstellen und vor allem warum sie so zueinander hingezogen sind. Herzschmerz entsteht beim Leser erst, wenn man versteht, warum die beiden so gut zueinander passen und es bedauert, dass sie es einfach nicht schaffen, endlich zusammen zu sein.
Hier liegt das größte Versäumnis dieser Geschichte. Unserer Meinung nach ist leider der Fokus falsch gewählt worden. Statt auf der Reise des Boten, sollte der Fokus auf den beiden Liebenden liegen, ihre Gefühle und Gedanken beleuchten und darlegen, was genau das Problem ist, warum sie nicht zueinander finden. Bei dieser Gelegenheit könnte man der Botin außerdem noch etwas mehr Charakter verleihen, indem sie zusammen mit den Liebenden wächst. Denn leider verändert sich in dieser Form, in der sich die Geschichte im Moment befindet, keiner der Charaktere wirklich. Würde man hier jedoch etwas nachbessern, könnten wir uns vorstellen, dass hier eine süße romantische Geschichte versteckt sein könnte.


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Re: Kurzgeschichten-Wettbewerb - BRIEFE

Beitrag von Akeem am 03.10.17 17:11

Abschiedsbrief:

Seine Hand zitterte leicht, als die Tür seines Zimmers hinter ihm zufiel. Mit einem lautlosen seufzen lehnte er sich einen Moment gegen diese und versuchte sich etwas zu beruhigen und schloss die Augen. Doch sofort erschienen die Gesichter seiner Mitschüler vor seinem inneren Auge. Erneut hört er ihre Stimme, ihre höhnischen Gesichter wenn sie ihn beleidigen und verspotten.
Das war schon immer so. Seit dem Kindergarten muss er die Hänseleien, Drangsalierungen und Beleidigungen Gleichaltriger ertragen. Nennenswerte Freunde hatte er nie. Hatte er eigentlich auch nie gewollt. Er war schon immer ein Einzelgänger gewesen. Glücklich damit für sich zu sein. Er war anders... interessierte sich nicht für die Dinge wie andere in seinem Alter und war allgemein oft still und in sich gekehrt. Und eigentlich wollte er nur in Ruhe gelassen werden. Leben und Leben lassen... Doch das funktionierte nicht. Immer wieder wurde er zur Zielscheibe der anderen.
Erschöpft und voller Zorn warf er sich auf sein Bett. Oft schon hatte er versucht sich zu wehren, doch war er nicht sonderlich stark und gegen eine Überzahl konnte er sowieso nichts ausrichten. Häufig genug hatte er sich gewisser Hilfsmittel bedient um sich dieses menschlichen Abschaums zu erwehren, welcher sich seine Klassenkameraden schimpfte. Letztendlich hatte es ihm jedes mal nur Ärger eingebracht. Das er von den Lehrern keine Hilfe erwarten konnte, dass hatte er schon lange gelernt. So etwas wie Gerechtigkeit schien es auf dieser Welt nicht zu geben... Lediglich seine Mutter tat alles um ihm zu helfen. Sie hatte schon immer zu ihm gestanden... Doch was nützte das letztendlich... Es änderte nichts... und jeden Tag schien es nur schlimmer zu werden...
Heute war es wieder besonders schlimm gewesen... An Tagen wie diesen begann er gar an sich selbst zu zweifeln... Was war das überhaupt noch für ein Leben? Mittlerweile hatte er regelrecht Angst davor in die Schule zu gehen... stellte sich des öfteren krank, einfach nur um der täglichen Drangsal aus dem Weg zu gehen...
Deshalb hegte er nur noch Hass und Verachtung gegenüber seinen Mitschülern... Untermenschen, wie er sie in Gedanken nur noch nannte. Nein für ihn waren das keine Menschen mehr. Das waren Monster, wilde Bestien... Schon unzählige male hatte er sich in Gedanken ausgemalt, wie es wohl wäre sich an seinen Peinigern zu rächen. Seine Fantasien waren dabei immer brutaler geworden... Er malte sich aus, wie es wohl wäre ihre armseligen Existenzen auszulöschen...
Ruckartig setzte er sich wieder auf und ließ seinen Blick durch das Zimmer wandern. Warum eigentlich nicht... Was hatte er schon zu verlieren...? Es gab keinen Grund warum seine Peiniger ihr Leben genießen sollten, während er litt...

Einige Stunden später saß er am Schreibtisch seines Zimmers. Draußen war es längst dunkel, nur die kleine Schreibtischlampe spendete ein wenig Licht. Der größte Teil seines Zimmers lag in dunkler Leere gehüllt...
Das Ziffernblatt seiner Armbanduhr zeigte drei Uhr. Lange hatte er wach gelegene und gegrübelt. Sollte er es wirklich tun? Letztlich hatte er einen Entschluss gefasst...
Vor sich ein leeres Blatt Papier, daneben lag die Pistole seines Vaters... Unschlüssig betrachtete er die Waffe. Noch zögerte er, doch dann griff er nach einem Stift und begann zu schreiben.
Das Schreiben hatte ihm schon immer geholfen seine Gedanken zu sortieren... Wie mechanisch malte er einige Buchstaben auf das Blatt, dann stockte er... Doch dann begannen die Worte nur so aus ihm herauszufließen. All seinen angestauten Hass, seine Wut und Frustration nahmen auf dem Blatt Gestalt an.
Sie sollten verstehen warum er dies tun musste. Es war seine Rache für all das erlittene Unrecht. Seine gerechte Rache! Und Unschuldige gab es nicht! Da war kein einziger der ihm geholfen hatte. Und alle jene, die stumm daneben gestanden und zu gesehen hatten, hatten sich ebenfalls schuldig gemacht. Und deshalb war es nicht falsch, wenn der eine oder andere von ihnen mit seinem Leben dafür sühnen musste. Vielleicht nahmen es sich die Überlebenden ja in Zukunft zu herzen. Gewannen vielleicht die Erkenntnis, dass sie durch das wegsehen womöglich ihr eigenes Leben gefährdeten.
Schließlich legte er den Stift beiseite. Schweigend saß er vor dem Blatt und starte die Waffe an. Nach einer schieren Ewigkeit stand er auf. Es wurde langsam hell. Zeit zur Schule zu gehen...
Rasch war die Waffe in seinem Ranzen verstaut. Den Abschiedsbrief ließ er auf dem Schreibtisch liegen und verließ sein Zimmer...


Jury meint:
Der titelgebende Abschiedsbrief eines jungen Schülers spielt in dieser Geschichte nur eine untergeordnete Rolle. Primär geht es in dieser Geschichte um die Rachegefühle des Jungens und die Planung seiner Tat, die er vermutlich in den folgenden Stunden nach dem Ende durchführen wird.
Viel mehr erfährt man über den Protagonisten leider nicht. Lediglich auf den Umstand, dass er gemobbt wurde, wird wiederholt hingewiesen. Dabei wird er selbst als Einzelgänger beschrieben, der sich nicht wirklich für Gleichaltrigen interessiert. Der Rest bleibt offen. Man erfährt weder sein Alter, noch seine Hobbies, noch irgendetwas anderes, das dem Leser den Charakter näherbringen und so Sympathie in ihm erwecken könnte. Selbst das angedeutete Verhältnis zu seiner Mutter, das seiner Tat und späterem Tod eine gewisse Tragik verleihen könnte, wird nicht näher beleuchtet, sodass der Protagonist im Endeffekt blass bleibt und nur durch seine Taten einen bleibenden Eindruck auf den Leser hinterlässt.
Auch zu den genauen Umständen seiner Mobbingsituation erfährt man kaum etwas. Es werden keine Gründe genannt, warum gerade er gemobbt wird oder irgendwelche konkreten Situationen aus seinem Leben beschrieben, die den Schmerz, den er vermutlich in diesen gespürt hat, näher zu bringen. Hier ist auf die klassische Erzählungsregel: Show don’t Tell! Hinzuweisen. Hätte man eine konkrete Situation beschrieben, hätte der Leser automatisch leichter Sympathie zu dem Protagonisten entwickeln können.
Nun ist alles jedoch so allgemein gehalten, dass die Beschreibungen der Übergriffe und die Konsequenzen (zum Beispiel, dass er krank spielt, um nicht zur Schule zu müssen) auch fast jedem anderen Mobbingopfer hätten passieren können. Diese Universalität war vielleicht die Intention, dann ist aber in Frage zu stellen, welche Lehren man gegen Ende der Geschichte daraus ziehen soll. Möchte man, dass sich jeder mit einem Amokläufer identifizieren kann? Uns fällt das in jedem Fall ziemlich schwer.
Wir sind uns nicht ganz sicher, was genau uns die Geschichte am Ende sagen möchte. Aufgrund der Gefühlskälte und der emotionalen Distanz zum Protagonisten, kann weder Sympathie entwickelt werden, noch wird ein detaillierter, tiefer Einblick in die Psyche eines Amokläufers gegeben. Allein als dramatische Geschichte fehlt es hier an Charakterisierungen, detaillierteren Beschreibungen der Welt und einem mitreißenden Spannungsbogen.
Es bleibt also nur eine fragwürdige Rachefantasie, bei der man keine Sympathie für Mobbingopfer kommuniziert und gleichzeitig auf unangenehme Weise den Amokläufer feiert. Kritisch wird sich nicht mit dem Thema auseinandergesetzt und neue Blickwinkel werden auch nicht geboten. Ist denn die Moral der Geschichte wirklich, dass auch alle, die nur dabeigestanden haben, den Tod genauso verdient haben, wie die Täter? Sind also alle Amokläufer wirklich im Recht? Diese Aussage halten wir für arg bedenklich und wollen wir in keinster Weise unterstützen.
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Re: Kurzgeschichten-Wettbewerb - BRIEFE

Beitrag von Akeem am 03.10.17 17:13

Bittersüße Botschaft:

Ein Keuchen unterdrückend versuchte ich die Kiste hochzuheben. Meine Arme brannten und meine Lungen zogen sich zusammen, bis auf einmal die Kiste leichter wurde. Überrascht sah ich in die braunen Augen meines Freundes.
"Wenn der Kram zu schwer ist, dann sag doch einfach etwas. Ich bin keine Deko", mahnte er mich sofort und gab mir eine leichte Kopfnuss. Gemeinsam hoben wir die Kiste wieder zurück und klopften den Staub von unserer Kleidung. Mein Blick fiel auf den restlichen Dachboden und ich fragte mich sofort weshalb ich meiner Mutter zugestimmt hatte aufzuräumen... Achja. Ich liebte sie eben. Synchron mit meinem Freund stieß ich ein Seufzen aus. Energisch stemmte er aber sogleich grinsend die Hände in die Hüften. "Also? Auf in den Kampf!" Ich bewunderte wie er voller Energie auf den nächsten Haufen steuerte und rieb mir den verschwitzten Nacken. Schon den ganzen Tag entrümpelten wir den Dachboden meiner Mutter, die sich die ganze Zeit in der Küche aufhielt und uns Kleinigkeiten kochte und Erfrischungen brachte.
"Jan? Elia? Ich weiß ihr zwei seid mit dem Dachboden beschäftigt... aber könnte mir bitte jemand in der Küche helfen?", drang die Stimme meiner Mutter herauf.
"Natürlich, ich komme schon!", rief Elia ihr zurück und sah wieder zu mir "du konntest dich das letzte Mal drücken, jetzt bin ich dran... Aber wenn was ist, ruf mich einfach." Er streckte grinsend den Daumen nach oben und kletterte von der kleinen Leiter. Der kleine Vollidiot schlug aber die Luke zu kräftig zu und der nächste Bücherstapel fiel um. Leise fluchend hockte ich mich zu den armen Dingern, prüfte ob Seiten eingeknickt waren oder es irgendwo Einrisse gab. Glücklicherweise nicht. Wäre einer dieser alten, dicken Wälzer beschädigt worden hätte ich Elia die Hölle heiß gemacht. Immerhin waren es Vaters alten Bücher. Meine Mutter und ich hatten uns nie von ihnen trennen können. Zu schön waren die bittersüßen Erinnerungen daran, wie er in ihnen geschmökert hatte.
Mit einem leichten Lächeln räumte ich die Bücher behutsam in eine Kiste und bemerkte, wie ein Zettel auf den Boden tänzelte. Etwas verwundert hob ich ihn auf und entfaltete ihn. Die Schrift meines Vaters zu sehen brachte mich zum schmunzeln. Es fiel mir schwer die Buchstaben zu entziffern. Noch nie hatte ich sein schreckliches Gekritzel lesen können. Doch kaum konnte ich die ersten beide Worte erkennen zog sich mein Herz schmerzhaft zusammen und schickte ein Stechen in meine Augen. Der Brief war an mich adressiert.  

Lieber Jan,
jetzt, wo ich diesen Brief schreibe, schläfst du in deinem Zimmer. Du hattest heute deinen ersten Schultag.

So alt war der Brief? Beinahe siebzehn Jahre? Wobei... aus der Sicht meines Vaters betrachtet war es zwei Jahre vor seinem Tod... Ich brauchte einen tiefen Atemzug und ließ mich auf die Holzplanken des Dachbodens sinken.

Es fühlt sich so an als wäre es gestern gewesen, als ich deinen zerbrechlichen kleinen Körper das erste Mal in den Händen gehalten habe. Als ich deine Hand halten musste, bevor du über eine Türschwelle gestiegen bist. Als du mir stolz gezeigt hast, wie du deine ersten Buchstaben gezeichnet hast. Jetzt gehst du zur Schule und ehe ich mich versehe wirst du vierzehn sein. Du wirst deinen Abschluss machen. Vielleicht wirst du studieren? Momentan ist es dein Traum Vorleser zu werden.

"Ja. Weil du mir immer Geschichten vorgelesen hast. Ich wollte immer so sein wie du", lachte ich leise und dachte an all die Stunden, die ich auf seinem Schoß gesessen hatte und an seinen Lippen gehangen hatte, als er mir zauberhafte Geschichten erzählte. Wie ich unbedingt so lesen können wollte wie er, andere mit meiner Stimme fesseln 

Du wirst Beziehungen haben. Die ein oder andere mag zu Bruch gehen. Aber irgendwann wirst du heiraten. Du wirst eine herzliche Ehefrau haben, mit der du selbst eine Familie gründen wirst. Das mag zwar in ferner Zukunft sein, aber die Zeit vergeht so schnell. 
Jan. Ich schätze jeden Moment, den ich mit dir verbringe. Du bist mein kleiner Schatz. Ich liebe dich über alles. Ich kann nicht in die Zukunft sehen und wissen, wie du dich entwickeln wirst. Aber ich weiß, dass du deine liebenswerte und hilfsbereite Art nicht verlieren wirst. Und auf diesem Weg werde ich dich jeden Tag begleiten.

Ich legte den Brief kurz zur Seite. Die verschwommene Sicht hinderte mich am Lesen. Und ich brauchte einfach einen kurzen Moment. Es war in meinen Augen ironisch, wie mein Vater doch recht behielt. Er begleitete mich täglich. Auch wenn es nicht so war, wie er es gedacht hatte.

Bitte frage mich nicht nach dem Sinn dieses Briefes. Ich weiß es nicht. In mir kommen so viele Gefühle hoch, dass ich diesen Moment festhalten möchte. Ich bin so unendlich stolz auf dich. Ich liebe dich. Es tut mir weh zu wissen, dass jeder Schritt den du machst ein weiterer Schritt von mir weg ist. Ich fürchte, dass du auf einmal erwachsen wirst, wenn ich kurz nicht hinsehe. 
Ich weiß-

Schnell zog ich die Brille von meiner Nase und schluchzte leise in ein Taschentuch. Die Verfärbungen des Papiers und die verlaufene Tinte stammte nicht von mir. Ich stellte mir bildlich vor, wie mein Vater diesen Brief schrieb. Und ihm Tränen über die Wangen rollten. Nein. Ich konnte es mir nicht einmal vorstellen. Mein Vater war immer fröhlich und gut gelaunt gewesen. Ich hatte ihn nie traurig oder deprimiert gesehen...

Ich weiß, dass es für dich keinen Sinn macht. Ich werde diesen Brief irgendwo vergraben. Vielleicht hole ich ihn zu deinem achtzehnten Geburtstag. Oder zu deiner Hochzeit. Ich würde mich damit selbst zum Affen machen. Aber wenn ich vor Scham sterbe, nehm ich dich wenigstens mit!
Bleib so wie du bist. Ich bin sehr stolz auf dich.
Ich liebe dich.


~~~

"Alles okay?", fragte der Blondschopf zum gefühlt tausendsten Mal voller Sorge.
Ich musterte ihn kurz von der Seite und seufzte: "Ja, es geht mir gut. Keine Panik." Der Größere nickte nur und glaubte mir offensichtlich kein Wort.
Ich blieb vor den Steintreppen stehen und sah auf den Blumenstrauß in meinen Händen. Tief atmete ich ein und erklomm die alten, unebenen Stufen, gefolgt von Elia. Vor uns erstreckte sich der Friedhof, den ich so gut kannte. Wie gewohnt zählte ich die Schritte zum Grab meines Vaters. Ich sah auf den grauen Stein, in dem ein Kreuz gemeißelt war. In dem Herz neben der Schrift waren ein paar kleine Worte eingraviert. 'Furchtlos', 'Kämpfer',  'Unser Held' und noch ein paar mehr, doch ich kannte sie bereits. Wieder und wieder hatte ich sie gelesen, doch heute wollte ich ihm ein paar Worte da lassen. 
Vor dem Grab standen drei Grabkerzen. Bestimmt waren sie von seinen Kollegen oder ein paar Bekannten, die sein Grab ab und zu mal besuchten. Ich legte den Blumenstrauß zu den roten Behältern und strich mit meinen Fingern kurz über die gelben Blüten des Goldlacks. Etwas zögernd zog ich einen Briefumschlag aus meiner Jackentasche und schob ihn vorsichtig zwischen die Blumen. Mit meiner Hand strich ich noch einmal lächelnd über den Grabstein, ehe ich mich wieder aufrichtete, mich streckte und mich schließlich zu Elia wandte. Er hatte die ganze Zeit schweigend hinter mir gestanden.
"Komm, lass uns gehen. Ich finde nach so einem langen Tag klingt eine Pizza unglaublich verlockend, oder?", richtete ich an ihn. Besorgt schob der Blonde die Brauen etwas zusammen, entspannte sich aber langsam und schenkte mir ebenfalls ein leichtes Lächeln.
"Pizza klingt gut. Ich kenne einen tollen Laden ein paar Straßen weiter", schlug er vor. Er sah noch einmal zum Grab und senkte den Kopf, nur um dann in die Richtung zu gehen aus der wir gekommen waren. Ich folgte ihm, stoppte aber noch einmal kurz zum Grab meines Vaters zurück, bis ich wieder gerade aus blickte und endgültig den Friedhof verließ.

Lieber Papa,

ich habe heute deinen Brief gelesen. Auch ich finde, dass die Zeit schnell vorüber zieht. Ich erinnere mich gut an dich, dein Lachen und deine Wärme. 

Meinen Traum zu studieren habe ich zur Seite geschoben. Ich arbeite. Es ist kein heldenhafter Beruf wie Feuerwehrmann. Es ist kein gut bezahlter Beruf wie Banker. Aber ich bin glücklich.
Noch dieses Jahr werde ich heiraten. Zu Beginn wusste ich nicht, ob du uns deinen Segen geben würdest... Es hat etwas gedauert, bis mir klar geworden ist, dass du mich mit jedem Faser unterstützen würdest. 
 Es ist doch alles anders gelaufen als du gedacht hast. Mein Beruf, meine Beziehung und meine Familie sind anders als du es dir ausgemalt hast. Trotzdem spüre ich, dass du stolz auf mich wärst.
Okay, das wird jetzt sehr peinlich. Ich hoffe, dass niemand diesen Brief finden wird.
Ich liebe dich auch, Papa. Danke für alles.

Jury meint:
Hier geht es um einen jungen Mann, der auf dem Dachboden einen siebzehn Jahre alten Brief seines Vaters findet und in einem emotionalen Moment daraufhin seinem verstorbenen Vater antwortet.
Vorweg möchten wir sich die interessante Erzählweise loben. Es wird nahtlos zwischen erster Person und Brief-Form gesprungen. Dies webt sich flüssig ins Gesamtbild der Geschichte, wirkt nicht aufgesetzt und absolut schlüssig. Auch die Formulierungen sind hübsch gewählt und der Humor, der hin und wieder durchblitzt, gefiel uns wirklich sehr gut. Ohne zu verraten, wer der Autor dieser Geschichte ist, möchten wir Allgemein einmal loben, wie sehr sich der Autor in den letzten Geschichten verbessert hat. Sowohl Storytelling, als auch Formulierungen und Dialoge befinden sich nun deutlich über dem Level vergangener Werke.
Wenn wir nun auf reine Story-Ebene gehen, haben wir es mit einem kleinen Ausschnitt aus dem Leben eines jungen Mannes zu tun, dessen Bedeutung ohne weiteren Kontext jedoch nicht ganz klar wird. Die Aussage der Geschichte will uns nicht ganz klarwerden. Ein junger Mann findet einen Brief seines verstorbenen Vaters, der ihm aber nur die Gefühle zu bestätigten scheint, die er sowieso schon hatte. Sein Vater war ein guter Mann, das verleiht der Situation zwar eine gewisse Tragik, jedoch keine wirkliche Dramatik oder Spannung. Man erfährt durch den Vater nur etwas durch seinen Brief, den er an seinen Sohn schreibt, allerdings nie wirklich, wie sein Sohn ihn gesehen hat. Potential für Dramatik wäre sicher da gewesen, besonders mit der Beziehung des Sohnes, die offenbar nicht so ist, wie der Vater sich das vorgestellt hätte. Allerdings wird dieses Potential nicht genutzt.
Die Frage am Ende bleibt also, was die Geschichte genau aussagen möchte und welches Gefühl sie genau vermitteln möchte. Wir sind uns da nicht ganz klar. Eine Ausbesserung in eine mehr dramatische oder eine noch emotionalere Seite (Auch hier wieder das gute „Show don’t Tell“. Sag uns nicht, wie gut der Vater war, zeig es uns.), hätte der Geschichte sicher gutgetan, um die sehr interessanten Ansätze in eine runde Fassung zu bringen.
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Re: Kurzgeschichten-Wettbewerb - BRIEFE

Beitrag von Akeem am 10.10.17 18:13

Vielen Dank an die Autoren und die Leser für eure Stimmen! Das Ergebnis steht nun fest und wird hiermit feierlich verkündet:


  1. Bittersüße Botschaft von @Kyouya mit 9 Stimmen
  2. Love Letter von @Saddy-Chin mit 3 Stimmen
  3. Abschiedsbrief von @Todd mit 2 Stimmen



Herzlichen Glückwunsch an alle Gewinner!
Diesen Monat (Oktober 2017) läuft ein Mal-Wettbewerb zum Thema HALLOWEEN statt Kurzgeschichten-Wettbewerb. Alle Infos dazu findet ihr hier: http://anime.forumsrpg.com/t5654-zeichenwettbewerb-halloween
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Re: Kurzgeschichten-Wettbewerb - BRIEFE

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